Konfirmationspredigt am 13. April 2008

Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder in Christus!
Vor allem aber: Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden!

Es ist ein ganz besonderer Predigttext, der heute zu bedenken ist. Alle Unterteilungen der Bibel, die Ihr gelernt habt: in Altes und Neues Testament, in Briefe, Evangelien und Ähnliches kommen hier und heute nicht so richtig zum Zug, denn auf den ersten Blick ist es ein regelrechtes Sammelsurium von Versen der Bibel: vom ersten, dem 1. Buch Mose, bis zum Hebräerbrief, dem fast letzten Buch. Oder anders ausgedrückt: es ist ein Querschnitt durch dieses Buch der Bücher, die Bibel: Denn es sind die zwölf Konfirmationssprüche, die Ihr Euch ausgesucht habt.

Diese Sprüche sollen Euch ein ganzes Leben lang begleiten und Euch nahe sein; sie können Euch Inspiration sein und neue Gedanken geben, wenn ihr sie braucht; sie können eine Leitschnur sein, an der Ihr Euer Leben ausrichtet. Sie können Halt und Hoffnung geben in schwierigen und traurigen Zeiten; sie können zur Dankbarkeit Gott gegenüber helfen besonders, aber nicht nur dann, wenn es Euch gut geht. Vor allem sollen und können sie – ähnlich wie bei Euren Taufsprüchen oder später bei Euren Trausprüchen eines sein: so etwas wie ein Anknüpfungspunkt für das, was ich das Lebensgespräch mit Gott nenne, diese hoffentlich lebendige Beziehung zwischen Euch und dem großen Geheimnis des Lebens, das wir Gott nennen: der die Welt ins Sein gerufen hat, der in Jesus Christus in unsere Lebenswelt hinein gekommen ist, der durch den Heiligen Geist mit uns Kontakt aufnehmen und zu seiner Gemeinde verbinden will.

Was erwarten Menschen von diesem Gott? Sie haben eine Ahnung davon, dass Gott etwas mit dem Beginn ihres Lebens und dem Ende, mit der Zeit dazwischen und darüber hinaus zu tun hat; und dass Gott ihnen eine Perspektive für dieses Leben geben kann und will – nicht nur für diesen oder jenen Augenblick sondern für das ganze Leben. Da bekennt der Beter des 31. Psalms über sich und sein Verhältnis zu Gott: Ich aber, HERR, hoffe auf dich und spreche: Du bist mein Gott! Meine Zeit steht in deinen Händen. (Psalm 31,15-16a)

Die Zeit als Lebenszeit gehört auch zu den Stichworten, die einem bei dem nächsten Spruch einfallen, auch wenn das Wort Zeit selbst nicht vorkommt. Denn dieser Vers stellt uns die Begrenztheit unseres Lebens vor: Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden. (Psalm 90,12). Es wäre aber sicher falsch, zu meinen, dass einem dieser Psalmvers Angst machen sollte. Ganz im Gegenteil: Der Beter des Psalms will uns aufmerksam machen, ja wach rütteln, dass wir jeden Moment unseres Lebens von Gott als kostbares Geschenk bekommen, er hat eine Lebensabsicht mit uns. Wie sollten wir dann das Leben, das er uns schenkt, einfach so wegwerfen oder missachten?

Diese Lebensabsicht Gottes mit uns Menschen wird in keinem Bild so deutlich wie in dem vom guten Hirten, dem wir uns voller Vertrauen anbefehlen können: Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. (Psalm 23,1) Wenn sich Menschen so in der Hut, der Obhut Gottes geborgen wissen, dann werden sie auch Kraft und Mut finden, das anzugehen, was ihnen in ihrem Leben entgegen kommt, ihnen entgegensteht. Denn sie wissen Gott nicht nur hinter sich, sondern schützend vor sich, ja geradezu eingehüllt von seinem Schutz. Da können sie widerstehen und standhalten, auch wenn es ganz dicke kommen sollte, wenn einem die Kraft auszugehen droht. So wie Gott seinem Volk schon im Alten Testament nach Jesaja 40 verheißen hat: Die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden. (Jesaja 40,31)

Gott verheißt Kraft, um Schwieriges zu bestehen; er verheißt nicht, dass sich die Probleme einfach in Luft auflösen würden. Da braucht es dann Geduld, die schwierigen Situationen auszuhalten. Ein Vorbild für diese standhafte Geduld, an dem wir uns orientieren können, ein solches Vorbild hat Gott uns gegeben. Im Hebräerbrief heißt es: Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens. (Hebräer 12,1c-2a) Denn am Kampf des Lebens kommen wir nicht vorbei. Ich meine nicht einen Kampf mit Gott um das Leben – Gott will, dass wir leben. Ich meine den Kampf mit dem und gegen das, was Euch und uns alle bedrängt oder bedrängen wird: die Feindschaft von Menschen, Schicksalsschläge, die niemand zu verantworten hat, und manches mehr. Da ist die beharrliche Geduld auf dem Lebensweg nötig, trotz aller Schwierigkeiten an Gott und unserem Lebensgespräch mit ihm festzuhalten. Nicht aufzugeben, weil er nicht das tut, was wir gerne hätten; nicht aufzugeben, weil wir ihn nicht spüren. Er findet immer wieder neue Weg für uns, die wir gehen können. Das hat er schon Jakob im 1. Buch Mose zugesagt, als der gar nicht mehr weiter wusste: Gott spricht: Und siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst. (1. Mose 28,15a)

Trotzdem ist es nicht blauäugig in manchen Lebens-Situationen, die gefährlich sein können, sich den Vers aus Psalm 91 in Erinnerung zu rufen: Der Herr hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. (Psalm 91,11-12) So sehr Menschen mit ihren Füßen an Steine stoßen, im wörtlichen und übertragenen Sinn, so sehr gilt doch, dass wir dann nicht ins Bodenlose fallen, sondern nie tiefer als in Gottes Hand.

