Predigt zur Begrüßung der neuen Katechumenen am 12. August über Johannes 4,19-26

Der Predigttext ist nachzulesen unter: http://www.die-bibel.de/nc/online-bibeln/luther-bibel/lesen-im-bibeltext/bibelstelle/Joh%204,19-26/anzeige/single/#iv
Der Test der Gebetsorte ist dem KU-Buch "Con dios" (S.19) aus dem Brunnenverlag entnommen.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Bemühen im Reden und Hören. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder in Christus!
Liebe Katechumenen!

Treffen sich an einem beliebigen Samstag zwei Konfirmanden. Sagt der eine zum anderen: „Oh je, ich muss morgen wieder in die Kirche!“ Der andere sieht ihn voller Erstaunen an und und meint: „Ich weiß gar nicht, was du hast. Ich darf morgen zu Gott, in Gottes Haus gehen!“

Den ersten Konfirmanden, ich will es gerne zugeben, den ersten kann ich mir gut vorstellen, den zweiten aber, den zweiten Konfirmanden nur schwer vorstellen. Trotzdem ist das, was der sagt, gar nicht so abwegig. Ein Blick nach Jerusalem zeigt es. Dort werden heute noch die Überreste des alten Tempels ganz besonders in Ehren gehalten und die Juden, die dort an der Klagemauer beten, haben noch etwas von dem Bewusstsein, wie wichtig der Tempel in Jerusalem bis zu seiner Zerstörung gewesen ist. Denn dort auf dem Tempelberg, dort wohnte Gott; da war man ihm ganz nahe, da hatte man ihn sicher.

Nur, es gab da auch noch einen anderen Berg und eine andere Gruppe, die behaupteten genau das gleiche. Und sie meinten nicht einen anderen Gott, sondern eben diesen Gott: den Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs. Auf dem Garizim, einem Berg in Samaria, da gab es auch einen Tempel und dort glaubten die Menschen auch, dass Gott dort wohnen würde. Wer hatte nun recht? Lebte Gott bei den Jerusalemern oder den Samaritern?

So wird auch die Frage verständlich, die die Samariterin Jesus stellt: „Unsere Väter, sagt sie, haben auf diesem Berge angebetet, und ihr sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten soll.“ Und Jesus sagt ihr und damit auch uns: „Das ist gar nicht so wichtig, ob ihr Gott auf diesem Berg oder auf dem da drüben anbetet, ob in der Möllberger Kirche oder in der Holtruper, in der Holzhausen oder in der Veltheimer Kirche. Es kommt auf etwas ganz anderes an: Ihr sollt und werdet Gott im Geist und in der Wahrheit anbeten.“

„Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid? Dass der Geist Gottes in euch wohnt?“ So schreibt es der Apostel Paulus und meint genau dasselbe: Gott ist nicht in Tempel oder in Kirchen eingesperrt, Gott ist viel größer und ganz anders. Aber Gott will in den Herzen der Menschen sein, er will dass die Menschen nicht nur fromm sind, wenn sie in den Tempel oder heute in die Kirche gehen. Sondern er will, dass das ganze Leben ein Art Gottesdienst ist, denn Kirche, Gottesdienst ist nicht nur von halb zehn bis halb elf in Möllbergen und an vielen anderen Orten auch, sondern immer. Durch die Taufe gehören wir Christen zu Gott. Er gibt uns den heiligen Geist und der macht nicht einfach zwischendurch Pause.

Gott ist in der Kirche nicht mehr als anderswo, nicht mehr als in jedem Zimmer der Konfis oder im Wald oder an der Bushaltestelle. Und trotzdem: Der Ort für den Gottesdienst und vor allem auch für das Gebet ist wichtig. Warum, das wird gleich deutlich werden. Vorher ein kleiner Test. Wir müssen ihn nicht machen er wurde schon gemacht.

Jesus sagt uns ja, wir sollten Gott anbeten, an anderer Stelle heißt es wir sollten ständig beten. Das setzt ja wohl voraus, dass man nicht nur mit gefalteten Händen, geschlossenen Augen und ganz kurz vor dem Einschlafen beten kann oder eben am Sonntag in der Kirche. Deshalb haben wir fünf Gebetsorte testen lassen. Hier ist das Ergebnis:

Beten in der Schlange: Wenn du dich in einer langen Warteschlange wiederfindest, nutz die Zeit zum Beten, statt dich zu ärgern! Plus: „Yippie, eine lange Schlange – Zeit zu beten!“ zu denken, statt: „Grrrr…, ich hasse Schlangen“ macht dich bestimmt zu einem fröhlicheren Menschen. Minus: Du riskierst, für verrückt gehalten zu werden, wenn du tief ins Gebet versunken vergisst, in der Schlange aufzurücken. 3 Sterne.

Beten auf der Toilette: Der perfekte Ort, wenn es rundum stressig und turbulent zugeht. Schließ die Tür ab und fang an zu beten.Vergiss aber nicht, dass sich draußen vielleicht Im Lauf der Zeit Menschen in größten Nöten sammeln … Plus: Du bist völlig ungestört. Minus: Du bekommst seltsame Geburtstags- geschenke, wie Haus- mittel gegen Durchfall und Ähnliches, wenn du diese Taktik zu häufig anwendest. Immerhin: 4 Sterne.

