Gottesdienst und Predigt zur Sportwerbewoche 2008

Gottesdienst zur Sportwerbewoche
am 4. Sonntag nach Trinitatis – 15. Juni 2008

in der Evangelisch-Lutherischen Kirche zu Möllbergen

Glockengeläut und Orgelvorspiel
Begrüßung

L. kommt in Sportkleidung in die Kirche gelaufen. Die folgende Szene ist dem Buch "Krümel vom Tisch des Herrn. Satiere, Glossen, Geschichten" von Wolfram Behmenburg entnommen (cmz-Verlag, Rheinbach, 2. Auflage 2001)
L: Moin. Sagt doch neulich die Frau Gramberg zu mir: Ich muss nicht immer sonntags in die Kirche rennen, um ein guter Christ zu sein.
Na ja, habe ich gedacht, die Frau Gramberg ist 72. Da muss man das vielleicht wirklich nicht mehr. Aber so als Mann im mittleren Alter, da muss man schon aufpassen.
Ich jedenfalls mache das regelmäßig: Jeden Sonntagmorgen spring ich rein in meine Jogging-Schuhe, streif mir das Trikot über, und schon renn ich los, den Kirchtürmen entgegen.
Nein, nicht gleich den ersten besten. Das Schöne beim Kirche-Rennen ist ja, dass man sich seine Ziele ganz individuell zusammenstellen kann, je nach Fitness und Tagesform. Gotteshäuser zum Hinrennen gibt es ja alle paar Kilometer.
Unterwegs trifft man dann auch auf andere KircheRenner. Die laufen ja längst nicht alle mit Trikot, wie ich. Manche rennen z.B. bloß, weil sie zu spät aufgestanden sind oder zu lange gefrühstückt haben. Die erzählen mir dann manchmal unterwegs: Wie gut, dass der Gottes- dienst so früh ist. Sonst hätten sie jetzt gar keinen Grund, in die Kirche zu rennen.
Andere wiederum sagen, sie rennen aus Überzeugung. Wegen der Umwelt. Im Zeitalter der globalen Öko-Krise sei das In-die-Kirche-Rennen die einzig verantwortliche Art, ein Gotteshaus zu betreten. Dann gibt es noch welche, die rennen, weil sie auf dem Weg zur Kirche nicht gerne gesehen werden wollen. Und für andere ist das Weglaufen von Zuhause das Schönste am In-die-Kirche-Rennen.
Gehören Sie eigentlich auch zu den Leuten, die sonntags immer in die Kirche rennen?
Mit diesen Worten: herzlich willkommen zum Gottesdienst in der Möllberger Kirche anlässlich der Sportwerbewoche des TuS 09 Möllbergen. Der Herr sei mit euch.
G: Und mit deinem Geist.
L: Es ist ein besonderer Gottesdienst am 4. Sonntag nach Trinitatis:
Die Dekoration der Kirche macht es deutlich: Wie in jedem Jahr kommt die schönste Nebensache der Welt – der Sport – mit der Kirche und dem Glauben ins Gespräch.
Wir feiern heute aber auch die Taufe von ** – Gottes „Ja“ zu ihr wird in der Taufe besonders deutlich, sie wird in die Gemeinschaft der Getauften aufgenommen: eine neue Mitspielerin in der Mannschaft von Jesus Christus.
Wie gehen die Menschen miteinander um – die, die im Sportverein rennen, und die, die in die Kirche rennen? Das soll uns heute beschäftigen. ** liest dazu aus dem Lukasevangelium, der Kirchenchor wird uns davon singen, was Gott uns als Taktik mit auf den Weg gibt. ** begleitet uns an der Orgel. Auch beim ersten Lied.
L. zieht sich während des Liedes für den weiteren Gottesdienst in der Sakristei um.

