Predigt vom 2. Advent über Offenbarung 3,7-13

Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Bemühen im Reden und Hören. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder!

An der Tür zu unserem Möllberger Kindergarten steht ein Schild, dass die Tür zwischen 9.15 Uhr und 12.00 Uhr geschlossen ist und auch nicht geöffnet wird.

Oder: Manchmal werden wohl auch Klassenzimmer in den Schulen abgeschlossen und verspätete Schülerinnen und Schüler kommen nicht mehr hinein, fehlen dann unentschuldigt. Für die, die noch hinein wollen, ist es eine grausliche Erfahrung – auch wenn man von außen betrachtet sagen kann: Warum kommst Du denn nicht pünktlich.

Oder: „Die Zeit drängt, das Geschäft, in das ich unbedingt noch muss, wird gleich schließen.“ Und dann ist es tatsächlich so: die Eingangstür ist schon geschlossen und, obwohl drinnen noch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu sehen sind, macht niemand mehr auf.

Viele Menschen kennen das: Die Angst, vor einer verschlossenen Tür zu stehen, nicht mehr hinein zu kommen und damit das gesteckte Ziel nicht zu erreichen. Denn es ist ja nicht so, dass wir immer sagen könnten: Gut, dann an anderer Stelle oder zu einem anderen Zeitpunkt. Das, was wir brauchen, gibt es nur hier, an oder hinter dieser Tür und eben jetzt, denn wie und wann sollte ich sonst das Geburtstagsgeschenk für heute Abend oder was es sonst sein könnte, noch bekommen, wenn nicht jetzt? Und dann stehen wir da: ohne das Ziel erreicht zu haben. Bei Geburtstagsgeschenken geht das vielleicht noch, ‚nachträglich‘ lässt sich auch noch manches überreichen.

Immer wieder jedoch stehen Menschen in lebenswichtigen und lebensentscheidenden Momenten vor verschlossenen Türen: Wenn die Prüfung zum wiederholten Mal und endgültig nicht bestanden wurde; wenn der Arbeitsplatz in der Firma plötzlich weg ist; wenn durch einen Unfall oder durch eine schwere Krankheit die Gesundheit weg ist. Dann tun sich plötzlich diese erschreckenden Sichtweisen auf: dass wir das Ziel unseres Lebens nicht erreichen könnten – dass wir unser ganzes Leben verfehlen könnten – und dass wir damit auch Gott verfehlen könnten. Denn Gesundheit, Arbeit und Prüfungen sind nicht um ihrer selbst willen für unser Leben wichtig. Nach dem christlichen Glauben ist allein Gott wichtig und erst durch ihn alles andere. Die Angst ist eine doppelte: Das Leben zu verfehlen, das hieße, Gott zu verfehlen. Gott zu verfehlen, das hieße, das Leben zu verfehlen.

Auch im Urchristentum – in der Zeit Jesu, in der Zeit der Apostel und auch später noch – hat es solche Ängste gegeben. Es scheinen geradezu Albträume gewesen zu sein. Denn immer wieder, in vielen Schriften, kommt dieses Motiv der Tür in einer doppelten Weise vor: Da ist einmal die Angst, eben vor dieser Tür zu stehen und nicht hinein zu kommen, weil sie für einen selbst verschlossen ist und bleibt, während andere sogar in Scharen hinein dürfen.

Und da ist auf der anderen Seite Jesus, der der Gemeinde Mut und Hilfe zuspricht, der der Gemeinde die Tür öffnet, ja der sich selbst als Tür bezeichnet. Nach dem Johannesevangelium sagt Jesus: „Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden.“

Auch im Predigttext für den heutigen Sonntag geht es um so eine besondere Tür. In der Offenbarung des Johannes. Der Text ist eines der sieben Sendschreiben, die der Seher Johannes an sieben Gemeinden in Kleinasien diktiert bekommt. Das heutige Sendschreiben geht an die Gemeinde in Philadelphia, einer Stadt nahe dem Ismir in der heutigen Türkei.
Im 3. Kapitel der Offenbarung heißt es:
http://www.die-bibel.de/nc/online-bibeln/luther-bibel-1984/lesen-im-bibeltext/bibelstelle/Offb%203,7-13/anzeige/single/#iv

Liebe Schwestern und Brüder!
„Ich kenne deine Werke – siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan, die nun niemand wieder zuzuschließen vermag!“ Was hat die Gemeinde in Philadelphia Besonderes getan, dass ihr Jesus Christus die Tür so öffnet und offen hält? Die Gemeinde hat das Wort Jesu bewahrt und sich nicht von Jesu Namen losgesagt. Damals herrschte ein römischer Kaiser, der verlangte, dass ihn alle Untertanen als Gott zu verehren hätten – auch die Christen. Viele haben dem Druck nicht standgehalten und sich dem Befehl des Kaisers im wahrsten Sinne des Wortes ‚unterworfen‘, denn sie mussten sich vor dem Standbild des Kaisers niederwerfen. Die Gemeinde in Philadelphia als Ganze hat dies in einer der ersten Verfolgungen anscheinend nicht getan und Glauben gehalten. Sie hat sich nicht der Versuchung hingegeben, den menschlichen Kaiser als Gott anzuerkennen oder anzubeten. Sie hat den Namen Jesu hoch und in Ehren gehalten – trotz ihrer nur kleinen Kraft.

