Predigt am 18. Januar

Predigt-Icon5Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen. Liebe Schwestern und Brüder in Christus! Der Wein bei der Hochzeit zu Kana – plötzlich war keiner mehr da. Nicht auszudenken, welche Katastrophe für die ganze Feier, welche Blamage für den Bräutigam. Was sollte werden ohne Wein? Feiern nur mit Wasser? Das geht nicht. Denn der Wein steht in der Bibel in ganz besonderer Weise für alles, was Lebenslust, Freude und Feiern heißt. Der Wein ist das Zeichen der Freude. Wenn kein Wein mehr, dann auch keine Feier. Die Hochzeitsgäste wären verschwunden und das Brautpaar hätte diese Schlappe wohl nicht so schnell überwunden. Da hääte man noch Jahrzehnte drüber gesprochen: „Weißt du noch damals …!“ So hätten dann also die Hochzeitsgäste um ein Haar auf dem Trockenen gesessen. Und damit wäre es mit der Hochzeit – mit der hohen und festlichen Zeit vorbei gewesen. Mindestens Alltag, wenn nicht Schlimmeres. Doch zum Glück hatten sie Jesus in ihrer Mitte und der hat dem Brautpaar und der ganzen Gesellschaft aus der Patsche geholfen. Wie so oft können wir uns auch in unserem Leben solche Momente vorstellen: plötzlich auf dem Trockenen zu sitzen und in der harten Realität angekommen zu sein, wo eben noch alles so fröhlich schön und festlich erschien. Dann, wenn in unserem Leben, das eigentlich so ganz in Ordnung zu sein scheint, plötzlich irgendetwas passiert, das diese Ordnung und die Stimmung ins Negative kippen lässt. So wie jetzt, als auch bei uns von Weihnachten und Silvester her alles noch so nett war. Manche haben es bei MT-Online vielleicht schon gesehen, morgen wird es in der Zeitung zu lesen sein: Ich denke an die Übergriffe auf das Asylbewerberheim vorletzte Nacht in Vennebeck: wenn Menschen, die bei uns Schutz suchen, noch viel mehr in Angst und Schrecken versetzt werden, weil irgendwelche Leute ihre Unterkunft mit Paintball-Waffen attackieren und rechte Parolen grölen. Es ist nicht schön- oder klein zu reden: Da wird Leben bedroht, da entsteht eine lebensbedrohliche Dürre aus Unmenschlichkeit, wenn so etwas passiert. Eine solche Dürre des Lebens – sie ist mehr als nur eine Sand-oder Steinwüste oder wie immer wir uns die Sahara oder die Wüste Gobi oder eine andere Wüste vorstellen. Denn es handelt sich hier um eine Wüste und Dürre der Zerstörung durch Menschen. Immer wieder sehen wir solche Bilder – vor allem in den Nachrichten im Fernsehen: zerstörte Städte und bedrohte Menschen: in Syrien und im Irak, aber auch in Nigeria, im Kongo, der Ukraine und in Palästina. Und aus unserer eigenen Geschichte in deutschland kennen wir diese Bilder auch. Erich Kästner beschreibt in einem seiner Bücher seine Heimatstadt Dresden nach der Zerstörung: „Ja, Dresden war eine wunderbare Stadt. Ihr könnt es mir glauben. Und ihr müsst es mir glauben! Keiner von euch, und wenn sein Vater noch so reich wäre, kann mit der Eisenbahn hinfahren, um nachzusehen, ob ich rechthabe. Denn die Stadt Dresden gibt es nicht mehr. Sie ist, bis auf einige Reste, vom Erdboden verschwunden. Der Zweite Weltkrieg hat sie, in einer einzigen Nacht und mit einer einzigen Handbewegung, weggewischt. Jahrhunderte hatten ihre unvergleichliche Schönheit geschaffen. Ein paar Stunden genügten, um sie vom Erdboden fortzuhexen. Das geschah am 13. Februar 1945. Achthundert Flugzeuge warfen Spreng- und Brandbomben. Und was übrigblieb, war eine Wüste. Mit ein paar riesigen