Gottesdienst und Predigt

Heute schöner musikalischer Gottesdienst am Sonntag Kantate:
28. April 2013 – Ev.-Luth. Kirche Holtrup

  • Projektchor: "Die Himmel erzählen die Ehre Gottes"
    Begrüßung
  • Lied EG 444 "Die güldene Sonne"
    Votum
  • Psalm 98 mit dem Refrain von EG 287 "Singet dem Herrn ein neues Lied"
  • Kyrie mit EG 178.11 "Herr, erbarme dich"
  • Gnadenzusage und Lobgesang "Du bist heilig"
    Tagesgebet
    Lesung: Jesaja 12
  • Lied "Da wohnt ein Sehnen tief in uns"
    Lesung: Kolosser 3,12-17
  • Lied 182,1-5 "Halleluja. Suchet zuerst Gottes Reich"
    Lesung: Matthäus 11,25-30
  • Lied "Kommt, atmet auf, ihr sollt leben"
    Predigt über Jesaja 12
  • Lied 669 "Herr, gib uns Mut zum Brücken bauen"
    Glaubensbekenntnis
  • Lied 302,1-4+8 "Du meine Seele singe"
    Abkündigungen
  • Fürbitten mit Lied "Gib uns Ohren, die hören"
  • Vater unser mit Lied "Bist zu uns wie ein Vater"
    Segen
  • Projektchor: "Your Love ist Deep"

Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen.
Liebe Schwestern und Brüder in Christus!
Am Sonntag Kantate wird gesungen. Das ist selbstverständlich, denn „kantate“ heißt „singt!“ Und was tun Christen, wenn sie so aufgefordert werden? Sie kommen dieser Aufforderung natürlich nach. Allerdings nicht nur, weil der Pastor vorne steht und sagt: „Nun singt doch mal bitte.“ Und der Umfang des Gesanges wird auch heute von Kirche zu Kirche wahrscheinlich recht unterschiedlich sein. Sie hier in Holtrup haben heute das Pech, in der falschen Kirche zu sein, oder das Glück, in der richtigen – je nachdem, wie Sie zum Singen oder zumindest zum Zuhören beim Singen stehen. Denn Singen ist ja nicht nur für die Ausführenden schön, obwohl da der eigene Eindruck und der Eindruck der anderen manchmal auseinander geht. Singen kann eben auch für diejenigen, die zuhören, etwas sehr Schönes sein.
Aber was ist das eigentlich – das Singen? Ist ein irgendwie gearteter Ton, der zwischen den Stimmbändern eines Menschen entsteht schon Singen? Wohl eher nicht. In Wikipedia, dem großen Onlinelexikon, heißt es: „Gesang (auch: Singen) ist der musikalische Gebrauch der menschlichen Stimme. Er unterscheidet sich vom Sprechen durch den Einsatz von präzise definierten Tonhöhen im Rahmen einer Skala oder Reihe und durch eine mehr oder weniger genau definierte rhythmische Struktur. Für die Musik hat der Gesang eine hervorragende Bedeutung, weil es durch ihn möglich ist, Worte in eine musikalische Linie einzubinden.“ So weit Wikipedia.
Wie die Töne im Einzelnen entstehen, braucht uns jetzt nicht weiter zu interessieren. Eines nur ist mir ganz wichtig: Viel mehr als beim Sprechen kann man beim Singen etwas von der Stimmung des Menschen wahrnehmen, der singt. Mit Stimmung meine ich nicht nur, ob die Töne richtig sind, sondern viel mehr die seelische Stimmung des Menschen, der singt: Aufregung zum Beispiel beim Vorsingen und Unsicherheit, Freude und Traurigkeit und vieles mehr sind mit ein wenig Übung wahrzunehmen. Und manchmal befürchte ich, dass es gerade dieses ist, warum viele Menschen sich auch in der Kirche nicht zu singen trauen – weil dann ja die Menschen neben mir hören könnten, wie es wirklich in mir aussieht.
Aber das ist auf der anderen Seite auch die große Chance beim Singen: Indem ich das singe, was in mir ist, wenn ich so singe, wie es in mir aussieht, dann bin ich ganz ich, dann bin ich authentisch. So kommt im Singen, das in mir zum Klingen, was in mir ist. Für einen gläubigen Menschen ist das vor allem dann wichtig, wenn der Gesang an Gott als Adressaten gerichtet ist oder an andere, die in gleicher Weise glauben: zum Beispiel die Hoffnung auf eine Zukunft bei Gott, die Freude über die erfahrene Güte Gottes; es kann aber auch die Trauer um einen Verlust sein, die ich Gott anvertraue, die Ratlosigkeit bei einem erlebten Unglück und vieles mehr. Singen in jeder Lebenslage – das legt uns Paulus im Kolosserbrief nahe.
Im Sprachgebrauch der Bibel kommt Singen auch sonst viel öfter vor, als wir das gewöhnlich denken, denn alle 150 Psalmen sind Lieder, die gesungen wurden, und in den vielen anderen Schriften kommen Abschnitte vor, die ursprünglich Lieder oder Stücke aus Liedern sind: der Psalm, den Jona im Bauch des Fisches singt, das Lied des Mose nach dem Durchzug durch das Schilfmeer und vieles mehr. Ganz oft muss man gedanklich ein „er sagte“ durch ein „er sang“ ersetzen, weil singen und sagen gleichbedeutend ist, wie im Weihnachtslied von Martin Luther „Vom Himmel hoch“, wenn wir von „der guten Mär, davon ich singen und sagen will“ singen. Und so ist es auch mit dem kleine Kapitel Jesaja 12.
Dir Situation, in die die Worte gesprochen werden, sind alles andere als wunderbar. Denn das Volk Israel ist im babylonischen Exil und hat scheinbar alles verloren, was sein Selbstverständnis ausgemacht hat: das Land, das Gott ihm gegeben hatte, Jerusalem, die Stadt Gottes, und den Tempel, den Ort, wo Gott wohnte und zuhause war – kurz: seinen Glauben. Und dann tritt Jesaja auf und verkündet nicht nur Tod und Verderben. Vielmehr sind es Hoffnungsworte, die ermutigen und einen neuen Blick nach vorne ermöglichen sollen, die die Menschen in die Zukunft sehen lassen sollen, damit sie nicht völlig resignieren. Da kleine 12. Kapitel ist Teil einer großen Hoffnungsvision, die Jesaja den Menschen vor Augen malt: „Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais“ – so beginnt Kapitel 11. Der Messias wird kommen und dann wird …
In immer wieder neuen Anläufen schildert Jesaja, was sein wird: „Und es wird …“ – „Zu der Zeit wirst du sagen, werdet ihr sagen …“ Trotz und wegen der trostlosen Situation der Gegenwart. „Ihr werdet sagen und ihr werdet singen.“ Und das Faszinierende ist, dass das Volk Israel die in Lieder gefassten Verheißungen tatsächlich gesungen hat – trotz und wegen der trostlosen Situation der Gegenwart. So blieben sie bewahrt vor der völligen Resignation, so blieben sie davor bewahrt, ihren Glauben ganz zu verlieren.
Bei vielen Nachrichten in unserer Zeit heute denke ich auch oft: Wie kann man in diesen Zeiten Lieder, ja sogar Freudenlieder singen? Heißt das nicht, an der Realität vorbeizuleben und an den Opfern dieser Realität vorbeizusehen? Wie kann man angesichts auch der eigenen Probleme und Nöte von Zukunft und Hoffnung, von heil und überschwänglicher Freude singen?
So erstaunlich und manchmal sogar unverständlich es klingen mag, es geht wirklich. Denn mit dem Singen dieser Lieder wird die Zukunft schon jetzt Wirklichkeit und macht Mut zum Leben.
Als Christen wissen wir, dass mit dem Kommen Jesu, mit seinem Sterben und Auferstehen eine neue Zeit begonnen hat, auch wenn das Ziel dieser neuen Zeit noch nicht erreicht ist. Wir leben ganz bewusst in der Spannung von „Es ist schon alles getan“ und „Es wird einst alles vollendet werden“. Wir leben als sterbliche Menschen im Vorläufigen und Vorletzten und haben doch schon Anteil an der Zukunft Gottes, denn wird sind durch unsere Taufe nicht mehr nur Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.
So wie es zum Beispiel auch beim Abendmahl ist: Wir sind dazu berufen, mit Christus in seinem Reich das himmlische Mahl zu feiern – das ist reine Zukunftsmusik. Aber jedes Mal, wenn wir hier Abendmahl feiern bekommen wir schon etwas davon ab. Die Abendmahlsfeier ist Vorgeschmack auf das Kommende, vorweggenommene Zukunft.
Und eben so ist es auch mit dem Lied, das uns von Jesaja überliefert ist, das Israel immer wieder neu gesungen hat und das auch uns singen lassen will: Schöpfen sollen sie wir Wasser, das Lebenselixier aus den Brunnen der Freiheit, denn Gott wurde mir zum Garanten der Freiheit in allen Gefangenschaften meines Lebens, er selbst wurde mir zur Freiheit – auch deshalb, weil er mir einmal richtig den Kopf gewaschen hat. Das klingt ja im ersten Moment nicht schön: Ich danke dir, dass du über mich zornig gewesen bist. Aber es ist doch so: Wir sind Gott nicht gleichgültig, sein Herz ist bei uns und ringt um uns mit allen Mitteln. Und die Gegenwart heißt: Er tröstet uns. Er ist Stärke und Lied, Heil und Freiheit.
Und weil das alles so ist, können und dürfen und sollen wir fröhlich von Gottes Zukunft singen und wir können und dürfen und sollen mutig handeln: Brücken bauen und schon hier und jetzt an dieser Zukunft mit bauen helfen. Amen.

Autor: PaToWi

Ich darf mein Leben frei gestalten unter dem liebenden Blick Gottes. Ist das nicht Grund genug auf IHN zu hören und mir von IHM den Weg weisen zu lassen?

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