Bei der Predigtvorbereitung habe ich gelesen, die Situation der Gemeinde in Philadelphia sei mit der Situation der Christen heute nicht zu vergleichen. Die Probleme seien ganz anderer Art gewesen. Für manche christlichen Gemeinden in Südostasien oder in Afrika ist es aber eine tägliche Gefahr und Versuchung, den Glauben an Christus zugunsten von einem anderen Glauben – und damit von einem anderen Gott – aufzugeben. Aber auch bei uns in Mitteleuropa und in Deutschland sehe ich die immer neue Gefahr: dem Drängen der Verfolgung nachzugeben. Die Kaiser und Könige haben zwar heute andere Namen, aber sie wollen unser Leben auf eine ganz ähnliche Weise bestimmen, wie es der römische Kaiser damals gewollt und getan hat: Sie wollen ihre Macht – von der sie meinen, dass sie sie über uns haben – auch absolut ausüben.

Immer wieder gibt es Dinge, denen wir uns bedingungslos unterordnen. Dabei lässt sich manches an den Namen von Menschen festmachen: herausragend sind Namen wie Hitler und Osama bin Ladin. Anderes lässt sich an den Namen von Firmen festmachen, die um des Gewinns und der Macht willen die Rechte von Menschen mit Füßen treten. Ich frage mich: muss man solchen Menschen folgen oder bei solchen Firmen kaufen? Ganz offensichtlich ist es schließlich bei Drogen und jeder anderen Form von Sucht. Aber auch vieles andere fordert unsere Unterwerfung und beansprucht Macht über uns, obwohl es nach Außen hin gar nicht so offensichtlich ist. Das alles ist die Synagoge des Satans, von der im Predigttext die Rede ist. Das ist das Böse, das mit nach Außen hin so vernünftigen Argumenten kommt, um uns zu dirigieren; das ist das Böse, das oft so toll im weißen Hemd des Untadeligen dasteht und uns erzählt, wir gut es alles mit uns meint, wenn wir ihm doch nur folgen wollten.

„Du hast nur geringe Kraft und hast mein Wort doch bewahrt und meinen Namen nicht verleugnet.“ So sagt Christus zu der Gemeinde in Philadelphia. Das ist das Wesentliche, das Einzige, auf das es ankommt. Und wir – sind wir so wie diese Gemeinde? Haben wir uns – als Einzelne und als Gemeinde oder als Kirche – nie gebeugt? Hier liegt wohl die Unvergleichbarkeit von der Gemeinde in Philadelphia und heute. Wir sind nicht so: nicht so stark und unerschütterlich im Glauben.
Es hilft nichts, wir können nichts schönreden, wir können auch nicht anführen, dass es schon damals genügend Gemeinden wie heute gab, die nicht so standhaft wie die Christen in Philadelphia waren. Wenn das aber so ist, erfordert das eine andere, eine neue Frage: Wird Christus uns die Tür öffnen – oder gibt es für uns ein „Zu spät!“ und ein „Hier nicht!“? Wenn wir so fragen und das „Zu spät!“ vor Augen haben, können wir Christus vielleicht antworten, was ich an anderer Stelle gefunden habe:

»Herr, ich sehe ein, ich kann dich nicht dazu bewegen, mir das Tor zum Leben zu öffnen. Vielleicht ist mein Platz mit Recht draußen – vor dem Tor. Aber wenn ich schon nicht zu dir kommen kann, so kannst du doch zu mir kommen. Wenn ich schon nicht das Tor zum Leben von mir aus öffnen kann, so kann ich doch dir die Tür meines Herzens öffnen und dich einlassen.
Du selbst hast ja diese merkwürdige Geschichte in die Welt gesetzt, dass du dich auf unser Leben eingelassen hast – in Palästina vor langer Zeit und unter dürftigen Umständen. Da war nicht zu erkennen, dass du Gottes Ebenbild bist. Aber durch diese Geschichte hast du zu erkennen gegeben, dass das Bild Gottes ein unauslöschliches Siegel ist und unauslöschlich bleibt, auch wenn es durch Versagen und Schuld beschädigt wird, wenn es jämmerlich endet in Schmerzen und Todesangst. Damals warst du selbst ausgeschlossen. Damals hast du vor den Toren gelitten. Damals warst du draußen, wo ich jetzt bin.
Deswegen wage ich es jetzt, dich zu mir einzuladen nach draußen. Deswegen öffne ich dir die Tür meines Herzens, damit ich durch dich in das verborgene Bild verwandelt werde, das Gott von mir entworfen hat: Damit ich, damit wir alle werden, was wir durch unsere Taufe schon sind: Kinder Gottes.«

Was wird der Herr tun? Er wird die Einladung annehmen. Er wird zu uns sagen: »Ich liebe dich! « Und er wird fortfahren mit Worten, die wir ebenfalls in der Offenbarung des Johannes lesen: »Wen ich lieb habe, den weise ich zurecht und erziehe ihn hart. Suche ernsthaft umzukehren. Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir. «
Solange wir ans Tor des Lebens klopfen, werden wir immer unsicher sein, ob es sich öffnet und wir eingelassen werden. Wenn aber Christus an unserer Tür klopft, dann liegt es an uns, ob wir ihn einlassen, der herein will: und ob wir mit ihm das Fest des Lebens feiern. Eben dazu helfe uns Gott.
Amen.

Autor: PaToWi

Ich darf mein Leben frei gestalten unter dem liebenden Blick Gottes. Ist das nicht Grund genug auf IHN zu hören und mir von IHM den Weg weisen zu lassen?

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