Predigt am 23. Oktober über Markus 10,17-27 in Holtrup

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Der Predigttext für den heutigen Sonntag steht im Evangelium nach Markus, im 10. Kapitel:
http://www.bibelwissenschaft.de/nc/online-bibeln/luther-bibel-1984/lesen-im-bibeltext/bibelstelle/Mk%2010,17-27/anzeige/context/#iv
Großer Gott, dein Heiliger Geist ist Herr über Reden und Hören. Segne unser Bemühen durch Christus, unseren Bruder und Herrn. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder in Christus!
Liebe Jubelkonfirmandinnen und -konfirmanden!
Die Geschichte vom reichen Jüngling ist eine der bekanntesten Geschichten überhaupt im Neuen Testament. Immer wieder sind wir beeindruckt von der großen Ernsthaftigkeit, mit der der reiche Jüngling – von dem in der Bibel gar nicht gesagt wird, dass er so jung ist – sein bisheriges Leben gestaltet hat: Alles, was Jesus ihm in seiner ersten Antwort als Lebensziel vorschlägt, hat er schon wie selbstverständlich auf sich genommen und praktiziert. Und immer wieder sind wir mit Jesus traurig und darüber erschüttert, dass er es nicht schafft, der zweiten Aufforderung nachzukommen, die Jesus ihm aufgibt: all seinen Besitz und all sein Gut wegzugeben, um Jesus nachzufolgen und so frei von dem allen zu werden.
Warum ist das so? Warum fühlen wir uns so leicht in diese Geschichte ein, warum geht sie vielen Menschen so zu Herzen?

Ich denke, es ist einmal deshalb so, weil wir so gerne wie dieser Jüngling wären: dass wir die Gebote so halten und mit der gleichen Überzeugung sagen könnten: ‚Das haben wir seit Jugendtagen getan.‘
Zum zweiten glaube ich, dass es uns ganz oft so geht wie diesem Menschen, der für sich festgestellt hat: Einfach nur den Geboten gehorchen, sie nur buchstäblich zu befolgen – das reicht für ein erfülltes Leben nicht aus. Auch wir spüren immer wieder, dass es doch mehr im Leben geben muss, als nur moralisch gut zu handeln.

Und schließlich ist uns der Jüngling so nahe, weil wir wohl ebenso wie er auf die Anforderung Jesu, all unser Gut wegzugeben, auch gesagt hätten: Das kann ich nicht. Zumindest ich kann und muss das so für mich sagen und bin mir sicher: Ihnen geht es ebenso. Und weil wir uns diesem Menschen so ähnlich fühlen, sind wir ganz schnell bei der Frage: Wie ist das dann mit uns und unserem Glauben, mit unserer Nachfolge?

Zwei Hinweise sehe ich, die uns helfen können, die Geschichte und damit auch unsere Glauben-Wollen und unsere Versuche, Jesus nachzufolgen, richtig einzuordnen. Zum einen wird am Ende der Geschichte deutlich: Es geht gar nicht. Das, was Jesus dem Jüngling als Wegweisung gibt, ist bei den Menschen unmöglich: Kein Reicher kann von sich aus ins Himmelreich kommen, ebenso wenig, wie ein Armer das kann – denn den Weg ins Himmelreich eröffnet Gott allein, das ist nur bei ihm möglich. Da stehen wir mit dem Jüngling also auf einer Stufe, ganz gleich, ob wir nun gar kein Sparbuch haben oder eines mit 5000, 100.000 oder 100 Millionen Euro drauf, ob wir Haus und Garten besitzen oder zur Miete wohnen.

Warum aber verlangt Jesus dann von dem reichen Jüngling das Unmögliche? Warum überliefert uns Markus diese Geschichte? Ich kann es mir so vorstellen: Jesus will uns deutlich machen, dass wir uns wirklich nur traurig abwenden können, wenn wir meinen, wir könnten unser Heil durch unsere eigene Kraft erreichen. Denn wir werden, ja wir müssen sogar scheitern. Vor dieser Selbstüberschätzung, vor diesem Hochmut Gott gegenüber, will Jesus uns bewahren. Wir sollen uns allein auf Gottes Liebe und Güte verlassen.

Trotzdem hat diese Begebenheit aber auch eine positive Richtung, sie macht doch auch etwas mit uns, sie bewirkt in uns etwas. Was das ist, finde ich in der Verbindung von diesem Predigttext mit dem Festtag, den wir heute feiern: dass es gerade das Konfirmationsjubiläum ist, an dem dieser Text dran ist. Denn die Situation, die Markus uns hier beschreibt, erinnert mich sehr daran, wie das bei der Konfirmation ist: Da steht ein Mensch vor Jesus, er kniet sich vor ihm hin und vertraut Jesus sein Leben an: Was muss ich tun, wenn ich das Leben bestehen, wenn ich heil ankommen will?

So war es doch auch bei der Konfirmation damals: vor 50, 60 und 65 Jahren, als Sie hier in dieser Kirche oder an einem anderen Ort ihr Bekenntnis zu Jesus gesprochen und dann gekniet haben, um eingesegnet zu werden. So ist es heute immer noch bei der Konfirmation, wenn die jungen Leute versprechen: Ja, ich will mich zu Jesus Christus und seiner Gemeinde halten, ich will mich diesem Jesus anvertrauen. Dieses Bekenntnis hat vor 50, 60 und 65 Jahren nichts anderes bedeutet als heute und es bedeutet nichts anderes als dieses: Ja, ich kann das Ziel des Lebens, seinen Sinn und seine Fülle nicht alleine erreichen, sondern ich vertraue mich dazu diesem Jesus Christus an.

