Predigt zum Partnerschaftssonnat über Matthäus 4,12-23

Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Bemühen im Reden und Hören. Amen.
Liebe Schwestern und Brüder in Christus!
Der Gottesdienst, mit dem wir unsere Partnerschaft in diesem Jahr bedenken, spannt einen ganz weiten Bogen: Da ist zunächst die Verheißung aus dem Jesaja-Buch über das Licht, das den Menschen in der Finsternis aufscheint und ihnen Hoffnung gibt. Wie oft werden die Menschen damals nach Licht in den Dunkelheiten ihres Lebens ausgeschaut haben: Dunkelheiten, was Krankheit und persönliche Schwierigkeiten anbelangt, Dunkelheiten aber auch, was die politische Situation des ganzen Volkes betraf. Die Sehnsucht nach Licht, nach Hoffnung und Zukunft war groß. Vor allem auch die Sehnsucht nach dem einen Menschen, der alles in der Hand hat und von Gott beauftragt, die Geschicke des Volkes in die Hand nimmt.
Und wie ähnlich sieht heute für viele Menschen das Leben aus:
Die Schlagzeilen aus Tunesien und aus Ägypten machen uns die Sehnsucht der Menschen auch heute deutlich, auch wenn die Hoffnungen dieser Menschen sich nicht auf den Gott Israels, den Vater Jesu Christi richten, von dem her Jesaja die Rettung erwartete.
Die Schlagzeilen aus Deutschland sprechen eine andere und doch sehr ähnliche Sprache, wenn immer wieder davon berichtet wird, wie Menschen Ungeheuerliches tun, weil in ihnen die Dunkelheit eines sinnlos gewordenen Lebens herrscht, weil diese Menschen für sich keine Lebensperspektive sehen. Wonach richten sich Menschen heute, wonach richten wir uns aus?
Die Antwort ist in etwas eigenwilliger Weise in manchen Kirchen noch zu sehen: Denn in vielen Kirchen stehen noch die Weihnachtsbäume und erinnern uns daran, dass nach christlichem Glauben sich die Verheißung des Jesaja in ganz besonderer Weise erfüllt hat, dass dieses damals verheißene Licht erschienen und aufgegangen ist in Jesus Christus, dem Kind in der Krippe, das später von sich sagen wird: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben.
Und dann ist da der Apostel Paulus, der sich um die Einheit der Gemeinde in Korinth sorgt, weil da einige die grundsätzliche Ausrichtung der Christen auf Jesus Christus als dem Herrn ihres Lebens nicht so ganz verstanden hatten. Positiv betrachtet wird an dieser Briefstelle deutlich, dass Glaube immer über Beziehungen von Menschen weitergegeben wird. Auch hier gibt es eine ganz enge Verbindung zu uns heute – allerdings mit umgekehrten Vorzeichen: Denn leider muss ich muss immer wieder beobachten, wie junge Menschen, die als Kinder getauft werden, solche Bezugspersonen des Glaubens nicht haben und deshalb natürlich auch nur wenig bis gar nichts davon mitbekommen: Eltern und Paten versprechen zwar immer, für die christliche Erziehung zu sorgen, aber irgendwie scheint dieses Versprechen dann bei vielen im Alltag abhanden zu kommen. Wie sonst wäre es zu erklären, dass die wenigsten Kinder zum Kindergottesdienst gebracht werden, dass Kinder in der 2. Klasse mit dem Wort „Beten“ überhaupt nichts anfangen können, dass Jugendliche, die in der Zeit der 7. Klasse mit dem Konfirmandenunterricht beginnen, vorher nie oder so gut wie nie eine Kirche von innen gesehen haben. Kirche, Gemeinde und Gottesdienst gehören aber zum christlichen Glauben unbedingt dazu.
Die damals in Korinth Getauften waren in besonderer Weise auf diejenigen bezogen, die ihnen einen Zugang zum Glauben gewiesen und sie getauft hatten. Dabei aber war aus dem Blick geraten, dass sich der christliche Glaube auf Jesus Christus bezieht und eben nicht auf die, die den Glauben vermitteln. Die Folge war ein heftiger Streit gewesen, wer denn nun den besseren Täufer gehabt hätte, wessen glauben besser oder richtiger wäre. Auch das kenne ich aus unserer Zeit. Als Mensch freue ich mich sehr, wenn Menschen in die Kirche und in die Gemeinde kommen, weil sie mit der Art und Weise gut zurechtkommen, wie ich meinen Dienst gestaltet. Und auf der anderen Seite sehe ich immer wieder, wie schwierig es ist, wenn Menschen einer Kirchengemeinde Kirche und Glauben mit der Person des Pastors verwechseln: wenn für die Menschen wichtiger ist, wer eine Amtshandlung wie Taufe, Trauung, Konfirmation oder Beerdigung als Pastor begleitet, als dass die Frage nach dem Glauben, dem Vertrauen auf Gott im Mittelpunkt steht. Einen Satz wie „Ich weiß nur dann, dass ich evangelischer Christ bin, wenn dieser oder jener Pastor vorne am Altar steht.“ habe ich zwar noch nicht gehört, doch ich denke, dass manche Äußerungen von Menschen darauf hinaus laufen.