Schon die Konfirmation mag da ein Punkt im Leben sein, Bilanz zu ziehen und sich das bisherige Leben zu vergegenwärtigen. Was war nicht schon alles bis zum heutigen Tag: Wie viel Schönes, für das Ihr eine große Dankbarkeit empfindet; und wie viel Schwieriges gab es, das aber doch bestanden wurde. Solche Bilanz lässt einen, der auch nur ein bisschen mit Gott rechnet, rufen: Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. (Psalm 103,2). Entweder nachdenklich: Auch wenn es manchmal schwer war oder ist: „Ich will die schönen Momente in meinem Leben, die Gott mir geschenkt hat, nie vergessen, denn sie geben mir Halt.“ Oder voller Freude: „Sieh doch meine Seele, wieviel Schönes und Gutes Gott mir geschenkt hat, wie wunderschön!“

Eines ist dabei immer gewiss: Gott ist uns nahe, er ist treu und steht zu den Verheißungen, die er den Menschen gegeben hat: seinem auserwählten Volk Israel, seinem Sohn Jesus Christus und durch ihn in der Taufe auch uns. Der Beter von Psalm 108 bekennt es mit Worten, die die unendliche Weite des Himmels und die Endlosigkeit der Wege der Wolken als Bilder für die unvorstellbare Größe von Gottes Treue zu Hilfe nimmt: Deine Gnade reicht, so weit der Himmel ist, und deine Treue, so weit die Wolken gehen. (Psalm 108,5)

Der nächste Bibelvers, den sich zwei Konfirmandinnen von Euch ausgesucht haben, wäre im Anschluss daran schon fast ein Schlusswort. Einmal in der bekannten Fassung der Lutherbibel: Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen. (1. Korinther 13,13); und einmal in der moderneren Fassung der Gute-Nachricht-Bibel: Auch wenn alles einmal aufhört – Glaube, Hoffnung und Liebe nicht. Diese drei werden immer bleiben; doch am höchsten steht die Liebe. (1. Korinther 13,13)

In diesem Vers werden die Grundlagen des Glaubens zusammengefasst: das Vertrauen in die Lebensabsicht Gottes mit uns; das innere Wissen, dass wir nicht dem Nichts entgegen gehen, sondern dass es ein Ziel gibt für unser Leben; und schließlich die Gewissheit, dass wir mit unserem Leben in eine doppelte Beziehung gestellt sind: Gottes Lebensabsicht mit uns ist in seiner Liebe zu uns begründet, und diese Lebensabsicht verwirklicht sich in der Liebe, die wir anderen Menschen entgegenbringen und die andere Menschen uns entgegenbringen. Denn Leben gibt es nur mit Liebe.

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden. Ich habe viel über Bibelworte gesprochen, wenig über Eure Lebenssituation. Nicht, weil ich mir das eine oder andere nicht vorstellen könnte, was Euch jetzt und heute beschäftigt. Ich habe nur die Erfahrung gemacht, dass sich die Worte der Bibel oft genug, wie von selbst in die eigene Lebenssituation hineinsprechen und so eine neue Lebens-Perspektive möglich machen. Doch damit Worte der Bibel und besonders Eure Konfirmationssprüche zu solchen Wegbegleitern des Lebens werden können, dazu muss man sie wissen, muss sie bedacht und in sich aufgenommen haben. Ich sage bewusst nicht, dass Ihr die Worte einfach auswendig lernen sollt. Indem Ihr sie inwendig in Euch habt, weil Ihr sie bedacht und in Euch aufgenommen habt, könnt Ihr sie auch auswendig, das kommt von alleine.

Habt den Mut, Eure Konfirmationssprüche nicht gedanklich und tatsächlich in die Ecke zu stellen oder in die Mottenkiste zu verpacken, sondern sie da zu haben, wo ihr Sie immer sehen könnt, damit sie Euch gerade dann erreichen, wenn Ihr es nicht erwartet: Wenn Ihr traurig seid oder froh; wenn Ihr nachdenklich seid oder unbeschwert; wenn alles klar ist oder Ihr eine große Entscheidung treffen müsst.

Möge dann Euer Konfirmationsspruch direkt in das Leben hinein zu sprechen beginnen. So wie Jesus Christus das Wort Gottes immer in die jeweilige Lebenssituation der Menschen gesprochen hat und ihnen so die Fülle Gottes geschenkt hat. Möge Euer Konfirmationsspruch Euch diese Fülle von der Nähe und der Liebe Gottes immer wieder neu eröffnen, möge Euch Euer Konfirmationsspruch helfen, in dieser alles umfassenden Liebe zu bleiben, denn so sagt der Schreiber des 1. Johannesbriefes und das ist der Konfirmationsspruch, der bisher noch gefehlt hat: Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. (1. Johannes 4,16b) Amen.

Soweit nicht anders angegeben sind Bibelverse wörtlich zitiert aus: Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984, durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung, © 1999, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

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