Szenische Predigt am 14.7.2013 in Vennebeck

Textgrundlage sind 2. Mose 16,2-3.11-18 (AT-Lesung für den 7. Sonntag nach Trinitatis) und Lukas 9,10-17 (Predigttext für diesen Sonntag) in der Übersetzung "Hoffnung für alle". Die Texte wurden für die Dialoge etwas bearbeitet. Der Gottesdienst fand in der Grundschule in Vennebeck als gemeinsamer Gottesdienst aller drei Gemeindebezirke statt.
Vielen Dank an alle, die geholfen haben!
Erzähler: Versetzen wir uns etwa 2000 Jahre zurück. Es ist irgendwann in den Jahren nach dem Tod und der Auferstehung Jesu. Die Jünger treffen sich immer wieder einmal und erzählen von dem, was sie mit Jesus erlebt haben. Einmal ist auch Lukas dabei, der alles aufschreiben will, wie es damals gewesen ist. Wir dürfen bei diesem Gespräch dabei sein. Hören wir mit:

Thomas: Aber Lukas, du hast doch schon alles, was Markus aufgeschrieben hat. Warum fragst du uns noch einmal nach allem, was die anderen schon damals erzählt haben?

Lukas: Du hast ja recht, Thomas. Markus hat alles schon einmal aufgeschrieben. Aber ich möchte es gerne auch aus eurer Sicht hören, wie es mit Jesus gewesen ist. Du weißt doch: Jeder Mensch nimmt Situationen unterschiedlich wahr. Und deshalb möchte ich gerne auch wissen, wie ihr drei alles erlebt habt.

Philippus: Und wo sollen wir anfangen? Gibt es irgendetwas, was dich besonders interessiert?

Lukas: Ja, Philipp, es gibt etwas, das mich seit ein paar Tagen sehr beschäftigt. Da habe ich im Buch Exodus, dem 2. Buch Mose, die Geschichte vom Auszug aus Ägypten gelesen. Vor allem, wie es weiterging, nachdem das Volk Gottes durch das Schilfmeer gezogen war. Da war plötzlich große Hungersnot und die Leute wollten doch tatsächlich wieder zurück. Andreas, du kennst die Geschichte?

Andreas: Ich kenne die Geschichte. Sie geht ungefähr so:
Bald fingen die Israeliten wieder an, sich bei Mose und Aaron zu beschweren. Sie stöhnten: „Ach, hätte der Herr uns doch in Ägypten sterben lassen! Dort hatten wir wenigstens Fleisch zu essen und genug Brot, um satt zu werden. Ihr habt uns doch nur in diese Wüste gebracht, damit wir alle verhungern!“

Thomas: Genau; und dann sprach der Herr zu Mose: „Ich habe die Klagen der Israeliten gehört. Darum sag ihnen: Heute Abend werdet ihr Fleisch zu essen bekommen und morgen früh so viel Brot, wie ihr braucht. Daran werdet ihr erkennen, dass ich der Herr, euer Gott, bin!“ Am selben Abend zogen Schwärme von Wachteln heran und ließen sich überall im Lager nieder.

Philippus: Aber das war noch nicht alles: Am nächsten Morgen lag Tau rings um das Lager. Als er verdunstet war, blieben auf dem Wüstenboden feine Körner zurück, die aussahen wie Reif. Die Israeliten entdeckten sie und fragten sich: „Was ist das bloß?“ Nie zuvor hatten sie so etwas gesehen. Mose erklärte ihnen: „Dies ist das Brot, das euch der Herr zu essen gibt. Der Herr hat angeordnet: Jeder von euch soll so viel sammeln, wie er für seine Familie braucht, ein Krug von zweieinhalb Litern für jede Person, die in seinem Zelt lebt.“

Andreas: Das Schönste kommt zum Schluss: Die Israeliten hielten sich daran und lasen die Körner auf, einer mehr, der andere weniger. Doch als sie es zu Hause maßen, hatte der nicht zu viel, der viel eingesammelt hatte, und wer nur wenig aufgelesen hatte, dem fehlte nichts. Jeder hatte genau so viel, wie er brauchte.

Lukas: Eben. Jeder hatte so viel, wie er brauchte. Und da habe ich bei Markus in seiner Schrift über Jesus etwas gefunden, das genau dieses aufnimmt: Jeder hatte so viel bekommen, wie erbrauchte – und das sogar bei über fünftausend Menschen.