Was hält die Gemeinde in ihrem Innersten zusammen? Paulus antwortet ohne Wenn und Aber: das Bekenntnis zu Jesus Christus als dem Herr der Kirche, als dem einzigen Trost im Leben und im Sterben. Und dieses Bekenntnis verbindet eben auch die Menschen miteinander zu der weltweiten Ökumene, zu der einen Kirche Jesu Christi – dieses Bekenntnis verbindet auch uns im Kirchenkreis Vlotho und in besonderer Weise mit den Schwestern und Brüdern im Kirchenkreis Tambarare: Es sind Geschwister im Glauben, die von Menschen aus unserer Gegend den christlichen Glauben kennengelernt haben und von denen wir heute unendlich viel an Glaubensfreude und Glaubensgewissheit lernen können. „Bwana Yesu assifiwe!“ Amen.
Was aber macht diesen Jesus aus, den wir den Christus nennen? Zu wem bekennen wir uns, wenn wir sagen: Wir glauben gemeinsam an Jesus Christus, unseren Herrn? Die Schwestern und Brüder haben uns für dieses Jahr einen sehr grundlegenden Abschnitt über diesen Jesus aus dem Matthäusevangelium zum Bedenken aufgegeben.
Ein erster Teil schafft die Verbindung zwischen dem Propheten Jesaja und Jesus, in dem wir die Erfüllung der Verheißung sehen.
Matthäus erzählt im 4. Kapitel seines Evangeliums: 12 Als nun Jesus hörte, dass Johannes gefangen gesetzt worden war, zog er sich nach Galiläa zurück. 13 Und er verließ Nazareth, kam und wohnte in Kapernaum, das am See liegt im Gebiet von Sebulon und Naftali, 14 damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten Jesaja, der da spricht (Jesaja 8,23; 9,1): 15 »Das Land Sebulon und das Land Naftali, das Land am Meer, das Land jenseits des Jordans, das heidnische Galiläa, 16 das Volk, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht gesehen; und denen, die saßen am Ort und im Schatten des Todes, ist ein Licht aufgegangen.« 17 Seit der Zeit fing Jesus an zu predigen: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!
Mit Jesus ist das Licht erschienen, auf das Jesaja hingewiesen hatte. Und es ist gerade dort aufgegangen, wo die Menschen die tiefste Finsternis ausgemacht hatten: im –vor allem aus Jerusalemer Sicht – heidnisch geprägten Galiläa, von wo es die wenigsten erwartet hätten, denn wer denkt schon daran, dass von daher etwas Gutes oder sogar etwas von Gott her kommen würde. Aber wie so oft, sind Gottes Wege wieder einmal nicht die Wege, wie sie sich die Menschen denken. Und so kommt Jesus aus dem heidnisch erscheinenden Norden – wie es schon Jesaja angekündigt hatte.
Und auch Jesu Botschaft ist wahrscheinlich nicht die gewesen, die ihm die Herzen aller hätte zufliegen lassen. Denn Jesus wollte, dass sich die Menschen ändern, und wer lässt sich schon gerne ändern, wenn er oder sie sich so schön gemütlich im leben eingerichtet hat? Denn Jesus wollte, dass sich die Menschen ändern, und zwar in eine ganz bestimmte Richtung: Sie sollten sich Gott neu zuwenden. Im Gegensatz zu uns heute, wo viele Menschen sagen: „Gott, wozu brauche ich denn den? Der ist doch nicht nötig!“ waren die Menschen damals sehr an Gott interessiert, aber sie waren sich ihrer Sache sehr sicher: „Mein Weg ist der richtige!“ – So dachten damals viele, obwohl sie in den Augen Jesu – und damit wohl auch in den Augen Gottes nicht richtig lagen. Andere waren von einem Zugang zu Gott nach den damaligen Regeln ausgeschlossen, weil sie nicht so lebten, wie es richtig sein sollte.
Mit seinem Aufruf zur Buße, zur Neuausrichtung auf Gott hin sprach Jesus alle Menschen an: diejenigen, die sich ihrer Sache zu sicher waren, und diejenigen, die meinten, sie hätten sowieso keine Chance. Jesus eröffnete durch seine Nähe den Menschen einen neuen Zugang zu Gott. Dabei war die Buße, die er forderte, nicht automatisch etwas Trauriges. In vielen Geschichten, die von Jesus und den Menschen erzählt werden, die von ihm zur Umkehr zu Gott begleitet wurden, wird deutlich, dass diese Umkehr ganz oft etwas sehr Fröhliches und Befreiendes war. Mit ihm, mit Jesus war den Menschen das Himmelreich ganz nahe gekommen, davon konnten sie etwas spüren.
