Predigt am 3. Advent 2019 über Lukas 3,1-20

Vorbemerkung: Der Predigttext Lukas 3,1-20 ist in den Erzählfaden der Predigt eingewoben. Wo der Bibeltext (fast) wörtlich erscheint, ist er kursiv beziehungsweise in Großbuchstaben gesetzt. Die beiden Abschnitte in Großbuchstaben wurden von einer anderen Stimme gelesen. Der Bibeltext folgt der 2017er Revision der Lutherbibel (© 2016 Deutsche Bibelanstalt).

(Ort: Vor dem Altar)
Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen.
Der heutige Predigttext steht im Evangelium nach Lukas, im 3. Kapitel. Ich werde den Text jedoch nicht als ganzen vorlesen und dann auslegen, sondern in erzählender Form kommentieren. Stellen Sie sich einfach vor, dass es wie beim Heute-Journal oder bei den Tagesthemen eine Live-Schaltung an den Ort des Geschehens gibt; die Schaltung heute überwindet aber nicht nur die Entfernung, sondern auch die Zeit. Der Korrespondent spricht von damals in unsere Zeit heute im 21. Jahrhundert hinein.
Die Regie blendet jetzt also von dem Moderator zu dem Korrespondenten über:
(Ortswechsel: auf der Kanzel)

Ich melde mich aus Palästina. Wir befinden uns [1] im fünfzehnten Jahr der Herrschaft des Kaisers Tiberius, als Pontius Pilatus Statthalter in Judäa war und Herodes Landesfürst von Galiläa und sein Bruder Philippus Landesfürst von Ituräa und der Landschaft Trachonitis und Lysanias Landesfürst von Abilene, [2] als Hannas und Kaiphas Hohepriester waren. In dieser Zeit gibt es noch keine weltumfassenden und allgemeingültigen Jahreszahlen. Um ein Geschehen in seinen geschichtlichen Zusammenhang einordnen zu können, werden die Regierungsdaten bekannter Herrscher mit Ereignissen und Daten aus der näheren Umgebung verbunden, die allen bekannt sind. So könnte bei Ihnen das Jahr 2019 als „im 15. Jahr der Regierung von Angela Merkel, als Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika und Berndt Hedtmann Bürgermeister von Porta Westfalica war“ beschrieben werden. So wissen alle: Das Geschehen ist wirklich passiert.

Im Mittelpunkt meines Berichtes steht ein gewisser Johannes, der in der letzten Zeit hier in Palästina viel Aufsehen erregt hat. Schon die Umstände seiner Geburt waren sehr besonders, weil die Eltern für Kinder eigentlich schon zu alt waren und die Namensgebung allen Gepflogenheiten widersprach. Schon damals – so wurde mir erzählt – fragten sich die Leute, was wohl aus diesem Kind werden würde. Auch sein Vater Zacharias, ein Priester, muss so eine Ahnung von der Zukunft seines Sohnes gehabt haben, denn er hat seine Sicht auf die Situation und das Kind in einem besonderen Lied festgehalten, das im Bericht eben zu hören war.

Vor einiger Zeit nun hat dieser Johannes wohl von seinem Gott einen Auftrag bekommen, als er sich in der Wüste befand. [3] Und er kam wenig später in die Gegend am Jordan und predigte.

Als er auf sein Selbstverständnis hin angesprochen wurde, hat dieser Johannes keine lange Rede gehalten, sondern nur auf eine Stelle in den alten Schriften seiner Religion verwiesen, die er sich zu eigen gemacht hat. [4] Da heißt es im Buch eines gewissen Propheten Jesaja: »Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht seine Steige eben! [5] Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden; und was krumm ist, soll gerade werden, und was uneben ist, soll ebener Weg werden, [6] und alles Fleisch wird das Heil Gottes sehen.« Mehr bräuchte man über seinen Auftrag nicht zu wissen. Nach allem, was man zu dieser Schriftstelle finden kann, geht es um eine sehr intensive und hoffnungsvolle Erwartungshaltung: Denn mit seiner Ankunft soll das universale Heil dieses Gottes verwirklicht werden. Die Jahrhunderte alte Sehnsucht der Menschen nach Frieden und Gerechtigkeit soll erfüllt werden, weil die Ankunft Gottes ganz nahe bevorstehe.

