Predigt von PC Jansen über 1. Korinther 4,1-5

Lesung: 1. Korinther 4,1-5
Liebe Gemeinde!
Advent, das ist nach unserem Verständnis Durchgangszeit: Warten auf Weihnachten. Vier Wochen lang müssen die Kinder es aushalten, daß Weihnachten bald kommt, aber eben noch nicht da ist. Wir Erwachsenen denken bei Weihnachten hoffentlich eher an Jesus Christus. Er ist ja schon geboren, aber da kommt doch noch etwas – zwischen Christus und mir. Wir müssen aushalten, daß er einerseits schon da ist und andererseits zu mir wohl noch im Kommen.

Advent – Er kommt. Bis dahin schärfen wir unsere Erwartung. – Wenn ich auf den Abend zum Essen eingeladen bin, dann halte ich mich den ganzen Tag zurück, damit ich zum Abend gehörigen Appetit mitbringe. – In dieser dunklen Jahrszeit lassen wir bewußt das elektrische Licht aus und begnügen uns mit ein paar Kerzen, damit wir die Dunkelheit wirklich als Dunkelheit erleben, bevor wir uns am weihnachtlichen Lichterglanz freuen. Aber ein paar Kerzen sind es eben doch, als Vorboten für das Licht der Heiligen Nacht.

Schon – und noch nicht; Dunkelheit noch – und doch schon ein bißchen hell; Christus schon bei mir – und Christus noch zu mir im Kommen: Das ist der Grundcharakter der Adventszeit. Aber auch unseres Christseins überhaupt.

In Bethlehem wurde ein Mensch geboren, aber das war der lebendige Gott -verstehe das, wer kann. Jesus wiederum heute auf seinem Thron hat mit Gott das Geschehen in der Welt fest in seiner Hand – aber auf der Welt geht es unübersehbar drunter und drüber.

Es ist nicht so, daß die eine von diesen beiden Feststellungen richtig ist und die andere falsch, sondern da stimmt beides zugleich. Verstehe das, wer kann. Wie Gott das sieht, wie Gott es macht, es bleibt sein Geheimnis.

Geheimnis – davon spricht Paulus ja auch. Das Wort "Heim" steht dahinter, von dem ja auch "Heimat" kommt und "Eigenheim". Heim, das ist die Intim-Sphäre. Was bei mir in meinen vier Wänden passiert, geht niemanden etwas an. Da lasse ich auch niemanden ganz hineingucken. Das Heim – dahin ziehe ich mich zurück, da komme ich wieder zu mir, da bin ich ganz ich selber. Im Heim hat meine Wirksamkeit ihren Ursprung.

Gottes Geheimnis: Wir spüren, was Gott bewirkt, aber wir werden nie begreifen, wo es herkommt. Nur den Namen haben wir: Gott. Der sagt alles. Aber der besagt nicht viel. So ist es auch mit Jesus: Eine Stimme vom Himmel hatte ihn Gottes Sohn genannt. Wer sich auf Jesus einließ, hat ihn als Gottes Sohn auch erlebt. Aber wieso das so ist, das bleibt Gottes Geheimnis.

Das griechische Wort für Geheimnis, Mysterium, kann helfen, das besser zu verstehen. Mysterium, das kommt vom griechischen mueiv, das heißt "Die Augen schließen". Was mit Gott zusammenhängt und mit Jesus, das sehen wir nicht, wenn wir bei den Dingen bleiben, die man sehen kann und anfassen. Wenn wir aber die Augen schließen, lenkt uns das alles nicht mehr ab und wir bekommen mehr mit von dem, was sich innen in uns abspielt. Dann gucken wir nicht mit den Augen, sondern mit dem Herzen. Und werden gewahr, was es in uns bewirkt, wenn wir mit Gott Verbindung aufnehmen und wenn wir uns auf Jesus freuen: Daß er geboren ist und daß er zu mir kommt.

Auf geheimnisvolle Weise bewirkt Gott in uns etwas. Etwa dies, daß wir in Jesus Christus Gott erkennen können. Das ist nichts selbstverständliches, wir wissen es, denn wir kennen viele Menschen, bei denen Gott anscheinend gar nichts bewirkt. Aber bei uns hat er etwas bewirkt: Wir erkennen Gott in Jesus. Und nun lassen wir uns von Jesus in seinen Dienst nehmen.

So werden wir zu Haushaltern über Gottes Geheimnisse.

