Predigt zur Konfirmation am Sonntag Jubilate

Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Bemühen im Reden und Hören. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder in Christus!
Ganz besonders: Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden!

Es ist ein ganz besonderer Predigttext, der heute zu bedenken ist. Alle Unterteilungen der Bibel in Altes und Neues Testament, in Briefe, Evangelien und Ähnliches komen hier und heute nicht zum Zug, denn es ist ein regelrechtes Sammelsurium von Versen der Bibel, vom ersten, dem 1. Buch Mose, bis zum Hebräerbrief, dem fast letzten Buch. Es sind eure Konfirmationssprüche, die Ihr Euch ausgesucht habt.

Diese Sprüche sollen Euch ein ganzes Leben lang begleiten und Euch nahe sein; sie können Euch Inspiration sein und neue Gedanken geben, wenn ihr sie braucht; sie können eine Leitschnur sein, an der Ihr Euer Leben ausrichten könnt. Sie können Halt und Hoffnung geben, in schwierigen und traurigen Zeiten; sie können zur Dankbarkeit Gott gegenüber helfen, wenn es Euch gut geht. Vor allem sollen und können sie – ähnlich wie bei Eurem Taufspruch oder später bei Eurem Trauspruch eines sein: ein Anknüpfungspunkt für das, was ich als das Lebensgespräch mit Gott bezeichne, diese hoffentlich lebendige Beziehung zwischen Euch und dem großen Geheimnis des Lebens, das wir Gott nennen: der die Welt ins Sein gerufen hat, der in Jesus Christus in unsere Lebenswelt hinein gekommen ist, der durch den Heiligen Geist mit uns Kontakt aufnehmen und zu seiner Gemeinde verbinden will.

Was erwarten Menschen von Gott? Sie haben eine Ahnung davon, dass er ihnen eine Perspektive für das Leben geben kann und will: Wegweisung für das Leben auf ein Ziel hin. So heißt es in Psalm 86,11: „Weise mir, HERR, deinen Weg, dass ich wandle in deiner Wahrheit; erhalte mein Herz bei dem einen, dass ich deinen Namen fürchte.“ Und in Psalm 119,105: „Herr, Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg.“ – Ob Bitte oder Gewissheit: Da geht es lang.

Es gibt aber auch eine zweite Möglichkeit: Da haben Menschen vorher noch gar nichts mit Gott zu tun gehabt und wissen plötzlich: Da ist Gottes Stimme, die sagt mir, wo es lang geht, ob ich will oder nicht. Den Propheten im Alten Testament ist es so ergangen und oft genug haben sie davor zurückgeschreckt, sich auf Gott einzulassen. So wie Jeremia, der dann doch Gottes Wort verkündigt hat, der aber am Anfang nicht wollte, weil er – vielleicht wie Ihr – Respekt oder Bammel davor hatte, sich auf Gott einzulassen, denn er wusste: Das wird mein Leben verändern. Aber Gott hat Jeremia und Euch zur Antwort gegeben und spricht: „Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende.“

Es sind immer wieder erstaunliche und manchmal sehr verschlungene Wege, die Gott seine Menschen führt. Oft wissen wir erst, wenn wir angekommen ist, warum im Leben manches so sein musste und warum es gut war, wie es war. So undurchschaubar Gottes Wege mit uns Menschen aber sind: Wir gehen sie nicht ohne ihn. Schon Abraham, der ja auch nicht wusste, wo er ankommen würde, als Gott ihn auf den Weg von Ur nach Kanaan geschickt hat, hat von Gott ein „Gutes Wort“ ein Segenswort mit auf den Weg in Unbekannte bekommen, denn 1. Mose 12,2 spricht Gott zu Abraham: „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.“ Und als Jakob nach dem Streit mit Esau in ein fremdes Land fliehen musste, spricht Gott nach 1. Mose 28,15: „Ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst.“ Menschen, die eine solche Begleitung auf den Wegen ihres Lebens erfahren haben, werden dann auch, wie ein uns unbekannter Beter in Psalm 115,12 mit Dank und Freude, vielleicht – je nach Lebenssituation – auch mit Entschiedenheit oder gar Trotz bekennen: „Der HERR denkt an uns und segnet uns.“

Was die Bibel im Alten Testament Segen nennt, steht im Neuen Testament meistens dem Wort Liebe nahe. So wie wir uns in der Liebe von Menschen geborgen oder vom Segen Gottes umhüllt wissen dürfen, so bekommen wir das Wesen Gottes im 1.Johannesbrief, Kapitel 4,16 vor Augen gestellt: „Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“

Gott ist mit uns, er liebt und segnet uns – was Liebe und Segen heißen, haben die Menschen der Bibel in die Bilder von Psalm 23 gefasst: Die Fülle des Lebens wird uns darin vorgeführt, ohne die dunklen Seiten des Lebens auszublenden oder wegzuschieben: Da ist von den dunklen Tälern der Bedrohung die Rede und von den Feinden. Aber der Beter hat die Erfahrung gemacht: Gott hilft.