Nötig für dieses universale Heil ist für Johannes, dass sich die Menschen von ihrem bisherigen Lebensstil abwenden. Dieser bisherige Lebensstil wird von Johannes als Sünde bezeichnet und besteht in einem Leben, das nicht den Geboten Gottes entspricht. Das Ziel des Johannes ist es, die Menschen dazu zu bringen, sich wieder neu seinem Gott zuzuwenden. Um diese Neuausrichtung sichtbar zu machen, – damit es also nicht nur bei einem Lippenbekenntnis bleibt – verbindet Johannes seine Predigt mit einer Zeichenhandlung: Diejenigen, denen es mit der Neuausrichtung auf Gott ernst ist, lassen sich von Johannes im Wasser des Jordan untertauchen. So sollen die bisherigen Sünden abgewaschen werden. Johannes nennt diesen Akt die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden.

Von einigen Theologen bin ich allerdings darauf aufmerksam gemacht worden, dass diese landläufige Bezeichnung Taufe der Buße missverständlich sein könne. Denn in vielen Sprachen wird mit Buße eine Strafe verbunden. So wie Bußgelder für irgendwelche Vergehen zu zahlen sind. Für die lateinisch sprechenden Römer hier im Land mag das so sein. Die griechisch sprechenden Menschen können mit dem Aspekt „Strafe“ dagegen überhaupt nichts anfangen. Denn in ihrer Übersetzung bedeutet das, was Johannes sagt und tut, Taufe der Umkehr, also Taufe mit radikaler Neuausrichtung durch eine 180-Grad-Wende im Leben. Vielleicht ist das, was er fordert, bei Ihnen im Jahr 2019 mit einer 180-Grad-Wende bezüglich des Klimaschutzes zu vergleichen.

Das Interesse an der Predigt des Johannes jedenfalls ist riesig. Jeden Tag ist er von einer Menschenmenge umlagert, die ihm zuhört und nicht wenige lassen sich dann auch wirklich von ihm in den Jordan tauchen. Allerdings geht er nicht gerade zimperlich mit den Leuten um. Ganz im Gegenteil. Fast möchte man meinen, er will sie sogar von dieser Taufe abhalten, denn er schnauzt sie geradezu an. Hören Sie sich das einmal an: [7b] Ihr Otterngezücht, wer hat euch gewiss gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet? [8] Seht zu, bringt rechtschaffene Früchte der Buße; und nehmt euch nicht vor zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. [9] Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt; jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.

Wer möchte schon gerne so unter Generalverdacht gestellt werden, es nicht ehrlich zu meinen: Otterngezücht oder Schlangenbrut – das ist nicht wirklich nett. Aber das Geraderichten beim Kommen Gottes, das Johannes mit den Worten des Propheten Jesaja ankündigt, wird wohl nicht so ganz einfach sein – eher schmerzhaft. Wer würde sich da, um dem zu entgehen, nicht gerne ein Hintertürchen offenlassen? Wenn man hier und da ein paar gute Beziehungen hat, wird es dank dieser Beziehungen doch nicht so schlimm werden? Und das Vitamin „B“ zu Abraham, dem Stammvater des jüdischen Volkes, könnte da ja eine wichtige Rolle spielen. Solche Gedanken sieht Johannes bei der Menge vor ihm wohl sehr deutlich.

Aber sich in solcher falschen Sicherheit zu wiegen, das ist nicht nur für die Menschen ein Problem, die zu Johannes kommen. Auch bei Ihnen in Deutschland und der übrigen westlichen Welt meinen viele Menschen, es könnte einfach so weitergehen wie in den letzten sechzig, siebzig Jahren, man könne sich so durchlavieren. So schlimm werde es schon nicht werden. Dass die Weltgeschichte einen ganz anderen Verlauf nehmen kann, als gedacht, und dass ganz sicher geglaubte Privilegien plötzlich nicht mehr gelten, kann womöglich schneller Wirklichkeit werden, als es sich viele Menschen träumen lassen. Deshalb fordert Johannes einen echten Wandel.