Lied 449,1-4+8 „Die güldne Sonne“

Votum
L: Wir stellen uns unter das Zeichen unseres Glaubens und sprechen:
G: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Psalm 36 (EG 718, S. 1152 im wechsel gesprochen)
Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,
und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.
Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes
und dein Recht wie die große Tiefe.
Herr, du hilfst Menschen und Tieren.
Wie köstlich ist deine Güte, Gott,
dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel
Zuflucht haben!
Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses,
und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom.
Denn bei dir ist die Quelle des Lebens,
und in deinem Lichte sehen wir das Licht.
Gloria Patri „Ehr sei dem Vater und dem Sohn …“

Kyrie
L: Wir müssen nicht rennen, Gott, unser Vater, um zu Dir zu kommen, denn du bist einfach da, wenn wir dich brauchen. Wir rufen:
G: Kyrie eleison.
L: Wir müssen nicht ziellos durch unser Leben rennen, denn Du, Gott, willst uns durch Jesus Christus den Weg des Lebens zeigen. Wir rufen:
G: Kyrie eleison.
L: Wir müssen mit unseren Sorgen und Nöten nicht alleine bleiben, denn Du, Gott, stiftest Gemeinschaft unter uns in der Gemeinschaft der Getauften, in deiner Kirche. Wir rufen:
G: Kyrie eleison.

Gnadenzusage
L: Christus spricht: Wer zu mir kommt, den wir nicht hungern.
Und wer an mich glaubt, den wir nimmermehr dürsten.
Und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.
Welch ein Grund, Gott zu danken und zu singen! Johannes 6,35b.37
Gloria in Excelsis „Allein Gott in der Höh sei Ehr …“

Eingangsgebet
L: Gott, du Kraft unseres Lebens,
mache uns fähig, uns selbst anzunehmen mit unseren Fähigkeiten und Grenzen – bei Sport und Spiel und im ganzen Leben,
mache uns gelassen gegenüber anderen Menschen mit ihren Gaben und Schwächen – im sportlichen Gegenüber und auch sonst im Leben.
Denn wir sind angenommen und geliebt von Jesus Christus, deinem Sohn, unserm Bruder unter den Menschen, unserm Herrn für Zeit und Ewigkeit. (c)
G: Amen.

Chor „Woher weiß ich, was du willst“

Schriftlesung und Halleluja
Lukas 6,36-42 Psalm 92,2

Lied 419 „Hilf, Herr, meines Lebens“

Predigt über Römer 12,17-21
Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Bemühen im Reden und Hören. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder in Christus!
Ich möchte nicht wissen, was am vergangenen Donnerstag in den bundesdeutschen Wohnzimmern und an vielen anderen Orten losgewesen ist. Wenn alles gut läuft, dann ist es ja meist kein Problem, aber wenn es schlecht läuft, wissen die, die es von außen betrachten, immer alles besser. Ich hätte ja nie geahnt, dass Bundestrainer Joachim Löw mir eine solche Steilvorlage geben würde – aber so ist es nun doch gekommen: die deutsche Mannschaft hat gegen Kroatien verloren und die selbstberufenen Co-Bundestrainer an der Fernsehern haben bestimmt wieder einmal alles besser gewusst: wer wann einzuwechseln gewesen wäre, wer von Anfang an zu spielen gehabt hätte, wie zu reagieren gewesen wäre – besser noch, wie man schon vorher hätte agieren sollen.

Was mich fasziniert, das ist die Leidenschaft, mit der die Menschen mitfiebern und ihrer Mannschaft den Sieg wünschen – und sich selber ein bisschen auch, denn: wer mitfiebert, der hat dann ja auch Anteil am Sieg. Wie schön, wenn sich Menschen für etwas begeistern können und nicht gelangweilt oder gleichgültig nur so vor sich hin leben.