Zusammengefasst wird das alles schon im Vers 1 von Psalm 23: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ Viel später nimmt ein gewisser Jesus von Nazareth dieses alte Bild vom Hirten auf, der mir die Fülle des Lebens schenkt, und sagt: So sehe ich mich. Nach Johannes 10,14 spricht Jesus Christus: „Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich.“

Viele von Euch, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, haben sich solche Worte als Konfirmationsspruch aus dem Johannesevangelium ausgesucht, in denen Jesus etwas über sich sagt. Allen diesen Sprüchen gemeinsam ist, dass Jesus die entscheidende Schaltstelle zwischen den Menschen und Gott ist. Ob es um die Nachfolge geht wie in Johannes 15,5, das wir eben schon als Evangelium gehört haben, wenn Jesus sagt: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ Oder wenn es nach Johannes 12,46 darum geht, dass wir Menschen in unserer Welt so sehr in der Dunkelheit von Hass und Streit tappen, dass wir nur durch ihn zum Licht und Leben finden: „Ich bin in die Welt gekommen als ein Licht, damit, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe.“ Oder wenn wir uns in einer Welt sehen, die scheinbar vom Tod regiert wird und Jesus nach Johannes 14,19 sagt: „Ich lebe und ihr sollt auch leben.“ Und wir eine Perspektive über den Tod hinaus bekommen, weil Jesus nach Johannes 11,25 von sich sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben.“

Zusammengefasst werden können alle diese Worte Jesu durch einen Satz von ihm, mit dem er seine Jünger in die Welt geschickt hat, um alle Völker zu taufen und zu lehren. Es sind die berühmten Worte Matthäi am letzten. Bei Matthäus, Kapitel 28,20 sagt Jesus: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Wenn sich Menschen so in der Hut, der Obhut Gottes geborgen wissen, dann werden sie auch Kraft und Mut finden, das anzugehen, was ihnen in ihrem Leben entgegen kommt, ihnen entgegensteht. Denn sie wissen Gott nicht nur hinter sich, sondern schützend vor sich, ja geradezu eingehüllt von seinem Schutz. Da können sie widerstehen und standhalten, auch wenn es ganz dicke kommen sollte. So wie Gott seinem Volk schon im Alten Testament nach Jesaja 41,10 verheißen hat: „Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.“ Und der Apostel Paulus formuliert im Römerbrief, Kapitel 8,38-39, seine überschwängliche Glaubensüberzeugung, die ihn sogar dem Tod entgegentreten lässt. Er schreibt: „Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.“

Für viele Menschen ist es dabei ein Problem, dass Gott, seine Liebe und damit der Glaube an ihn so unsichtbar ist. Doch gerade daran halten alle urchristlichen Schreiber fest. Auch der Autor des Hebräerbriefes schreibt im 11. Kapitel, Vers 1: „Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“

Das Entscheidende ist gerade nicht das, was man sieht. Nehmt als Beispiel Eure Geschenke, die Ihr heute bekommt. Die haben sicherlich alle ihren eigenen materiellen Wert, über den man sich auch sehr freuen kann. Was Ihr an diesen Geschenken aber nicht seht, nicht sehen könnt, sind die Beziehungen zu den Menschen, die Euch diese Geschenke gegeben haben. Was wären Geschenke wert, wenn sie nicht Ausdruck von Liebe und Zuneigung, von Achtung und Anteilnahme wären? Nichts, sie wären ein schöner Schein, der schneller verweht, als das Geld ausgegeben ist.

So ist es auch mit dem Glauben an Gott, so widersprüchlich es auch klingen mag: Je sichtbarer Gott wäre, desto kleiner und begrenzter wäre er; desto weniger wäre der Glaube an ihn tragfähig, wenn die Situationen des Lebens über das hinausgehen, was ich bisher gekannt habe.

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden.
Ich habe viel über Bibelworte gesprochen, wenig über Eure Lebenssituation. Nicht, weil ich mir das eine oder andere nicht vorstellen könnte, was Euch beschäftigt. Ich habe nur die Erfahrung gemacht, dass sich die Worte der Bibel oft genug, wie von selbst in die eigene Lebenssituation hineinsprechen und eine neue Perspektive möglich machen.

Doch damit diese Sprüche zu solchen Wegbegleitern des Lebens werden können, dazu muss man sie wissen, muss sie bedacht und in sich aufgenommen haben. Ich sage bewusst nicht, dass Ihr sie auswendig lernen sollt. Indem Ihr sie inwendig in Euch habt, könnt Ihr sie auch auswendig, das kommt von alleine. So möchte ich Euch Mut machen, Eure Konfirmationssprüche nicht gedanklich und tatsächlich in die Ecke zu stellen oder in die Mottenkiste zu verpacken, sondern sie da zu haben, wo ihr Sie immer sehen könnt, damit sie Euch gerade dann erreichen, wenn Ihr es nicht erwartet: Wenn Ihr traurig seid oder froh; wenn Ihr nachdenklich seid oder unbeschwert; wenn alles klar ist oder Ihr eine große Entscheidung treffen müsst. Möge dann Euer Konfirmationsspruch direkt in das Leben hinein zu sprechen beginnen. So wie Jesus Christus das Wort Gottes immer in die jeweilige Lebenssituation der Menschen gesprochen hat und ihnen so die Fülle Gottes geschenkt hat. Möge Euer Konfirmationsspruch Euch diese Fülle von Nähe und Liebe immer wieder neu eröffnen, die im Hebräischen Gottes „Shalom“ heißt. Wir übersetzten es meist mit „Frieden“. Jesus sagt nach Johannes 14,27 und das ist der Konfirmationsspruch, der bisher noch gefehlt hat: Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

Amen.

2 Kommentare zu „Predigt zur Konfirmation am Sonntag Jubilate

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