Trümmern, die aussahen wie gekenterte Ozeandampfer. Ich habe, zwei Jahre später, mitten in dieser endlosen Wüste gestanden und wusste nicht, wo ich war. Zwischen zerbrochenen, verstaubten Ziegelsteinen lag ein Straßenschild. ‚Prager Straße’ entzifferte ich mühsam. Ich stand auf der Prager Straße? Auf der prächtigen Straße meiner Kindheit? Auf der Straße mit den schönsten Schaufenstern? Auf der herrlichsten Straße der Weihnachtszeit? Ich stand in einer kilometerlangen, kilometerbreiten Leere. In einer Ziegelsteppe. Im Garnichts.“ So weit die Beschreibung von Erich Kästner. (Gefunden bei Heike Springhart, Predigt zum 2. Sonntag nach Epiphanias unter: http://www.stichwortp.de/index.php?state=stichworte&action=predigten&predigt=24) Dürre der Zerstörung. Auch in der Bibel gibt es solche Beschreibungen. So auch beim Propheten Jeremia. Ein Abschnitt aus dem 14. Kapitel dieses Prophetenbuches ist uns für heute als Predigttext aufgegeben. Jeremia gibt zunächst Worte Gottes wieder, mit denen die Situation des Volkes in Juda und Jerusalem bei einer großen Dürre beschrieben wird: Jeremia 14,2-9 Liebe Gemeinde! Das Wasser ist ausgeblieben und damit sind die Lebensmöglichkeiten versiegt. Und irgendwie haben die Menschen das Gefühl, dass es nicht reiner Zufall ist, was ihnen da passiert ist. Sie sehen auf ihr Leben und stellen fest: Wir haben uns diese Dürre selbst zuzuschreiben. Denn unser Handeln richtet sich gegen Gott. Und weil Gott und das Leben eins sind, führt so ein Leben im Ungehorsam gegen Gott auch dazu, dass das Leben selbst zerstört wird. Vor einer Gefahr möchte ich warnen: Wenn manche Menschen Zeiten der Dürre erleben, fangen sie an, in ihrer Vergangenheit nach Fehlern und nach Schuld zu suchen. Aber nicht jede Dürre ist durch eigene Schuld bedingt. Wie oft bricht einfach das Chaos über Menschen herein und zerstört blindwütig und ohne Sinn die Grundlagen des Lebens? Da hat niemand Schuld. Da kann man keine Kette von Gründen finden, die sagt: Zuerst war dieses, deshalb kam das Nächste und deshalb kam die Katastrophe. Es gilt, sehr vorsichtig mit solchen Rückschlüssen zu sein. „Ach, HERR, wenn unsre Sünden uns verklagen, so hilf doch um deines Namens willen!“ In den Worten des Volkes schwingt eine ganz besondere Erkenntnis mit: Dieser Gott nimmt Menschen an und wieder auf, die einsehen, dass sie auf dem berühmten Holzweg waren. Hier geht es um Menschen, die Gott aus der Einsicht heraus anrufen, dass sie an diesem Gott und damit an dem Leben schuldig geworden zu sein und sich so die eigene Not geschaffen zu haben: Jeremia erinnert Gott an dessen Namen und er bedrängt Gott, dass der die Wahrheit dieses Namens doch erweisen soll – um die Not zu wenden und dass damit das Leben neu beginnen kann. Der Name Gottes: Ich bin der „Ich bin da!“ – So heißt Gott. So hatte er sich dem Mose am brennenden Dornbusch vorgestellt. Das erbitten die Menschen von ihm: diesen Namen wahr zu machen: „Ich bin da!“ Ja, die Menschen zu Zeit des Jeremia wissen, an wen sie sich zu wenden haben; sie wissen: dieser Gott ist der Trost Israels und sein Nothelfer, sein Helfer in der Not. Sie wenden sich an diesen Gott, auch wenn sie ihn gerade jetzt nicht verstehen, weil alles an ihm so unpersönlich und unbeteiligt wirkt: Gott als Fremdling im Land, als Wanderer, der gerade mal übernachtet und am nächsten Morgen schon wieder weg ist. Dem stellen sie ihre Überzeugung entgegen: „Du bist ja doch unter uns. Und wir heißen nach deinem Namen!