Was allerdings die rechtschaffenen Früchte der Umkehr sein sollen, von denen dieser Prophet spricht, ist der Menge hier vor Ort auch nicht klar. Immer wieder habe ich gehört, wie [10] Johannes aus der Menge heraus gefragt wurde: Was sollen wir nun tun? Die Antworten kamen aber immer prompt und ließen an Klarheit nichts zu wünschen übrig: [11b] Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat; und wer Speise hat, tue ebenso. Teilhabe an einem Leben in Würde für alle. So ließe sich sein Programm wohl am besten umschreiben: Hunger und seine Blöße nicht bedecken zu können ist mit der Würde eines Menschen nicht vereinbar. Dass alle Menschen zumindest das Nötigste für ihr Leben haben, ist für Johannes aber wohl noch zu wenig.

Die Gerechtigkeit, die zwischen Menschen entsteht, wenn beide Seiten sich wirklich auf Augenhöhe begegnen können, ist für ihn wohl die vorweggenommene Gerechtigkeit, die dieser Prophet Jesaja vor Augen hat. Und Johannes ist auch hier unbequem deutlich. „Entweder ganz oder gar nicht!“, scheint er zu sagen: Nur den Ärmel eines Hemdes abzugeben, ist genau so sinnlos, wie eine knappe Handvoll Reis zu geben, die zum Überleben auch nicht reicht.

Immer wieder kommen auch Fragen aus der Menge, in denen es um spezielle Gruppen geht. [12] Es kam kürzlich eine Gruppe Zöllner, um sich taufen zu lassen. Im Leben der Menschen hier nehmen sie eine besonders schwierige Stellung ein: korrupt und mit den herrschenden Römern im Bunde. Auch deren Frage war: Meister, was sollen denn wir tun? [13] Auch hier eine klar und deutliche Antwort: Fordert nicht mehr, als euch vorgeschrieben ist! Wer die Verhältnisse hier kennt, weiß allerdings, dass das für diese Menschen eine Forderung ist, die an Radikalität nicht zu überbieten ist. [14] Dies gilt auch für eine weitere Gruppe, die sich an den Täufer gewandt hat: Soldaten. Die Antwort des Johannes war eine Absage an jede Gewalt und Habsucht: Tut niemandem Gewalt noch Unrecht und lasst euch genügen an eurem Sold!

Liebe Zuschauer in Deutschland, der Auftritt des Täufers hat weite Kreise gezogen. [15] Bei vielen, die sich den Traditionen und Verheißungen der Propheten verbunden fühlen, lässt sich eine unterschwellige Erregung wahrnehmen: Es gibt immer wieder Spekulationen, ob Johannes der Täufer vielleicht der „Christus“ wäre, der als der entscheidende Heilsbringer von diesen Leuten erwartet wird. Damit würde vor allem die – in den Augen vieler so verhasste – Römerherrschaft zu Ende sein.

Johannes hat allen diesen Spekulationen aber eine Absage erteilt. Da zeigen sich sein Realismus und seine charakterliche Größe. Denn auf diese Fragen [16] antwortete er allen: Ich taufe euch mit Wasser; es kommt aber der, der stärker ist als ich; ich bin nicht wert, dass ich ihm die Riemen seiner Schuhe löse; der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. [17] In seiner Hand ist die Worfschaufel, und er wird die Spreu vom Weizen trennen und den Weizen in seine Scheune sammeln, die Spreu aber wird er mit unauslöschlichem Feuer verbrennen.

Mit diesen Worten, so scheint mir, hat Johannes zwar die Aufmerksamkeit von seiner Person etwas ablenken können. Was die Erwartungen an den kommenden Erlöser betrifft, da hat er wahrscheinlich eher Öl ins Feuer gegossen. Die Spannung hat sich noch einmal gesteigert. Und sehr deutlich bin ich in der letzten Zeit auf die Ereignisse hingewiesen worden, die sich fast parallel zu der Geburt des Täufers zugetragen haben: Die lassen das Geschehen jetzt in einem besonderen Licht erscheinen.

