Pfingsten 2018

Natürlich:

Gottesdienst zu Pfingsten,
dem „Tag der Ausgießung des Heiligen Geistes“

mit Abendmahl und
der genialen
Litanei von der Gegenwart Gottes
von Huub Osterhuis

morgen, am Pfingstsonntag,
um 10.00 Uhr in Möllbergen

und

Gottesdienst am Pfingst-Montag

um 10.00 Uhr in Holtrup

Predigt am Pfingst-Montag 2017

Predigt-Icon5Liebe Gemeinde am Pfingst-Montag!
Wenn gefragt wird: „Wieviel Uhr ist es?“ und die Antwort „Viertel elf“ heißt, dann werden sich ostwestfälische Ohren erst einmal schütteln und nachfragen: „Wie bitte?“ Dabei ist es in anderen Gegenden in Deutschland eine ganz normale Antwort, um zu sagen: „Es ist viertel … na? Genau, viertel nach 10“. Denn das erste Viertel der Stunde, bis es 11 Uhr wird, ist um; viertel elf; dann kommt halb elf, dann dreiviertel elf und schließlich elf Uhr.

So ist das mit der deutschen Sprache. Und das hat noch nicht einmal etwas mit Dialekt zu tun. In anderen Gegenden gibt es für manches jeweils andere Bezeichnungen. Und wie besonders Ostwestfälisch als Sprache ist, brauche ich denen nicht zu erzählen, die einmal Harald Mewes mit seinem Programm erlebt haben.

Eine schöne Szene habe auch ich einmal erlebt, als ich mit einigen anderen an der Erarbeitung eines Textes gesessen habe und einer aus der Runde, ein Österreicher, plötzlich fragte, was wir denn mit einem bestimmten Begriff meinten. Und wir stellten im folgenden Gespräch fest, dass der Inhalt des Begriffes in Deutschland ein ganz anderer als in Österreich war. Unser österreichischer Freund seufzte und meinte ironisch-resigniert: „Das, was uns als Deutsche und Österreicher zu allererst trennt, das ist die gemeinsame Sprache.“

Es ist offensichtlich: So sehr Sprache verbindet, so sehr kann sie auch trennen. Die Erzählung vom Turmbau zu Babel ist das ganz herausragende Beispiel dafür. Die größten Menschheitsziele scheitern ganz oft ebenso wie die kleinen zwischenmenschlichen Projekte daran, dass sich die Menschen nicht mehr verstehen: dass sie nicht mehr die gleiche Sprache sprechen – im konkreten, aber auch im übertragenen Sinn.

Menschen reden aneinander vorbei, zum Beispiel, weil der eine auf der Sachebene etwas sagt und der andere darin eine Aussage auf der Beziehungsebene hört; oder weil der eine mit seiner Aussage etwas über sich erzählen möchte und der andere diesen mitschwingenden Ton nicht hört und nur exakt eine sachliche Antwort gibt. Die Kölner Acapella-Gruppe Wise Guys hat dieses Problem, das so oft besonders zwischen Männern und Frauen ein Thema ist, in vielen Songtexten verarbeitet.

So also scheitern kleine und große Projekte: kleine wie eine Partnerschaft und große wie der Turmbau zu Babel: Sie scheitern, weil die einen die Sprache der anderen nicht verstehen. Sie scheitern aber auch an mangelnder Kommunikation: weil die einen denken, die anderen wüssten schon oder noch, was wichtig ist; oder sie scheitern an unausgesprochenen Erwartungen an diejenigen, die ebenfalls mitarbeiten.

Und wie gelingen Projekte? Ich will es zunächst an einem weltlichen Beispiel deutlich machen: Nehmen wir deutsche Bundesligamannschaften im Fußball. Da sind heutzutage Spieler aus ganz verschiedenen Nationen mit dabei, die oft genug bei den Interviews einen Dolmetscher brauchen, weil sie Deutsch nicht oder noch nicht sprechen. Auch Trainer sprechen oft genug kein oder kaum Deutsch. Und trotzdem haben Mannschaften Erfolg, in denen das mit der Verständigung auf den ersten Blick geradezu unmöglich erscheint. Woran liegt das? Es liegt daran, dass der Geist in der Mannschaft stimmt. Dafür muss vor allem der Trainer sorgen. Fußball spielen, das können die alle. Es ist das große Geheimnis der internationalen Fußball-Mannschaften: Der Geist der Mannschaft stimmt.

