Video-Gottesdienst am 2. Sonntag nach Epiphanias 2021 (17. Januar)

Der Video-Gottesdienst morgen kommt aus der Veltheimer Kirche und diesmal war ich dran. Bin gespannt wie es geworden ist.

Mit dabei waren als Sprecherin Marianne Kollmeier für die Musik Christine Backer und Gabriel Backer und für Video und Schnitt Lucas Schierbaum.

Zu finden ist der Gottesdienst ab morgen (17. Januar) um 10.00 Uhr hier: https://youtu.be/f2oPUu9K-IQ

Der Gottesdienst aus Lohfeld vom 1. Sonntag nach Epiphanias ist hier zu finden: https://youtu.be/PtqT0xhH5TQ

Gedanken zu Epiphanias

Original-Bild von Angeles Balaguer auf Pixabay
  • Tagesspruch: Die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint jetzt. (1. Johannes 2,8b)
  • Lieder des Tages:
    Der du die Zeit in Händen hast (EG 64)
    Du bist der Weg (EG.E 23)
  • Psalm des Tages: Psalm 72,1-3.10-12.17b-19 (siehe EG.E 68)
  • Predigttext Reihe 3: Jesaja 60,1-6 „Zions künftige Herrlichkeit“
  • Evangelium: Matthäus 2,1-12 „Die Weisen aus dem Morgenland“

Impuls zu Jesaja 60,1-6

Es waren königlichen Geschenke, mit denen die weitgereisten Gäste aus dem Osten in dem ärmlichen Stall in Bethlehem ankamen: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Es macht einen tiefen Eindruck, wenn nicht nur irgendwer – wie die Hirten – kommt, um das Kind anzubeten, sondern eben auch die Reichen der Welt. Aber die Geschenke alleine machen aus den Gabenbringern keine Könige. In der Tradition und im landläufigen Namen des Festes „Heilige Drei Könige“ haben sie sich aber unauslöschlich als Könige in das Gedächtnis der Menschen eingebrannt.

Der kurze Abschnitt aus dem Propheten Jesaja ist der Schlüssel dafür, dass diese Tradition entstanden ist: Könige werden zum Glanz ziehen, der über Israel aufgeht! So verheißt Gott durch Jesaja.

Damit wird der weite Horizont sichtbar, den die Geburt im Stall von Bethlehem bedeutet: So wichtig die lukanische Weihnachtsgeschichte ist, die die Hirten als erste Besucher und Zeugen in den Mittelpunkt des Geschehens stellt – so regional wäre dieses Ereignis geblieben. Mit den Weisen, die von Matthäus als Magier bezeichnet und in der Volksfrömmigkeit zu den Königen werden, kommt die große weite Welt an.

Und mit Epiphanias, dem Fest von der Erscheinung des Herrn, und den folgenden Sonntagen gibt das Kirchenjahr die Antwort auf die Frage, wer Jesus von Nazareth ist – außer einem Kind, das im Stall geboren wird:

  • Jesus Christus ist der Sohn Gottes, zu dem sich Gott selbst bei der Taufe Jesu im Jordan bekennt: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe!“ (Matthäus 3; 1. Sonntag nach Epiphanias)
  • Jesus Christus ist der Freudenmeister, der das Fest des Lebens möglich macht – erzählt anhand der „Hochzeit zu Kana“ (Johannes 2; 2. Sonntag nach Epiphanias).
  • Jesus Christus hat Gewalt über Krankheit und Tod, wie es wiederum Matthäus mit der Geschichte vom „Hauptmann von Kapernaum“ erzählt (Matthäus 8; 3. Sonntag nach Epiphanias).
  • Durch Jesus Christus scheint Gottes Licht hindurch, wie es bei der Geschichte von der Verklärung Jesu auf dem hohen Berg sichtbar wird, und wo Gott sein Bekenntnis zu Jesus als seinem Sohn wiederholt (Matthäus 17,1-9; Letzter Sonntag nach Epiphanias).
  • In Jesus Christus wird aus christlicher Sicht das Licht Gottes sichtbar, das schon der Prophet Jesaja verheißen hat: im Stern von Bethlehem, dem die Weisen folgen (Jesaja 60 und Matthäus 2; Epiphanias).

Was ist das aber für ein Licht, das aufscheint? Wie ein kleines Streichholz in einem dunklen Zimmer oder wie ein Sonnenstrahl, der eine Bergkuppe überstrahl und das Tal in ein besonderes Licht taucht? Wie die Sonne am Mittag oder wie ein Spot-Scheinwerfer, der nur einen ganz bestimmten Fleck beleuchtet?

