Predigt zu Himmelfahrt über Apostelgeschichte 1,3-11

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Der Predigttext für den heutigen Himmelfahrtstag steht in der Apostelgeschichte des Lukas, im 1. Kapitel. Es ist ein zweiter Bericht der Himmelfahrt, den Lukas überliefert, nachdem wir eben in der Schiftlesung den ersten gehört haben:

Jesus zeigte sich den Aposteln nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes. Und als er mit ihnen zusammen war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr, so sprach er, von mir gehört habt; denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen.
Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel? Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat; aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde. Und als er das gesagt hatte, wurde er zusehends aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg.
Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.

Großer Gott, dein Heiliger Geist ist Herr über Reden und Hören. Segne unser Bemühen durch Christus, unseren Bruder und Herrn. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder in Christus!
„ … Und nun der Wetterbericht für morgen, Christi Himmelfahrt, den 17. Mai 2007.“ Ich weiß nicht, ob Sie gestern Abend Nachrichten gesehen haben. Ganz oft – so ist es mir in den letzten Jahren aufgefallen – wird der allabendliche Wetterdienst am Mittwoch vor dem heutigen Tag etwas abgewandelt: da wird nämlich in die Ankündigung der Titel dieses Festtages mit aufgenommen. Ganz im Gegensatz dazu, dass dieser Feiertag allen Umfragen nach immer mehr in Abseits gedrängt und durch den sogenannten Vatertag ersetzt wird. Und ich erschrecke jedes mal ein wenig, weil ich im nüchternen und rein weltlichen Zusammenhang der Nachrichten mit christlichen Glaubens-Aussagen nicht rechne. Was hat das Wetter mit der Himmelfahrt Jesu zu tun, außer dass es eine lichte Wolke war, die Jesus den Blicken der Apostel entzogen hat? Aber: Die Fernsehsender halten an der Nennung dieses Namens fest und das ist gut so: „ … Und nun der Wetterbericht für morgen, Christi Himmelfahrt, den 17. Mai 2007.“

Diese kleine Beobachtung zeigt mir, wie schwierig es mit diesem Tag ist. Nun könnte ich versuchen, die ganze Sache zu sprachwissenschaftlich erklären: Das Wort Himmel meint alles, was über der Erde ist und so hat es zwei Bedeutungsebenen: Die erste Bedeutung ist die physische: Himmel meint das Firmament über uns, das tagsüber blau und nachts schwarz ist. Die zweite Bedeutung ist die metaphysische, das ist die Bedeutung, die über das Physische hinausgeht. Da meint Himmel dann den göttlichen Bereich, der eben größer ist als unsere menschlich-irdischen Erfahrungswelt. Im Englischen kann man dazu zwischen „sky“ und „heaven“ unterscheiden – je nachdem, welche Bedeutung gemeint ist. Und hier – in der Himmelfahrtsgeschichte gehe es um diese zweite Möglichkeit. Im Prinzip ist das eine gute Sache, denn sie zeigt uns: Wir müssen uns nicht vorstellen, dass Jesus wie eine ausgediente Raketenstufe die Erde umkreist. Himmelfahrt heißt: Jesus ist nicht in die Stratosphäre, sondern in den Bereich, in die Sphäre Gottes erhoben.

Leider kann die deutsche Sprache nicht mit unterschiedlichen Worten eindeutig sagen, um welchen Himmel es geht. Die griechische Sprache, in der das Neue Testament ursprünglich geschrieben ist, kennt diese Unterscheidung auch nicht. Ganz eindeutig und scharf ist das eine vom anderen nicht zu trennen. Das eine schwingt beim anderen immer ein bischen mit. Also eine grundsätzliche, aber auch keine ganz eindeutige Lösung. Schade.

Was machen wir also mit diesem Tag Christi Himmelfahrt, der so vielen Menschen eher verschlossen bleibt und uns doch so viel zu sagen hat? Hören wir doch noch einmal auf das, was Jesus den Seinen zu sagen hat, als er von ihnen endgültig Abschied nimmt und sie ihn fragen: Wann kommt Reich? Kommt es schon, wenn der Heilige Geist kommt? Ganz deutlich ist für mich bei den Jünger eine diffuse Angst herauszuhören: Wie soll es werden, wenn Jesus nicht mehr da ist? Wir werden dann doch ganz verlassen sein!

Ja, Jesus nimmt in seiner bisher bekannten Gestalt des Jesus von Nazareth Abschied. Jesus verlässt die Seinen, aber er lässt sie nicht allein. Jesus verheißt seinen Jüngern den Heiligen Geist, den Tröster, wie er im Johannesevangelium auch genannt wird. Ich setze sogar noch einen drauf: Jesus musste die Seinen verlassen, damit er bei allen sein konnte und sein kann: Sobald sie denn seinen Auftrag annehmen und wahr machen: Zeugen zu sein in Jerusalem, in Judäa und Samaria und darüber hinaus bis an die Enden der Erde. Wie sollte er da sein bei allen als Jesus von Nazareth? Als Christus kann er es, denn die Sphäre Gottes ist eine andere als die Stratosphäre, die Atmosphäre, als der Himmel.