Bis heute ist das so, denn auch wenn es etwas Ernstes ist, vor Gott seine Schuld zu bekennen – so wie zum Beispiel am Buß- und Bettag, so ist der Zuspruch der Vergebung etwas wunderbar Befreiendes. Es kann nicht sein, dass Menschen aus einem Bußtagsgottesdienst bedrückter oder trauriger herausgehen, als sie hereingekommen sind. Dann ist etwas sehr grundsätzlich falsch gelaufen.
Nicht alle, aber einige, denen Jesus begegnete, konnten und wollten sich deshalb ganz besonders auf Jesus einlassen – und das geschieht bis heute. Von den ersten, die das taten, berichtet Matthäus im nächsten Abschnitt des Predigttextes aus Kapitel 4:
18 Als nun Jesus am Galiläischen Meer entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, der Petrus genannt wird, und Andreas, seinen Bruder; die warfen ihre Netze ins Meer; denn sie waren Fischer. 19 Und er sprach zu ihnen: Folgt mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen! 20 Sogleich verließen sie ihre Netze und folgten ihm nach.
21 Und als er von dort weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, seinen Bruder, im Boot mit ihrem Vater Zebedäus, wie sie ihre Netze flickten. Und er rief sie.
22 Sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten ihm nach.
Ja, „eines Tages kam einer, der hatte“ dieses ganz besondere Etwas, das auch die Jünger damals nicht beschrieben konnten, er hatte die Nähe zu Gott, die Erfüllung ihrer Sehnsucht. Petrus und Andreas, Jakobus und Johannes – vier Jünger, die die Ersten waren, die Jesus in besonderer Weise nachfolgen wollten und von ihm dazu berufen wurden. Die Brüderpaare kamen nach Matthäus aus verschiedenen Booten, um gemeinsam Jünger zu sein. Alle vier folgten gleichermaßen dem Ruf Jesu.
Heute kommen Christen nicht mehr aus verschiedenen Booten, sondern von verschiedenen Kontinenten und aus verschiedenen Ländern, sie kommen aus verschiedenen Kulturen und mit verschiedenen Hautfarben. Sie kommen zum Beispiel auch aus dem Kirchenkreis Vlotho und aus dem Kirchenkreis Tambarare. Und sie alle kommen, weil Jesus sie alle gerufen hat, weil Jesus sie alle berufen hat: das Evangelium, die frohe Botschaft zu verkünden; sie kommen, um die Menschenfischer zu sein, zu denen Jesus die vier Jünger zuerst gemacht hatte. Und wie die vier Jünger als Brüder-Paare so kommen auch wir nicht jede und jeder für sich allein, sondern in Gemeinschaft: auch wir kommen mit Geschwistern und werden miteinander von Jesus ausgesendet. Um was zu tun?
Um das zu tun, was Jesus auch tat, wie es uns Matthäus berichtet:
23 Und Jesus zog umher in ganz Galiläa, lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium von dem Reich und heilte alle Krankheiten und alle Gebrechen im Volk.
Auch wenn wir nicht Kranke und Gebrechliche einfach so heilen können, wie Jesus das konnte – von Gott und von Jesus erzählen, von unserem Vertrauen, das wir zu ihm haben, weil wir uns von ihm geliebt und angenommen wissen dürfen, das können wir allemal. Es ist etwas Wunderbares, was uns da geschenkt ist. Und wer etwas Wunderbares geschenkt bekommt, erzählt doch davon, teilt seine Freude mit anderen. Und geteilte Freude verdoppelt sich, sie steckt an, sie befreit und macht auch andere froh: Denn diese Freude über die Liebe und die Zuwendung Gottes ist „Freude für dich“, Freude und Zuwendung, Trost und Liebe für den oder die andere. So wie bei Jesus, der die Liebe Gottes den Liebeshungrigen und Trostbedürftigen, den an ihrer Seele Kranken weitergegeben hat und sie so geheilt hat, vielleicht sogar ohne, dass ihre Gebrechen sich gebessert haben. Es war einfach nur hell geworden in ihrem bisher so dunklen Leben, denn ihnen war das Licht der Welt erschienen. Möge auch uns heute dieses Licht scheinen, möge es unsere Wege beleuchten, unser Tun und Lassen bescheinen und es dadurch auch bei anderen hell machen, in Jesu Namen. Amen.

Autor: PaToWi

Ich darf mein Leben frei gestalten unter dem liebenden Blick Gottes. Ist das nicht Grund genug auf IHN zu hören und mir von IHM den Weg weisen zu lassen?

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