Predigt am Ewigkeitssonntag – 22. November 2020

Der Predigttext aus Offenbarung 21,1-7 wurde zuvor als Schriftlesung vorgetragen. Der Ablauf des Gottesdienste ist unten zu finden.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen.
Liebe Gemeinde am Ewigkeitssonntag!

Auf was hoffen wir als Christinnen und Christen? Was lässt uns angesichts von Naturkatastrophen, von menschengemachtem Klimawandel und von gesellschaftlichen Verwerfungen; was lässt uns aber auch angesichts persönlicher Schicksalsschläge und Bedrohungen durch ein weltweites Virus und eigene Abgründe, in die wir sehen, trotzdem weiterleben und in die Zukunft gehen – und das sogar hoffnungsvoll und zuversichtlich?
Der Seher Johannes stellt uns mit seiner Vision von neuem Himmel und neuer Erde und vom himmlischen Jerusalem ein ganz vielfältiges Bild vor Augen, das die Kraft hat, uns zu tragen. Was meint dieses Bild in seiner wunderbaren Vielfalt?

Gott renoviert seine Schöpfung – und zwar gründlich. Von der Schöpfung hatte es im 1. Buch Mose ja geheißen, dass sie gut, ja sehr gut gewesen war. Aber im Lauf der Zeit war das alles doch etwas schäbig geworden, denn vor allem einige der Mieter waren nicht besonders pfleglich mit der Schöpfung umgegangen. Also Grundrenovierung:

Ein wichtiger Teil der alten Schöpfung hat in der neuen nun keinen Platz mehr. „Das Meer ist nicht mehr“ – was wie eine zu vernachlässigende Nebensache erscheint, hat eine ungeheuerliche Dimension: Denn wir erleben Meer immer wieder als tödliche Gefahr. Es ist wie für Menschen auf den Halligen bei einer Sturmflut und „Land unter!“, und das passiert ja auch im übertragenen Sinn oft genug: dass die Stürme des Lebens über unsere kleine Lebens-Hallig von geordneter Welt hinwegbrausen und dann „Land unter“ ist – eben Chaos.

Wie für die Bewohner der heutigen Küstenregionen war das Meer auch schon für die Menschen der Antike die Gefahr schlechthin, auch wenn sie Hafenstädte bauten und sich zumindest küstennah mit ihren Schiffen auf das Meer hinaus trauten. „Das Meer ist nicht mehr.“ Wenn das Meer nicht mehr ist, sind die Urflut und damit das Chaos beseitigt, die Stürme, die über das Leben hinwegfegen.

Die Krönung der ganzen Renovierungsaktion Gottes ist das neue Jerusalem. Wie mit einer Krone wird die neue Erde durch die himmlische Stadt gekrönt. Denn wie eine Krone sieht diese Stadt aus – Johannes beschreibt direkt nach unserem Predigtabschnitt ihre wunderbare Beschaffenheit aus edelsten Materialien.

Bei aller vordergründiger Pracht ist dieses Jerusalem aber kein Palast und keine Burg. Es hat eher die Gestalt eines Zeltes oder einer Hütte und erinnert damit an die Stiftshütte während der Wüstenwanderung des Volkes Israel. In der Hütte damals war Gott in besonderer Weise durch die Tafeln mit den 10 Geboten gegenwärtig. In seiner neuen Hütte Jerusalem nun wohnt Gott selbst. Er inmitten seiner ganzen Völker. Ja, es ist ein ganz bunter Haufen, der sich um ihn versammelt. Nicht ein Volk ist, wie es in den früheren Übersetzungen hieß, sondern eine wunderbare Vielzahl – alle mit ihren so unterschiedlichen Geschichten und Traditionen, ihren Frömmigkeitsstilen, Liedern und Bekenntnissen.

„Und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein.“ Wie ein Name, so wirkt der Einschub „Gott mit ihnen“. Wie Mose am Dornbusch etwas über das Wesen Gottes erfährt: Ich bin der „Ich bin da!“, so lernt Johannes hier einen weiteren Wesenszug Gottes kennen: „Ich bin mit ihnen.“ – so heißt unser neuer Nachbar, unser Mitbewohner. Alle, die schon einmal in einer WG oder einem Haus mit vielen Mietparteien gewohnt haben, wissen, wie wichtig es ist, wer da neben einem einzieht. Und dieser Nachbar ist sehr vielversprechend: „Ich bin mit ihnen.“ als Nachname, „Ich bin der Ich bin da!“ als Vorname. Den lassen die Menschen gerne bei sich wohnen.