Und damit ist das Zauberwort gefallen, das auch für den, wenn man es so nennen will, Erfolg der christlichen Kirche steht. Die Strahlkraft des Glaubens, die Anziehungskraft der Gemeinden, das Miteinander in der Kirche, das zu einer Stütze des eigenen, persönlichen Glaubens führt – alles das entsteht, wenn der Geist in der Kirche stimmt. Und dieser Geist ist im christlichen Glauben dann doch etwas ganz anders als der Geist, der in einer Fußball-, in einer Handball- oder in einer Basketball-Mannschaft herrscht. Bei den Sportmannschaften könnte man ja auch wie bei einer Partnerschaft sagen, dass die Chemie zwischen den Beteiligten stimmt.

Mit dem Geist in der Kirche ist das etwas ganz anderes. Denn dieser Geist ist nicht nur die Befähigung zu diesem oder jenem, was Menschen mit christlichem Glauben oder Kirche verbinden: Beten oder diakonisch handeln, Ämter ausüben oder Predigen, ja sogar gesund machen oder Wunder tun – das können andere auch, das ist nicht das Kennzeichen einer christlichen Gemeinde oder – etwas größer gedacht – der christlichen Kirche.

Bei allen Unterschieden in den einzelnen Dingen der Gemeindearbeit, in den Formen, Gottesdiensten zu feiern, in den Möglichkeiten, Kirchengebäude zu bauen und Kirche zu organisieren, bei allen Meinungen über dieses oder jenes Thema, bei allen Frömmigkeitsformen, die das Christentum im Lauf von fast 2000 Jahren hervorgebracht hat: Das, was die eine, heilige, allgemeine und apostolische Kirche in ihrem Innersten zusammen hält, das ist dieser eine Heilige Geist.

Davon hat der Apostel Paulus der Gemeinde in Korinth geschrieben, um die verschiedenen Strömungen in dieser Gemeinde zusammen halten zu können – wir haben es als zweite Schriftlesung gehört.
Es ist der Heilige Geist, der die christliche Kirche zur Kirche macht, zur Ekklesia, wie es auf Griechisch heißt: zu denen, die von Jesus aus der Welt zu dieser Gemeinschaft herausgerufen werden. Ekklesia – das sind die, die aus ihren Häusern herausgerufen sind, um zur Versammlung der Getauften zusammen zu kommen.

Es ist der Heilige Geist, der die christliche Kirche zur Kirche macht. Und woran erkennt man das? Wie merken wir denn, dass es wirklich der Heilige Geist ist, der uns antreibt und nicht irgend ein anderer Geist. Auch dazu hat Paulus eine sehr genaue Meinung: Zunächst stellt er fest, dass alle in der Gemeinde und damit alle in der Kirche eine Gabe, also eine Begabung haben. Paulus schreibt: „Durch einen jeden offenbart sich der Geist.“ Jede und jeder hat also mindestens eine Gabe. Bei manchen muss man diese Begabung erst einmal suchen, weil diejenigen sie vielleicht selber noch gar nicht entdeckt haben, oder, weil sie schüchtern sind und sich nicht trauen, ihre Gabe einzubringen, oder weil sie ein bisschen träge oder sogar faul sind und lieber auf dem Sofa bleiben wollen. Andere haben vielleicht sogar mehrere Begabungen und das sind dann die, die sich in vielen Bereichen der Gemeinde tummeln. Aber: jede und jeder hat mindestens eine Begabung, die er oder sie vom Heiligen Geist bekommen hat. Wie schön, wenn sie entdeckt und dann auch angewandt werden. Und wie viel fehlt in der Gemeinde, wenn Gaben auf dem Sofa brach liegen.