Pardon, das geht nicht. Geheimnisse müssen wir lassen wie sie sind. Wir können ihnen nachsinnen, wir können sie bestaunen, aber umgehen können wir mit ihnen nicht. Das Wort "Haushalter" stört hier, es paßt nicht zu dem, worum es hier geht. Ich muß meinen Haushalt in den Griff bekommen, sonst klappt nachher nichts mehr und alles geht drunter und drüber. Aber ein Geheimnis, das ich in den Griff bekomme, ist es am Ende kein Geheimnis mehr.

Aber genau so vertraut Gott doch seine Geheimnisse uns an. Er überläßt sie uns, er legt sie uns in die Hand, damit wir mit ihnen umgehen. Er selber, der Inbegriff allen Geheimnisses, ist Mensch geworden. Mit Jesus konnte man umgehen. Jesus ließ sich anfassen, er ließ sich streicheln und umarmen, er ließ sich mißhandeln und umbringen. Dabei war er doch Gott selber.

Jesus sitzt jetzt zur Rechten Gottes. Aber noch immer gibt Gott sich uns in die Hand. Er bindet sich an das, was wir in seinem Namen tun, wenn wir taufen, wenn wir Sünden vergeben, wenn wir segnen. Er bindet sich an das, was wir in seinem Namen sagen. Gottes Wort, das sind alles Menschenworte. Wir können zumeist rekonstruieren, wann und unter welchen Umständen sie gesagt worden sind. Und wir gehen damit um. Das für sich schon ist ein Geheimnis.

Nun fordert man nicht mehr von den Haushaltern, als daß sie für treu befunden werden. In Treue umgehen mit Gottes Geheimnissen – was ist das?

Ich meine, treu umgehen, das heißt vor allem: Wirklich umgehen mit ihnen. Keinen Gebrauch von ihnen zu machen, das wäre kein gutes Haushalten.

Also: Das Angebot, daß Gott uns nahe ist und sich um uns kümmert, bewußt annehmen und damit bewußt nun auch leben. – Die Wendungen, die unser Leben im großen wie im alltäglichen nimmt, bewußt nicht dem Zufall zuschreiben, nicht dem Glück oder dem Unglück, nicht ausschließlich dem eigenen Können oder Versagen, sondern dem Zugriff Gottes. – Die Angelegenheiten, die mich beschäftigen, bewußt vor Gott beim Namen nennen und dabei um Gottes Beistand bitten.

Bequemer wird das Leben dadurch allerdings nicht. Die Verantwortung für das, was ich zu verantworten habe, muß ich immer noch tragen. Die Prügel, die mir zustehen, werde ich trotzdem beziehen. Und wenn es sich als nötig erweist, daß ich mich verändere, dann muß ich in der Tat da herangehen.

Aber ich erlebe mit Staunen, daß Gott Wege findet, wie es weitergeht. Ich erlebe, daß Wege, die ich bis dahin überhaupt nicht ernstgenommen, sondern für großen Unsinn gehalten hatte, sich schließlich doch als gangbar erweisen. Und danke Gott für das, was sich da ereignet hat.

Irgendwann wird Gott mich schon fragen, was es war mit meiner Treue. Wie ich umgegangen bin mit dem Geheimnis, daß er die ganze Zeit sich um mich gekümmert hat. Er wird mich fragen: Hast du es haben wollen? Hast du dich mir anvertraut? Hast du dir die Mühe gemacht, in deinem Schicksal meinen Weg mit dir zu erkennen? Hast du das wahrhaben wollen? Und hast du dich bei mir bedankt?

Pardon, es sind natürlich meine Fragen, die ich jetzt dem Herrn, wenn er kommt, in den Mund lege. Aber mich selber frage ich das. So lese ich die Fragen heraus aus den Gedanken, die Paulus an die Korinther schreibt.

Aber dies ist nun wirklich noch nicht so weit. Noch ist es dran, daß wir unsern Herrn und Heiland jetzt bei uns erwarten und willkommen heißen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Lieber Peter!
Vielen Dank für Deine Predigt, den gemeinsam gefeierten Gottesdienst und das schöne gemeinsame Wochenende! PaToWi

Autor: PaToWi

Ich darf mein Leben frei gestalten unter dem liebenden Blick Gottes. Ist das nicht Grund genug auf IHN zu hören und mir von IHM den Weg weisen zu lassen?

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