Beten mit Headset: Ohrknöpfe einsetzen und losbeten. Jetzt glauben alle, dass du mit einem Freund redest! Die Lowbudget-Variante: Walkman-Kopfhörer in die Ohren und so tun, als ob du ein Handy in der Tasche hättest, Plus: Funktioniert überall. Minus: Laut mit sich selbst zu sprechen, während andere in der Nähe sind, zeugt nicht von besonders guter Erziehung. Auch wenn man mit dem Boss der Welt spricht, sollte man auf Takt und Stil achten. 3 Sterne.

Beten in der Muckibude: Auf dem Laufband möchte man gern an alles Mögliche denken, was einen vom Display ablenkt, das behauptet, man wäre erst 400 Meter gelaufen, obwohl man schon völlig fertig ist. Also ein guter Platz, um zu beten! Plus: Gebete wie „Herr, gib mir Kraft!“ bekommen einen völlig neuen Sinn. Minus: Glänzende Muskeln und hautenge Trikots können die Konzentration beeinträchtigen. Leider nur 2 Sterne.

Beten im Bus: Einfach die Augen schließen und den Kopf gegen das Fenster lehnen. Jetzt glauben alle, dass du auf dem Weg zur Schule ein bisschen Schlaf nachholst. Plus: Ein guter Start in den Tag. Minus: Wenn du zu lange betest, verpasst du die Haltestelle, kommst zu spät zur Schule und hast einen echt miesen Start in den Tag. Trotzdem: 5 Sterne und damit Testsieger!

Der Test drehte sich um verschiedene Orte, Ort im wörtlichen Sinn. Aber es ist in diesem Test auch schon angeklungen, dass es nicht nur um die Orte im wörtlichen Sinn geht, sondern auch um Orte in einem übertragenen Sinn: Die Ort in meinem Leben, in meinem alltäglichen Leben, in meinem Tagesablauf, an denen ich bete, an denen ich mich auf Gott besonders konzentriere.

Wo finde ich Gott? Wie finde ich Gott? Bevor ich die Frage beantworte, will ich sagen: zu allererst darf ich mich darauf verlassen, dass, wenn ich Gott suche, er mich finden wird. So hieß es in einer der letzten Jahreslosungen aus dem Propheten Jeremia. So paradox es kling: Wenn ich Gott suche, wird er mich finden.

Wo finde ich Gott? Wie finde ich Gott? „Ich darf morgen zu Gott, in Gottes Haus gehen!“ Der Satz des einen Konfirmanden, der uns so unwahrscheinlich vorkommt, ist für viele Leute aber eben doch wahr. Weil sie sonst in ihrem Leben keinen Ort haben, weil so viel im Alltag auf sie einstürzt, empfinden sie die eine Stunde Gottesdienst in der Kirche oder auch das stille Gebet in einer Kirche in der Innenstadt von Minden oder Bielefeld, Dortmund oder Hannover oder in jeder anderen Stadt als einen Ort, wo sie Gott ganz nah sein können, weil alles andere dann endlich einmal draußen bleiben muss. Dieses andere, was mich bedrückt und belastet ist zwar nicht weg, aber ich bekomme einen anderen Blick darauf.

„Ich darf morgen zu Gott, in Gottes Haus gehen!“ Es geht eben nicht darum, dass Gott nur an diesem oder jenem Ort zu finden wäre. Gott ist nicht ausschließlich im Jerusalemer Tempel gewesen, genauso wenig wie er nur auf dem Garizim im Heiligtum der Samariter gewesen wäre. Gott ist auch nicht in der Möllberger Kirche mehr da als in Holzhausen, in Holtrup oder im Vatikan. Aber ich, ich bin – wenn ich will – in einer Kirche mehr da für Gott als an anderen Orten, weil ich eben nicht darauf warte oder befürchten muss, dass gleich das Telefon klingelt; weil ich nicht wie gebannt auf mein Handy sehe, ob nicht schon die nächste SMS da ist; weil in der Kirche eben kein Fernseher läuft. Das alles – Telefon, Fernsehen, SMS und so viele andere Dinge – das alles ist schön, gut und richtig und es hat seinen Ort. Es gibt aber auch einen Ort, wo das alles nicht ist: im Haus Gottes.

Ich bin – wenn ich will – im Haus Gottes mehr da, um mich für Gott und das, was er mir sagen und zeigen will zu öffnen. Manchmal passiert schon beim ersten Mal etwas, bei vielen Menschen aber braucht es einige Zeit, bis wir die leisen Töne Gottes herausgehört haben und uns von Gott finden lassen. Der Konfirmandenunterricht, mit seiner Möglichkeit, jeden zweiten Sonntag oder sogar öfter in die Kirche zu gehen, ist ein Angebot: das zu tun, was Jesus der Frau in Samarien gesagt hat: Gott im Geist und in der Wahrheit anzubeten. Es wirklich zu tun und zu hören, sich auf den Weg einzulassen, den Weg Gott uns möchte. Mögen wir immer ganz da sein, damit wir den Gott, der Abraham und Isaak und Jakob schon ihre Wege gewiesen hat, hören und dann diesen Weg auch gehen, den Weg des Lebens.

Amen.

Autor: PaToWi

Ich darf mein Leben frei gestalten unter dem liebenden Blick Gottes. Ist das nicht Grund genug auf IHN zu hören und mir von IHM den Weg weisen zu lassen?

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