Konfirmationspredigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen.
Liebe Festgemeinde! Vor allem aber:
Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden!
Jetzt ist es geschafft, heute ist der große Tag da, an dem ihr im Mittelpunkt steht; der Tag, mit dem die Konfirmandenzeit zuende geht und Ihr in der Gemeinde als Konfirmierte ganz anders dasteht als noch vor diesem Gottesdienst. Keine Verpflichtung mehr, zum Gottesdienst zu gehen, keine blockierten Samstage mehr. Aber – ich bin überzeugt davon – irgendwie wird auch etwas fehlen. Und ich habe das vor Augen, was ihr mit Eurem Vorstellungsgottesdienst dargestellt habt, mit dem zentralen Vers aus der Berufungsgeschichte von König David: Ein Mensch sieht, was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an.
Was sich für mich am Tag heute mit diesem Vers verbindet, ist die ganz direkte Beziehung, die Gott mit jeder und jedem von Euch und mit uns allen hat. Ihm braucht Ihr nichts vorzumachen, wir alle brauchen uns nicht besser zu machen, um von ihm angenommen zu werden: Wir müssen ihm nicht die heilige Ausgabe von uns selbst präsentieren; und wir brauchen uns nicht schlechter zu machen, als wir sind – so als ob wir Gott nur recht wären, wenn wir traurig und mit Minderwertigkeitskomplexen belastet sind. Ehrlich sein zu können vor Gott und damit auch vor uns selbst, das ist die große Freiheit, die Gott uns schenkt, wenn er uns mit seinem liebevollen Blick ansieht. Ich bin überzeugt, dass das unendlich gut tut und erleichtert. Einige von Euch – in der Holtruper Teilgruppe ebenso wie hier bei Euch – haben das sehr wichtig gefunden und sich deshalb diesen zentralen Vers aus dem 1. Buch Samuel als Konfirmationsspruch ausgesucht.
Irgendwo ankommen – das ist ein schönes Gefühl. Das Ziel erreicht zu haben – wer kennt das nicht. Zum Beispiel nach einer langen Wanderung oder nach einer ordentlichen Radtour. Das Zeil Konfirmation ist jetzt erreicht. Ob es bei Euch viel bergauf und kraftraubend war oder eher locker flockig und bergab, das weiß ich nicht. Was ich aber weiß, ist, dass die Konfirmation nicht das endgültige Ziel ist, sondern eine Zwischenetappe auf dem Weg des Lebens. Ihr könnt nicht bei dem heutigen Tag stehen bleiben und ihr wollt es bestimmt auch nicht.
Es warten ja noch viele interessante Lebensperspektiven auf Euch: Von Schule will ich nicht reden, aber von so etwas wie Führerschein und allem, was sonst mit Volljährigkeit zusammenhängt; ich denke daran, dass Ihr auch einmal eine feste Partnerschaft eingehen wollt und werdet, vielleicht Kinder haben wollt; ich denke daran, dass Ihr Euch bestimmte Berufe erträumt. Jetzt stehen zu bleiben, hieße, das alles aufzugeben. Manchmal gibt es aber auch Momente im Leben, wo man gerne bleiben möchte, wo das aber nicht geht: Das Leben geht eben weiter.
Davon spricht auch die Jahreslosung, die über diesem Jahr 2013 steht: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ Im ersten Moment kann man diesen Satz aus dem Hebräerbrief als Bestätigung für das sehen, was ich eben gesagt habe: Es geht eben weiter. Und auch wenn Ihr Euer ganzes Leben in dem Haus verbringen solltet, wo ihr jetzt wohnt, wäre dieser Satz richtig, denn die Punkte in Eurer Lebenszeit werden vorbei gehen.
Und wo geht es dann als Nächstes hin, und als Übernächstes und dann als Überübernächstes? Ich glaube, dass die einzelnen Etappenziele bei diesem Weg nicht so entscheidend sind, wie das Ziel, das am Ende des Weges zu finden ist. Im Sport wäre das so etwas wie der Zielstrich bei der Tour de France auf den Champs de Elysee in Paris, so etwas wie die Schlusstabelle oder das Endspiel nach einer Saison Handball oder Fußball.
Die zukünftige Stadt, die uns vom Hebräerbrief als Ziel unseres Lebens vor Augen gemalt ist, weist uns über dieses Leben hinaus und sagt uns: Ihr seid in diesem Leben unterwegs, aber die entscheidende Perspektive, Euer Ziel ist nicht von dem abhängig, was in diesem Leben jetzt passiert, sondern dass Gott auf Euch zukommt.
