Predigt am 8. Juli 2018

Predigt-Icon5Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen.

Liebe Gemeinde!
Taufe – was ist das eigentlich, was bedeutet das? Es gibt ganz viele und ganz unterschiedliche Antworten auf diese Frage: Taufe ist Gottes JA zu einem Menschen, Taufe ist Aufnahme in die Gemeinde; neben dem Abendmahl ist die Taufe das zweite Sakrament der Kirche der Evangelischen Kirche; Taufe bedeutet für viele auch so etwas wie eine Art Schutzschild oder Schutzmantel für den Menschen.

Was Taufe auch bedeutet, sagt die Geschichte vom äthiopischen Kämmerer auf eine – wie ich finde – ganz eindrückliche und doch so einfache Weise: „Der Kämmerer zog aber seine Straße fröhlich.“ Seine Straße – also den weiteren Weg des Lebens– fröhlich unterwegs sein – das bedeutet Taufe auch; neben allem, was theologisch dazu zu sagen ist, auch neben allem, was sich an volkstümlichen Vorstellungen mit dem Stichwort Taufe verbindet.

Was hatte der Mensch aus dem fernen Afrika nicht alles auf sich genommen, um mit diesem Gott in Kontakt zu kommen: der unglaublich weite Weg auf einem Wagen, der von Ochsen oder Pferden gezogen wurde; durch die Wüste Sinai, um dann am Ziel, dem Tempel in Jerusalem angekommen, feststellen zu müssen, dass er als Eunuch gar nicht bis in den eigentlichen Tempelbereich hinein durfte. Trotzdem hatte er sich nicht entmutigen lassen, hatte wohl eine Ahnung, dass dieser Gott Israels, von dem er schon so viel in seiner Heimat gehört hatte, nicht nur im Jerusalemer Tempel zu finden sein könnte, sondern auch in dem, was von ihm verkündigt wird – vor allem in den Schriften der Propheten.

Und so hatte er sich eine solche Rolle gekauft: den Propheten Jesaja. Dann war er wieder aufgebrochen – irgendwie mit dem Gefühl: Ja, er war Gott zwar irgendwie näher gekommen, aber eine richtig persönliche Beziehung hatte sich nicht entwickelt. Es war, als ob das Bindeglied zwischen ihm und Gott noch fehlen würde. Und dann hatte dieser Mann am Weg gestanden und aus einer Eingebung heraus hatte er ihn angesprochen. Und es war, als hätte sich ihm je länger sie gesprochen hatten, desto mehr der Himmel geöffnet. Für ihn war klar geworden: Dieser Jesus von Nazareth war das entscheidende Bindeglied zwischen ihm und Gott! Und die Taufe war die Möglichkeit für ihn, sich ganz fest mit diesem Jesus und damit mit dem Gott der Hebräer zu verbinden.

„Was hindert’s, dass ich mich taufen lasse?“ – Wenn ein Mensch davon überzeugt ist, dass die Verbindung zu Jesus für ihn ganz wichtig geworden ist, kann alles ganz schnell gehen.Erst späteren Generationen ist diese Bekehrung etwas zu schnell gegangen und sie waren der Meinung, dass doch wenigstens noch ein explizites Bekenntnis zu Jesus als dem Christus und Gottessohn nötig wäre. In einem späteren Einschub heißt es: Philippus aber sprach: Wenn du von ganzem Herzen glaubst, so kann es geschehen. Er aber antwortete und sprach: Ich glaube, dass Jesus Christus Gottes Sohn ist. Aber davon weiß Lukas nichts. Die Frage des Taufbewerbers ist für ihn Bekenntnis genug.

Und nachdem der Kämmerer seinen Jesaja gelesen und dann auch mit Hilfe des Philippus verstanden hatte, und nachdem er sich von dem Jünger Jesu hatte taufen lassen, könnte er vielleicht – doch das ist nicht bei Lukas überliefert – eine weitere Schriftrolle aus seinem Gepäck gezogen haben, die das Buch der Psalmen enthielt. Und er könnte bei einem Psalm an einer Stelle hängen geblieben sein, die sich bei ihm zu einer Melodie formte. Bei Psalm 82 hatte er mit dem Lesen begonnen und gleich der zweite Vers hatte seine Stimmung nach der Taufe auf ganz besondere Weise widergespiegelt.

