Predigt vom 23. Oktober 2016

Predigt-Icon5Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen.
Liebe Schwestern und Brüder in Christus!

Es gibt Sätze, die höre ich immer wieder und ich sage sie bestimmt auch immer wieder selbst. Da ist der berühmte Satz: „Ich war das nicht!“ Aber das ist bestimmt nicht der Einzige. Ein Satz, der wohl fast ebenso häufig vorkommt, ist: „Beim nächsten Mal wird alles besser!“ – Etwas vorsichtiger formuliert: „Beim nächsten Mal wird alles anders!“ Dann hat man wenigstens recht behalten, auch wenn das Projekt in die Hose geht.

Ich kann mir viele Situationen vorstellen, die mit diesem Grundgedanken enden: Da hat jemand ein Projekt, eine Prüfung oder eine Klassenarbeit gerade hinter sich gebracht und das Ergebnis war nicht wirklich zufriedenstellend: doch nur eine vier minus (oder sogar noch schlechter); der Zuspruch des Publikums war geringer als erwartet, der Verkauf hat noch nicht einmal die Kosten eingebracht, von einem positiven Ertrag ganz zu schweigen; ein Geschäft ist doch nicht zustande gekommen; man hat sich verfahren und ist zu einem wichtigen Termin nicht rechtzeitig gekommen.

Woran es gelegen hat? Es gibt viele Möglichkeiten. Oft sind es äußere Faktoren. Nicht selten aber muss man – wenn man ehrlich mit sich ist – sich an die eigene Nase fassen und feststellen: Es hat an mir gelegen: Wer für eine Klassenarbeit nicht lernt, darf sich nicht wundern, wenn keine gute Note dabei heraus kommt; wer sich nicht um die Rahmenbedingungen wie Öffentlichkeitsarbeit oder Ähnliches kümmert, kann kaum einen überwältigenden Zuspruch erwarten; wer sich nicht darum kümmert, in welches Holzhausen man fahren muss, wird verwundert feststellen, dass es eben nicht das an der Porta gewesen ist, sondern eines in Hessen.

Ein ehrlicher Blick auf die eigene Einstellung, die eigene Vorbereitung ist ein erster Schritt, um weiter zu kommen. Daraus dann die richtigen Schlüsse zu ziehen, ist der zweite Schritt, denn selber schuld ist man nur, wenn man denselben Fehler wieder macht. Und so kommt es zu diesem Satz: „Beim nächsten Mal wird alles anders!“ oder sogar „… wird alles besser!“

Und was für so weltliche Dinge wie Klassenarbeiten, berufliche Projekte und Orientierung bei Autorouten gilt, das ist auch bei Fragen des Glaubens und dem, wie man sich als Christ verhält, nicht anders. Christ sein, das wollen viele Menschen, und ich gehe einfach mal davon aus, dass das für uns heute und hier in der Möllberger Kirche auch gilt: Christen sein, möglichst auch gute Christen.

So einfach, wie wir uns das denken, ist es aber auch nicht. Mit einem ehrlichen Blick auf uns selbst werden wir immer wieder feststellen müssen: Es gibt so vieles in meinem Leben, was den Werten des Christentums und damit dem christlichen Glauben nicht entspricht. Alleine ein Blick auf die 10 Gebote wird reichen, um uns das klar zu machen. Auch wenn wir niemanden direkt umgebracht haben, wenn wir niemanden direkt beklaut haben – wie ist das alleine damit, dass wir neben dem Gott, in dessen Namen wir hier versammelt sind, keine Götter haben sollen; dass wir seinen Feiertag heiligen und seinen Namen ehren sollen? Und, wenn wir die zweite Tafel der Gebote betrachten, die das Leben der Menschen untereinander regeln sollen: Wie ist das mit Worten und mit Whatsapp-Nachrichten, die zumindest verletzen und oft genug auch im übertragenen Sinn zu töten scheinen; wie ist das – wenn wir unseren eigenen persönlichen Rahmen ein wenig weiten – mit einer Wirtschaftsordnung, die einen Teil der Menschen strukturell arm hält – hier in Deutschland und vor allem auch in den Handelsbeziehungen zwischen Europa und Nordamerika auf der einen Seite und den vielen Ländern in Afrika und Asien auf der anderen Seite?