Aber das nur nebenbei. Es ging ja um die Frage, woran man erkennt, dass es auch der richtige Geist ist, der einen da antreibt. Ehrlich gesagt: Es ist nicht so einfach, das zu sagen; denn es gibt kein Messgerät und keine Art von Fieberthermometer, mit denen man messen könnte, ob das nun der Heilige Geist oder so etwas wie ein Gespenst bei Ghost-Busters ist. Es ist vielmehr ein Kriterium, das sich an dem Ganzen der Kirche orientiert. Paulus schreibt: „Durch einen jeden offenbart sich der Geist zum Nutzen aller.“

„Zum Nutzen aller.“ Darauf kommt es Paulus an. Und wir alle ahnen, dass das nicht immer so ganz einfach ist. Nur eines ist wahrscheinlich eindeutig: Wenn jemand unter dem Deckmantel der Gemeinde nur in seine eigene Tasche wirtschaftet, dann läuft irgendetwas schief.

„Durch einen jeden offenbart sich der Geist zum Nutzen aller.“ Vielleicht werden wir in unserer Menschlichkeit dieses „für alle“ nie wirklich erfüllen können. Aber unser Augenmerk, unsere Motivation für alles in der Gemeinde muss immer sein, diesem „zum Nutzen aller“ so nahe wie möglich zu kommen. Dann dürfen wir wohl auch getrost darauf vertrauen, dass der Heilige Geist von sich aus das ausgleicht, was noch fehlt.

Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes, der die Jünger und damit auch uns über alle Sprachprobleme hinweg begeistert und sie so mit den Gaben und Fähigkeiten ausstattet, die die Kirche braucht, um ihren Auftrag zu erfüllen: die Liebe Gottes zu den Menschen zu bringen und so dem Leben zu dienen und Gott zu ehren. Und eine solche Kirche wünsche ich mir am Geburtstag der Kirche auch für unsere Gemeinde. Amen.

Pfingstsonntags-Predigt 2017

Predigt-Icon5Liebe Festgemeinde!
Pfingsten – das Brausen, das alles zu durchdringen scheint, Zungen wie von Feuer, eine mitreißende Predigt, sodass auf einen Satz 3000 Menschen zur Gemeinde dazu kommen, die vorher noch nicht direkt mit Jesus zu tun gehabt hatten. Pfingsten – Fest der Heiligen Geistes und Geburtstag der Kirche, Ausgangspunkt für einen der größten Siegeszüge einer Glaubensüberzeugung, solange Menschen zurückdenken können. Ausgangspunkt für eine weltweite, ökumenische Kirche, die eine unglaubliche Vielfalt von Glaubensweisen und Glaubenstraditionen unter dem Bekenntnis zu Jesus Christus als dem Sohn Gottes, dem Retter und Tröster vereint: von A wie Abendmahl über C wie Charismatische Bewegung, E wie evangelisch, H wie Herzensgebet, K wie katholisch, O wie orthodox, T wie Taufe bis hin zu Z wie Zungenrede.

Das sollen und das wollen auch wir heute weitertragen und weitergeben. Um etwas von dem zu erfahren, habt Ihr, die neuen KU8-Konfis, vor 3 Wochen mit dem 2. Teil des Konfirmandenunterrichtes angefangen. Das alles – alles, was die Kirche heute ausmacht an Glauben und Strahlkraft; das alles, womit die Kirche auch heute Salz der Erde und Licht der Welt nach der Verheißung Jesu ist – alles das hat an und mit Pfingsten angefangen.

„… Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne …“ – Viel werden die Zeile aus dem berühmten Stufen-Gedicht von Hermann Hesse kennen. Sehen wir auf die Pfingstgeschichte des Lukas mit ihrer Dramatik und ihrem Schwung, mit ihrer grandiosen Reichweite und ihrem fulminanten Ergebnis, werden wir diese Gedichtzeile nur zu gerne bestätigen wollen: War das damals ein Auftakt für inzwischen fast 2000 Jahre Christentumsgeschichte! Wie beim Fußball das 1:0 nach 30 Sekunden, wie ein Bühnenfeuerwerk, wenn die umjubelten Künstler auf die Bühne kommen und das Konzert ein absoluter Megaevent zu werden verspricht.

„… Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne …“ – So wunderbar das mit dem Geburtstag der Kirche ist, so toll der Begeisterungssturm bei ersten Pfingstfest war – also der Zauber des Anfangs – so sehr müssen wir aber auch sehen, dass dieser Anfang nicht ohne ein Ende möglich war und Hermann Hesses Satz dann auch so klingen könnte: „… Und jeder Anfang trägt ein Ende in sich …“

Und damit sind wir mitten drin im Predigttext für den heutigen Pfingst-Sonntag, denn auch der Aufbruch der Pfingstgeschichte ist nicht ohne ein Ende, ohne einen Abschied möglich gewesen. Wir machen dazu einen Sprung zurück in die Zeit vor Auferstehung und Kreuzigung und sehen Jesus und seine Jünger am letzten Abend vor Jesu Tod. Nach Johannes bereitet Jesus die Seinen ganz genau auf die Zeit nach seinem Tod vor. Hören wir zunächst auf drei Verse aus dem 16. Kapitel im Evangelium nach Johannes. Da sagt Jesus:

5 Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand von euch fragt mich: Wo gehst du hin?
6 Doch weil ich dies zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauer. 7 Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, werde ich ihn zu euch senden.

Damit etwas Neues werden kann, muss vorher etwas Altes aufhören, zuende gehen. So sehr wir das – wie die Jünger damals – bedauern mögen; es ist einfach so. Bevor der neue Trainer anfangen kann, muss der alte aufhören; ebenso ist es bei Chorleitern und Bundeskanzlern, bei Pfarrern und Klassenlehrern. Ich gebe es zu – manchmal wird das Ende einer Amtszeit eher herbeigesehnt, als dass der Abschied schwer fällt. Aber das ist bei Jesus ja nicht der Fall. Seine Jünger erwarten alles von ihm und wollen mit ihm durch Dick und Dünn gehen.

Und Jesus macht ihnen deutlich: „Auch wenn Euch das im ersten Moment traurig macht, auch wenn ihr für eine kurze Zeit sogar die Perspektive für Euren weiteren Weg verlieren werdet, habt keine Angst und versinkt nicht in Depressionen. Dieser Schritt ist sinnvoll und notwendig.“ Und wir können für uns ergänzen: Wenn Jesus in seiner weltlich-körperlichen Gestalt nicht gegangen wäre, wie sollte er dann an allen Orten gegenwärtig sein?

Für die Jünger war es ein harter Abschied, aber rückblickend werden sie alle den Worten Jesu zugestimmt haben. Nur so konnte aus der lokalen Aussteigergruppe die weltweite Kirche werden, die Jesus als den Christus bis an die Enden der Erde bezeugen soll.

Jesus hat den Heiligen Geist als den Tröster verheißen, den „Fürsprecher“ und den „Beistand“. Da könnte man ja sagen: alles klar, damit ist auch gesagt, was der Heilige Geist tun soll: Trösten, Fürsprecher sein und den Gläubigen in den unterschiedlichsten Situationen beistehen. Aber weit gefehlt. Jesu hat noch ganz andere Vorstellungen davon, was der Geist tun soll. Hören wir die nächsten 3 Verse aus dem 16. Kapitel des Johannesevangeliums:

8 Und wenn er – der Tröster – kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht; 9 über die Sünde: dass sie nicht an mich glauben; 10 über die Gerechtigkeit: dass ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht seht; 11 über das Gericht: dass der Fürst dieser Welt gerichtet ist.

Nicht nur für die Christen ist der Geist da, sondern auch für die Welt – also für die, die abseits des Glaubens und der Kirche stehen. Und allen wird er aufdecken und klar machen, allen wird er ans Licht und an den Tag bringen, was mit den drei großen Stichworten des christlichen Glaubens gemeint ist: Sünde, Gerechtigkeit und Gericht. Und auch wenn wir heute und hier den Geburtstag der Kirche feiern, ist es bestimmt gut, einen kurzen Blick auf diese drei Begriffe zu werfen, die zunächst so gar nicht zu einer fröhlichen Party zu passen scheinen. Aber sie sind die entscheidenden Gründe, warum Pfingsten wirklich ein Grund zum Feiern ist.

