Predigt am 30. Juni 2013 über Lukas 5,1-11

Der Predigttext von der Breufung des Petrus (Lukas 5,1-11) war direkt vor der Predigt gelesen worden. Im Gottesdienst dab es 3 Taufen, eine Erwachsenen-Konfirmation und das Gedenken für 2 verstorbene Gemeindeglieder.
Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen.
Liebe Schwestern und Brüder in Christus!
Ich weiß ja nicht, was Petrus gedacht hat, als da diese Menge von Menschen in seine Nähe kam. Die große Menge von Menschen, die diesen Jesus hören wollte. Vielleicht hat er gar nichts gedacht, denn sonst wäre er auch hingelaufen, um zuzuhören. Aber zunächst bleibt er an seinem Boot und wäscht zusammen mit seinem Bruder und seinen Freunden die Netze. Die Enttäuschung über die vergangene und verlorene Nacht, in der sie nichts gefangen hatten, saß tief und genau so tief werden sie ihre Köpfe hängen gelassen haben.

Und da steigt dieser Fremde doch tatsächlich in sein Boot. Plötzlich ist etwas ganz anders geworden im Leben dieses Fischers. Eben noch war er der unbeteiligte und uninteressierte Beobachter gewesen und jetzt war Jesus in sein Leben getreten. Und entziehen kann er sich der freundlichen Bitte dieses Jesus auch nicht: „Fahr doch ein wenig vom Land weg, dann können alle zuhören. Das Wasser trägt und verbreitet den Schall.“

Und dann muss Petrus wohl oder über mit zuhören, wie Jesus redet. Aber es ist wohl ganz schnell so, dass es ihn keine Überwindung kostet, denn dieser Jesus redet ganz anders von Gott als andere. Er redet vom Reich seines Vaters, mit einfachen Worten, sodass es alle verstehen können. Er redet von Mose und den Propheten, aber plötzlich hört sich das mit Gott und dem Glauben ganz anders an als sonst. Aus dem Mund Jesu hört sich das ganz neu an: wie Gott mit den Armen umgeht, mit den Gefangenen, mit den Blinden, mit den Traurigen und Gescheiterten. Plötzlich stehen nicht mehr Urteile und Forderungen im Mittelpunkt, sondern dass Gott Erbarmen mit den Menschen hat.

Irgendwann ist Jesus mit seiner Rede am Ende. Hat Petrus alles mitbekommen? Das meiste schon, manchmal ist er mit seinen Gedanken aber auch bei sich und seinem Leben, weil Jesus etwas zum Klingen gebracht hat, das ihn an seine Situation erinnert. Das bin ja ich, um den es geht – so hat er immer wieder gedacht.

Vielen Menschen am Ufer wird es ähnlich gegangen sein. Wenn Jesus erzählt, kommt zusammen, was zusammen gehört: Die Botschaft von Gott, der zu den Menschen kommt, und das Leben der Menschen: ihre Freuden und Sorgen im Alltag, ihre Trauer oder ihr Jubel in besonderen Situationen, wenn große Ereignisse das Leben prägen: Lebensanfang, Hochzeiten des Lebens und Lebensende.

Eine Aufforderung reißt Petrus aus seinen Gedanken: „Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus!“ Petrus ist verwirrt. Jesus sagt zwar klar, was zu tun ist. Nur: Es ist ziemlich unsinnig. Die Argumente liegen jedem auf der Zunge, der sich ein wenig mit dem Fischfang auskennt: „Weißt du, Jesus, das haben wir schon die ganze Zeit gemacht, wir haben wirklich alles versucht, aber es geht nicht. Es geht nicht und es kann auch nicht gehen.“
Und dann fährt er trotzdem. Nicht, weil Jesus die besseren Argumente gehabt hätte. Sie haben nicht hin und her diskutiert, sodass Petrus am Schluss überzeugt gewesen wäre. Es ist etwas anderes, was Petrus dazu bringt, Jesus zu folgen. Es ist dieses Klingen in ihm, das Jesus angestoßen hat: Auf Jesu Wort hin fährt er, nicht aus eigener Überzeugung. Und das Wunder geschieht: Fische über Fische, mehr als genug für ihn und sein Boot.