Ich möchte nicht falsch verstanden werden: als der, der hier den moralischen Zeigefinger ausfährt oder gar die moralische Keule schwingt. Alles, was ich hier sage, das sage ich auch und zu allererst mir selbst. Der Pastor ist in diesen Dingen bestimmt kein besserer Christ als jede und jeder andere, die heute Morgen hier in der Kirche sitzen.

Da braucht es auch keine Einbestellung durch den „König, der mit seinen Knechten abrechnen wollte“, wie wir es im Evangelium des heutigen Sonntags gehört haben. Ein ehrlicher Blick auf sich selbst reicht bestimmt schon, um sich das alles klar zu machen. Und dann? Dann fällt dieser so bedeutsame Satz: „Beim nächsten Mal wird alles nicht nur anders, es wird sogar bestimmt besser!“

Also: Ich gehe demnächst ganz regelmäßig in den Gottesdienst, ich bete demnächst bestimmt morgens und abends; ich sage nicht mehr „O Gott!“, wenn der gar nichts damit zu tun hat; ich schreibe nur noch liebe und wahre Sachen bei Whatsapp und Facebook, ich kümmere mich um hilfsbedürftige Menschen, ich kaufe nur noch fair gehandelte Produkte und ich protestiere bei der nächsten Demo gegen TTIP und CETA.

Wirklich? Schaffe ich, schaffen wir das? Wird wirklich alles anders und sogar besser? Wenn ich auf mich sehe, bin ich mir da nicht so ganz sicher. Ich denke eher, dass es wie mit den berühmten Vorsätzen an Silvester sein wird: Da ist das neue Jahr noch keine Woche alt und alles ist Makulatur. So ist es doch, oder nicht? Wir wissen doch ganz genau, wie gut es uns tut, wenn der Sonntag wirklich Sonntag ist, wenn wir unsere Lasten und Probleme, unsere Freude und unseren Dank vor Gott aussprechen; wenn die Menschen, mit denen wir kommunizieren sich auf unsere ehrliche Zuwendung verlassen können; wir wissen doch, dass wir und so viele andere Menschen glücklicher wären, wenn die Verhältnisse in der Welt anders wären, als sie sind: von Syrien und Palästina angefangen bis nach Niger, Afghanistan, Papua Neuguinea und Kolumbien. Wir wissen es und so viele andere wissen es auch. Und trotzdem ändert sich, wenn überhaupt, nur ganz wenig. Als ob eine böse Macht es immer wieder verhindern würde.

Ich kann Ihnen und Euch verraten: Wir sind in bester Gesellschaft. So erging es auch einem, an den wir vielleicht am allerwenigsten gedacht hätten, weil der das Paradebeispiel für christlichen Glauben schlechthin ist. Ich spreche vom Apostel Paulus, der durch seine Begegnung mit dem auferstandenen Jesus vom fanatischen Verfolger zum glühenden Bekenner des christlichen Glaubens geworden war. Eben dem ist es so gegangen wie uns auch. Und er bekennt sich in einem seiner Briefe ganz offen dazu – vor Leuten, die er noch gar nicht kennt, die er aber für seine Theologie gewinnen möchte: vor der Gemeinde in Rom. In seinem Brief an diese Gemeinde schreibt er – und das ist der heutige Predigttext – im siebten Kapitel:

14 Wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist; ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft. 15 Denn ich weiß nicht, was ich tue. Denn ich tue nicht, was ich will; sondern was ich hasse, das tue ich. 16 Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, so gebe ich zu, dass das Gesetz gut ist. 17 So tue nun nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt. 18 Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. 19 Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich. 20 Wenn ich aber tue, was ich nicht will, so tue nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt.
21 So finde ich nun das Gesetz, dass mir, der ich das Gute tun will, das Böse anhängt. 22 Denn ich habe Lust an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen. 23 Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das widerstreitet dem Gesetz in meinem Gemüt und hält mich gefangen im Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.
24 Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem todverfallenen Leibe? 25 Dank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn!
(Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984, durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung, © 1999, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

Liebe Gemeinde! Es ist schon erstaunlich, mit welcher Offenheit Paulus hier über seine Defizite schreibt. Für mich klingt in diesen Worten eine tiefe Verunsicherung durch. Und es ist sehr tröstlich, dass auch ein solches christliches Schwergewicht wie Paulus mit unseren Problemen zu kämpfen hatte. Aber wir sollten deshalb mit unseren Bemühungen nicht nachlassen oder sie gar aufgeben. Frei nach dem Motto: „Wenn schon Paulus an diesen Problemen gescheitert ist, was sollen wir uns dann abmühen!“ Das wäre bestimmt nicht in seinem Sinn, denn Paulus hat nie aufgegeben, an sich zu arbeiten.

