Predigt über Jakobus 5,13-16 am 19. Sonntag nach Trinitatis

Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Bemühen im Reden und Hören. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder!
„Und – bleib gesund!“, so lautet ein häufiger Wunsch zum Geburtstag oder auch wenn man sich für länger voneinander verabschiedet. „Ja, sicher doch.“ ist dann oft die Antwort, als ob es in der Macht des Einzelnen stünde, diesen weltlichen Segenswunsch einfach so aus eigener Kraft zu erfüllen.

Manche, vor allem jüngere Menschen, machen sich über ihre Gesundheit gar keine Gedanken. Die Vorstellung, etwas anderes zu sein als gesund, kommt ihnen überhaupt nicht in den Sinn. Andere Menschen können sich das gar nicht mehr vorstellen, wie und was das denn ist: gesund sein – sie leben oft genug ohne Aussicht auf Heilung und deshalb voller Niedergeschlagenheit und Bitterkeit, Verzweiflung und Angst.

„Hauptsache gesund!“ – Das wiederum höre ich oft als Antwort auf meine Glück- und Segenswünsche bei einem Geburtstagsbesuch. Und ich frage mich dann immer: „Und was ist, wenn nicht gesund? Was ist dann die Hauptsache?“ Oft genug frage ich das dann auch.

Ohne Zweifel: Die Gesundheit gehört zu dem, was viele Menschen am allermeisten bewegt, vor allem das leibliche Wohlergehen, für manche aber auch die Gesundheit der Seele. Auch wenn auf die Frage: „Na, wie geht‘s?“ oft genug ausweichend oder falsch geantwortet wird. Denn unsere Krankheit oder auch unsere Gesundheit gehören in unsere Privatsphäre, die doch niemand anderes etwas angeht. So jedenfalls denken viele.

Ohne Zweifel: die leibliche und seelische Gesundheit gehört zum Wohlergehen von uns Menschen und sie gehört –so glauben wir es – zu den großen Gaben, die wir von Gott empfangen. Wenn es darüber hinaus im Spruch dieser Woche aus dem Propheten Jeremia 17,14 heißt: „Heile du mich, Herr, so werde ich heil – hilf du mir, so ist mir geholfen!“, dann lässt uns das doch tiefer fragen, was das Wort „Heil“ für uns Christen bedeutet.

Der Predigttext, der für heute vorgeschlagen ist, stellt uns zwar in diesen weiten Zusammenhang von Gesundheit und Krankheit und doch führt dieser Text uns auch weit darüber hinaus, denn es geht im christlichen Glauben eben nicht nur um eine medizinische Diagnose über unseren Leib, als ob der für sich alleine zu sehen wäre. Es geht in unserem Glauben vielmehr immer um uns als ganze Menschen und zwar als ganze Menschen in unserem Verhältnis zu und im Dialog mit Gott.

Da schreibt ein Mensch mit dem Namen Jakobus – vielleicht der Bruder Jesu? – in seinem Brief an verschiedene Gemeinden im 5. Kapitel folgendes:

Jakobus 5,13-16 nach der Lutherübersetzung: http://www.dbg.de/channel.php?channel=35&INPUT=Jak+5,13-16
Jakobus 5,13-16 nach der Gute-Nachricht-Bibel: http://www.dbg.de/channel.php?channel=36&SELECT=gnb&INPUT=Jak+5,13-16

Liebe Schwestern und Brüder!
Drei Lebenssituationen greift der Apostel heraus: Zunächst und eher kurz: Wenn jemand von einem Unglück getroffen wird und deshalb traurig oder bedrückt ist und wenn jemand fröhlich ist, und dann etwas ausführlicher: wenn jemand krank ist.

Traurig und bedrückt oder fröhlich – dies sind die beiden Grundgestimmtheiten unseres Lebens. In beiden Fällen wird das Gebet empfohlen, unser ganzes Leben sollen wir vor Gott führen, in allen Lebenslagen unser Lebensgespräch mit Gott nicht abreißen lassen. Denn in beiden Fällen hat das Gebet eine heilsame Aufgabe: das Gebet als Lobgesang in den frohen Stunden und das Gebet als Klage in Zeiten des Leids.