Da heißt es: „Ja, ich will singen von der Gnade des Herrn und seine Wahrheit verkünden Tag für Tag.“ Und wir können diese freudige Stimmung des Kämmerers aufnehmen, denn dieser Psalmvers findet sich auch bei uns in unserem Gesangbuch. Die Art der Musik wird sicherlich ganz anders sein, als die vor fast 2000 Jahren; die Stimmung aber wird bestimmt ganz ähnlich sein. Lasst uns singen: „Ja, ich will singen von der Gnade des Herrn und seine Wahrheit verkünden Tag für Tag.“ Im Gesangbuch unter der Nummer 639; wie, das sagt uns Jonathan Dräger.

Lied 639 Ja, ich will singen

Liebe Gemeinde!
„Ja, ich will singen von der Gnade des Herrn und seine Wahrheit verkünden Tag für Tag.“ – In diesem Gottesdienst tun wir das heute in einer ganz besonderen Weise: mit Chor und Gemeinde, im Wechsel und gemeinsam. Singen als Ausdruck der Freude über Gottes Güte und Gnade, als Zeichen dafür, dass wir als getaufte Christen fröhlich und getrost durch unser Leben gehen können.

Und ich antworte: Natürlich hast Du recht, das so zu sagen. Und die schwierigen Momente des Lebens sollen hier bestimmt nicht kleingeredet oder unter den Teppich gekehrt werden. Diese Momente sind da und sie sind bestimmt nicht einfach zu tragen und zu ertragen. Auch der Kämmerer aus Äthiopien wird nach der Rückkehr in seine Heimat nicht immer nur Tage mit Sonnenschein erlebt haben: im realen und vor allem im übertragenen Sinn. Sein Leben wird wie bei uns von Traurigkeiten und von Freude, von Scheitern und Gelingen, von Niederlagen und Siegen, von Abschied und Neubeginn geprägt gewesen sein.

Manch einer mag dann sagen: „Moment mal! Das Leben ist doch kein Ponyhof! Da gibt es doch so viele Momente im Leben, in denen wir nicht glücklich sind, sondern traurig und niedergeschlagen, oder von Angst oder Schuld gelähmt sind. Da kann man doch nicht einfach nur lachend durch das Leben tanzen, als ob es diese dunkle Seite des Lebens gar nicht gäbe. Eine solche aufgesetzte Fröhlichkeit ist doch nur eine Maske und nicht echt.“

Aber: Es geht mir bei dem Satz „Der Kämmerer zog aber seine Straße fröhlich.“ nicht einfach nur um den Moment einer ausgelassenen Heiterkeit. Es geht mir um den Grundton, auf den unser Leben durch die Taufe gestimmt wird. Und das ist eben nicht der Ton der Mutlosigkeit und der Resignation; der Grundton unserer christlichen Existenz ist durch unsere Taufe und die uns damit zugesagte Liebe Gottes eben eine positive, eine fröhliche. Und durch diesen Grundton sind auch die Schattenseiten des Lebens tragbar. Wir sind gehalten in Gottes Hand. Das ist das Niveau unseres Lebens, unter das wir nicht sinken können. Ein Niveau, das eben nicht negativ werden kann.

Auch die Lieder, die wir heute Morgen singen und die von der Freude über die Güte Gottes angesichts der sommerlichen Natur erzählen, sparen die schwierigen Momente des Lebens ja nicht aus. „Geh aus mein Herz“ ist sogar eine Art Antidepressivum angesichts des Elends in der Welt. Aber eben nicht, weil es die Traurigkeiten des Lebens negiert, sondern weil es die Augen öffnen will für die Güte und Liebe, die Gott uns erweist.

Die Anrede in Paul Gehardts Lied „Mein Herz“ ist dabei auf eine wunderbare Weise doppeldeutig: Es kann eine Selbstanrede sein: Ich rede mein eigenes Herz als den Sitz meiner Gefühle an. So wie es in den Psalmen heißt: „Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist seinen heiligen Namen.“ Es kann aber mit der Anrede „Mein Herz“ auch ein anderer, ein geliebter Mensch sein, dem mein Herz in ganz besonderer Weise zugetan ist.

Da kommt der zweite Teil des Psalmverses zum Tragen: „Ich will Gottes Wahrheit verkünden Tag für Tag.“ Ja, wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. Und ich bin sicher, dass der Kämmerer aus Äthiopien zuhause angekommen seine Freude nicht dem ostwestfälischen Klischee folgend alleine im heimischen Keller ausgelebt hat, sondern dass es seine Glaubensfreude und Zuversicht, die er erfahren hat, weitererzählt hat an alle, die es hören wollten. Wie schnell ist in der frühesten Christenheit in Ägypten und in Äthiopien von christlichen Gemeinden die Rede. Wer weiß, wie viele von ihnen auf diesen eine Mann zurückgehen, der sich so spontan wie überzeugt von Philippus hat taufen lassen!