Paulus zieht aus dem, was er an sich erlebt, seine Schlüsse und er schreibt an die Römer zwei wichtige Erkenntnisse: Zum einen haben Christen eine Art Doppelrolle: Christen haben mit dem Gesetz Gottes eine Wegweisung für ihren Weg zum Leben. Und durch ihre Taufe sind sie sogar schon das, wohin sie auf dem Weg sind: Sie sind Heilige – wie wir das im Glaubensbekenntnis bekennen. Wir gehören als Christen schon zu Gottes himmlischen Welt.

Wir leben aber auch als Menschen in dieser irdischen Welt, in der es auch noch das andere gibt: diese böse Macht, die Paulus „die Sünde“ nennt, die uns in unseren Gliedern steckt wie Muskelkater und uns immer wieder aus unserer christlichen Haltung und aus unsren guten Vorsätzen herausfallen lässt. Sünde ist für Paulus also nicht das dritte Stück Torte oder der Verstoß gegen dieses oder jenes Gebot. Sünde ist für ihn das, was uns dann diese Dinge tun lässt, weil sie uns von Gott weggebracht hat. Sünde ist für Paulus, wenn wir uns von Gott abwenden. Alles andere, was wir dann konkret tun, ist Folge davon. Für Paulus ist klar: wenn wir die Sünde in den Griff bekommen, dann haben wir auch unser Handeln im Griff – fast wie von selbst. Wenn da nicht das Aber wäre: es ist leichter gesagt als getan. Paulus schreibt: Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem todverfallenen Leibe?

Da kommt dann die zweite Erkenntnis zum Tragen: Paulus vertraut darauf, dass er in seinem Bemühen, in seinem Kampf gegen die Sünde und für ein christliches Leben nicht alleine gelassen ist: Wie so oft sucht und findet er seine Zuflucht in Jesus Christus. Auf seinen Verzweiflungsruf „Ich elender Mensch!“ antwortet er selber mit einem kämpferischen Jubelruf: „Dank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn!“ Von ihm weiß er: Der hat mit seinem Tod am Kreuz für alles das gerade gestanden, was ich hier nicht schaffe.

Gerade weil Paulus weiß, was Jesus Christus für ihn getan hat, kann er sich nicht damit begnügen, sein Leben einfach laufen zu lassen. Er hat immer wieder neu Anlauf genommen, um die Sünde in sich in den Griff zu bekommen. Und so liegt es – wie bei Paulus – eben auch an uns: dass wir immer wieder neu erfassen, wie groß das Geschenk ist, das uns Gott mit Jesus Christus gemacht hat; immer wieder neu zu ermessen, was es heißt, dass er auch für unsere Schuld ans Kreuz gegangen ist. Um dann aus dieser Gewissheit die Kraft für unseren Kampf gegen die Sünde zu bekommen. Diese Glaubensgewissheit kommt nicht von jetzt auf gleich – es ist vielmehr ein lebenslanges Lernen und immer neu Erfassen. Dieses Lernen und Erfassen geschieht aber in diesem wunderbaren Rahmen, den Jesus in seinem Gleichnis aufgezeigt hat, als der Knecht zum ersten Mal vor seinem König erscheinen musste und alle Schulden erlassen bekam; dieses Lernen und Erfassen geschieht in diesem wunderbaren Rahmen, von dem wir schon am Anfang gesungen haben: All Morgen ist ganz frisch und neu des Herren Gnad und große Treu. Amen.