Jesaja denkt an so etwas wie den Sonnenaufgang: „Über dir geht auf …“ Und das Licht ist nicht einfach nur die Sonne – es ist Gott selbst, der als Licht sichtbar wird und einen Teil der noch dunklen Welt in Helligkeit taucht: Gottes Volk Israel wird von diesem besonderen Licht beschienen. Für uns als Christen ist es wichtig, sich daran immer wieder zu erinnern: Die kommende Heilszeit für das Gottesvolk Israel ist die Grundlage für die Heilszeit der übrigen Völker.

Die segnende Aufforderung, die sich mit der Verheißung des aufscheinenden Gottes verbindet, heißt: „Werde licht!“ Licht werden – das heißt zunächst hell werden, durchscheinend werden für das Licht Gottes und so das eigene Umfeld erhellen. Das Wort „licht“ meint aber auch so etwas wie „hoch“ und „frei“, wenn es zum Beispiel im Satz „Der Raum hat eine lichte Höhe“ gebraucht wird. Ein solcher lichter Raum atmet eine große Leichtigkeit. Und so bewirkt das Licht Gottes eine große Befreiung, die alles Schwere und Bedrückende wegnimmt.

„Werde licht!“ Neben die Aufforderung, das zu werden, was Gott uns schenkt, tritt ein weiterer Impuls: „Mache dich auf!“ – Bleib also nicht stehen; bleib nicht sitzen in deinem Sessel oder liegen auf deinem Sofa bei Chips und Cola oder Tee und Weihnachtsgebäck! Tue etwas, das Licht ins Dunkel der Welt bringt!

Einer, der so etwas mit großer und andauernder Wirkung getan hat, war Louis Braille, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts lebte. Er, der selber im Alter von 3 Jahren durch einen Unfall erblindete, hat die fühlbare Schrift aus sechs Punkten erfunden, die es möglich macht, alles aufschreiben und lesen zu können. So hat er Licht in die Dunkelheit von blinden Menschen gebracht und ihnen eine ganz neue Teilhabe am Leben ermöglicht. Aus der Dunkelheit der Bildungsferne ins Licht von Erkenntnis und Teilhabe. Sein Todestag am 6. Januar 1852 ist Grund genug, heute an ihn zu erinnern.

Louis Braille steht mit seiner Erfindung dafür, wie der helle Schein des Sterns von Bethlehem auch bei den Menschen zuhause scheinen kann – ganz gleich, wie klein oder groß das ist, wozu sich Menschen auch heute aufmachen:

Stern über Bethlehem, kehrn wir zurück,
steht noch dein heller Schein in unserm Blick,
und was uns froh gemacht, teilen wir aus,
Stern über Bethlehem, schein auch zu Haus!
(aus dem 2. Tageslied zu Epiphanias: EG 546)

Und so lasst auch uns aufstehen und lasst an uns etwas sichtbar werden von dem Licht, das uns mit der Geburt Jesu Christi aufgeschienen ist und durch uns sichtbar werden will!

Prosit Neujahr!

Euch allen ein gutes neues Jahr 2021 unter dem Segen unseres barmherzigen Gottes!

  • Tagesspruch: Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. (Hebräer 13,8)
  • Lieder des Tages: Der du die Zeit in Händen hast (EG 64) – Du bist der Weg (EG.E 23)
  • Psalm des Tages: Psalm 8 (siehe EG 705)
  • Predigttext Reihe 3: Philipper 4,10-13 „Dank für die Gabe der Gemeinde“
  • Evangelium: Lukas 4,16-21 „Jesu Predigt in Nazareth“
  • Jahreslosung: Lukas 6,36 „Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“
  • Liturgie: Auf der Seite des „Michaeliskloster – Evangelisches Zentrum für Gottesdienst und Kirchenmusik Hildesheim“ ist auch für den Neujahrstag eine vollständige Liturgie mit Liedern, Gebeten und einem kurzen Impuls zum Predigttext aus der Reihe 3 zu finden: https://www.michaeliskloster.de/in-zeiten-von-corona/gottesdienst-zeitgleich/vorlage-gottesdienst-zeitgleich1

Impuls

Ein neues Jahr – ganz unberührt liegt es noch vor uns. Denn die paar Stunden, die seit dem Jahreswechsel vergangen sind, fallen im Lauf eines Jahres mit 365 Tagen (= 8760 Stunden) eher nicht ins Gewicht.