„Not lehrt beten.“ Das weiß der Volksmund. Not kann aber auch zu ganz anderen Äußerungen führen: Not kann fluchen und hassen lehren. Das Beten in der Not ist nicht selbstverständlich. Aber immer dann, wenn Menschen durch das Beten mit ihrem Leid nicht bei sich selber bleiben und wenn sie dieses Leid nicht immer weiter in sich hineinfressen, dann kann etwas beginnen, das heilsam ist. Manchmal wird das Gespräch eher aggressiv sein, manchmal eher traurig, niedergeschlagen.

Eigene Worte zu finden, mag in solchen Situationen oft schwer fallen, das hört sich dann leichter gesagt an, als es getan ist: bete doch einfach! Die Bibel bietet mit den Klagepsalmen Worte an: gegen Angst und Einsamkeit; gegen Hilflosigkeit, Demütigung und Kränkung; gegen das Leid, das Menschen erfahren. Die Worte der Psalmen bieten Bilder, die auch heute noch gültig sind, in denen Menschen sich auch heute noch wiederfinden. Und mit der Anrede an Gott, die in allen Psalmen enthalten ist, wird das Kreisen um sich selbst aufgebrochen und es eröffnen sich neue Wege.

Leidet jemand unter euch, der bete; ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen. Auch für die Momente der Freude und des Glücks bieten die Psalmen Worte an. Ob Jakobus daran gedacht hat, biblische Psalmen zu singend oder auch andere Lobgesänge, darüber will ich nicht spekulieren. Freude lässt Menschen singen. Sie wird sogar durch das Singen noch gesteigert. Jeder der die singenden Anhänger einer siegreichen Mannschaft schon einmal beobachtet hat oder selber mitgesungen hat, wird dies nachvollziehen können. Martin Luther hat es kurz und treffend so ausgedrückt: Wer singt, betet doppelt.

Dann schreibt Jakobus: Ist jemand unter euch krank, der rufe zu sich die Ältesten der Gemeinde, dass sie über ihm beten und ihn salben mit Öl in dem Namen des Herrn. Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten.
Liebe Schwestern und Brüder! Nicht nur in der Antike zur Zeit des Jakobus war es so, es ist so geblieben: Krankheit macht einsam. Es war aber ein besonderes Kennzeichen der urchristlichen Gemeinden, dass sie sich in einer besonderen Weise um ihre Kranken gekümmert haben. Viele Stellen im Neuen Testament spiegeln dieses Bemühen. Damit niemand vergeblich wartet, soll nach Jakobus Initiative auch von dem ausgehen, der krank ist. Und es muss nicht nur – auf die heutige Situation angewandt – der Pator sein, der dann einen Besuch macht. Der auch, aber nicht nur. Durch die Taufe sind grundsätzlich alle Christen dazu berufen, mit und über den Kranken zu beten. Unser seit zehn Jahren gültiges Gesangbuch bietet dazu manche Anregung. Jakobus nennt in unserem Zusammenhang speziell die Presbyteroi – die Ältesten, die die Gemeinde leiten. Da mögen manche heute an unsere Presbyterinnen und Presbyter denken. Mit Recht, denn die Leitung der Gemeinde soll ja Menschen übertragen werden, die im Glauben und also auch im Beten nicht unerfahren sind. Aber das entbindet die anderen Gemeindeglieder nicht von ihrer Pflicht, die Kranken zu besuchen und mit und über ihnen zu beten. Der Besuch mit der Fürbitte am Krankenbett lässt den Kranken aber nicht nur die Gemeinschaft und die Solidarität der christlichen Gemeinde spüren. Die Fürbitte am Krankenbett ist auch ein lebendiger, kräftiger Protest gegen jede Resignation, gegen die Einstellung, ja doch nichts machen zu können.

Doch bei dem Gebet mit Worten allein bleibt Jakobus nicht stehen, er legt seinen Gemeinden die Salbung mit Öl ans Herz. Das erinnert an die Taufe, bei der die Christen auch gesalbt wurden, in vielen Kirchen bis heute gesalbt werden. Die Salbung braucht zwar immer das Wort des Zuspruchs, um eindeutig zu sein; die Berührung und der Duft des Öls sprichen aber noch andere Sinne als das Hören an. Die Salbung ersetzt sicher keine medizinische Behandlung. Sie ist vielmehr die zärtliche und liebevolle Zuwendung an einen Kranken, eine Zuwendung, die dieser vielleicht schon lange nicht mehr erfahren hat. Das Gebet aber ist das Entscheidende.