Und damit sind wir bei dem Satz der mich jedes Jahr neu fasziniert, bei dem Satz, der mir persönlich jedes Jahr an Himmelfahrt auf‘s Neue offenbart, dass es müßig ist über Himmel und Himmel zu diskutieren, weil dieser Satz uns darüber hinaus zeigt, wie ein Leben und wie unser Leben im Geist Jesu aussehen kann. Es ist der Satz, der mir als erstes eingefallen ist, als ich mir überlegt habe, was es in der heutigen Predigt zu sagen gilt, wenn die Erinnerung an die Himmelfahrt Jesus und die Gemeindeversammlung zur Situation und Zukunft unserer Gemeinde zusammenkommen.

Dieser eine Satz ist eine Frage, eine Frage, die sich aber selbst beantwortet. Es ist die Frage, die die beiden Männer in den weißen Gewändern den Aposteln stellen, als die Jesus nachsehen, wie er in Richtung Himmel von ihnen weggenommen wurde. „Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel?“ Für mich klingt auch eine Fortsetzung dieser Frage mit, die Lukas nicht aufgeschrieben hat: „Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel? Klammert euch doch nicht an das, was war; versucht nicht festzuhalten, was doch nicht festzuhalten ist, weil es in einer anderen Form, auf einer anderen Ebene weiter geht – weil Jesus als der Christus euch in einer ganz anderen Weise als bisher nahe sein wird.“

Liebe Schwestern und Brüder!
„Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel?“ Was heißt diese Frage für uns, wenn wir uns durch unsere Taufe als die sehen, die in einer langen Kette von Menschen seit damals die Nachfolger dieser Apostel sind? Wir haben zwar nicht das mit Jesus erlebt, was die Jünger mit ihm erlebt haben. Aber auch wir haben unsere eigene Geschichte mit Gott: Als einzelne Menschen, als Kirche insgesamt und als Kirchengemeinde. Ich nehme dabei wahr: In den letzten Jahren hat sich viel verändert. Das betrifft die Gesellschaft in der wir leben, das betrifft aber auch die Kirche, im Besonderen auch die Kirche in unserer Region. Das, was einmal war – die Region Porta-Süd mit sieben Pfarrbezirken und sieben Pastoren – das gibt es seit einem guten Jahr nicht mehr, und das wird es so nicht wieder geben. Wir haben das zwar alles noch gut vor unseren Augen aber wir sehen dem Ganzen hinterher. Ein Status Quo kommt nicht wieder.
Für mich stellt sich die Frage: Sollen wir wie die Jünger im ersten Moment nun stehen bleiben – bildlich gesprochen: den Kopf in den Nacken gelegt und der Vergangenheit nachblicken, die in den Himmel, in das Unerreichbare entschwindet?

Was passiert, wenn Menschen nur in den Himmel sehen? Es kommt dasselbe heraus, wie wenn Menschen nur vor sich auf den Boden sehen. Sie übersehen das, was ihnen auf ihrem Weg begegnet. Schlimmstenfalls laufen sie vor einen Laternenpfahl und holen sich eine dicke Beule. Würden wir in unserer Kirche wie in unserer Region nur mit dem Blick auf das Vergangene weiter laufen, so befürchte ich, werden wir das nicht wahrnehmen, was uns auf unserem Weg begegnet: Menschen, die von den gleichen Veränderungen betroffen sind. Menschen, mit denen wir bei aller Verschiedenheit eins im Glauben seid; eins als Schwestern und Brüder durch die Taufe in dem einen Leib Christi. Und wenn wir die nicht sehen, könnten wir schlimmstenfalls irgendwo vorlaufen.

Ich möchte nicht falsch verstanden werden: Es geht mir bestimmt nicht darum, alles was bisher war, eine jahrhundertelange Vergangenheit abzuschließen. Ohne die Vergangenheit mit dem Jesus von Nazareth wären die Jünger nie das geworden, was sie schließlich an Himmelfahrt waren. Aber so wie die Jünger auf dem Weg mit Jesus auch ihre Entwicklung gemacht haben und sich verändert haben, so ist auch unsere Kirchengemeinde nicht mehr dieselbse, die sie vor 10, 20, 30 oder gar 50 Jahren war, so ähnlich oder gar unverändert sie in unseren Augen im Vergleich zu früher auch aussieht mag. Die Konfirmationsjubiläen führen uns das immer wieder neu vor Augen.

