Predigt am 5. August 2007 über Matthäus 13,44-46

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Der Predigttext für den heutigen Sonntag steht im Evangelium nach Matthäus, im 13. Kapitel, es ist ein Teil der großen Gleichnisrede Jesu:

http://www.die-bibel.de/nc/online-bibeln/luther-bibel/lesen-im-bibeltext/bibelstelle/Mt%2013,44-46/anzeige/single/#iv

Großer Gott, dein Heiliger Geist ist Herr über Reden und Hören. Segne unser Bemühen durch Christus, unseren Bruder und Herrn. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder in Christus!

Auf den ersten Blick ist alles klar. Aber dieser ja doch sehr kurze Bibeltext hat es in besonderer Weise in sich. Er gehört zu einer ganz bestimmten Sorte, die sich als sehr gefährlich erweist: Weil man meint, sie ganz genau zu kennen und deshalb dann nicht mehr so genau hinsieht oder zuhört. Den heutige Predigttext habe ich schon ganz oft gelesen – selber im Stillen oder auch anderen vorgelesen – und habe ihn doch immer falsch verstanden, weil ich immer schon meinte: Ich weiß ja, was da steht. Ich werde Sie am entscheidenden Punkt daran erinnern. Denn am Anfang ist ja noch alles in Ordnung.

„Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte den Acker. “ – Wer würde nicht davon träumen: einen Schatz, gar einen gut verborgenen zu finden? Schon immer haben sich Schatzsucher aufgemacht, um von Piraten vergrabene Schätze oder reich ausgestattete Gräber zu finden – in der Hand meist nicht mehr als ein vergilbtes und angesengtes Stück Papier, auf dem die Umrisse einer Insel eingezeichnet sind. Oder es haben Archäologen wie Heinrich Schliemann und viele andere versucht, versunkene Kulturen zu finden, auszugraben und so wieder lebendig zu machen.

Der Einsatz, den solche Jäger der verlorenen Schätze aufbringen, ist enorm. Da haben sie durch Zufall diese Idee bekommen, wo der Schatz zu finden sein könnte, und ab dann sind sie von der Idee geradezu besessen, diesen Schatz zu finden. Sie opfern dafür alles, was sie haben.

Aber auch im übertragenen Sinn finden Menschen Schätze. Und da ist es dann oft so wie im Gleichnis vom Schatz im Acker. Da finden wir, ohne vorher zu suchen: vor allem denke ich an Menschen, die ganz plötzlich ihren Schatz für‘s Leben, ihren Partner oder ihre Partnerin finden: an Menschen, die an gar nichts besonderes denken und nichts besonders tun, die anders als in der Werbung für die Fernsehlotterie noch nicht einmal ein Los gekauft haben, und plötzlich den Menschen treffen, der es sein soll. Das passiert wirklich, wahrscheinlich gar nicht so selten. Eines der drei letzten Brautpaare hat das so geschafft.

Nur – das finden alleine reicht ja noch nicht. Der oder die andere muss ja noch überzeugt werden. Manchmal reicht eine Telefonnummer, die weitergegeben wird; in anderen Situationen ist das nicht ganz so einfach. Aber auch in der Liebe zwischen zwei Menschen wird ganz oft alles, was das bisherige Leben ausgemacht hat, in die Waagschale geworfen, um den Schatz des Lebens zu bekommen: Da werden Lebensgewohnheiten über den Haufen geschmissen, er verbrennt seine Playboysammlung oder sie lässt sich die Haare abschneiden oder wachsen, je nachdem; klassische Musik ist plötzlich doch nicht mehr so schlecht – oder das Haus dröhnt von den harten Bässen von Havy Metal, wiederum je nachdem es nötig ist. Die Liebe und die Sehnsucht nach dem Schatz des Lebens verändert Menschen.

Und schließlich gibt es die Menschen, die finden so ganz unvermutet und nebenbei einen Schatz, mit dem sie nie vorher gerechnet hätten und auch der verändert das Leben: Sie finden Gott und sein Himmelreich. Bis dahin war das Leben einfach so dahin geflossen; mal schneller, mal langsamer, mal verweilend und dann wieder über Stromschnellen, bis sie diesen entscheidenden Moment in ihrem Leben hatten, sie haben den Schatz des Lebens gefunden: Gott.

Und mit dem untrüglichen Sinn für das Wertvolle haben diese Menschen erkannt: das ist der Schatz meines Lebens, der mein Leben mit Sinn erfüllt, der Schatz, der mir Hilfe gibt, auch wenn ich sonst keine Hilfe mehr zu erwarten habe; der Schatz, der mich nie alleine lässt und mich liebt, auch wenn sich alle anderen gegen mich zu stellen scheinen; der Schatz, der mich auf den richtigen Weg führt, wenn ich mich in meinem Leben total verrannt habe.

Und plötzlich verändert sich auch das Leben dieser Menschen, fast ganz von selbst. Sie stellen alles hinten an, geben alles weg. Denn sie wissen: Dieser Schatz ist es wert, dass ich mich ganz für ihn einsetze. Indem ich mein Leben auf Gott ausrichte, bekomme ich Anteil an diesem wunderbaren Schatz. An vielen anderen Stellen im Neuen Testament wird dann deutlich: In diesem Schatz ist dann auch alles das enthalten, was vorher so wichtig zu sein schien: Die Momente des Glücks und die Bewahrung in den Momenten der Trauer, die Liebe der Menschen zu uns und so vieles mehr – als Geschenk Gottes.