Gottesdienst am 23. Oktober 2016

Morgen ist der 22. Sonntag nach Trinitatis (23. Oktober 2016). „In Gottes Schuld“ wird dieser Sonntag oft überschrieben. Und es trifft durchaus unsere Existenz – da brauchen wir uns nichts vorzumachen. Und wir können da gerne den Apostel Paulus als Gewährsmann anführen, der mit einem Eifer für die Sache des christlichen Glaubens eingetreten ist wie kaum ein Zweiter. Der musste trotzdem von sich sagen: „Ich weiß, was Gott von mir möchte und ich will auch so leben; aber trotzdem muss ich feststellen, dass ich genau das Gegenteil davon tue.“ Das ist in Möllbergen der Predigttext aus dem Römerbrief 7,14-25a (Revidierte Perikopenordnung, Reihe 1).

Und wie geht Gott damit um, dass wir als Menschen so sind? Im sogenannten „Gleichnis vom Schalksknecht“ (Matthäus 18,21-35) zeigt sich Gott von seiner gütigen Seite und befreit uns von unserer Schuld. Jesus, der das Gleichnis erzählt, macht aber auch auch deutlich: Wenn Menschen ihrer Schuld vergeben wird, muss diese erfahrene Güte auch weiter gegeben werden, sonst fällt die Schuld mit ihrem ganzen Gewicht auf den Menschen zurück.

Paulus sieht seine Rettung aus der Schuldenfalle in Jesus Christus. Und auch wir dürfen uns immer wieder auf Gottes Güte und Barmherzigkeit verlassen und singen: „All Morgen ist ganz frisch und neu des Herren Gnad und große Treu“ (EG 440)

Also:

Herzliche Einladung zum Bläser-Gottesdienst:

  • in der Möllberger Kirche
  • um 10.00 Uhr
  • anschließend Kirchenkaffee

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Auch an diesem Sonntag gibt es Kinder-Gottesdienst nach gemeinsamem Beginn im Gemeindehaus.

Predigt zu Epiphanias am 4. Januar

Predigt-Icon5Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen.

Liebe Gemeinde! Liebe Schwestern und Brüder in Christus!

Wer sich in der medialen Welt unserer heutigen Zeit ein ganz klein wenig auskennt, weiß um die besondere Bedeutung des Begriffes „Zwei-Punkt-Null“. Es ist die Beschreibung für: „Was früher schon gut war, das wird nun in der neuen, der zweiten, und zwar erweiterten und erheblich verbesserten Auflage präsentiert: Gab es früher einfach eine statische, also feststehende Seite im Internet, sind es heute dynamische Seiten, die immer für den jetztigen Moment zusammengebaut werden; saßen Menschen früher einfach nur vor dem Fernseher und haben zugesehen, wird das Mitmachen der Zuschauer im interaktiven Fernsehen immer wichtiger. Viele andere Branchen springen auf diesen 2.0-Trend auf, um ihre Produkte anzupreisen.

Was hat das aber mit den drei heiligen Königen, mit dem Epiphaniasfest und unserem Gottesdienst heute zu tun? Es soll deutlich machen, was wir heute und am 6. Januar feiern: dass Gott in dieser Welt erschienen ist, dass sein Glanz die Welt hell gemacht hat und immer wieder hell macht. Denn Weihnachten ist mit Silvester ja noch längst nicht vorbei. Wir sind noch mitten drin in der Weihnachtszeit, auch wenn viele Weihnachtsbäume der Silvesterdekoration Platz machen mussten. Weihnachten hat vielmehr mit dem Fest Epiphanias, dem Dreikönigstag am 6. Januar, einen weiteren, zweiten Höhepunkt – deshalb: Weihnachten „Zwei-Punkt-Null“.

Epiphanias ist eben nicht nur der zweite Aufguss von Weihnachten, der dann wie bei Kaffee immer ein wenig dünner und fader ist als der erste. Zugegeben: Wir hier in Deutschland und in der ganzen westlichen Welt schenken uns an diesem Tag nichts. Das sieht im Osten Europas, also in den orthodoxen Kirchen ganz anders aus: Für die Menschen dort ist Weihnachten erst am 6. Januar. Aber für uns wandelt sich das Bild von Weihnachten noch einmal ganz entscheidend.

Am Heiligen Abend hatte das Kind in der Krippe im Mittelpunkt gestanden. Der Mensch, der so arm zur Welt kommt, wie wir auch. Christus ist sicherlich wahrer Gott aber auch und vor allem: Christus ist wahrer Mensch. Deshalb ist in der Tradition der Abend des 24. Dezember mit den Hirten verbunden, den Ärmsten der Armen, die zuerst von dem Erlöser hören, verkündigt von dem Boten, dem Engel Gottes.