Und ich frage mich, ob es nicht auch meine Frage sein muss – hier und heute: „Wen lasse ich neben und bei und vor allem in mir wohnen – in meinem Herzen?“ Wem gebe ich Raum in meinen Gedanken und Gefühlen? Diesem Gott oder anderen, den Mächte der Finsternis, die so gerne Macht über mich erlangen wollen? „So lass mich doch dein Kripplein sein; komm, komm und lege bei mir ein dich und all deine Freuden.“, dichtet Paul Gerhardt in seinem Lied „Ich steh an deiner Krippen hier.“ Hoffentlich können wir es an Weihnachten gemeinsam singen.

Gott tilgt bei seiner Renovierungsaktion dann auch noch ein paar weitere Kleinigkeiten, die wie eine große Hypothek auf der alten Schöpfung gelegen haben: Tränen und Tod, Geschrei und Schmerz wird es in der erneuerten Schöpfung nicht mehr geben. Wenn Gott seine Schöpfung renoviert, dann tut er das gründlich: „Siehe, ich mache alles neu!“ Was für eine Erlösung angesichts von so viel Not und Elend in unserer Zeit und den Zeiten zuvor!

Wie Gott den Anfangspunkt seiner Schöpfung gesetzt hat, so lässt er sich auch das Ende nicht aus der Hand nehmen: „Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende.“ Es ist aber kein Ende, das einen mit Traurigkeit erfüllt. Es gibt kein: „Schade, es ist vorbei!“ Das Ende von Gottes erster Schöpfung ist das ersehnte Ziel, das diese Welt und jede und jeder einzelne ersehnt, nachdem man an der Startlinie aufgebrochen ist.

Der Weg zur Ziellinie ist – so schöne Momente es zwischendurch auch gibt – aber doch kräftezehrend. Er macht durstig – unendlich durstig nach Leben. Und Gott hat dafür den passenden Durstlöscher: Wasser des Lebens. Die Quelle für dieses Wasser ist Jesus Christus.

Liebe Gemeinde!
Was aber ist die besondere Bedeutung dieser Vision für uns? Was nützt uns die noch ausstehende Renovierung seiner Schöpfung durch Gott, wenn wir noch in der alten leben müssen, die eben nicht mehr sehr ansehnlich ist? Die Vision des Johannes von der neuen Schöpfung hat nicht nur als Hoffnungsbild in schwierigen Zeiten ihre tröstliche Wirkung. Nichts läge Johannes ferner, als dass wir uns in eine Zukunft wegträumen, nur um einer mehr oder weniger grausigen Gegenwart zu entfliehen. Der Seher Johannes ist zutiefst davon überzeugt, dass der auferstandene Herr Jesus Christus auch in dieser Zeit des „Vorletzten“ gegenwärtig ist – trotz aller Finsternis, die es auch gibt. Diese Überzeugung zieht sich durch die ganze Offenbarung.

Und wie der irdische Jesus seinen Jüngern gesagt hat, dass das Reich Gottes nicht etwas Unbegreifliches und Unwirkliches ist, sondern sich mitten unter den Jüngern Jesu ereignet, so ist auch Johannes davon überzeugt, dass die Wirklichkeit von Gottes Ewigkeit auch in diese Welt hinein reicht und an dieser und jener Stelle sichtbar und erfahrbar wird.

So wird die Bedeutung sichtbar, die die Vision von Johannes für uns heute haben kann: Denn eine Zukunft, die mein Leben hier und jetzt ergreift, gibt Kraft und Zuversicht. Ja, immer wieder erleben Menschen, dass sie mit den Worten von Johannes etwas von dem lebendigen Wasser bekommen, das Gott für uns bereit hält: Ihr Durst nach Leben wird gestillt und sie können nicht nur ihre Bedrängnisse und Katastrophen bestehen, sondern darüber hinaus helfen, für andere das Reich Gottes an diesem oder jenem Punkt Wirklichkeit werden zu lassen.

Gott verheißt nicht, dass das Leben im Vorletzten einfach, dass es nur ein netter Spaziergang wäre. Johannes schreibt seine Vision in einer Zeit nieder, die von Gefahr und Verfolgung für die jungen christlichen Gemeinden geprägt ist. Es geht in diesem Leben um Überwinden oder Unterliegen, es geht um Sieg oder Niederlage. Aber für alle, die diesen Kampf aufnehmen und durchhalten, gilt eben der Name, den Gott sich direkt vorher gegeben hat: Er ist „Gott mit ihnen!“ und deshalb ist er auch „unser Gott mit uns“ – auf unserem Lebensweg, bis wir bei ihm an Ziel sind.

