Predigt am 4. Advent über Johannes 1,19-23

Der Predigttext war im Rahmen der Liturgie schon gelesen worden. Die Liturgie folgte dem Vorschlag von Reinhard Brandhorst in http://www.evangelische-liturgie.de/ (in diesem Fall dem Vorschlag für die Perikopenreihe V aus dem Jahr 2006: 4. Advent V).

Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen.
Liebe Schwestern und Brüder in Christus!
Eine kleine Frage zu Beginn: Wie lautet der am häufigsten gesagte Satz in Deutschland? (In der Predigt kamen aus der Gemeinde eher positive Sätze wie: "Ich liebe dich!") Nach meinen Beobachtungen heißt der Satz – in sicherlich vielen Variationen: „Ich war das nicht!“ Immer wieder ist dieser Satz zu hören, erstaunlicherweise ganz oft vor allem von Menschen, die noch gar nicht gefragt wurden, und noch gar nicht wissen, um was es geht. „Ich war das nicht!“ – ein Satz des schlechten Gewissens, ein Satz der Absicherung – aus Angst für irgendetwas verantwortlich gemacht zu werden.
Wenn es allerdings darum geht, irgendetwas zu bekommen: besondere Geschenke oder besondere Ehren – da sind wir dann ganz schnell dabei den Finger zu heben und uns in das rechte Licht zu rücken: „Ich war es! Ich war es! Ich habe gewonnen!“
Die Situation, in der Johannes sich befindet, ist grundsätzlich anders: Viele kommen zu ihm, wollen ihn sehen und hören, haben ganz große Erwartungen an ihn; denn er scheint anders zu sein als alle anderen. Und Johannes steht zu seinem Auftrag; kein „Ich war‘s nicht.“, als ihn die Autoritäten befragen. Aber vor allem kennt Johannes seinen Ort: Er macht sich nicht zu jemandem, der er gar nicht ist. Er steht auch hier zu seinem Auftrag und zu seiner Rolle. Zurück bleiben viele Menschen, die nicht wissen, wie sie mit ihm umgehen sollen; uns heute, zweitausend Jahre später geht es ebenso: Johannes war, ist und bleibt immer ein wenig rätselhaft.
Wen erwarten die Menschen damals? Den Christus, den Messias. Johannes weiß und sagt es: Ich bin nicht der Christus. Sie erwarten Elia. Elia, den so unerschrockenen Streiter für Gott, der die Baalspriester alle eigenhändig erschlagen hat; Elia, der als Vorläufer für den Messias kommen soll. Aber Johannes sagt: Ich bringe den Glauben an Gott nicht mit Gewalt, ich bin nicht Elia. Die Menschen erwarten den Propheten, nach dessen Predigt und Taufen das Ende der Zeit kommen sollte. Aber Johannes sagt: Ich verkündige kein Ende der Welt, ich verkündige einen neuen Anfang, den Gott mit euch machen wird, wenn der kommt, den Gott schicken wird, ich bin nicht der Prophet.
In der Adventszeit gehen wir – im übertragenen Sinn – hinaus vor die Stadt, heraus aus unserem Alltag, weil auch uns eine große Erwartung und Sehnsucht erfüllt. Das ist der Sinn unserer Vorbereitungen für Weihnachten, unsere Besinnung in diesen Tagen.
Und wen oder was erwarten wir, wenn wir das tun und uns dazu Johannes vorstellen? Wen wollen wir für uns verkündigt bekommen?
Bestimmt keine Sache. Das aber wäre Gott, wenn das Wort Gott mit dem Artikel „das“ versehen würde: „das Gott“. Eine solche Sache wäre handhabbar und begrenzt, wäre vor allem nicht handlungsfähig und schon gar nicht ansprechbar.
Wir erwarten aber auch keine Ufos, die kommen, um ein paar Auserwählte mitnehmen und den Rest der Erde und den Rest der Menschen auf der Erde dem Untergang überlassen. Denn die Erde ist des Herrn und wir haben eine Aufgabe auf und an ihr.
Wir erwarten auch keinen, der wie Elia einmal mit dem Schwert reinhaut, um alles das niederzumähen, was anders ist als wir selber. Mord und Tod, Leid und Geschrei gibt es schon genug auf dieser Welt.
Wir erwarten Jesus Christus, der gekommen ist und der immer wieder neu kommt: zu uns, in unsere Herzen, um so die Welt zu verändern, um den Armen und Gefangenen die frohe Botschaft von der Befreiung zu bringen und so einen neuen Himmel und eine neue Erde nach den Verheißungen seines himmlischen Vaters zu gestalten.
Hören zuerst wir auf Johannes und lassen wir ihn in uns einen Weg für diesen Christus bahnen: einen Weg durch die Alltags-Wüste in unserem Leben und durch die Wüste der Gottvergessenheit auch in unseren Herzen.
Und dann, wenn auch wir werden manchmal erscheint es auch uns so, dass wir in unserer Zeit dastehen und in einer Wüste aus Ignoranz und Überheblichkeit versuchen, dem Herrn den Weg zu bereiten. Seien wir standhaft und bescheiden wie Johannes: Nein, wir sind nicht selbst das Heil, wir bringen es auch nicht aus eigener Kraft. Denn: Ja, wir stehen für diesen Jesus Christus ein, den Herrn der Welt, der als Kind in der Krippe uns Menschen nahe kommt, dessen weltverändernde Kraft in den Schwachen mächtig ist.
Amen.

Autor: PaToWi

Ich darf mein Leben frei gestalten unter dem liebenden Blick Gottes. Ist das nicht Grund genug auf IHN zu hören und mir von IHM den Weg weisen zu lassen?

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