Thomas: Ach, die Geschichte meinst du: die Speisung der fünftausend. Ja, das war eine ganz besondere Geschichte.

Lukas: Dann erzählt mal. Ich bin ganz gespannt auf eure Fassung.

Philippus: Also, das fing damit an, dass wir Jünger alle von unseren Aufgaben wiederkamen, die uns Jesus gegeben hatte. Wir waren in seinem Auftrag unterwegs gewesen.

Andreas: Jesus hatte uns Kraft gegeben und die Macht, alle Dämonen auszutreiben und Kranke zu heilen. Überall sollten wir die Botschaft von Gottes neuer Welt verkünden und die Kranken gesund machen.

Philippus: Es war überwältigend. Uns gelang einfach alles und wir kamen in einer solchen Hochstimmung wieder, dass wir meinten, wir könnten die Welt retten.

Thomas: Da nahm uns Jesus beiseite und führte uns zuerst in die Stadt Betsaida und dann weiter in eine ziemlich öde Gegend. Dort wollte er mit uns allein sein. Aber du weißt ja, Lukas, die Menschen erfuhren schnell, wo Jesus war, und sie folgten ihm in Scharen. Und er? Er schickte sie nicht fort, sondern sprach zu ihnen über die neue Welt Gottes und heilte die Kranken.

Lukas: Ich kann mir das gut vorstellen. Die Menschen hatten eine so große Sehnsucht nach Orientierung und Halt für ihr Leben. Sie hatten eine solche Sehnsucht, dass sie nicht anders konnten, als ihrem Herzen zu folgen.

Andreas: Genau so war es. Bei Jesus suchten und fanden sie alles, was sie brauchten; alles, was sie wirklich brauchten: Es ging den Menschen nicht darum, dass sie sich noch etwas zusätzlich zu dem wünschten, was sie sowieso schon hatten.

Philippus: Sie spürten, was sie brauchten, was sie nötig hatten und deshalb kamen sie hinter uns her.

Andreas: Sie wollten etwas vom Reich Gottes hören, weil sie ihr eigenes Leben wie die Gefangenschaft des Volkes Israel in Ägypten empfanden: als Sklaverei, weil fremde Mächte über sie herrschten.

Thomas: Und sie wollten ihre Krankheiten loswerden. Alles sollte weg, was ihnen Leben wegnahm. Aber: In Jesus war die ganze Fülle des Lebens. Er konnte das einfach. Du weißt ja: Ich habe mich mit Wundern immer schwergetan. Ich wollte ja immer genau wissen, wie so etwas geht, ob es wirklich ist. Aber es war so.

Philippus: Ich kann mich gut erinnern, Thomas. Du wolltest die Auferstehung nur glauben, wenn du Jesus berühren konntest.

Thomas: Ja, ich weiß, Philipp. Aber damals in der Nähe von Betsaida habe ich es selber gesehen: Die Leute gingen aufrecht und getröstet von Jesus weg. Kein Fieber mehr in den Augen, keine von Gram gebeugten Schultern mehr.

Lukas: Das ist etwas, was die Menschen auch viele hundert Jahre später beschäftigen wird: die Sehnsucht nach Heil und Segen, nach Nähe und Trost. Ich bin mit sicher, auch noch in zweitausend Jahren würden die Menschen Jesus nachlaufen, nur um ein tröstliches Wort zu hören und an Leib und Seele heil zu werden.

Erzähler: An dieser Stelle blenden wir uns einmal aus und kehren kurz in die Gegenwart zurück. Auch heute empfinden viele Menschen diese Sehnsucht, die die Leute damals zu Jesus geführt hat. Ein neueres Lied fasst diese Sehnsucht in Worte und Melodie. Lasst uns singen:

Lied „Da wohnt ein Sehnen tief in uns“

Erzähler: Bei der Speisung der Fünftausend war das Gespräch vorhin noch gar nicht angekommen. Wie viel brauchen Menschen, um satt zu werden? Hören wir, wie es bei Lukas weitergeht.

Lukas: Also, ihr drei. Wie ging es weiter? Von etwas zu Essen habe ich bisher noch nichts gehört.