Aber nach einem Silvesterabend, wie wir ihn so wahrscheinlich noch nie erlebt haben, werden wir feststellen: Ganz vieles von dem, was uns schon im alten bewegt hat, ist mit in das neue Jahr geschwappt.

Manches davon freut uns sicherlich: Da ist das neu geborene Kind oder Enkelkind (vielleicht ja sogar das Urenkelkind), das wir willkommen heißen durften. Da haben wir einen großen Schritt in unserer Lebensplanung getan, indem wir zum Beispiel eine wichtige Prüfung bestanden haben, die uns im neuen Jahr die Türen der Welt auftut.

Manches von dem alten Jahr hätten wir als Altlast aber auch liebend gerne im alten Jahr zurückgelassen, weil wir gut und gerne darauf verzichten können. Trotzdem wird es uns begleiten: allem anderen voran die Corona-Pandemie mit ihren Einschränkungen; aber auch die Sorge um die berufliche Zukunft, weil der Arbeitsplatz gefährdet oder verloren ist; vielleicht auch die Sorge um die Gesundheit bei uns selbst oder bei anderen Menschen, die uns nahe stehen.

Mich hat im vergangenen Jahr (und schon in den Jahren vorher) ganz besonders beschäftigt, wie wir Menschen miteinander umgehen. Ich meine damit die Art und Weise, wie über andere gesprochen wird, wenn diese nicht dabei sind; ich meine damit, wie Menschen mit der Wahrheit und der Realität umgehen, wenn sie ihnen nicht passt. Die Achtung vor dem Andersdenkenden scheint oft genug verloren gegangen zu sein, die Würde des Gegenübers wird oft genug mit Füßen getreten.

In diese Situation hinein spricht uns Jesus mit der neuen Jahreslosung an:

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.

Ich sehe es als ein besonderes Zeichen für dieses Jahr, dass es als Jahreslosung mit der Zusage und dem Aufruf der Barmherzigkeit überschrieben ist. Ja, die Zusage der Barmherzigkeit geht dem Aufruf voraus, obwohl sie erst im zweiten Teil des Satzes steht: Jesus fordert seine Zuhörer auf, barmherzig zu sein, eben weil sie diese Barmherzigkeit von ihrem himmlischen Vater schon erfahren haben.

Bei allem, was in unserem eigenen Leben krumm und schief ist, hat Gott für uns sein Herz aufgetan und sich unser angenommen. Aus diesem Wissen heraus ruft uns Jesus dazu auf, unseren Mitmenschen unser Herz zu öffnen – bei aller Verschiedenheit, die es in den Meinungen zu diesem oder jenem geben mag.

Es geht für Jesus und auch für uns nicht darum, alles schön zu reden, was anders sagen oder tun. In der Diskussion sollen und müssen alle ihre jeweilige Meinung vertreten können. Es geht darum, mit welchen Augen wir die jeweils anderen sehen: Mit den Augen der Verachtung oder mit den Augen der Barmherzigkeit, die dem Gegenüber immer seine Würde als Mensch lässt.

Das ist bestimmt nicht immer einfach. Mit dem Zielsatz des Predigttextes für den Neujahrstag in diesem Jahr gibt uns der Apostel Paulus einen wichtigen Hinweis. Im Brief an die Gemeinde in Philippi schreibt er: „Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht.“ (Phil 4,13)

Wie Jesus geht Paulus davon aus, dass alles, was uns gelingt, in der Kraft begründet liegt, die Gott uns schenkt. Und ich hoffe für dieses neue Jahr, dass wir immer wieder die Kraft haben, aus der uns geschenkten Barmherzigkeit heraus auch anderen mit Barmherzigkeit zu begegnen. Besonders denen, mit denen wir nicht gut können. Gerade da erweist sich die Notwendigkeit von Barmherzigkeit.

Dazu gehört auch, dass ich immer wieder mit mir selber barmherzig umgehe, wenn ich mit mir selber nicht klar komme (womit aber keine Entschuldigung meiner Nachlässigkeiten gemeint ist). Mit mir selber barmherzig sein können, ist oft genug der Schlüssel für mein Verhältnis zu anderen: Sobald ich mit mir selbst im Reinen bin, kann ich auf andere zugehen.

Das wünsche ich Ihnen und Euch allen für ein gutes und vor allem ein gesegnetes neues Jahr unter der Barmherzigkeit Gottes!