Sünde: das ist, sich von Gott abwenden; eben kein moralischer Zeigefinger, der immer nur „Du, du, du!“ macht und kleine Sünden sofort und die großen nach neuen Monaten bestraft. Wer mit Gott in einer lebendigen Beziehung steht, braucht keinen solchen Zeigefinger.

Gerechtigkeit: Jesus bleibt nicht in Jerusalem, er ist nicht im Besitz von einigen wenigen, die meinen, ihn für sich reklamieren können nach dem Motto: „Jesus gehört uns, wir alleine haben ihn und bestimmen, wer etwas von ihm abbekommt.“ Nein. Jesus ist bei seinem Vater und wendet sich allen gleichermaßen und gerecht zu.

Gericht: Der Fürst dieser Welt ist gerichtet. Gericht ist nicht Fegefeuer, in dem wir eine unendlich lange Zeit schmoren müssen, bis irgendwann einmal das Ende der Welt gekommen ist und wir gaaanz vielleicht Zugang zum Himmel bekommen. Auch diese Vorstellung ist Machtmissbrauch einiger gegenüber vielen. Richtig ist vielmehr: Jesus hat die Macht des Bösen ein für allemal zerbrochen und gerichtet. Die Herrschaft des Teufels, des altbösen Feinds ist zerbrochen – „ein Wörtlein kann ihn fällen“, wie Martin Luther es in „Ein feste Burg ist unser Gott“ gedichtet hat. Das ist die Botschaft der Freiheit von aller Macht des Bösen. Zu dieser Freiheit befreit uns Jesus Christus.

Schließlich: Die Jünger und damit auch wir brauchen keine Angst zu haben, dass dieser Geist mit seinen Weisungen etwas anderes wäre als Jesus selbst, oder etwas anderes sagen würde, als es Jesus selbst gelehrt hätte. Dazu die letzten Verse des Predigttextes aus dem 16. Kapitel des Johannesevangeliums:

12 Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen. 13 Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in aller Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. 14 Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er’s nehmen und euch verkündigen. 15 Alles, was der Vater hat, das ist mein. Darum habe ich gesagt: Er nimmt es von dem Meinen und wird es euch verkündigen.

Gleich – im Nizänischen Glaubensbekenntnis – werden wir es sprechen: Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird.“ Es gibt keinen Unterschied zwischen dem Vater und Schöpfer, dem Sohn und Erlöser und dem Geist, dem Tröster und Inspirator. Unser Gott ist einer. Aus seinem Wirken entstand am 50. Tag nach Ostern die eine, heilige, allgemeine und apostolische Kirche, der Leib Christi, zu dem wir im Abendmahl immer wieder neu verbunden werden, wenn wir Brot und Kelch empfangen und untereinander teilen. Und aus seinem Wirken erhält diese Kirche bis heute immer wieder neu den glaubenstärkenden und lebenschaffenden Geist von Glaube, Hoffnung und Liebe, der sie durch die Zeiten gehen lässt – und zwar nicht rückwärtsgewandt mit einem „Ach war das damals schön!“ auf den Lippen, sondern in die Zukunft.

Und deshalb – bei aller konstruktiven Kritik, die für die Kirche als Organisation immer auch angebracht ist:
Liebe Kirche – zum Geburtstag: Viel Glück und viel Segen auf all deinen Wegen. Ein fröhliches Herze, das schenke dir Gott. Amen.

Pfingst-Gottesdienste 2017

Am Sonntag und am Montag feiern wir Pfingsten: den Tag der Ausgießung des Heiligen Geistes, an dem sich damals 3000 Menschen haben taufen lassen, die vorher nicht mit Jesus unterwegs gewesen waren. Und deshalb kann man an Pfingsten gerne auch als Geburtstag der Kirche feiern. Gottes Geist setzt in Bewegung, eröffnet neue Blickrichtungen auf das Leben und macht Mut, sich für Jesus Christus zu engagieren.

