Predigt zur Konfirmation

Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Bemühen im Reden und Hören. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder in Christus an diesem Festtag!
Vor allem aber: Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden!

Konfirmation ist ein Grund, sich zu freuen, vielleicht sogar laut zu jubeln: Die zwei Jahre Unterricht sind vorbei!!! Mindestens drei Ausrufezeichen. Und ganz besonders: die Geschenke!!! – Aus meiner Sicht: das gehört natürlich mit dazu und ich gönne euch das von Herzen. Aber Konfirmation ist mehr als diese Klischees, die es über Euch Jugendliche gibt. Denn die Konfirmation selbst löst in vielen Jugendlichen auch in einer ganz anderen Weise dieses Gefühl der Freude aus: Es wird das neu, was bei der Taufe schon über einem ausgesprochen wurde; Ihr bestätigt noch einmal das, was Ihr, die Konfirmandinnen und Konfirmanden, der Gemeinde vor zwei Wochen beim Vorstellungsgottesdienst mit Hilfe des Predigtspiels vor Augen geführt habt: Ihr wollt mit dabei sein und mithelfen, an der Kirche zu bauen. Jede Hand dabei ist wichtig, auf jede Hand kommt es an.

Konfirmation ist ein Grund, sich zu freuen, vielleicht sogar laut zu jubeln: Am Sonntag Jubilate – es heißt übersetzt: „freut euch, jubelt“ – kommt noch etwas dazu: Da feiert die Christenheit die neue Schöpfung durch Jesus Christus. Der Apostel Paulus hat es für die Gemeinde in Korinth in seine eigenen Worte gefasst, die uns als Wochenspruch durch die nächsten Tage begleiten sollen: „Ist jemand in Christus, ist er eine neue Kreatur, das Alte ist vergangen, siehe Neues ist geworden.“

Am Sonntag Jubilate freut sich die Christenheit über dieses Neu-werden und die Bestätigung der Verheißungen Gottes. In dieser Freude gehen die Gedanken dabei weit zurück und wir erinnern uns im heutigen Predigttext an die Erschaffung der Welt durch Gott.
Gefasst ist das Geschehen der Schöpfung in ein großes Lied, das uns als erstes Kapitel des 1. Buches Mose überliefert ist. Es ist kein wissenschaftlicher Bericht, der unsere heutige Tatsachen-Neugierde stillen will, sondern ein Loblied, das vor 2500 Jahren entstanden ist. Und doch stellt dieses schon so alte Lied die Abfolge von der Entstehung des Lebens dar, wie wir es heute von den Naturwissenschaftlern dargelegt bekommen. Im KU am Jahresanfang haben wir diese Sicht mit unseren Schildern dargestellt und in Möllbergen aufgestellt.

Das Schöpfungslied aus dem 1. Buch Mose ist ein siebenteiliges und siebentägiges literarisches Gemälde, in dem die Zeit jedoch nicht nach der Atomuhr in Braunschweig gemessen wird, denn vor Gott sind tausend Jahre wie ein Tag. Im Predigttext für heute sind die Eckpunkte der Schöpfung herausgegriffen: das Werden der Ordnung und des Lichtes, die Erschaffung des Menschen und das Sabbatgebot:

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: „Es werde Licht!“ Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war.
Und Gott sprach: „Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alle Tiere des Feldes und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht.“ Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Weib. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: „Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ Und Gott sprach: „Sehet da, ich habe euch gegeben alle Pflanzen, die Samen bringen, auf der ganzen Erde, und alle Bäume mit Früchten, die Samen bringen, zu eurer Speise. Aber allen Tieren auf Erden und allen Vögeln unter dem Himmel und allem Gewürm, das auf Erden lebt, habe ich alles grüne Kraut zur Nahrung gegeben.“ Und es geschah so. Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag. So wurden vollendet Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer. Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte. Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte. So sind Himmel und Erde geworden, als sie geschaffen wurden.
(Übersetzung: Martin Luther, Revision 1984)

So werden wir daran erinnert, dass unsere Welt, wie wir sie kennen, aus dem Chaos entstanden ist, aus dem sprichwörtlichen Tohuwabohu. Die Welt, wie sie Gott erschaffen wird – ist eine Insel im Meer des Chaos und der Finsternis. So dürfen wir uns über das Licht freuen, ohne das alles im Dunkel der Finsternis bliebe. Ohne Licht gäbe es kein Leben – ohne den ersten Schritt der Schöpfung bliebe alles Chaos. Jeden Morgen können wir eine kleine Wiederholung dieses ersten Lichtwerdens miterleben. Dieses tägliche Licht erinnert uns immer wieder neu daran, dass Gott es ist, der die Welt erschaffen hat und sie erhält. Welch ein Grund zu Freude und Jubel.
Wir freuen uns – das ist das zweite – über den Menschen als Ebenbild Gottes. Und es ist nicht etwa nur der König, der das Abbild oder der Verwandte Gottes ist – so war es in den Kulturen um das alte Israel herum – sondern jeder Mensch: ganz gleich ob in unseren Augen schön oder nicht, ob groß oder klein, jung oder alt, klug oder dumm, ob Frau oder Mann. Jeder Mensch ist etwas wert vor Gott. Da, wo wir Unterschiede machen und Wertungen vornehmen, weil wir nicht anders können, da ist Gott gerecht. Keines seiner Kinder gilt weniger vor ihm als andere. Welch ein Grund zu Freude und Jubel.