Denn Johannes weiß um die Liebe, die Gott für uns hat, wie er in seinem 1. Brief schreibt: „Seht doch, wie groß die Liebe ist, die uns der Vater erwiesen hat: Kinder Gottes dürfen wir uns nennen, und wir sind es tatsächlich! Ja, liebe Freunde, wir sind Gottes Kinder, wir sind es hier und heute. Und das ist erst der Anfang! Was darin alles eingeschlossen ist, ist uns vorläufig noch nicht enthüllt. Doch eines wissen wir: Wenn Jesus in seiner Herrlichkeit erscheint, werden wir ihm gleich sein; denn dann werden wir ihn so sehen, wie er wirklich ist.“ Amen.

Ablauf des Gottesdienstes:

  • Musikalisches Vorspiel: „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ (EG 147)
  • Begrüßung
  • Lied „Behutsam leise nimmst du fort“ (GL 82)
  • Votum
  • Psalm 126 (EG 754, S. 1183)
  • Gnadenzusage: Jesaja 65,17
  • Tagesgebet
  • Schriftlesung: Offenbarung 21,1-7 und Halleluja: Psalm 16,11
  • Lied „Der Himmel, der ist, ist nicht der Himmel“ (EG 153)
  • Predigt über Offenbarung 21,1-7
  • Glaubensbekenntnis
  • Lied „Solang wir Atem holen“ (Text: Sytze de Vries)
  • Abkündigungen
  • Fürbitten
  • Vater unser
  • Lied „Valet will ich dir geben“ (aus der Kantate „Christus, der ist mein Leben“ von Joh. Seb. Bach, BWV 95)
  • Segen
  • Musikalisches Nachspiel: „Jerusalem, du hochgebaute Stadt“ (EG 150)

Gottesdienst am 26. November 2017 (Ewigkeitssonntag)

PaToWi_Icon2aDer Letzte Sonntag im Kirchenjahr, (morgen, am 26. November) gehört neben dem Buß- und Bettag und dem Karfreitag zu den nachdenklichsten Tagen im Kirchenjahr. Er ist auf der anderen Seite aber auch einer zu Sonntage, die in besonderer Weise einen Blick in die Zukunft eröffnen. Als Totensonntag ist er dem Gedenken der Entschlafenen gewidmet und ist damit das evangelische Pendent zum römisch-katholischen Gedenken an Allerheiligen und Allerseelen Anfang November. Bei uns wie in vielen anderen Gemeinden wird an diesem Sonntag namentlich der im zuende gehenden Kirchenjahr Verstorbenen gedacht. Es steht in diesem Gottesdienst dann aber nicht mehr so sehr das Abschiednehmen im Vordergrund, sondern das Gedenken und vor allem die Hoffnung auf das Leben bei Gott, das sich in der Offenbarung des Johannes mit dem Bild vom „himmlischen Jerusalem“ verbindet (Offenbarung 21,1-7). Damit kommt auch der Charakter des Sonntags als Ewigkeitssonntag in den Blick, der unseren Blick darauf richtet, dass unser Leben über dieses irdische Leben hinaus reicht und dass uns bei Gott eine Zukunft verheißen ist, die weit über das hinaus geht, was wir uns in diesem Leben vorstellen können.  Alle menschlichen Bilder und Begriffe dazu sind höchstens Annäherungen, mit denen wir versuchen, davon zu sprechen.

Wann das dann sein wird, steht nicht – wie manche geradezu sprichwörtlich meinen sagen zu können – in den Sternen. Im Neuen Testament wird der „Jüngste Tag“ als das „Datum“ genannt, an dem Jesus Christus wiederkommen wird. Die Urchristenheit rechnete noch mit dem Kommen dieses Momentes zu Lebzeiten der ersten Christen. Aber das geschah nicht. In einem Gesangbuchlied heißt es: „der Jüngste Tag ist nun nicht fern“. Aber auch trotz aller modernen Weltuntergangsphantasien ist dieser Tag noch nicht eingetroffen und es bleibt abzuwarten, wann es wohl so weit sein wird.

Wenn wir fragen, wie das mit den Menschen ist, die gestorben sind: wann für diese Menschen „die Ewigkeit“ anfängt, wird uns klar: Ein Mensch, der unsere Zeit und den Raum des Lebens im Hier und jetzt verlässt, tritt unmittelbar in die Ewigkeit Gottes ein, in der es ja keine Zeit in unserem Sinn mehr gibt. Es gibt deshalb auch keine „Wartezeit“, bis es für die Menschen, die später leben, auch so weit ist. Mit unserem Tod sind wir aufgenommen in Gottes Ewigkeit und es gelten die Verheißungen, die uns Gott selbst und durch Jesus Christus gegeben hat.