Herzliche Einladung zu den Gottesdiensten:

  • am Pfingstsonntag*
  • in der Möllberger Kirche
  • mit Feier des heiligen Abendmahls
  • um 10.00 Uhr

und

  • am Pfingstmontag
  • in der Holtruper Kirche
  • um 11.00 Uhr (!!)
  • mit anschließendem Mittagessen (wer teilnehmen möchte bringt einfach etwas mit: Brot oder Salat oder Nachtisch)

Kirche_mit_Kindern* Am Pfingstsonntag gibt es auch dieses Mal Kindergottesdienst (nach gemeinsamem Anfang im Gemeindehaus).

Predigt Pfingstsonntag 2015

Predigt-Icon5Liebe Gemeinde am Pfingstsonntag!
Ich bin immer wieder fasziniert, was heutzutage möglich ist, wenn die Besten der Besten aus dem Trick-Bereich und dem Maskenbereich der Filmindustrie loslegen und uns die unglaublichsten Dinge auf die Kinoleinwand malen: die absonderlichsten Kreaturen erscheinen auf der Leinwand, die unglaublichsten Naturereignisse lassen uns erschauern, Licht- und Schattenspiele erzeugen atemberaubende Spannung, ganze Welten mit allem Drum und Dran entstehen und vergehen in Sekundenschnelle. Der Phantasie sind inzwischen im Film keine Grenzen mehr gesetzt.

Wenn ich dann verschiedene Abschnitte der Bibel lese, denke ich oft: Wie wäre es denn, wenn diese Filmprofis sich einmal an diesem Stoff versuchen würden: Aus manchen Stellen der Offenbarung des Johannes, mit der Schöpfungsgeschichte, dem Untergang von Sodom und Gomorra oder der Sintflut ließen sich ganz bestimmt faszinierende Filmszenen erstellen – ohne dass die biblischen Geschichten durch das Drehbuch ganz kaputt gemacht werden – wie das in der Noah-Verfilmung im vergangenen Jahr gewesen ist.

Wir alle haben bestimmt solche Filmszenen vor Augen, die uns diese ganz besondere Film-Realität vor Augen führen und uns erschauern lassen – faszinierend und oft gruselig zugleich. Und ich lade Sie jetzt ein, den Predigttext mit genau dieser Einstellung, diesem Filmgefühl zu hören und der eigenen Phantasie freien Lauf zu lassen. Denn der heutige Predigttext aus dem Propheten Hesekiel ist auch so ein Abschnitt, der für das große Kino auf der Leinwand und im Kopf bestens geeignet ist. Also: Aus dem Propheten Hesekiel im 37. Kapitel:

 

Hesekiel 37,1-14

Liebe Gemeinde!
Das ist ganz großes Kino in den Köpfen – in unseren Köpfen heute und sicherlich auch damals, als diese Worte für die Israeliten gesprochen und aufgeschrieben wurden. Damals – das ist ziemlich genau 2600 Jahre her, als der König von Juda und die ganze Oberschicht der Israeliten in das Exil in Babylon verschleppt waren. Das Volk Gottes nicht nur am Boden, sondern eben tot, mausetot. Abgestiegen könnte man sagen.

Und dann bekommt der Priester Hesekiel nach vielen, vielen kritischen Ansagen mit dieser großen Vision vom Leben daher. Hesekiel verheißt Leben, nicht nur irgendwie, sondern mit Zusammenhalt und Substanz. Leben auch nicht irgendwo, sondern dort, wo sich für die Israeliten damals und bis heute Wohnen und Heimat mit Leben vereinen: im gelobten Land, in Palästina. Viele von seinen Zuhörer werden den Anfang allen Lebens vor Augen gehabt haben, wenn Hesekiels die Situation aus der Schöpfungsgeschichte aufgreift: die wiedererschaffenen Menschen werden erst dadurch wieder mit Leben erfüllt, dass sie vom Odem, dem Atem und Geist Gottes angeblasen werden wie Adam in der Schöpfungsgeschichte. Und vor allem: Weil Gott es soll will, wird es auch so geschehen.