Denn nach den allgemein zugänglichen Informationen haben sich damals vor etwa dreißig Jahren in der Verwandtschaft des Johannes sehr bemerkenswerte Dinge zugetragen: Ein halbes Jahr nach Johannes wurde in Bethlehem, der Heimatstadt des unvergessenen Königs David, ein gewisser Jesus geboren. Dessen Eltern stammten aus Nazareth und waren beide mit David verwandt.

Noch sind sich Johannes und dieser Jesus, der damals unter so bemerkenswerten Umständen geboren wurde, nicht begegnet; aber vieles – auch mache Äußerungen des Täufers – deuten darauf hin, dass dieser Jesus mit den Verheißungen des Propheten Jesaja noch in viel stärkerem Maße verbunden ist.

Die Erwartungen hier jedenfalls sind hoch und die Atmosphäre ist angespannt, denn [18] mit vielem andern mehr ermahnte Johannes das Volk und predigte. Hier am Jordan ist es jetzt allerdings ruhig geworden. Der Täufer ist zunächst weiter gezogen. Die Menge hat sich verlaufen. Und dann haben wir kurz vor dieser Schaltung eine Nachricht erhalten, die die Situation noch schwieriger machen wird: [19] Herodes, der Landesfürst, der von Johannes zurechtgewiesen wurde wegen seines Verhältnisses mit Herodias, der Frau seines Bruders, und wegen all des Bösen, das er getan hatte, [20] fügte zu dem allen noch dies hinzu: Er warf Johannes ins Gefängnis.

Ich bin gespannt wie es mit dem Täufer und der ganzen Situation hier weiter geht. Und damit gebe ich zurück nach Deutschland ins 21. Jahrhundert.
(kurze Pause) Damit blendet die Regie wieder zurück.

(Ortswechsel: vor dem Altar)
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, der stärke und bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Bruder und Herrn. Amen.

Gottesdienst am 3. Advent 2019 (15. Dez.)

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Am Sonntag ist der 3. Sonntag im Advent. Im Mittelpunkt steht an diesem Sonntag Johannes der Täufer: Ohne ihn wäre die Verkündigung Jesu wohl nur schwer vorstellbar. Johannes selbst sah sich in einer Linie mit dem Propheten Jesaja, dessen Worte er programmatisch übernommen hat: „Bereitet dem HERRN den Weg; denn siehe, der HERR kommt gewaltig.“ (Jesaja 40,3.10). Jesaja durfte dem Volk Gottes in der Verbannung in Babylon neuen Mut zusprechen, Johannes wollte die Menschen wieder auf einen Weg bringen, der im Einklang mit Gott steht.

Wie zum Beispiel Lukas in seinem Evangelium berichtet, war Johannes bei seiner Wortwahl nicht zimperlich. Er hatte genaue Vorstellungen, wie die Menschen sich verhalten sollten. Lukas berichtet davon im 3. Kapitel seines Evangeliums: Lukas 3,1-18: die eigene Sicherheit nicht selbstverständlich nehmen, weil man ja schon immer dazu gehört hat; von dem, was man doppelt hat, die Hälfte abgeben; nicht mehr fordern als vorgeschrieben ist; keine Gewalt anwenden und sich genügen lassen an seinem Sold. – Aktueller geht es kaum.

Entscheidend aber bei allem ist, dass es bei dem, was Johannes verkündigt, nicht um Strafe geht. Das werden viele Menschen wahrscheinlich denken, wenn sie das Wort Buße hören, die Johannes verkündigt. So wie eine Geldbuße ja in unserer heutigen Zeit eine Strafe ist. Aber im griechischen Original steht da nichts von Strafe, sondern von Umkehr, denn „Umkehren“ das meint das Wort das im griechischen Neuen Testament an dieser Stelle steht. Folgenlos darf die Umkehr, also die Hinwendung zu Gott, aber auch nicht bleiben. Und so fordert Johannes „rechtschaffene Früchte der Umkehr“. Allerdings und eben nicht als Voraussetzung für ein erneuertes Verhältnis zu Gott, sondern als dessen Folge! Das ist entscheidend wichtig.