Was jetzt noch bleibt, ist das zweite Gleichnis. Und bis gestern mittag hätte ich jetzt sagen können: Machen wir Schluss und sparen uns die Zeit, denn da steht in etwas anderen Worten genau das Gleiche drin. Das ist sicher schön und weil manchen Menschen das Bild vom Schatz im Acker nicht so zusagt, ist für die dann das Gleichnis vom Kaufmann und der Perle genau das richtige – nur dass es ein wenig nach mehr Aufwand klingt oder etwas teurer zu sein scheint. Und darauf könnte man ja gut verzichten. Bis gestern Mittag wäre die Predigt hier also zuende gewesen, aber eben jetzt nicht mehr.

Auch auf die Gefahr hin, dass ich am Tag, bevor nach den Sommerferien die Schule wieder beginnt, den Deutschlehrern Konkurrenz mache: Ich muss mit Ihnen über Grammatik reden, über Subjekt und Objekt: Das Subjekt in einem Satz handelt und das Objekt wird behandelt, mit dem wird etwas gemacht. Das müssen wir im Hinterkopf haben, wenn wir jetzt noch einmal das zweite Gleichnis hören: „Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte, und als er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.“

Haben Sie es gemerkt? Da ist der Punkt, den ich vorhin meinte; der Punkt, an dem ich feststellen musste, wie wichtig es ist, einen Bibeltext immer wieder so zu lesen, als wäre es das erste Mal, damit man Subjekt und Objekt nicht verwechselt. Denn: Im ersten Gleichnis ist das Himmelreich das Objekt: es wird als Schatz gefunden und der Mensch, der es findet ist das Subjekt, er geht und kauft den Acker samt dem Schatz, dem Himmelreich. Im zweiten Gleichnis aber sind die Rollen plötzlich umgekehrt, denn da heißt es: Das Himmelreich gleicht einem Kaufmann und der handelt dann; das Himmelreich findet die Perle und kauft sie. Das Himmelreich tut! Und wer wäre das Himmelreich anderes als Gott?

Der Kaufmann, der losgeht, weil er Perlen liebt, das ist Gott, wie er losgeht und die Menschen sucht, weil er sie liebt. Der Kaufmann, der die eine Perle findet und alles für sie gibt, das ist Gott, wie er in jedem Menschen ein Kleinod, eine solche unendlich kostbare Perle findet und sagt: Dich, dich, du unendlich kostbare Perle, möchte ich haben; du bist mir unendlich wichtig und unendlich viel wert. Für dich tue ich alles!“ Und Gott gibt sein ‚Ein und Alles‘. Er wird Mensch in Jesus Christus und kommt uns so ganz nah – so feiern wir es an Weihnachten. Und Gott lässt seinen Sohn durch den Tod hindurch wieder zurück in seine Herrlichkeit gehen, damit Jesus uns mitnimmt: durch den Tod hindurch ins Leben mit Gott. So feiern wir es an Karfreitag und Ostern.

In der 4. Strophe von Martin Luthers Lied „Nun freut Euch, lieben Christen g‘mein“ heißt es: Da jammert Gott in Ewigkeit / mein Elend übermaßen; / er dacht an sein Barmherzigkeit, / er wollt mir helfen lassen; / er wandt zu mir das Vaterherz, / es war bei ihm fürwahr kein Scherz, / er ließ‘s sein Bestes kosten.

Für uns als Christen sind es in besonderer Weise die Taufe und das Abendmahl, in denen wir das finden können, was Jesus uns mit seinem Gleichnis über Gott sagt: In der Taufe sagt uns Gott: Du, Menschenkind, mit mir unendlich lieb und unendlich viel wert. Ich habe dich gefunden, ich habe dich bei deinem Namen gerufen: „das Himmelreich gleicht einem Kaufmann, der gute Perlen suchte, und er fand eine kostbare Perle.“ Und im Abendmahl erinnern wir uns in besonderer Weise daran, dass Gott bereit ist, jeden, sogar den größten Preis für uns zu zahlen: „Und ging er hin, verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.“

Das ist der Zusammenklang der beiden Gleichnisse, das ist das Evangelium Jesu: Wir finden den Schatz im Acker und wir können frei entscheiden, ob wir diesen Schatz haben wollen. Wenn wir es tun – wenn wir unser Herz auf Gott, unseren Schatz ausrichten – wird alles andere wie von selbst kommen: die Sehnsucht unseres Herzens wird uns leiten und unsere Freude wird groß sein. Und Gott findet uns, seine Perlen, jede einzelne unendlich wertvoll und er lässt es sein Bestes kosten. Das ist der Zusammenklang der beiden Gleichnisse: die Gute, die Frohe Botschaft.

Amen.

Autor: PaToWi

Ich darf mein Leben frei gestalten unter dem liebenden Blick Gottes. Ist das nicht Grund genug auf IHN zu hören und mir von IHM den Weg weisen zu lassen?

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