Ich gebe aber gerne zu: Diese zukünftige Stadt Gottes ist für Euch jetzt ganz weit weg; und das, was jetzt wichtig ist – das ist das Leben hier und jetzt. Aber es ist wichtig, dass wir die Sehnsucht nach dieser Zukunft nicht völlig aus dem Herzen verlieren. Denn nur so bekommt unser Leben einen Sinn und eine Richtung.
Für die Zeit bis dahin, ja sogar bis ans Ende der Welt gilt, dass Jesus Christus vor und neben, über, hinter und um uns ist. Das ist seine Verheißung an uns, denn er, Jesus Christus spricht: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Mit diesem Angebot eröffnet Jesus uns das, was ein Beter in den Psalmen schon Jahrhunderte zuvor bekannt hat: Der Herr hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen. Darauf kommt es im Leben an: auf dieses Weggeleit – dass Gott uns einen Weg weist, auch wo wir keinen mehr sehen.
Denn es wird in diesem Leben auch drunter und drüber gehen. Liebeskummer oder Sorgen. Viele Menschen verbinden eine solche Situation dann mit der Vorstellung von Dunkelheit, in der das Leben zu versinken droht. Selber Licht anmachen geht dann kaum bis gar nicht. Denn: Wo ist der Schalter? Da hilft dann nur, dass ein anderer kommt und einem das Licht wieder anmacht. Einer der Konfirmationssprüche nimmt diese Situation auf: Bei dir, Herr, ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht.
In anderen Momenten scheint nichts zu gelingen. Resignieren? Also aufgeben und den Kopf hängen lassen: Es klappt doch eh nicht. Aber ob es dann hilft, einfach die Kapuze über den Kopf zu ziehn oder denselben in den Sand zu stecken? Ändern tut sich dadurch nichts. Ein Satz des Apostels Paulus wird dann vielleicht hilfreicher sein: Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht: Christus.
Doch ganz gleich, wie es weiter gehen wird – ganz oft sind es Menschen, die uns zu Boten Gottes werden, um uns aufzuhelfen und weiterzuhelfen: ein freundlicher Blick, ein Händedruck, eine Umarmung, auch ein handfestes Zupacken und vieles mehr. Und wieder war es wohl Salomo, der das mit einem seiner Sprüche in Worte gefasst hat: „Ein Freund liebt allezeit, und ein Bruder wird für die Not geboren.“ Und wenn ihr ‘mal keinen Bruder oder Freund zur Hand habt: Ich bin sicher, dass für die Freundin und die Schwester Gleiches gilt. Und Freundinnen und Freunde, Schwestern und Brüder gibt es auch als Geschwister im Glauben in der Gemeinde.
Insgesamt wird es wohl oft so sein, dass wir uns ganz vieles vorstellen können, dass wir uns ganz viel erträumen, dass unser Herz zu wissen meint, wo es mit uns hingeht, was wir schon meinen, sicher zu haben: Morgen werde ich … übermorgen will ich …“ – solche Gedanken kennen wir alle. Sich mit seinem Konfirmationsspruch daran erinnern zu lassen, dass es auch ganz anders kommen kann, ist eine gute Sache, denn dann behalten wir ein Gefühl für die Unwägbarkeiten des Lebens. Im Buch der Sprüche Salomos gibt es so einen Satz: „Rühme dich nicht des morgigen Tages; denn du weißt nicht, was der Tag bringt.“ Das ist bestimmt nicht pessimistisch, sondern es ist von einer anderen, ebenso wichtigen Erkenntnis durchdrungen: Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der HERR allein lenkt seinen Schritt. So heißt es ein paar Verse zuvor in dem Weisheits-Buch der Bibel.
Auch wenn wir vieles in unserem Leben nicht verstehen, wenn vieles nicht unseren ursprünglichen Plänen entspricht: im Rückblick werden wir dann doch feststellen können und erkennen dürfen, dass es Gott war, der uns geleitet hat, der unsere Füße auf einem zukunftsfähigen Weg hat gehen lassen. Um es in einem alten Bild zu sagen: Gott ist der Hirte, der bedingungslos auf seine anvertrauten Tiere aufpasst: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Deshalb können wir alle, deshalb könnt Ihr, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, Euer Leben ganz getrost angehen – ohne Furcht, denn in der Taufe habt Ihr alle Gottes Geist bekommen: den Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.
Und wenn doch einmal etwas von der Beziehung zu Gott verloren gehen sollte; wenn Ihr der Meinung seid, dass ihr von dem liebevollen Blick Gottes auf Euer Leben nichts mehr spürt, dann wird Gott auf eine ganz andere Weise da sein und Euch tragen. Denn Jesus sagt: Der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.
In diesem Sinne: Auf in‘s Leben: fröhlich und getrost – mit Kraft, Liebe und Besonnenheit – in der Gewissheit, dass Gott mit Euch ist! Amen.

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