Wir freuen uns schließlich über einen Gott, der Ruhe gönnt: sich selbst und damit auch den Menschen. In einer Welt, in der Menschen fast nur noch nach dem beurteilt werden, was sie leisten, wird das immer wichtiger. Denn Menschen, die nur noch nach ihrer Leistungsfähigkeit beurteilt werden, sind versklavt, entfernen sie sich immer weiter von sich selbst und auch von Gott. Mit dem Ruhetag am siebten Tag für sich und die Menschen setzt unser Gott, der später sein Volk aus der Sklaverei führt, schon im Anfang ein Zeichen der Freiheit der Menschen. Welch ein Grund zu Freude und Jubel.

Doch so schön die Schöpfung ist, so wunderbar der Mensch ist, so gefährdet ist das alles auch. Es wäre fahrlässig, die Augen davor zu verschließen. In den folgenden Kapiteln der Bibel wird immer wieder von den Schwierigkeiten berichtet, die Menschen miteinander und mit Gott haben: Adam und Eva essen vom Baum der Erkenntnis und werden aus dem Paradies vertrieben, Kain erschlägt seinen Bruder Abel, die Bosheit der Menschen wird so groß, dass Gott sie mit der Sintflut strafen muss und nur Noah errettet.

Durch sich selbst sind die Menschen gefährdet, und durch den Menschen die ganze Schöpfung – auch heutzutage ist das nicht anders, die Medien sind voll mit Nachrichten darüber. Ich brauche es nicht alles einzeln aufzuzählen. Am Tag der Konfirmation ist es aber trotzdem wichtig, darauf einzugehen: Denn mit Eurer Konfirmation weitet sich auch der Blick auf euer zukünftiges Leben. Was werdet Ihr tun, was werdet ihr lassen, wenn ihr erwachsen werdet? So kann, so muss man fragen. Denn wie jedes andere Leben, ist auch Euer Leben voller Chancen und Möglichkeiten, aber auch voller Risiken. Der Predigttext aus dem 1. Buch Mose führt uns dazu in einem Loblied vor Augen, woher wir kommen, wem wir unser Leben verdanken. Dieses Lied der Schöpfung lehrt uns, die Welt neu zu sehen, in einer ganz besonderen Welt-An-Schauung: mit Gottes Augen. Und mit dieser Weltanschauung der Schöpfung, über der das „Und siehe, es war sehr gut“ stand, erwächst eine ganz bestimmte Aufgabe: Die Erde ist uns zwar gegeben, dass wir als Menschen sie uns untertan machen, so heißt es im Predigttext. Doch das bedeutet auch, sie verantwortungsvoll zu bewahren, wie es wenig später auch heißt, als ein Gut, das uns anvertraut ist. Wie bei der Kirche gilt auch bei der Schöpfung: Gott braucht uns und unsere Hände, die helfen, dieses Gut zu bewahren.

Am Anfang stehen die Freude, der Jubel und der Dank über Gottes Werk: über seine Schöpfung, über das Werden der Menschen, heute auf besondere Weise die Freude über das Werden der Konfirmandinnen und Konfirmanden. Für uns Christen ist diese Schöpfung in dem Geschehen der Auferstehung erneuert worden, so wie in der Konfirmation Tufe und damit die Zugehörigkeit zur Kirche, zur Gemeinde erneuert und bekräftigt wird. Konfirmation heißt: Ich will dazugehören zur Gemeinde, zur Kirche. Mit den Worten des Johannesevangeliums, die wir vorhin gehört haben: Ich will eine Rebe am Weinstock Jesu sein und meine Frucht bringen.

Eines muss uns aber auch klar sein: Alleine – aus eigener Macht – können wir weder eine Kirche bauen noch gar Welten bewegen. Ohne Gottes Segen und – so sagt es Christus – ohne ihn können wir nichts tun. Aber mit ihm können wir glaubend Berge versetzen, kleine und auch große. Das soll Euch, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, wie auch uns alle durch die Gefährdungen des Lebens tragen.
Begründet hat Gott seine Zusage vor der Zeit mit dem Beginn der Schöpfung und der Erschaffung des Menschen, besiegelt hat er seine Treue durch die Auferweckung Jesu von den Toten. Sichtbar wird sie, wenn wir an Jesu Tisch Brot und Wein – oder wie heute – Traubensaft teilen. Dies schafft die Gewissheit, dass Gott treu ist. Diese Treue gilt uns allen. Welch ein Grund zu Freude und Jubel.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle unser menschliche Vernunft, stärke und bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Autor: PaToWi

Ich darf mein Leben frei gestalten unter dem liebenden Blick Gottes. Ist das nicht Grund genug auf IHN zu hören und mir von IHM den Weg weisen zu lassen?

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