Und wer weiß wie viele Menschen heute bei uns immer wieder zu dieser Glaubensfreude und Glaubensgewissheit kommen, weil Menschen da sind, die von ihrem eigenen fröhlichen Glaubensweg erzählen, der ihnen auch in schwierigen Lebenslagen einen Blick und einen Weg in die Zukunft eröffnet hat; weil Menschen da sind, die ihr Elternamt, die ihr Patenamt eben dazu nutzen, dass sie Gehilfen der Lebensfreude ihres Patenkindes werden. Es ist eine schöne und große Aufgabe, die eine ganz große Verheißung hat, denn Jesus spricht: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!“ Amen.

Predigt an Trinitatis 2018 zu Epheser 1,3-14

Predigt-Icon5Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen.

Liebe Gemeinde am Sonntag Trinitatis!

In meinem allerersten Semester – als ich in Heidelberg angefangen hatte, Theologie zu studieren – habe ich mir zumindest in den ersten Wochen eine Vorlesung aus dem Fachbereich Praktische Theologie angehört. In diesem Fachbereich geht es um Gottesdienst und Predigt, um Religionspädagogik und vieles mehr, was eben mit der Praxis des Pfarrberufes zu tun hat. Und immer wieder einmal kommen – wie in jedem anderen Fach auch – etwas abseitige Themen vor. Das galt auch für die Vorlesung, die ich damals besuchte; es war die letzte Vorlesung, die der Schweizer Professor Rudolf Boren hielt. Titel der Vorlesung war „Das Lob Gottes“ und der erste Paragraph wurde von Professor Bohren überschrieben mit „Vom Luxus des Lobens“. Sehr viel mehr ist mir von dieser Vorlesung nicht in Erinnerung geblieben; Praktische Theologie ist auch eher etwas für fortgeschrittene Semester.

Aber der Titel dieses ersten Paragraphen ist mir ganz tief im Gedächtnis geblieben: „Vom Luxus des Lobens“. Und das nicht zu Unrecht, wie mir dann im Lauf der Jahre und vor allem im Pfarramt deutlich geworden ist: Es ist tatsächlich ein Luxus, dass wir Gott loben können. Wir müssen nicht zuallererst etwas bezahlen, um uns ihm nähern zu dürfen; wir müssen unsere Würde nicht ablegen oder uns sonst irgendwie klein machen, wie vor den selbsternannten Göttern unserer Zeit, bevor wir uns an ihn wenden dürfen. Das Lob Gottes geht aber auch darüber hinaus, dass wir Gott danken, dass wir ihn um etwas bitten, ihm etwas klagen – alles das ergibt sich aus dem, was wir im Leben erfahren. Lob Gottes meint etwas anderes, es meint mehr.

Vielleicht wird es an den Worten deutlich, die wir an Stelle des Wortes „loben“ auch verwenden können: Wie im Kanon „Lobet und preiset ihr Völker den Herrn“ steht das Wort „preisen“ gleichbedeutend neben „loben“ und dann können wir auch das Wort „Segnen“ verwenden, das wir ja sonst eher in umgekehrter Richtung benutzen: Denn normalerweise segnet Gott uns. Im Griechischen steht aber beide Male ein Wort, das wir ganz wörtlich mit „Gutsprechen“ übersetzen können. Ich spreche Gott gut und lobe ihn so; Gott spricht uns gut und segnet uns so. Beides meint dasselbe.

Und eben diesem Lob Gottes ist das Fest Trinitatis gewidmet: Gott steht im Mittelpunkt – und zwar in der Weise, wie er sich den Menschen und besonders uns Christen offenbart hat: als Schöpfer und als Vater Jesu Christi; als Mensch in der Gestalt seines Sohnes Jesus Christus, der uns durch sein Kreuz und seine Auferstehung erlöst, und als Heiliger Geist, durch den Gott in uns allen wirkt und durch er seine Kirche baut. Dabei bleibt Gott aber immer der eine Gott und der ganz andere: Es bleibt das Geheimnis, das ihn umgibt, ohne das er nicht Gott wäre.