Welche Wirkung wird also durch die Salbung der Kranken und das Gebet erwartet? Jakobus schreibt von der Hilfe, die die Kranken durch das Gebet erfahren und davon, das Gott sie aufgerichtet. Auch wenn es im Urchristentum Wunderheilungen gegeben hat, und auch wenn es immer wieder Meldungen über Wunderheilungen heute gibt – einen Automatismus gibt es ebenso wenig wie ein Messgerät, das die Spannung des Gebetes misst, nach der man sagen könnte: Dein Glaube ist so uns so stark und deshalb hat es funktioniert oder eben nicht. Gottes Heil und Stärkung gilt auch denen, die krank bleiben. Gott erhört auf seine Weise unsere Gebete, seine Liebe und Fürsorge macht er auf ganz vielfältige Weise spürbar.

Im Zusammenhang mit dem Gebet über den Kranken schreibt Jakobus dann auch vom Bekennen und Vergeben der Schuld. Es ist richtig: Schuld kann krank und krumm machen. Immer wieder wollte man diesen Satz „Schuld kann krank und krumm machen“ allerdings umkehren zu: „Wer krank ist, hat auch gesündigt.“ Eine solche Schlussfolgerung würde jedoch das zunichte machen, was Jesus den Menschen mit der Heilung des Gelähmten gezeigt hatte: Jesus hat diesem zuerst und nur die Sünden vergeben hat. Das war das, was das Leben dieses Menschen kaputt gemacht hat, nicht die Krankheit. Es gehört zum Heilwerden eines Menschen unbedingt dazu, dass er seine Sünde bekennt und dass Gott diese Sünde von ihm nimmt und ihn so wieder aufrichtet. Die Geschichte von der Heilung des Gelähmten hätte also ohne dieses Wunder zunende gehen können, dass der Mensch hinterher wieder laufen konnte und wäre doch eine Heilungsgeschichte gewesen.

Das wäre dann auch an unserer heutigen Zeit so nah dran. Denn auch heute ist –wie damals doch auch – Krankheit oft genug nicht zu ändern oder gar zu heilen, trotz unserer so hoch entwickelten Medizin. Aber ich habe schon oft Menschen getroffen, die durch ihr Gebet und damit durch ihren Glauben eine Lebenfreude ausgestrahlt haben, wie ich sie nur von wenigen Gesunden kenne.
Liebe Schwestern und Brüder!

„Und – bleib gesund!“, so lautet ein oft gebrauchter weltlicher Segenswunsch zum Geburtstag oder auch wenn man sich für länger voneinander verabschiedet. Wir sagen es, obwohl wir wissen, dass es nicht in unserer Macht liegt, das zu gewährleisten, obwohl wir wissen, dass das nicht das einzige ist, was zu einem gelingenden Leben gehört. Schöpfen wir die Größe und die Liebe Gottes doch aus und bleiben wir nicht bei dem Wenigen stehen, das doch nicht in unserer Macht liegt. Sagen wir den Menschen, denen wir etws Gutes wünschen wollen, doch das, was wir können, was den Wunsch nach Gesundheit sicherlich mit einschließt, was aber doch weit mehr umfast, als nur nicht krank zu werden. Sagen wir doch das, was uns als Christen gegeben ist: „Bleib behütet!“ – „Sei gesegnet!“ – „Geh mit Gott deinen Weg!“

Amen.

Elemente des Gottesdienstes:
Psalm 30 (nach Preisungen, 2. Auflage , S.58)
Schriftlesung: Markus 2,1-12
Lied 320,1-6 „Nun lasst uns Gott, dem Herren“
Lied 383 „Herr, du hast mich angerührt“
Lied 398 „In dir ist Freude“
Lied 667 „Wenn das Brot, das wir teilen“
Lied 320,7-8 „Wir bitten deine Güte“

Autor: PaToWi

Ich darf mein Leben frei gestalten unter dem liebenden Blick Gottes. Ist das nicht Grund genug auf IHN zu hören und mir von IHM den Weg weisen zu lassen?

Ein Gedanke zu „Predigt über Jakobus 5,13-16 am 19. Sonntag nach Trinitatis“

  1. jette writes:Schade, dass ich bei dem Gottesdienst nicht dabei sein konnte. Umso schöner, dass ich die Predigt aber auf diesem Weg doch noch mitbekommen habe! Vielen Dank. ;)LGSilke

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