Impuls für den 1. Sonntag nach Weihnachten – 27. Dezember 2020

  • Tagesspruch: „Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ (Johannes 1,14b)
  • Wochenlieder:
    Fröhlich soll mein Herze springen (EG 36)
    Freuet euch, ihr Christen alle (EG 34)
  • Wochenpsalm: Psalm 71,1-3.12.14-18
  • Evangelium (= Predigttext): Lukas 2,(22-24)25-38(39-40): „Jesu Darstellung im Tempel“

Impuls: „In einem Kind die Zukunft sehen“

Mit dem Evangelium des ersten Sonntags nach Weihnachten geht es einen großen zeitlichen Schritt weiter: Die Zeit der Reinigung für die Mutter des neu geborenen Kindes betrug 33 Tage. Danach war für die Mutter die Auszeit zu Ende; ihre Pflichten und das allgemeine gesellschaftliche und religiöse Leben hatte sie wieder.

Im Mittelpunkt des Schluss-Abschnitts aus dem 2. Kapitel des Lukasevangeliums stehen aber nicht Maria und Josef mit dem Kind, sondern zwei andere Menschen treten in Beziehung zu diesem Kind, das in der Christnacht geboren wurde. Beide haben eine besondere Nähe und Beziehung zu Gott, denn sie leben in Jerusalem, sind oft im Tempel und erfahren den Geist Gottes.

Da ist Simeon, den wir gerne als Greis sehen, weil die Verheißung, die er bekommen hat, seinen nahen Tod vermuten lässt. Und da ist Hanna, die uralte Prophetin, die täglich im Tempel ist. Beiden gemeinsam ist die erwartungsvolle Lebenseinstellung: Sie rechnen fest damit, dass Gott in ihr Leben tritt, dass Gottes Heiland von ihnen erkannt werden würde, wenn er denn endlich da ist.

Für viele Menschen ist die Szene von Simeon mit dem Jesuskind von dem niederländischen Maler Rembrandt kongenial in ein Bild gefasst worden: Was dieser Moment für Simeon und Hanna bedeutet hat, können wir heute wohl kaum nachvollziehen, weil wir diese radikale Erwartungshaltung kaum noch kennen. Wir rechnen nicht mehr damit, dass sich das Ziel unseres Lebens erfüllt, weil wir den Heiland und Retter der Welt in unseren Händen halten. Wir rechnen nicht mehr damit, dass nach einem solchen Moment nichts Bedeutendes mehr in unserem Leben passieren könnte.

Und trotzdem weiß ich von vielen Besuchen, dass wir bis heute ganz oft etwas ganz ähnliches erleben, was uns hilft, das zu verstehen, was Simeon widerfährt: Wie oft erzählen mir Menschen voller Freude von ihren Kindern und von ihren Enkelkindern. Und was für ein besonderes Erlebnis ist es für die Menschen, wenn sie dann ihr Urenkelkind in den Armen halten. Sie sehen in dem kleinen Menschlein etwas sehr zartes und liebenswertes; sie sehen in diesem Menschenkind aber auch etwas von der Zukunft, die in diesem Leben eingeschlossen ist. Und weil es ihr Enkel- oder Urenkelkind ist, trägt es auch etwas von der Zukunft der (Ur-)Großeltern in sich.

In Enkel- und Urenkelkindern kommen meine Hoffnung und meine Erwartungen an ihr Ziel: „Mein eigenes Leben war nicht vergebens; meine Mühe und Arbeit mit meinen Kindern, meine Ängste um sie haben Früchte getragen. Und ich lebe in diesen Kindern in einer besonderen Weise weiter. Meine Zukunft ist gerettet – auch wenn mein eigenes Leben (demnächst) irgendwann zu Ende geht.“

Auch Simeon und Hanna sind an das Ziel ihrer Hoffnungen und Erwartungen gekommen. Für sie ist es nicht aber nur die eigene Zukunft, die sie in diesem Kind gesichert sehen, sondern die Zukunft der ganzen Welt!

Der Lobgesang, den Simeon dann anstimmt (lateinisch: Nunc dimittis), begleitet Menschen
seit vielen hundert Jahren als gesungenes Nachtgebet in der evangelischen und katholischen Kirche. Zum Abschluss des Tages erinnert es symbolisch an das irdische Lebensende. Die folgende Nacht hat aber nicht das letzte Wort – auch nicht die Nacht des Todes: Die Zukunft des Lebens bei Gott ist gesichert.

Ich wünsche uns allen diese Erwartungshaltung, wie sie Hanna und Simeon zu eigen ist. Und mögen wir alle aus diesem Weihnachtsfest die Erfahrung mitnehmen, dass auch unsere Zukunft in diesem Kind Jesus gesichert ist!