Lob Gottes und Feier des Geheimnisses, an dem wir als Christen Anteil bekommen: Das machen die Lieder des heutigen Tages deutlich, das eröffnen uns die Texte aus der Bibel, die für diesen Sonntag vorgesehen sind. Da ist der großartige Psalm 145, das ist als Evangelium das Gespräch in der Nacht, in dem Nikodemus versucht, das Geheimnis um Jesus und sein Wirken zu erfassen; da ist der Briefabschnitt aus dem Römerbrief, der den Satz enthält, den ich als Kanzelgruß vor jeder Predigt spreche und der gleichzeitig die unerforschlichen Wege Gottes preist; da ist die geheimnisvolle Thronsaalvision des Propheten Jesaja, in der dieser das Dreimal-Heilig des himmlischen Hofstaates Gottes erlebt, in das wir in der Abendmahlsliturgie einstimmen; da ist schließlich der aaronitische Segen, aus dem 4. Buch Mose, der am Ende des Gottesdienstes gesprochen den Raum des Lebens, der vor einem liegt, in einen Raum des Segens verwandelt.

Eine – wie ich finde – besondere Rolle nimmt der Predigttext des heutigen Sonntags ein: Im Brief an die Gemeinde von Ephesus, den entweder Paulus oder einer seiner Schüler geschrieben hat, setzt der Autor einen Hymnus mit einem ganz großen Lob Gottes an den Anfang; also ein Lied, das ganz unterschiedliche Liturgiestücke aus Ephesus und den anderen Gemeinden in Kleinasien zusammenfasst. Später im Brief erfahren die Leserinnen und Leser, dass sich der Schreiber im Gefängnis befindet und durchaus mit größeren Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Aber das ist für ihn nicht das Entscheidende. Fast möchte man meinen, dass auch er die Vorlesung von Rudolf Bohren gehört hätte; denn auch er leistet sich den Luxus, Gott voller Freude und Überschwang zu loben – trotz aller negativen Erlebnisse, die er in der letzten Zeit erlebt hat.

Schon hier, an dieser Stelle zeigt sich die geistliche Grundeinstellung des Apostels, der sein ganzes Leben vom Lob Gottes umfangen sieht: Zum einen lobt und segnet er Gott und zum anderen weiß er sich von Gott gesegnet und gelobt. Das eine gehört mit dem anderen untrennbar zusammen.
Es ist im Grunde wie beim Rechnen mit dem Vorzeichen vor der Klammer: Die Zahlen und Rechenzeichen, die in der Klammer stehen, das ist mein Leben: und das Ergebnis ist mal positiv, sicherlich auch manchmal negativ – je nachdem, wie es eben gerade um mich bestellt ist. Was das aber für mich und mein Leben grundsätzlich heißt, das hängt davon ab, ob vor dieser Klammer um mein Leben ein Pluszeichen oder ein Minuszeichen steht.

Gott segnet und er will gesegnet sein, damit sich die Herrlichkeit Gottes immer weiter ausbreitet und Himmel und Erde erfüllt. Das ist letztlich die Bestimmung der Kirche und es ist damit auch die Bestimmung jeder und jedes Einzelnen von uns, jedes menschlichen Lebens: „Gott loben, das ist unser Amt.“ – als Einzelne und als Kirche und Gemeinde. „Gott loben, das ist unser Amt.“, heißt es zum Beispiel auch ganz bestimmt im Lied zu Psalm 100 „Nun jauchzt dem Herrn alle Welt“.

Lob Gottes – das steht also am Anfang des Epheserbriefes. Und nach dem ersten Gruß an die Gemeinde in den ersten beiden Versen folgt im ersten Kapitel des Epheserbriefes dieser Hymnus in drei Teilen:

3 Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus. 4 Denn in ihm hat er uns erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war, dass wir heilig und untadelig vor ihm sein sollten in der Liebe; 5 er hat uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein durch Jesus Christus nach dem Wohlgefallen seines Willens, 6 zum Lob seiner herrlichen Gnade, mit der er uns begnadet hat in dem Geliebten.

Soweit der erste Abschnitt des Hymnus. Wenn man ihn auf den Festtag der Dreifaltigkeit beziehen will, so sehen wir auf Gott, den Schöpfer. Aber es ist – wie in den beiden anderen Teilen auch – nicht so sehr der Weltenschöpfer, der in den Blick kommt. Vielmehr führt uns der Apostel den Schöpfer unserer selbst vor Augen: jede und jeder von uns war schon vor aller Schöpfung ein wunderbarer Gedanke Gottes. Wir sind – durch Christus – vor aller Zeit berufen. Da klingen die Verse von Psalm 139 an, in denen dies beschrieben wird; da klingen in uns aber auch sehr weihnachtliche Gesangbuchverse von Paul Gerhardt an: „Da ich noch nicht geboren war, da bist du mir geboren / und hast mich dir zu eigen gar, eh ich dich kannt, erkoren. / Eh ich durch deine Hand gemacht, / da hast du schon bei dir bedacht, / wie du mein wolltest werden.“ So heißt es im Lied „Ich steh an deiner Krippen hier.