Es ist auch nichts von einer überörtlichen oder gar internationalen Bekanntmachung der Geburt Jesu im Stall zu sehen. Die wenigsten Menschen haben das mitbekommen und auch der Engel verkündet den Hirten, dass die große Freude dem ganzen Volk widerfahren wird; dem einen ganzen Volk – nicht allen Völkern, wie wir es wohl gut und gerne im Ohr haben.

Das Epiphaniasfest beschreibt die andere Seite des Christus: Er ist der Sohn Gottes, er hat Anteil an der Herrlichkeit Gottes, seines Vaters. Christus ist wahrer Mensch aber auch – und das vor allem: Christus ist wahrer Gott. Er ist der, der vor allem war, im Anfang, noch bevor Gott Himmel und Erde schuf. Er ist der, von dem gesagt wird: Er ist der König der Welt. Gottes Herrlichkeit erscheint; „die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir!“ So hat es der Prophet Jesaja verheißen und darüber hinaus von Königen gesprochen, die kommen werden.

Und so kommen Könige, das sind sie in der Tradition geworden. Im Bericht aus dem Matthäusevangelium sind es die Magoi, die Magier, die Weisen aus dem Morgenland. Aber sie bringen zumindest königliche Geschenke: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Herrlichkeit und Glanz aus Königshäusern für einen König. Der 6. Januar ist der Tag der „Heiligen Drei Könige“. Unter diesem Namen ist der Tag des Epiphaniasfestes weithin bekannt und steht unter dem Titel auch in allen Kalendern und er hält es fest: Die Welt antwortet auf das Erscheinen dieses himmlischen Königs mit ihrer eigenen Herrlichkeit: die Könige kommen, um dem die Ehre zu geben, der anscheinend so ist, wie sie. Weihnachten „Zwei-Punkt-Null“.

Jesu Königreich erweist sich dann zwar ganz anders, als es die Könige denken. Beides hängt jedoch auf das engste miteinander zusammen und kann nicht voneinander getrennt werden. Die Weisen finden ein Kind in einer Krippe in einem Stall, hier treffen sie sich mit den Hirten und alle beten das Kind in der Krippe an. Arm und Reich, Hoch und Niedrig stehen oder knien vor Jesus, dem König der Welt. Vor ihm sind sie alle gleich.

Epiphanias – der Tag der Heiligen drei Könige als Weihnachten „Zwei-Punkt-Null“: Ohne dass das Geschehen am Heiligen Abend unwichtig oder überholt wäre, geht dieses Fest an diesem Tag über die Verkündigung der Christnacht hinaus. Mit den Weisen, den Magiern und Königen steht die Welt vor dem Kind Jesus – die Welt auch in ihrer so großen religiösen Vielfalt. Matthäus berichtet nichts davon, welcher Religion sie angehörten; Juden aber werden sie bestimmt nicht gewesen sein. Die Botschaft vom Kind, das zum Heil der Welt geboren wurde, soll weiter strahlen als nur in Judäa, sie soll die ganze Welt erreichen und diese ganze Welt hell machen.

Einer, der so intensiv und so früh wie kein zweiter von dieser weltweiten Bedeutung der Christusbotschaft überzeugt war, ist der Apostel Paulus gewesen. Er, der zuvor die junge Gemeinde verfolgt hatte, wurde zum ersten Theologen der jungen Bewegung und zu einem ihrer größten Missionare.

Paulus und seine Schüler und Nachfolger haben in den Briefen, die unter dem Verfassernamen Paulus geschrieben wurden, immer wieder darauf hingewiesen, dass durch die Taufe auch diejenigen zum Volk Gottes mit dazugehören, die von ihrer Abstammung her keine Juden sind. Im Epheserbrief – bei dem die Exegeten sich nicht sicher sind, ob der Brief von Paulus selbst oder – was wahrscheinlicher ist – von einem seiner Schüler und Nachfolger verfasst ist – wendet sich der Verfasser an die Gemeinde in Ephesus, die in der großen Mehrzahl aus Heidenchristen bestand, also aus Menschen, die vor ihrem christlichen Glauben einer heidnischen Religion angehört hatten.