Mehr zu diesem Text am Sonntag (15.12.2019) in der Predigt.

Herzliche Einladung zum Gottesdienst:

  • in der Möllberger Kirche
  • um 10.00 Uhr
  • anschließend: Kirchenkaffee
  • anschließend: Büchertisch und Eine-Welt-Tisch

Nach dem gemeinsamen Beginn in der Kirche ist im Gemeindehaus Kindergottesdienst.

Gottesdienst am 3. Advent 2017 (17.12.)

PaToWi_Icon_violettAm Sonntag ist der 3. Sonntag im Advent. Johannes der Täufer steht an diesem Sonntag im Mittelpunkt: Ohne ihn wäre die Verkündigung Jesu wohl nur schwer vorstellbar. und Johannes selbst sah sich in einer Linie mit dem Propheten Jesaja, dessen Worte er programmatisch übernommen hat: „Bereitet dem HERRN den Weg; denn siehe, der HERR kommt gewaltig.“ (Jesaja 40,3.10). Jesaja durfte dem Volk Gottes in der Verbannung in Babylon neuen Mut zusprechen, Johannes wollte die Menschen wieder auf einen Weg bringen, der im Einklang mit Gott steht.

Wie zum Beispiel Lukas in seinem Evangelium berichtet, war Johannes bei seiner Wortwahl nicht zimperlich und er hatte genaue Vorstellungen, wie die Menschen sich verhalten sollten. Lukas berichtet davon im 3. Kapitel seines Evangeliums: Lukas 3,1-14: die eigene Sicherheit nicht selbstverständlich nehmen, weil man ja schon immer dazu gehört hat; von dem, was man doppelt hat, die Hälfte abgeben; nicht mehr fordern als vorgeschrieben ist; keine Gewalt anwenden und sich genügen lassen an seinem Sold. – Aktueller geht es wahrscheinlich kaum.

Der Predigttext aus dem Römerbrief (Römer 15,4-13) zielt dann noch mehr auf das tägliche Leben ab: einander annehmen, weil wir selber Angenommene sind. Dabei sind es nicht nur die, mit denen wir uns gut verstehen, die wir annehmen sollen. Wir müssen nicht alle toll finden, denen wir begegnen, aber wir sollen sie annehmen.

Dazu kommt, dass die Gemeinde die seit Sommer vakante Presbyteriumsstelle neu besetzt hat und wir am Sonntag Lothar Kohlstädt in sein neues Amt einführen können.

Herzliche Einladung zum Gottesdienst:

  • in der Holtruper Kirche
  • um 10.00 Uhr
  • mit Einführung von Lothar als Presbyter
  • anschließend: Kirchenkaffee
  • anschließend: Büchertisch und Eine-Welt-Tisch

Kirche_mit_KindernNach dem gemeinsamen Beginn in der Kirche
ist im Gemeindehaus Kindergottesdienst.

Johannis-Gottesdienst am 18. Juni 2017

Am 18. Juni ist in diesem Jahr der 1. Sonntag nach Trinitatis. Am Sonntag kann nach allerdings auch schon der Johannis-Tag gefeiert werden. Der eigentliche Tag für das Gedenken ist der 24. Juni, an dem die christliche Kirche an Johannes den Täufer erinnert. Er ist der Vorläufer von Jesus Christus, der mit seinem Wahlspruch „Er (Christus) muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“ (Joh 3,30) klargestellt hat: Auf Jesus Christus kommt es an, auf ihn sollen wir sehen. Predigttext ist, was Johannes als letztes über Jesus gesagt hat: Johannes 3,22-30 und was mit seinem berühmten Ausspruch vom Zunehmen und Abnehmen endet, der als Spruch des Tages über dem Gottesdienst steht.