Umgekehrt gilt aber auch: Ohne unsere Vergangenheit wären auch wir nicht das, was wir heute sind. Wir nehmen das alles mit, wie die Jünger ihre Vergangenheit mit Jesus von Nazareth mitgenommen haben, in die Zeit, die dann vor ihnen lag.

Ich will und kann auch nicht behaupten, dass es den Jüngern damals leicht gefallen ist, sich von ihrem Jesus von Nazareth zu trennen. Ihr Hinterhersehen macht vielmehr deutlich, dass es den Aposteln gerade nicht leicht gefallen ist. Das ist so beim Abschiednehmen von dem, was bisher war, das einem bisher lieb war. Würde es einfach so liegen gelassen, hätte es keinen Weg gehabt, wäre es nichts wert gewesen. Aber trotz dieser Trauer haben die Apostel einen neuen Weg eingeschlagen, sind sie nicht in ihr altes Leben zurückgegangen, sondern sie sind um- und zurückgekehrt nach Jerusalem, dem Ausgangspunkt ihres neuen Weges der Mission mit Christus.

Dieses Umkehren, dieser Umschwung und dieses Umdenken wird bestimmt auch nicht bei allen gleich schnell gegangen sein. Der eine wird länger gebraucht haben als der andere. Das macht nichts. Wichtig ist, dass die Apostel damals miteinander den Weg wieder nach Jerusalem gegangen sind und sich gemeinsam auf den neuen Weg gemacht haben.

Was die Apostel zum Umdenken gebracht hat ist in dem begründet, was vor der eigentlichen Himmelfahrt geschehen ist. Da hat Jesus zweierlei getan – das Evangelium hat es uns vor Augen gestellt: Jesus hat die Apostel zum einen gesegnet und zum anderen hat er ihnen seinen Auftrag gegeben: Zeugen zu sein für ihn und seinen himmlischen Vater – angefangen in Jerusalem über Judäa und Samaria bis an die Enden der Erde.

„Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel?“ Die Boten Gottes haben mit ihrer Frage den Jüngern geholfen, einen neuen Weg zu gehen, der das Alte, ihre Erfahrungen mit Jesus von Nazareth hat mitnehmen lassen. Wir heute am Himmelfahrtstag 2007 dürfen uns diese Frage der Boten Gottes ebenfalls stellen lassen. Auf unsere Zeit heute umgeformt könnte sie lauten: „Ihr Menschen in Porta-Süd, ihr Menschen der Kirchengemeinde Holzhausen an der Porta, was steht ihr da und seht zum Himmel, seht auf das Vergangene? Auch ihr habt den Segen und den Auftrag Jesu bekommen: Zeugen zu sein für die Liebe Gottes zu den Menschen.“
Was die Apostel damals zur Umkehr geführt hat, mag auch uns heute Wegweiser in die Zukunft sein: Dass wir uns daran erinnern, dass wir alle – als Kirche, als Kirchengemeinde und jede und jeder für sich – von Gott zuallererst einen Segen und dann auch einen Auftrag bekommen haben. Darauf kommt es an: dass wir die Menschenfreundlichkeit und die Liebe Gottes verkünden mit dem Blick auf die Zukunft. Dass wir wissen, woher wir kommen, aber dass unser Blick ausgerichtet ist auf das, was auf uns zukommt von Gott. Das dürfen wir uns wie die Apostel eben auch von den Boten Gottes sagen lassen: Jesus Christus wird wiederkommen – von Gott her, aus seiner himmlischen Sphäre, die die Zukunft für uns bereit hält, aber nicht aus der Vergangenheit. Bis dahin gelten der Segen und der Auftrag von Jesus Christus.

„Sie aber beteten ihn an und kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude und waren allezeit im Tempel und priesen Gott.“ So endet zwar das Lukasevangelium, wir haben es in der Schriftlesung gehört – aber die Sache des Jesus Christus geht weiter: mit großer Freude und mit Gotteslob – die Himmelfahrt Jesu markiert diesen Wendepunkt.

Und das wünsche, das erhoffe ich mir: Dass wir mit den neuen Situationen, in die wir in diesen Zeiten mit unserer Kirche und mit unserer Kirchengemeinde kommen, so umgehen wie die Apostel damals: voller Freude, dass uns Gottes Geist verheißen ist, für den Auftrag, den wir von Jesus Christus bekommen haben: Seine Zeugen zu sein und seine frohe Botschaft auszuteilen an alle Menschen: Gott ist – auch und in besonderer Weise durch seine Kirche – für dich da, er stellt dir Menschen an die Seite, die dich tragen helfen in deinem Kummer und die deine Freude teilen; Gott schenkt dir Leben über das Leben hinaus, der Himmel ist offen.
Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle unsere menschliche Vernunft, stärke und bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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