Paulus schreibt im Epheserbrief im 3. Kapitel – ich lese aus der Übersetzung der Basis-Bibel: 2 Ihr habt doch sicher von dem Auftrag gehört, den ich im Hinblick auf euch bekommen habe. Gott hat mir seine Gnade geschenkt, damit ich ihn erfüllen kann. 3 Es geht um das Geheimnis, das Gott mir durch eine Offenbarung gezeigt hat.
5 Seit Menschengedenken wurde es niemandem in ähnlicher Weise gezeigt. Aber jetzt wollte Gott es seinen heiligen Aposteln und Propheten durch seinen Geist enthüllen: 6 Die Heiden sind Miterben. Sie sind mit eingegliedert in den Leib von Christus und haben mit Anteil an der Verheißung. Denn durch die Gute Nachricht gehören auch sie zu Christus Jesus.

Für Paulus hatte es ja noch kein Weihnachtsfest gegeben, das ihn an die Geburt Jesu erinnert hätte. Das Fest hat sich erst recht spät entwickelt. Dass Gott Mensch geworden war, hatte Paulus auf eine ganz andere Weise gelernt. Als er auf dem Weg nach Damaskus gewesen war, hatte sich ihm der auferstandene Christus offenbart: in einem strahlenden Licht, das dem Stern von Bethlehem in nichts nachgestanden hat. Paulus war vom Pferd und in Blindheit und eine tiefe Sinnkrise gefallen. Alles, was er bisher für richtig gehalten hatte, war mit einem Mal anders geworden: Aus dem Christenverfolger Saulus konnte der Christusbekenner und Missionar Paulus werden.

Drei Tage brauchte diese Verwandlung in der Dunkelt der Blindheit, bis Paulus durch den Zuspruch von Hananias wieder sehen konnte. Was andere vielleicht als Zumutung abgelehnt hätten, konnte Paulus im Laufe der Zeit immer mehr als Gnadengabe Gottes begreifen: all die Veränderungen, die dieser radikale Richtungswechsel mit sich brachte, waren nicht einfach, aber sie folgten der Verheißung und dem Auftrag Gottes.

Der Wende im eigenen Leben des Paulus entsprach der Bruch mit den Regeln, die bisher für ihn als Juden gegolten hatten: Er durchbrach die Gebote, die die strikte Trennung von Juden und Heiden forderten, und konnte so Menschen für den Glauben an Gott gewinnen, die auf den ersten Blick nicht im Blick des Judentums gewesen waren. Paulus durchbrach diese Gebote nicht nur, weil Gott es ihm aufgetragen hatte, sondern auch, weil Gott es den anderen Apostel, allen voran Petrus offenbart hatte. An Konsequenz übertraf Paulus aber alle anderen.

Paulus hatte die große und weite Sicht des Visionärs, der den Glauben an Jesus Christus ausgebreitet bis an die Enden der Erde sah. Diese visionäre Sicht hat schließlich auch dazu geführt, dass die Menschen hier an Weser und Werre das Christentum annahmen, sich taufen ließen und so zu Miterben der Verheißungen und zu Gliedern am Leib Christi geworden sind. In der Nachfolge dieser Menschen an Weser und Werre und wo sonst wir unsere familiären Wurzeln haben, leben wir und haben wir gelernt, Weihnachten zu feiern: ein Fest, das mit dem Licht des Sterns alle Grenzen überstrahlt, und das uns dies als Vermächtnis und Aufgabe übertragen hat: Die Gute Nachricht, das Evangelium, weiterzugeben, und so das Licht Gottes aufstrahlen zu lassen.

Wie Paulus es erfahren hat, müssen – besser: dürfen auch wir damit rechnen, dass das göttliche Licht, das an Weihnachten in dem Kind Jesus Mensch geworden ist, unser Leben verändert und vor allem die Grenzen unserer Gedanken und Vorstellungen weitet. Mögen unsere Herzen das strahlende weihnachtliche Licht von der Menschwerdung Gottes in sich aufnehmen und dadurch unsere Gedanken und Vorstellungen so weit und groß werden, dass der Glanz Gottes auch durch uns weiter leuchten kann. Amen.