Daran dürfen wir uns – auch für unsere Verstorbenen – neu erinnern lassen. Also:

Herzliche Einladung zu den Gottesdiensten:

  • am Letzten Sonntag im Kirchenjahr
  • jeweils mit Abendmahl
  • in der Möllberger Kirche um 10.00 Uhr (Pfarrer Torsten Willimczik)
  • in der Holtruper Kirche um 10.00 Uhr (Pfarrerin Christine Höke)
  • in der Vennebecker Kapelle um 15.00 Uhr (Pfarrer Torsten Willimczik)

Kirche_mit_KindernAm Sonntag gibt es am Vormittag Kindergottesdienst in Holtrup im Gemeindehaus (nach gemeinsamem Anfang in der Kirche).

Gottesdienst am 20. November 2016 (Ewigkeitssonntag)

PaToWi_Icon2aAm 22. November, wird in der evangelischen Kirche der Letzten Sonntag im Kirchenjahr, der auch als „Ewigkeitssonntag“ und als „Totensonntag“ bekannt ist. Wir gedenken an diesem Tag der Gemeindeglieder, die im zuendegehenden Kirchenjahr verstorben sind. Es steht in diesem Gottesdienst aber nicht mehr so sehr das Abschiednehmen im Vordergrund, sondern das Gedenken und vor allem die Hoffnung auf das Leben bei Gott, das sich in der Offenbarung des Johannes mit dem Bild vom „himmlischen Jerusalem“ verbindet (Offenbarung 21,1-7).

Im Neuen Testament wird der „Jüngste Tag“ als das „Datum“ genannt, wann das himmlische Jerusalem kommen und an dem Jesus Christus wiederkommen wird. Die Urchristenheit rechnete noch mit dem Kommen dieses Momentes zu Lebzeiten der ersten Christen. Aber das geschah nicht. In einem Gesangbuchlied heißt es: „der Jüngste Tag ist nun nicht fern“. Aber auch trotz aller modernen Weltuntergangsmeldungen ist dieser Tag noch nicht eingetroffen und es bleibt abzuwarten, wann es wohl so weit sein wird.

Wenn wir fragen, wie das mit den Menschen ist, die gestorben sind: wann für diese Menschen „die Ewigkeit“ anfängt, wird uns klar: Ein Mensch, der unsere Zeit und den Raum des Lebens im Hier und jetzt verlässt, tritt unmittelbar in die Ewigkeit Gottes ein, in der es ja keine Zeit in unserem Sinn mehr gibt. Es gibt deshalb auch keine „Wartezeit“, bis es für die Menschen, die später leben, auch so weit ist. Mit unserem Tod sind wir aufgenommen in Gottes Ewigkeit und es gelten die Verheißungen, die Gott uns selbst und durch Jesus Christus gegeben hat.

Daran dürfen wir uns – auch für unsere Verstorbenen – neu erinnern lassen. Also:

Herzliche Einladung zu den Gottesdiensten:

  • am Letzten Sonntag im Kirchenjahr
  • jeweils mit Abendmahl
  • in der Möllberger Kirche um 10.00 Uhr (Pfarrerin Eltzner-Silaschi)
  • in der Holtruper Kirche um 10.00 Uhr (Pfarrer Torsten Willimczik)
  • in der Vennebecker Kapelle um 15.00 Uhr (Pfarrer Torsten Willimczik)

Kirche_mit_KindernAm Sonntag gibt es bei den Gottesdiensten am Vormittag
wie immer Kindergottesdienst im Gemeindehaus
(nach gemeinsamem Anfang in der Kirche).

Gottesdienst am 22. November

PaToWi_Icon2aMorgen, am 22. November, begehen wir den Letzten Sonntag im Kirchenjahr, der auch als „Ewigkeitssonntag“ und als „Totensonntag“ bekannt ist. Wir gedenken an diesem Tag der Gemeindeglieder, die im zuendegehenden Kirchenjahr verstorben sind. Es steht in diesem Gottesdienst aber nicht mehr so sehr das Abschiednehmen im Vordergrund, sondern das Gedenken und vor allem die Hoffnung auf das Leben bei Gott, das sich in der Offenbarung des Johannes mit dem Bild vom „himmlischen Jerusalem“ verbindet (Offenbarung 21,1-7).

Also:

Herzliche Einladung zu den Gottesdiensten:

  • am Letzten Sonntag im Kirchenjahr
  • jeweils mit Abendmahl
  • in der Möllberger Kirche um 10.00 Uhr
  • in der Holtruper Kirche um 10.00 Uhr
  • in der Vennebecker Kapelle um 15.00 Uhr

Kirche_mit_KindernAm Sonntag gibt es bei den Gottesdiensten am Vormittag
wie immer Kindergottesdienst im Gemeindehaus
(nach gemeinsamem Anfang in der Kirche).