Das Runde muss in das Eckige – Predigt zur Sportwerbewoche

Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Bemühen im Reden und Hören. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder in Christus!

„Das Runde muss in das Eckige!“ – Eine der vielen und so passenden Umschreibungen für das Ziel des Fußballspiels: Der Ball muss ins Tor – und zwar in das richtige, denn ein Eigentor darf es nicht werden. So wie dem Spieler aus der Bayernliga soll es keinem ergehen. Und doch passiert es – immer wieder sogar.

„Das Runde muss in das Eckige!“ – Was sich auf den ersten Blick so einfach anhört, ist aber oft genug sehr schwer. Und es ist ganz gleich, ob es sich um einen Fußball und ein Fußball-Tor oder um einen Handball und ein Handball-Tor handelt. Bei GWD im Handball haben sich die Spieler und die Fans bis zum Klassenerhalt durchgezittert, weil einfach nicht genug Tore geworfen wurden. Und jetzt in den Tagen der Fußball-Weltmeisterschaft wird das wohl für alle Mannschaften, die dabei sind, immer wieder das eine der beiden großen Probleme sein: Ein Tor, besser noch mehrere Tore zu schießen. „Das Runde muss in das Eckige!“

Das andere, das zweite Problem ist mindestens genau so groß: selber keine Tore zu kassieren. Was nützt es, ein oder zwei Tore zu machen, wenn man doppelt so viele hinten reinbekommt? Also heißt es, in der Abwehr sicher dazustehen, möglichst „zu Null“ zu spielen, damit die eigene Ausgangsposition nicht geschwächt wird. Ja, eine gute Abwehr ist das Unterpfand des Sieges.

„Das Runde muss in das Eckige!“ Das ist das Ziel beim Fußball. Diese alte Fußball-Weisheit, die sich so leicht anhört und doch oft so schwer zu schaffen ist, können wir auch auf uns und unseren Glauben übertragen. Wie eng die Beziehung zwischen dem Ballsport und unserem Leben und Glauben ist, zeigt sich vielleicht schon in der englischen Sprache, in der unser Wort ‚Ziel‘ mit ‚goal‘ übersetzt werden kann, dem Wort für das Fußballtor. Aber was ist es denn: Das Ziel unseres Lebens, das Ziel unseres Lebensspiels, in dem wir punkten wollen? Es ist für Christen, für Menschen, die getauft sind, wohl dieses: Das Leben auf dieser Erde als Geschenk von Gott zu empfangen und es mit seiner Hilfe und in seinem Sinn zu gestalten. Und dies in der Gewissheit, dass wir auch über dieses Leben hinaus bei Gott geborgen sind und dass nichts vergeblich ist, was wir hier in seinem Namen tun, sondern beiträgt, Gottes Reich zu bauen.

Dabei wissen wir auch, dass diese Beziehung zu Gott und damit unser Lebensziel gefährdet ist. Denn es gibt böse Mächte, die uns von Gott und dem Leben mit ihm abbringen wollen, um so das Leben zu zerstören. Das heißt dann: In der Abwehr sollen und wollen wir kein Tor, keine Rückschläge für unser Leben kassieren. Wir wollen uns vom Gegner, den man früher den Teufel genannt hat, nicht auf die Verlierer-Straße bringen lassen. Wir wollen uns beim Spiel um das Leben nicht durch dessen ausgeklügelte Taktik besiegen lassen und wir wollen uns auch nicht vom Bösen mitten in unserer Vorwärtsbewegung klassisch auskontern lassen.

Die Konfirmandinnen und Konfirmanden haben mit den verschiedenen Bällen und den Gedanken dazu deutlich gemacht, auf was es ankommt. So könnte der Spruch „Das Runde muss in das Eckige!“ – frei übertragen heißen: „Der Glaube muss in den Menschen! Gott muss in den Menschen!“ Und was im Fußball oft schwer ist, das ist eben auch im Glauben nicht immer so einfach, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint. Denn unser Glaube, dieses ‚Gott in uns‘ braucht Pflege. Wie könnten wir erwarten, dass unser Lebensspiel erfolgreich ist und unser Lebensgespräch mit Gott funktioniert, wenn wir es nicht pflegen.

Und was für unsere Beziehung zu Gott gilt, gilt auch für uns selbst. Denn in vielen Momenten unseres Lebens merken wir auch: Wir sind ausgepumpt statt aufgepumpt, sind schlapp wie ein Ball, dem die Luft ausgegangen ist. Wir brauchen neue Luft, neue Energie, weil wir sonst die Anforderungen, die an uns gestellt werden, nicht erfüllen können.

Der Apostel Paulus hat uns in seinem Brief an die Philipper (3,12-14) seine Zielvorgabe deutlich gemacht. Was er sagt, könnte auch eine Mannschaft beim Fußball oder beim Handball sagen, die einen Titel gewinnen will: „Noch haben wir den Pokal, den Pott nicht. Aber wir wollen ihn unbedingt, alles andere ist nebensächlich.“ Und der Pokal, um den es geht, das ist, dass unser Leben gelingt, dass es nicht nur eine leere Luftblase ist, die zu nichts zerplatzt, wie ein Luftballon, wenn man ihn mit etwas Spitzem pikst.

„Das Runde muss in das Eckige!“ – „Der Glaube muss in den Menschen!“ Und wie im Sport sind dazu Training und Einsatzfreude nötig, im Glauben sind das Elemente wie Beten und Gottesdienstbesuch, die Gemeinschaft der Glaubenden, frei nach dem alten Fußballerspruch: „Elf Freunde sollt ihr sein!“ – eine Gemeinschaft, die fest zusammenhält, bei der es auf jede einzelne und jeden einzelnen ankommt. Und wenn im Fußball oder im Handball oder in den anderen Ballsportarten von einem Mannschaftsgeist geredet wird, der Erfolge erst möglich macht: Uns, den Christen, ist der Heilige Geist, der uns zum Glauben und zum Gelingen unseres Lebens führen soll, nicht nur verheißen, sondern er ist uns in der Taufe gegeben. Wir dürfen, wir müssen ihn nur wirken lassen, in unserem Spiel um das Leben. Möge Gott uns immer wieder und neu in diesem Spiel nahe sein und uns fit machen: damit wir in der Abwehr sicher stehen und wir das Tor schießen, das Ziel unseres Lebens.

Amen.

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