Ihre Antwort, die Antwort aller Konfirmandinnen und Konfirmanden wird eine andere gewesen sein als die des reichen Jünglings, denn Sie sind geblieben. Und das zeigt mir: Die Geschichte vom reichen Jüngling hätte auch ganz anders weiter gehen können, so wie ja auch Sie, die Konfirmationsjubilare nicht traurig weggegangen sind, weil die Anforderungen Jesu schlicht unerfüllbar gewesen sind. Auf die Aufforderung Jesu, alles – allen Besitz – wegzugeben, hätte der junge Mann auch ganz anders antworten können. Er hätte sagen können: „Ich sehe ein, dass ich mir das Heil, das ewige Leben nicht verdienen, sondern nur schenken lassen kann. Aber wie soll ich dann mein Leben im Sinn Gottes leben?“

Und vor dieser Frage, die sich im Anschluss an und nicht als Voraussetzung für die Konfirmation stellt, standen dann Sie, die Konfirmationsjubilare ebenso, wie heute die Konfirmandinnen und Konfirmanden vor ihr stehen und wie alle dazwischen und alle nachfolgenden Generationen.

Das Element Geld und Gut, das in der Geschichte vom reichen Jüngling eine so große Rolle spielt, weil er so reich ist, ist bei der Beantwortung unserer Frage auch in unserem heutigen Leben wichtig. Geld und Gut war das, was den reichen Jüngling daran gehindert hat, Jesus nachzufolgen. Und so etwas gibt es heute immer noch. Manchmal ist es wie damals das Geld, oft aber auch etwas anders: Es ist das, was uns in unserem tiefsten Inneren gefangen nimmt; ich zähle ein weniges auf: Besitztümer, die wir meinen, ängstlich verteidigen zu müssen, auch wenn wir sie gar nicht wirklich brauchen; Meinungen und Überzeugungen, an die wir uns gewöhnt haben, ohne sie neu zu hinterfragen, ohne zu merken, wie überholt sie vielleicht längst sind; Beziehungen, in denen wir andere Menschen für uns beanspruchen als gehörten sie uns wie eine Sache, ohne ihnen die notwendige Freiheit zu gewähren – zum Beispiel, wenn Eltern ihre Kinder nicht loslassen können, oder wenn wir Beziehungen nur noch, ja ausschließlich in virtuellen Welten meinen finden zu können.

Bei allen diesen Beispielen wird mir immer wieder deutlich, dass es um eine ganz bestimmte Art von „Haben“ geht und dabei vor allem um die Frage, wer wen hat:
– Habe ich Geld oder hat das Geld mich? Bestimme ich, was ich mit meinem Geld und Gut mache, oder bin ich getrieben von meinem Geld, so wie zurzeit die Staaten in Europa vom Geld getrieben sind und geradezu kaputt gemacht werden?
– Habe ich Meinungen oder Überzeugungen oder haben diese Überzeugungen und Meinungen mich? Weiß ich, was ich will, und kann ich mich auf neue Situationen einstellen und dann meine Meinungen und Überzeugungen verändern, oder vertrete ich fanatisch irgendwelche Standpunkte, die ich nie hinterfrage?
– Lebe ich mit Menschen zusammen, die ich achte und die mich deshalb auch achten können, oder bin ich ein selbstsüchtiger Egoist, der sich andere Menschen nur zu Handlangern der eigenen Wünsche macht und sie dadurch ihrer Würde beraubt?
Habe ich etwas oder hat dieses Etwas mich?

Wie immer bei Jesus geht es dabei nicht darum, dass ich bei anderen beurteile, ob er oder sie das denn richtig macht oder gemacht haben. Jesus spricht uns nicht deshalb an, weil er unsere Meinung über andere hören möchte, sondern er fragt uns über uns selbst.

Heute, am Tag der Goldenen, der Diamantenen und Eisernen Konfirmation können Sie auf Ihre Konfirmation und auf ihr Versprechen von damals zurückblicken und eine Antwort versuchen: Wie ist es mir auf meinem Lebens- und Glaubensweg ergangen? Welchen Weg habe ich mit Jesus gefunden? Es wird bestimmt nicht immer ein ganz geradliniger Weg gewesen sein und die Nähe zu Jesus Christus wird von unserer menschlichen Seite nicht immer gleich groß, gleich nahe gewesen sein.

Aber eines gilt es, festzuhalten: Das Urteil über uns und unseren Weg brauchen wir nicht selber zu sprechen, das können wir Jesus überlassen und wir können es Jesus ganz getrost überlassen. Denn auch für uns gilt, was auch für den reichen Jüngling schon gegolten hat: Den gewann Jesus lieb. Und das gilt auch für uns: Auch uns hat Jesus lieb, in unserer Taufe spricht er sich ganz für uns aus, in der Konfirmation wird uns das noch einmal bestätigt. Und im Abendmahl ruft uns Jesus immer wieder neu an seinen Tisch, damit wir in Brot und Kelch mit ihm verbunden bleiben. Da werden wir immer wieder neu daran erinnert, dass wir uns unser Heil nicht durch Geld oder sonst irgendetwas erkaufen müssen, sondern dass wir das Heil und unser Leben geschenkt bekommen. Und aus diesem Geschenk heraus können wir dann unser Leben gestalten als diejenigen, die zu Kindern Gottes in seinem Reich berufen sind. Und dieses Reich ist nicht vom Haben bestimmt, nicht vom Essen und Trinken, sondern von Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem Heiligen Geist.
Amen.

Autor: PaToWi

Ich darf mein Leben frei gestalten unter dem liebenden Blick Gottes. Ist das nicht Grund genug auf IHN zu hören und mir von IHM den Weg weisen zu lassen?

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