Freude und Jubel über diesen unerwarteten Fang? Zuerst nicht, denn sie waren voll und ganz damit beschäftigt, den Fang ans Ufer zu bringen. Aber danach: Freude und Jubel? Fehlanzeige. Petrus erfasst plötzlich, was da passiert, plötzlich spürt er diese unglaubliche Kraft, die von Jesus ausgeht: „Ich bin ein sündiger Mensch.“

Das Wunder öffnet Petrus doppelt die Augen; dafür nämlich, wer Jesus ist und dafür, wer er selber ist. Zwei Welten prallen aufeinander, die nicht zusammenpassen. Und darum ist bei Petrus und den anderen kein Freudengeschrei zu hören. Lukas berichtet vielmehr von Erschrecken. Erschrecken darüber, dass die Jünger an Jesus erleben, wer sie selber sind und wie weit sie von Gott weg sind, wenn sie ihr Leben ehrlich betrachten.

Womit sie nicht rechnen, ja gar nicht rechnen können: dass Jesus diese Welten zusammenführt und zusammenbringt. „Fürchte dich nicht.“ Da fallen alle Lasten ab, da fallen Weihnachten und Ostern zusammen – wenn die Distanz zwischen Gott und Menschen überbrückt wird; wenn den Menschen Nähe geschenkt wird, die sie sich nicht verdienen müssen; wenn Jesus nicht weggeht, sondern im Gegenteil zusammenruft.

Die Entscheidung von Petrus ist dann eine konsequente und radikale. Er verlässt zusammen mit seinem Bruder und seinen Freunden alles und folgt Jesus nach. Es war also nicht nur eine kleine unscheinbare einzelne Seite, die Jesus bei ihm und den anderen zum Klingen gebracht hatte. Der Klang von Gottes Wort hatte ihn ganz ins Schwingen gebracht.

Heute sind hier in Holtrup Menschen in der Kirche, die sich aus ganz unterschiedlichen Gründen aufgemacht haben: Menschen, die gekommen sind, weil sie immer in den Gottesdienst gehen. Es sind die Konfirmandinnen und Konfirmanden da, die ihre Verpflichtung erfüllen wollen, damit sie im nächsten Jahr konfirmiert werden können. Es sind Menschen da, die vor kurzem einen lieben Angehörigen verloren haben. Es ist ein junger Mann da, der nach seiner Taufe, die er als Kind empfangen hat, jetzt sagt: Ich will auf die Zusage Gottes in der Taufe meine eigene Antwort geben. Und es sind Menschen da, die zusammen mit den Paten ihre Kinder zur Taufe bringen und die sagen: Wir wollen unsere Kinder diesem Gott anvertrauen und wir wollen dazu den Kindern dieses Etwas von diesem Jesus weitergeben, das bei Petrus nicht nur eine kleine versteckte Seite zum Klingen gebracht hat.

Ich weiß nicht, wie es passiert, aber das wusste Petrus ja auch nicht; ich weiß nur, dass es passiert: dass alle Menschen, die heute und auch sonst in die Kirche kommen, so wie Petrus etwas von Gott und Jesus mitbekommen können. Nicht weil der Pastor dies oder jenes sagt, sondern weil Jesus mit seinem Heiligen Geist zu uns kommt, und in uns dieses Etwas zum Klingen zu bringt, das auch schon Petrus berührt hat: Gott kommt uns in unserem Leben ganz nahe: in unserer Freude über die Geburt und das Aufwachsen eines Kindes, in unserer Trauer über den Verlust eines Menschen, den wir lieb gehabt haben; in unserer Unsicherheit, wie wir unser Leben und unsere Zukunft gestalten sollen. Denn Jesus steigt bei uns ein – in unser Lebensboot.

Was er – Jesus – von uns möchte, das scheint uns dann ganz oft quer zu liegen zu dem, was wir denken und zu wissen meinen, denn es widerspricht dem, was wir uns mit unserem Verstand zurecht legen: Fahre hinaus, wo es tief ist; bleib nicht an der Oberfläche und lass dich nicht von bisherigen Erfahrungen in vermeintlicher Gewissheit „das kenne ich schon“ abhalten.

Wir müssen nicht alles hinter uns lassen – wie Petrus, wenn Jesus in unser Leben tritt. Es reicht, wenn wir uns von unserer vermeintlichen Sicherheit lösen, die uns sagt: Du weißt schon alles. Trauen wir dem Klingen in uns, dass das Wort von der Liebe Gottes zu uns Menschen anstößt. Lassen wir uns ein auf einen Weg Jesu, der zwar nicht immer einfach ist, der auch etwas kostet, der aber von der ganz großen Verheißung getragen wird, dass uns nichts und niemand von der tragenden Liebe Gottes trennen kann. Amen.

Autor: PaToWi

Ich darf mein Leben frei gestalten unter dem liebenden Blick Gottes. Ist das nicht Grund genug auf IHN zu hören und mir von IHM den Weg weisen zu lassen?

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