Geld für Konfirmation bei Hartz IV angerechnet

Unter dieser Überschrift druckte das Mindener Tageblatt in der Ausgabe vom Samstag, 10. März, auf der ersten Seite die folgende dpa-Meldung ab.

Geschenk an Kinder wird Eltern abgezogen / Käßmann: Jugendliche werden zusätzlich gedemütigt

Hannover (dpa). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat die Anrechnung von Geldgeschenken zur Konfirmation auf den Hartz-IV-Satz der Eltern scharf kritisiert.

„Da werden Jugendliche aus schwieriger sozialer Lage zusätzlich gedemütigt“, sagte Käßmann in verschiedenen Interviews. „Die Reichen dürfen ihre Geschenke behalten, die Armen müssen sie abgeben – das kann der Gesetzgeber nicht gemeint haben“, erklärte die Bischöfin. Mit einer neuen Initiative der Kirche will Käßmann diese Regelung verändern.

Käßmann berichtete von einem konkreten Fall aus Niedersachsen: 800 Euro, die Zwillingsschwestem in Rotenburg/ Wümme zur Konfirmation geschenkt bekommen hatten, seien auf den Hartz-IV-Betrag ihrer Eltern angerechnet worden. Es sei bedrückend, wie die Gesetzgebung ein fröhliches Pest des „Ja zum Glauben und zu unserer Kirche“ überschattet habe, sagte die Bischöfin. In der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers werde derzeit überlegt, was Kindern geschenkt werden könne, ohne dass es mit dem Hartz IV der Eltern verrechnet werde.

Die für den Fall in Rotenburg/ Wümme zuständige Kreisverwaltung erklärte, sie suche gemeinsam mit dem Land Niedersachsen nach einer verträglichen Lösung. Die betroffene Familie habe die Geldgeschenke im vergangenen Jahr – wie es die Vorschrift vorsieht – der Behörde gemeldet. Gegen die Anrechnung auf ihren Hartz-IV-Bezug habe sie dann Widerspruch eingelegt, über den noch nicht entschieden sei.

Ein Sprecher des niedersächsischen Sozialministeriums kritisierte eine zu restriktive Haltung des Bundesarbeitsministeriums. Bei Gesprächen mit den örtlichen Behörden wolle man sich um flexiblere Lösungen bemühen.

Wie ein Sprecher der Agentur für Arbeit in Hannover erklärte, müssen Hartz-IV-Empfänger Geldgeschenke von mehr als 50 Euro jährlich pro Person angeben. „Das durchzusetzen wird in der Praxis schwierig sein“, räumte er ein. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass zu Konfirmationszeiten spezielle Kontrollteams losgeschickt werden, um Glück- wunschkarten durchzustöbern.“

Mir erscheint dieser Bericht sehr ausgewogen zu sein.

Ich weiß, dass die Geschenke – gerade auch das Geld – für viele Konfirmandinnen und Konfirmanden eine große Motivationshilfe sind, den Konfirmandenuntericht zu besuchen. Dass sie es nur deshalb tun würden, ist allerdings eine böswillige Unterstellung. Für viele junge Menschen ist der Glaube wichtig, auch wenn sie sich noch nicht so sehr trauen, das auch öffentlich deutlich zu machen. Viele finden durch die Zeit beim "Packer" einen eigenen Zugang zum Glauben. Diesen eigenen Zugang gegenüber den Mitschülern oder gegenüber den Erwachsenen auch zu behaupten, ist dann allerdings oft schwer; und für Kinder aus den sozial schwachen Familien mit Hartz-IV ist es erst recht schwer.

Im Interesse der Konfirmandinnen und Konfirmanden, die sich zwar auch über das Geld freuen, die aber in erster Linie ihren Glauben und die Bestätigung ihrer Taufe mit der Konfirmation verbinden, kann ich Frau Bischöfin Käßmann nur zustimmen.

Autor: PaToWi

Ich darf mein Leben frei gestalten unter dem liebenden Blick Gottes. Ist das nicht Grund genug auf IHN zu hören und mir von IHM den Weg weisen zu lassen?

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