Durch den Geist Gottes gibt es Leben. Das ist die Botschaft, die von Hesekiel an das Totenfeld ausgerichtet wird. Es ist wohl dieser Punkt, der dazu führt, dass dieser Text für das Pfingstfest neu in die Reihe der Predigttexte aufgenommen werden soll.

Es gibt weitere Situationen, die dem Totenfeld des Hesekiel zu entsprechen: Die eine Situation ist die der Jünger vor dem Pfingstfest, vor allem direkt nach Karfreitag: Keine Spur von Leben, nur Unsicherheit und Angst. Dann war Jesus zu ihnen gekommen und sie hatten wieder etwas Mut geschöpft, aber nach Himmelfahrt war es wohl auch wieder die Unsicherheit, die das Miteinander geprägt hatte.

Und dann kam an Pfingsten der Geist Gottes und hauchte den Jüngern eine solche Menge von Leben ein, dass es in Jerusalem wie in einem geschäftigen Bienenstock summte und brummte. Es kamen durch Gottes Geist an diesem einen Tag 3000 Menschen zu der gerade entstandenen Gemeinde dazu. Es ist geradezu unglaublich und für die anderen geradezu beängstigend, welche Dynamik das Christentum bekam.

Gott hat auf seine Weise die Jünger aus ihrem Grab der Unsicherheit und Perspektivlosigkeit gerissen und ihnen Zusammenhalt für die einzelnen Glieder der Gemeinde gegeben. Und Jesus hat ihnen mit seinem Auftrag, bis an die Enden der Erde zu wirken, einen Ort und ein Ziel gewiesen, wie es Ezechiel für das Volk Israel sechshundert Jahre vorher getan hatte.

Ich frage mich dann immer wieder, wo wir uns in der Vision von Ezechiel verorten können: Wir – die evangelische Kirche in Möllbergen und Holtrup-Vennebeck und Holzhausen und Costedt, im Evangelischen Kirchenkreis Vlotho; die Evangelische Kirche von Westfalen und weltweit: als Protestanten und in der großen Ökumene. Wo stehen wir? Wie begeistert sind wir? Haben wir immer wieder – um in den Worten von Hesekiel zu sprechen – neues Fleisch auf den Rippen und Sehnen, die uns zusammenhalten?

Und mich beschleicht manchmal die Befürchtung, dass es eher erst das Totenfeld ist, das Hesekiel beschreibt, als die wieder mit Leben erfüllten und mit dem Atem Gottes angeblasenen Wiederdererwachten.

Aber auch wir feiern heute Pfingsten – feiern, wie Gott den Jüngern seinen Geist gegeben hat und die Jesus-Bewegnung in Gang gesetzt hat, aus der dann das Christentum und die Kirche geworden sind. Durch unsere Taufe sind wir mit dem Geist Gottes begabt und wir dürfen getrost darauf vertrauen, dass er auch bei uns wirksam werden will, kann und wird. Wir feiern Abendmahl, das uns immer wieder neu zur Gemeinde Jesu Christi verbindet und uns stärkt.

Gott hat zugesagt, dass er es redet und dass er es auch tut. Darauf dürfen wir getrost vertrauen und uns von ihm in das Land bringen lassen, das er für uns bestimmt hat, also an den Ort, wo er uns will und braucht. Wahrscheinlich ist das gar nicht weit von uns entfernt. Wir müssen nicht in die ganz weite Welt hinaus. Diejenigen, an die Gott uns weist, treffen wir wahrscheinlich vor unserer Haustür oder vor der unserer Nachbarn.

Seien auch wir bereit und lassen wir uns von Gott begeistern, dass Gottes Lebenshauch die Totenfelder unserer Zeit bewegt – wie wir gleich singen werden – und dass es bei uns ebenso saust und braust wie damals in Jerusalem. Amen.