Was ich aber schwierig finde – und alle, die selber Sport machen oder sogar eine Mannschaft trainieren, werden das bestätigen können – was ich schwierig finde, ist, dass die von außen es immer besser zu wissen scheinen als die, die die Verantwortung tragen oder selber spielen. Manches stellt sich aus Sicht der Aktiven eben ganz anders dar als aus der Sicht der Fernsehzuschauer. Dies ist es auch, was uns Jesus mit dem berühmten Wort vom Splitter im Auge des Nächsten und dem Balken im eigenen Auge nahe bringen will: Einem anderen den vermeintlich richtigen Weg weisen – das scheint so einfach zu sein, ist es aber eben nicht, denn wir können nie sicher sein, dass wir denn wirklich so viel besser dastehen als der, den wir kritisieren wollen. Die Folgen unserer Entscheidungen als virtuelle Trainer oder Spieler möchte ich nicht immer zu verantworten haben: Weder im Sport noch im sonstigen Leben.

Trotzdem, liebe Gemeinde, hat Jesus sein Gleichnis vom Splitter und vom Balken im Auge den Menschen gesagt – um uns zu Vorsicht zu mahnen, dass wir uns nicht über andere erheben, indem wir über andere urteilen.

Auch der Apostel Paulus ermahnt Menschen zu so einer zurückhaltenden Haltung. Er schreibt im 12. Kapitel des Römerbriefes, dem heutigen Predigttext: Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist‘s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.« Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, gib ihm zu essen; dürstet ihn, gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln«. Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Der Predigttext für den heutigen Sonntag lässt sich ohne weiteres auf vieles im Bereich des Sports anwenden. Vor allem zum Schluss hin: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden“ – da werden viele von uns heute an Stichworte wie Doping und andere Betrugsformen denken, die es im Sport nicht geben darf, damit nicht der skrupelloseste, sondern der Beste gewinnt. Aber Paulus geht noch einen Schritt weiter. Er erwartet nicht nur die Absage an das Böse, sondern darüber hinaus die Aktivität für das Gute: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ Wie kann das aussehen?

Besonders mit Blick auf Fußball und Handball, aber auch mit Blick auf jede andere Sportart kann der Predigttext in folgender Weise aktualisiert werden: „Tretet nicht nach, sondern spielt fair. Ist‘s möglich, soviel an euch liegt, seht in jedem sportlichen Gegner den Menschen, der eure Achtung verdient hat. Die Regeln sind doch eindeutig: Der Schiedsrichter ist der, der für Ordnung auf dem Platz zu sorgen hat; er kann auch angemessen bestrafen. Wenn du es selbst in die Hand nimmst, versinken Spiel und Sport im Chaos des Krieges. Vielmehr, reiche deinem Gegner die Hand und gratuliere ihm von Herzen, wenn er gewonnen hat. Lass dich nicht von deinem Ehrgeiz zu unfairen Mitteln verleiten, sondern überwinde den zerstörerischen Ehrgeiz durch fairen Sportsgeist.“

Im Sport vergessen Menschen so etwas immer wieder einmal. Die Schlagzeilen in den Zeitungen sind dann voll davon. Aber ebenso häufig vergessen die Menschen diese Grundeinstellungen zum Leben, die Paulus uns hier vor Augen führt, auch im Alltäglichen: Im Beruf und in der Schule, in den Familien und manchen anderen Bereichen des Lebens. Und wie im Sport müssen sich Menschen immer wieder daran erinnern lassen. Im Sport durch Regeln und im normalen Leben durch Gesetze, die der Staat durchsetzt und schützt. Im christlichen Glauben durch die Wegweisungen Gottes, die uns vor allem in der Kirche, im Gottesdienst immer wieder neu nahe gebracht werden. Und zwar anders als im Sport und im Staat nicht durch Drohung mit Strafe, sondern mit der Verheißung des Lebens: „Seid barmherzig,“ sagt Jesus im Evangelium, „wie auch euer Vater barmherzig ist. Ich lebe und ihr sollt auch leben.“