Thomas: An Essen hatten wir damals auch nicht gedacht, lieber Lukas. Aber plötzlich waren wir mittendrin im Geschehen, nicht nur so als nette Dekoration mit dabei.

Philippus: Wir alle hatten nämlich gar nicht gemerkt, wie spät es schon geworden war. Vor allem Jesus hatte jedes Zeitgefühl verloren und achtete nicht darauf, dass es schon dunkel wurde.

Andreas: Also mussten wir ihn unterbrechen. Alle zwölf standen wir neben Jesus und es war bestimmt Petrus – genau erinnern kann ich mich aber nicht – der sagte: „Es wird Zeit, dass die Leute gehen, damit sie in den umliegenden Dörfern und Höfen übernachten und etwas zu essen kaufen können. Hier gibt es doch nichts!“

Lukas: Das war praktisch gedacht, aber wir hatten nicht mit Jesus gerechnet und mit seinen nicht so ganz alltäglichen Ideen.

Thomas: „Gebt ihr ihnen zu essen!“ Ich sehe noch seine Augen blitzen, als ob er gerade einen Witz gemacht hatte. Aber wir fanden das gar nicht witzig. Wir hatten doch selber nichts.

Philippus: Moment – so ganz stimmt das nicht. Ein bisschen hatten wir schon: „Aber wir haben nur fünf Brote und zwei Fische!“, entgegneten wir Jesus. Gib es zu, Lukas, fünf Brote und zwei Fische bei 5000 Leuten – was ist das schon! Weniger als ein Tropfen auf den heißen Stein.

Andreas: Und du, Philipp, hattest dann eine genau so sagenhafte Idee, als du gefragt hast: „Oder sollen wir etwa für all die Leute Essen besorgen?“ Woher hätten wir denn etwas holen sollen? Die Gegend war so einsam, dass noch nicht einmal Hirten in der Nähe waren.

Thomas: Da standen wir also mit aller unserer Vollmacht, auf die wir vorher noch so stolz gewesen waren. Wir hatten uns von der Situation überrumpeln lassen und waren nicht mehr Herr der Lage. Wir waren richtig gefangen in unserer Hilflosigkeit.

Andreas: Wie oft haben wir das mit Jesus erlebt. Dann hat er immer nach unserem nur so kleinen Glauben gefragt. Ich weiß auch nicht, warum es uns immer wieder so gegangen ist. Wir hätten es doch wirklich besser wissen können: Wenn Jesus dabei ist, oder auch nur, wenn man ihn nahe bei sich weiß, dann gibt es immer eine Lösung. Oder man bekommt die Kraft, durchzuhalten.
Wie hätten wir sonst später die vielen schwierigen Situationen gemeistert?

Philippus: Damals, bei der Sache mit den fünftausend, hat Jesus uns aber nicht nach unserem Glauben gefragt. Die Leute hatten inzwischen gemerkt, wie viel Hunger sie hatten. Und die Leute waren Jesus sowieso wichtiger.

Lukas: Das war bei ihm ja immer so. Das habe ich so oft gehört: Seht euch die Menschen an, die Hilfe brauchen, und macht was. So war er und hat das konsequent selber umgesetzt.

Thomas: Auch damals war das so. So mal eben hat er uns zu Ordnern gemacht und wir waren beschäftigt. „Sagt ihnen, sie sollen sich in Gruppen von je fünfzig Personen setzen!“ hat er gesagt. Mehr war nicht nötig für uns.

Andreas: Schon bald hatten wir die Tischgemeinschaften sortiert. Und Jesus hat uns vor Augen geführt, was das Wichtigste ist: der Dank für das, was da ist. Es waren nur 5 Brote und zwei Fische, aber er hob die Hände zum Gebet auf und dankte Gott. Dann teilte er sie und gab sie uns, damit wir sie weitergeben konnten. Wie oft bist du zu den einzelnen Gruppen gegangen, Thomas?

Thomas: Ich habe es nicht gezählt; aber wir waren ja mit zwölf Leuten zugange; da ging es schon ganz zügig. Was mich fasziniert hat, war, dass es keine Ungeduld bei den Leuten gab. Ich habe jedenfalls nichts bemerkt. Die schienen alle zu wissen, dass genug für alle da ist; soviel sie eben brauchten.