Am Johannistag wird Weiß am Altar aufgedeckt, weil Johannes der Täufer nicht zu den christlicher Märtyrer gezählt wird, sondern als Vorläufer und Wegbereiter Jesu Christi im Christus-Geschehen verankert ist. Mit dem 24. Juni ist also der Scheitelpunkt des Kirchenjahres erreicht; ab jetzt „geht es schwer auf Weihnachten zu“!

Also:

Herzliche Einladung zum Gottesdienst:

  • in der Möllberger Kirche
  • mit Taufe
  • zum Proprium „Johannes der Täufer“
  • um 10.00 Uhr

Kirche_mit_Kindern
Dieses Mal gibt es leider keinen Kindergottesdienst.

Predigt am 3. Advent 2016 (11. Dez.)

Predigt-Icon5Der Predigttext Lukas 3,1-14 (Luther 2017) ist vorher als Schriftlesung vorgetragen worden.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen.

Liebe Gemeinde am 3. Advent!
Es war im elften Jahr der Bundeskanzlerin Angela Merkel; zu der Zeit, als Barak Obama seine letzten Tage als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika verlebte und Vladimir Putin Präsident Russlands war; zu der Zeit, als Heinrich Bedford-Strom Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland und Annette Kurschus Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen war.

Da trat ein Mensch auf und predigte gegen eine Advents- und Weihnachtszeit, die sich immer mehr vom ursprünglichen Sinn des Festes entfernt hatte, weil sie nur noch aus noch mehr Kaufen, aus noch mehr Lebkuchen und aus noch größeren Autoschlangen vor den Parkhäusern bestand.

Woher dieser Mensch gekommen war, wusste niemand so richtig. Er ging auch nicht in die hell ausgeleuchteten Innenstädte, sondern blieb draußen vor der Tür – gewissermaßen vor der Tür des weihnachtlichen Konsumtempels. Manchmal konnte man ihn auf Kanzlers Weide sehen, manchmal unter den Autobahnbrücken zwischen Holtrup und Vennebeck; manchmal auf den Möllberger Wiesen am alten Kraftwerk.

Und was die Geschäftsbesitzer in den Innenstädten von Minden und Bad Oeynhausen und im Großkaufzentrum Werrepark am meisten erstaunte, war, dass viele Menschen zu ihm hinaus gingen, statt bei ihnen einzukaufen. Hatte doch der Besuch des Weihnachtsmarktes mit Glühwein für die Erwachsenen und Karussells für die Kinder die Menschen auch zum Bummeln und vor allem zum Kaufen animiert – trotz der Konkurrenz aus dem Internetversand.

Warum gingen die Menschen zu ihm? Was hatte er diesen Menschen zu sagen? Alles redete doch davon, dass die Menschen ihre christlichen Traditionen hinter sich gelassen hätten. Auch die traditionelle Spendenfreudigkeit zu Weihnachten sei nicht mehr so da, wie früher. Das läge aber nicht daran, dass das Geld fehlte, sondern weil viele Menschen dieses Geld eben lieber für eigene Dinge ausgeben wollten.

Wie jedes Jahr hatten die Manager auf höhere Ergebnisse im Weihnachtsgeschäft gehofft und wären wohl, wie meistens, auch zufrieden gewesen, denn was sie vor Weihnachten nicht loswurden, konnten sie dann beim Nachweihnachtsgeschäft auch noch mit Gewinn unter die Leute bringen: Wenn die Gutscheine eingelöst oder die Geschenke umgetauscht wurden, weil sie eben doch nicht so gut gefallen hatten und die Umtauschenden und Einlösenden noch ein paar Euro drauflegten.