„Gehören Sie auch zu den Leuten, die sonntags immer in die Kirche rennen?“ Vielleicht erinnern Sie sich noch an den letzten Satz aus der Eingangsgeschichte. Es ist bestimmt nicht nötig, jeden Sonntag hierher zu rennen – langsames Gehen oder das Fahren im Auto oder mit dem Rad tun es auch. Es ist auch bestimmt nicht nötig jeden Sonntag zur Kirche zu rennen. Es gibt allerdings Menschen, für die der Kirchgang zur Woche ebenso dazu gehört, wie das wöchentliche Training des Körpers. Ja, auch der Glaube kann trainiert werden, und wie bei jedem Training macht es dabei nicht nur die einfache Regelmäßigkeit, sondern auch der innere Zusammenhang des Trainings. Einmal im Jahr zu Weihnachten in die Kirche ist sicher auch regelmäßig, ein spürbarer Trainingseffekt erscheint mir allerdings fraglich zu sein. Auch alleine den Glauben einzuüben und so zu trainieren, ist nicht immer von Erfolg begleitet: zu schnell erlahmt die eigene Initiative; erst die Trainingsgruppe lässt uns im Sport bei der Sache bleiben; erst die Gemeinschaft der Getauften in der Kirche lässt uns auch in Motivationsschwierigkeiten nicht verzagen und bei Erfolgen die Freude noch schöner werden. Nur andere können mir in den Tiefpunkten und Niederlagen des Lebens Mut zusprechen, nur andere können mir durch das Wort der Vergebung einen neuen Anfang ermöglichen. So ist die Gemeinschaft der Getauften in der Kirche eine ganz besondere Mannschaft.

„Gehören Sie auch zu den Leuten, die sonntags immer in die Kirche rennen?“ „Nicht immer, aber immer öfter“ – können wir auf die Frage des Kabarettisten antworten. Denn als Christen und Sportlern ist uns klar, dass es beim Glauben wie bei Sport sehr ähnlich ist: Ohne Training, ohne Einüben der Grundvollzüge geht es nicht. Und es geht damit auch nicht ohne Trainer, ohne Menschen, die uns bei unseren Glaubensversuchen anleiten. Viele werden bei dem Trainer zuerst an den Pastor denken, vielleicht auch an eine Religionslehrerin oder Mitarbeitende in der Gemeinde. Aber das sind nicht die ersten und wichtigsten. Denn vor Religionslehrerinnen und -lehrern, dem Pastor und den Mitarbeitenden in der Gemeinde sind es vor die Eltern und Paten, die den Cheftrainerstab für die jungen Christen bilden. Denn Eltern und Paten sind die, die den Kindern und Jugendlichen am nächsten stehen, zu denen sie Vertrauen haben und die sie sich als Vorbilder suchen. Deshalb sind das Amt der Eltern und das Amt der Paten für den christlichen Glauben so wichtig.

„Gehören Sie auch zu den Leuten, die in die Kirche rennen?“ Es ist keine so neue Disziplin, die mit dieser jetzt etwas verkürzten Frage nach dem Kircherennen angesprochen wird. Sie ist eine der Urfragen des Glaubens überhaupt, so wie die Frage: „Wie hältst du es mit dem Training?“ eine der Urfragen des Sports ist. Jede und jeder wird sie unterschiedlich beantworten; wichtig ist, dass sie mit vollem Ernst gestellt und ehrlich beantwortet wird. Wer dann zum Sport „Ja“ sagt, wird auch das Training akzeptieren; wer zum Glauben an den dreieinigen Gott und seine Lebensabsicht mit uns „Ja“ sagt, wird auch zum Gottesdienst „Ja“ sagen, und sonntags nicht immer, aber vielleicht wirklich immer öfter in die Kirche rennen. Amen.

Lied 210 „Du hast mich, Herr, zu dir gerufen“

Taufliturgie
darin: Posaunen „Hevenu Shalom“

Lied 667 „Wenn das Brot, das wir teilen“

Abkündigungen

Chor „Weise mir, Herr, deinen Weg“

Fürbitten und Vater unser

Chor „Shalom“

Segen

Orgelnachspiel

Autor: PaToWi

Ich darf mein Leben frei gestalten unter dem liebenden Blick Gottes. Ist das nicht Grund genug auf IHN zu hören und mir von IHM den Weg weisen zu lassen?

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