Philippus: Zum Schluss waren auch wir an der Reihe. Hatte ich eine Angst, dass wir leer ausgehen würden. Aber – denkste! Auch wir wurden satt – wie alle anderen auch.

Lukas: Meinst du etwa, Jesus würde seine besten Freunde hängen lassen? Sich selbst lieben – so hat er es doch gesagt – ist ebenso wichtig wie Gott zu lieben und seinen Nächsten. Und da fallen Freunde doch nicht raus.

Andreas: Natürlich nicht, Lukas. Aber wir durften nach der Mahlzeit noch einmal ran: Aufräumen.

Thomas: Das weiß ich auch noch. Und wenn wir schon ganz erstaunt waren, dass alle satt geworden waren – das Aufräumen setzte dem Ganzen noch eins drauf. Wie viele Körbe waren es schließlich mit Resten, Andreas? Zehn?

Philippus: Es waren zwölf! Zwölf Körbe mit gut verwertbaren Resten. Für jeden Stamm Israels ein ganzer Korb. Eine größere Fülle ist nicht vorstellbar. Lukas, wenn du das schreibst, glaubt dir das später kein Mensch.

Lukas: Ich möchte es ja selbst kaum glauben. Aber ihr wart dabei und ich habe ja auch schon so vieles andere von Jesus gehört und aufgeschrieben, dass mich gar nichts mehr wundert. Aber ihr habt schon recht: Wer soll das später glauben?

Thomas: Weißt du – manche werden ankommen und sagen: Ach, die Leute haben doch nur ihre eigenen Vorräte aus den Taschen geholt und dann war eben genug da. Aber das alleine reicht nicht, um diese Speisung zu erklären.

Andreas: Es gehört ja das Miteinander Teilen auch dazu. Und Leute, die Angst haben, nicht genug zu bekommen, die teilen nicht.

Philippus: Kurz gesagt: Wir wissen auch nicht, wie das damals vor sich gegangen ist. Aber es geht bestimmt nicht darum, diese Geschichte zu erklären; es geht auch nicht darum, sie gegen den Verstand für wahr zu halten, weil man sie nicht erklären kann.

Thomas: Es geht doch darum, dass Gott uns für unsere Sehnsucht im Leben so viel gibt, dass es reicht; darum, von der Fülle etwas abzubekommen, die Gott für uns hat – dass wir glücklich sind.

Philippus: Und das können wir glaubhaft bezeugen, denn wir waren dabei. Du kennst uns doch.

Lukas: Natürlich kenne ich euch. Und es gibt ja noch so viele andere, die es ebenso erzählen wir ihr. Ich habe da keine Zweifel. Jesus hat damals gezeigt, was Gottvertrauen und aktives Handeln alles erreichen kann. Und das geht auch heute noch.

Thomas: Wirklich? Bei dem ganzen Gerede vom Essen habe ich großen Hunger bekommen. Gibt es bei dir auch was zu essen?

Lukas: Ja, natürlich. Aber es hat einen kleinen Haken. Du musst es so machen wie damals. Du musst das Brot erst an die anderen hier verteilen, damit alle etwas haben. Auch wenn es nicht zum Sattessen reicht, ist ein kleines Stück Brot bestimmt genug.

Philippus: Es ist genug: um deutlich zu machen, dass Jesus sich an alle verschenkt. Es ist bestimmt so viel da, dass noch etwas übrig bleibt, das darauf hinweist, dass die Not noch nicht zuende ist. Der Rest kann dann auch noch weiter verteilt werden, an die, die jetzt nicht dabei waren und etwas brauchen.

Erzähler: Natürlich muss Thomas das jetzt nicht allein machen. Aber etwas von dem Brot, das sich mit der Erinnerung an Jesus verbindet, sollen alle heute haben. Wir teilen Brot miteinander, wie wir das Leben miteinander teilen und wie Jesus sein Leben mit unserem Leben teilt. Er ist das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist und wer von diesem Brot ist, wird leben in Ewigkeit. Amen.
Während das Brot ausgeteilt wird, singen wir noch einmal das „Soviel du brauchst“ vom Anfang. Danach können wir immer wieder staunend bekennen und singen: Was für ein Mensch dieser Jesus gewesen ist und was für ein Gott uns in ihm begegnet.

Lied „Was für ein Mensch, dem Wind und Wellen gehorchen“

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