“ Und wie die Menschen zur Zeit Jeremias Gottes Gegenwart eingefordert haben, so zieht sich dieser Ruf durch die Geschichte des Glaubens hindurch: In der Komplet, dem uralten Nachtgebet der Kirche, das bis heute gebetet wird, ist dieser Vers die einzige, ganz kurze Lesung. Denn die Nacht ist in vielen Vorstellungen die Zeit der täglichen Dürre: Am Tag das Leben, in der Nacht die Gefährdung desselben. Und die Menschen erinnern Gott daran, dass Gott eine Verantwortung für sie hat. Denn sie gehören ihm, sind sein Eigentum, denn Name und Person sind in den Vorstellungen der Alten Welt ein und dasselbe. Bei der Hochzeit zu Kana wird diese Gegenwart Gottes sichtbar. Maria hat es erkannt: Gott ist mitten unter uns, denn Jesus ist da. Das alte Gebet: Du bist ja doch unter uns. Und wir heißen nach deinem Namen!“ wird in ihm greifbar und Gott bekommt so ein Gesicht. In Jesus macht Gott klar: Er selbst, Gott, wird ganz Mensch – er bleibt kein Fremdling in unserem Leben; Christus bleibt bei uns alle Tage bis an das Ende der Welt – nicht nur über Nacht; auch wenn er im Garten Gethsemane um einen anderen Weg bittet – geht er unverzagt seinen Weg weiter; und auch wenn er stirbt, ist er der Held, der den Tod, der die tödliche Dürre überwindet. Als Christen tragen wir durch unsere Taufe den Namen Jesu. Wir gehören ihm mit allem, was wir sind und haben. „Du bist doch unter uns.“ – Auch für uns heute wollen wir das gerne glauben und hoffen, darauf vertrauen: dass Jesus Christus mitten unter uns ist, so wie er bei der Hochzeit zu Kana mitten unter den Gästen war und dann das Fest des Lebens gerettet hat. Was dort in Kana passiert ist, ist ja ganz einfach zustande gekommen: Maria, die Mutter Jesu hatte gesagt: „Was er euch sagt, das tut!“ So wussten die Bediensteten, was zu tun war, um das Fest zu retten. Auch wir heute können die Worte Marias auf uns beziehen und ihre Aufforderung hören: Damit das Fest des Lebens weiter geht: Hört auf das Wort Jesu, er ist doch da, ist mitten unter uns. Und seine Worte an uns sind klar und deutlich, auch wenn es heute bestimmt nicht um Wein geht. Jesus sagt: „Was ihr einem von diesen meinen geringsten Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan.“ Und es sind durchaus Menschen da, die zu diesen Geringsten gehören. Die Menschen im Asylbewerberheim in der alten Grundschule in Vennebeck gehören bestimmt mit dazu. Ich habe mich sehr gefreut über die Initiativen um Weihnachten herum, die von mehreren in Vennebeck gestartet wurden, um diesen Menschen etwas Gutes zu tun. Es sollte nicht dabei bleiben. Wir sind alle aufgefordert, auch für sie einzustehen gegen Menschen, die bei uns und an anderen Orten eine große Dürre der Unmenschlichkeit entstehen lassen wollen. Jesus hat die Menschen bei der Hochzeit zu Kana davor bewahrt, auf dem Trockenen zu sitzen. Jesus ist der Meister der Freude, er ist mitten unter uns, und er sagt uns, was wir zu tun haben, damit wir das Fest des Lebens mit ihm feiern können; auch dann, wenn die Umstände des Lebens manchmal eher schwierig und problematisch sind, auch trotz aller Dürre in unserem Leben. In ihm ist Freude, auch in allem Leide. Amen.

Autor: PaToWi

Ich darf mein Leben frei gestalten unter dem liebenden Blick Gottes. Ist das nicht Grund genug auf IHN zu hören und mir von IHM den Weg weisen zu lassen?

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