Was also wollten diese Leute da draußen im kalten, dunklen und unfreundlichen Land, wo doch in den Städten alles so schön erleuchtet war: ‚All über all auf den Häuserspitzen sah ich goldene und bunte Lichter blitzen und süße Musik rieselt wie der Schnee in die Ohren, während ein großer roter LKW durch die Landschaft fährt und alles in seliges Weihnachtslicht taucht!‘

Nicht nur die Geschäftsbesitzer, sondern ganz viele Menschen waren erstaunt, dass diesem Prediger die Leute zuhörten, denn dieser Mensch war nicht gerade freundlich mit seinen Zuhörerinnen und Zuhörern. Er sprach sie nicht mit ‚Liebe Leute‘ an oder versuchte auch nicht auf andere Weise, den Menschen Honig um den Bart zu schmieren: Wie toll sie doch wären und dass alles gut liefe. Er beschimpfte sie geradezu – und er forderte etwas von seinen Zuhörern, so hörte man jedenfalls. Er forderte: Sie sollten ihr Leben ändern, sie sollten von ihren liebgewordenen Gewohnheiten Abschied nehmen, damit sie leben, überleben könnten. Und trotzdem gingen Menschen zu ihm. Hatten diese doch ein Gespür dafür, was in dieser Zeit wichtig war und dran sein würde? Hatte ihnen das letzte Jahr mit den vielen Flüchtlingen zu denken gegeben und ihr Gewissen geschärft? Nicht weil es so viele Flüchtlinge waren, sondern weil die Menschen hier erkannt hatten, dass hier geholfen und dort vor allen die Ursachen der Flucht angegangen werden mussten?

Viele machten sich allerdings auch auf den Weg zu ihm, die nur durch ihre Neugier angelockt wurden: Diesen Typen musste man eben einmal gesehen haben. Und wenn die dann da waren, sah sie der Prediger lange und sehr nachdenklich an und fragte sie dann: „Meint ihr, dass euch nichts passieren kann? Ihr tragt stolz die Zeichen eurer Sicherheit mit euch: den Arbeitsvertrag mit der unkündbaren Stellung, den Pass mit der deutschen Staatsangehörigkeit, eure weiße Hautfarbe. Ihr kommt in der Kleidung mit den großen Markennamen, um zu zeigen, dass ihr dazugehört. Glaubt ihr, dass euch diese Sicherheiten wirklich nützen und euch schützen? Glaubt ihr, nur weil ihr in Nord-Europa geboren seid oder lebt, kann Euch das Elend nicht treffen?“

Immer wieder war dann diese eine Frage aus der Menge heraus zu hören: „Können wir denn etwas tun? Ich alleine zähle doch nicht!“ Und zum Erstaunen der Meisten war die erste Antwort immer: „Täuscht euch nicht. Ihr könnt etwas tun! Seht euch um und seht euren Reichtum, ja den Überfluss, in dem ihr lebt. Seht euch um und nehmt die Bedürftigen um euch herum und unter euch wahr, die es in so großer Zahl gibt: die Vergessenen, die am Rand der Gesellschaft leben – ja, auch in Ostwestfalen, wo die Weser ihren großen Bogen macht; nehmt sie wahr und teilt. Haben ist nicht schlimm. Für sich allein behalten – das ist schlimm. Kehrt um von eurem Weg, von dem Weg der heißt: ‚Ich will immer mehr für mich haben. Es kann doch jeder für sich selber sorgen.‘“

Es kamen zum Beispiel die, denen alles zufällt; es kamen auch die, die vor lauter Ehrgeiz so selten Zuhause sind. Auch diese traten zu dem Prediger und fragten: „Prediger, was sollen denn wir tun?“ Und dieser antwortete und sprach: „Bedenkt eure Verantwortung für eure Familien, für eure Ehepartnerinnen, eure Ehepartner und für eure Kinder. Nehmt euch Zeit für sie und kümmert euch um ihre Probleme, damit sie nicht irgendwann einmal sagen müssen: Was will der da von uns, er oder sie ist doch auch nie für uns da gewesen? Und bedenkt Eure alte Nachbarin und den Witwer mit den drei Kindern vier Häuser weiter.“

Schließlich kamen auch die Mächtigen und erhielten Antwort auf ihre Frage, „Was sollen wir tun?“: „Seht zu, dass ihr eure Stellung nicht für euren eigenen Vorteil missbraucht, sondern dass ihr allen Menschen und dem Wohl der Gemeinschaft dient. Lasst Arme nicht immer ärmer und Reihe immer reicher werden. Lernt aus der Vergangenheit, wohin rechtsradikale und andere fundamentalistische Gedanken führen, und behaltet für die Gegenwart die Zukunft im Auge – die eurer Kinder. Habt Mut, Entscheidungen zu treffen – aber nicht ohne Konzept.“

Das Wichtigste aber sagte er allen gleichermaßen und immer wieder, wenn er eine seiner Predigten hielt: „Macht euch auf in eine neue Richtung. Kehrt um! Macht euch zum Stall auf, so wie es in dem Weihnachtslied heißt, das Jochen Klepper gedichtet hat: ‚Die Nacht ist schon im Schwinden, macht euch zum Stalle auf! Ihr sollt das Heil dort finden, das aller Zeiten Lauf von Anfang an verkündet, seit eure Schuld geschah. Nun hat sich euch verbündet, den Gott selbst ausersah‘.“

„Ich selber“, fuhr der Prediger meistens fort, „kann euch nur die kleinen Anweisungen geben, die sich im alltäglichen Leben auch verwirklichen lassen. Ich kann euch segnen für eure Umkehr, kann euch so darin bestärken. Aber um euch wirklich zu befreien, dazu braucht es einen anderen: den einen, der Schuld wirklich wegnimmt; den einen, der euch zu Gottes Kindern macht. Und dieser eine ist schon da. Er ist gekommen, er wird kommen, er ist da. Ihm will ich den Weg bereiten, dass ihr euch auf sein Kommen einstellt. Räumt die Berge von Geschenken zur Seite, schaltet die elektrischen Lichter aus, damit ihr die Sterne, damit ihr den einen Stern sehen könnt, der euch den Weg weist: hin zu dem kleinen Stall, hin zu dem armen Kind in der Krippe, das kurz nach seiner Geburt selbst zum Flüchtling wird.
Und dann, wenn ihr ihn gefunden habt, dann freut euch, freut euch daran, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind. Freut euch auf dieses Kind, wie Eltern sich auf ihr lang erwartetes Kind freuen, weil sie die Gewissheit des Lebens spüren. Freut euch auf dieses Kind, das für euch da ist, bis die Welt an ihr Ziel gelangt ist. Ihr tragt den Namen dieses Kindes, ihr seid auf diesen Namen getauft, lasst heute euer Kind auf diesen Namen taufen.
Dabei passt auf, dass ihr den Kontakt zu ihm nicht verliert. Das Kind in der Krippe sucht Euch zwar immer wieder neu, aber wie soll Zugang finden, wenn Euer Herz mit dem Schloss der Gleichgültigkeit verschlossen ist? Passt auf, dass ihr eure Aufgabe an euren Kindern und Kindeskindern nicht versäumt, die ihr bei deren Taufe übernommen habt, erfüllt das Versprechen, das ihr damals gegeben habt: ihnen einen Zugang zum Glauben zu ermöglichen; das passiert nicht von allein.
Erweist euch gegenseitig Liebe, das können auch Geschenke sein, aber sie sind nicht die Hauptsache. Erweist euch Liebe um der anderen willen, nicht um euretwillen. Denn ihr seid ja schon geliebt, weil Gott in seiner bedingungslosen Liebe ‚JA‘ zu euch sagt. So werdet ihr merken, dass eure Umkehr leicht wird, weil sie etwas Freudiges ist. Ihr werdet merken, dass eure Buße nicht grau wie Asche macht, sondern bunt wie ein Regenbogen.
Was euch beschwert, braucht im Angesicht dieses Kindes nicht mehr zu erdrücken; was gewesen ist, braucht im Angesicht dieses Kindes nicht mehr zu erschrecken. Denn in diesem Kind ist das Heil Gottes, ist die Rettung für alle Menschen erschienen.“

Die Menschen kehrten zurück: in ihre Stadt und in ihr Dorf, in ihre Straße und an ihre Arbeit, zurück in ihre Familien. Und in den Gesichtern der anderen, die ihnen entgegen kamen, ob sie sie kannten oder nicht – entdeckten sie das Bild dieses Kindes.
Amen.