Es wundert nicht, dass der zweite Teil Passion und Auferstehung Jesu in den Blick nimmt. So heißt es weiter:

7 In ihm – Jesus Christus – haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade, 8 die er uns reichlich hat widerfahren lassen in aller Weisheit und Klugheit. 9 Gott hat uns wissen lassen das Geheimnis seines Willens nach seinem Ratschluss, den er zuvor in Christus gefasst hatte,
10 um die Fülle der Zeiten heraufzuführen, auf dass alles zusammengefasst würde in Christus, was im Himmel und auf Erden ist, durch ihn.
11 In ihm sind wir auch zu Erben eingesetzt worden, die wir dazu vorherbestimmt sind nach dem Vorsatz dessen, der alles wirkt, nach dem Ratschluss seines Willens, 12 damit wir zum Lob seiner Herrlichkeit leben, die wir zuvor auf Christus gehofft haben.

In Jesus Christus ist uns die Zukunft eröffnet: Die Sünde, das, was uns von Gott trennt und unsere Zukunft verhindern würde, hat Jesus mit seinem Blut durch seinen Tod am Kreuz weggenommen. Wir sind Erben, auch wenn es manchmal noch sehr menschlich bei uns zugeht und der Himmel auf Erden noch nicht erreicht ist.

Aber mit dieser Zukunft im Blick verlieren alle anderen Gewalten ihre Macht über uns und wir sind frei von allen anderen Machtansprüchen, die uns mit ihren Parolen gefangen nehmen wollen. Unsere Freiheit in Christus ist die Antwort auf das „So musst du sein!“ und das „Es geht nicht anders!“, das uns klein machen will.

Der Apostel schreibt weiter:

13 In ihm – Jesus Christus – seid auch ihr, die ihr das Wort der Wahrheit gehört habt, nämlich das Evangelium von eurer Rettung – in ihm seid auch ihr, als ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist, der verheißen ist, 14 welcher ist das Unterpfand unsres Erbes, zu unsrer Erlösung, dass wir sein Eigentum würden zum Lob seiner Herrlichkeit.

Im Mittelpunkt des dritten Abschnitts stehen der Heilige Geist und die Gemeinde, die der Geist durch die Verkündigung des Evangeliums zu einer Gemeinschaft verbindet. Gottes Versprechen – die Gabe des Heiligen Geistes, den wir in der Taufe empfangen, ist unverbrüchlich; das hat Gott durch Christus und die Auferstehung besiegelt. Wie in den beiden anderen Teilen ist so Jesus Christus auch hier das verbindende Element. So sind mit Geburt, mit Kreuz und Auferstehung und schließlich mit der pfingstlichen Gabe des Geistes die drei großen Festgedanken der christlichen Kirche in Christus begründet und in diesem Text aus heutiger Sicht schon angelegt.

Wie predigt man einen Hymnus? Wie predigt man das Lob Gottes? Man kann zu einzelnen Worten und Sätzen sicherlich manches sagen. Aber das Wesen eines Hymnus, das Wesen eines Liedes erfassen Menschen nicht, wenn ihnen etwas darüber erzählt wird. Das erschließt sich vielmehr dadurch, dass sie einstimmen in diesen Lobgesang und sich so in dass Gotteslob einschwingen. Und deshalb ist die Predigt heute eine Art Hinführung zu einem dreiteiligen Lobpreis: Wir sprechen gleich den Hymnus aus dem Epheserbrief im Wechsel wie einen Psalm und rahmen ihn durch die beiden Lieder: zuerst direkt nach der Predigt das Lied „Gelobet sei der Herr“ (EG 139) und nach dem Hymnus „Großer Gott, wir loben dich (EG 331).

Denn das Loben ist die Grundbewegung der Kirche und des Glaubens. Wer lobt, stimmt ein und nimmt andere mit. Und auch wenn das eigene, persönliche Lob manchmal nur schwer durchzuhalten ist, weil das Leben in der Klammer gerade eher negativ ist, gibt es dann doch das Pluszeichen unseres Glaubens vor der Klammer, das uns mit einander vereint und uns so zu einem großen Klangraum macht, der uns stärkt und Mut gibt. Amen.

Bibeltext:  Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung – revidiert 2017, © 2017, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

Viele Anregungen aus der Predigtmeditation von Landesbischof Prof. Dr. Jochen Corenekliuus-Bundschuh (Göttinger Predigtmeditationen, 2018/5, S. 319-324). Vielen Dank!

Predigt am Sonntag Quasimodogeniti (8.4.2018)

Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen.

Liebe Gemeinde am 1. Sonntag nach Ostern!
Da ist der Schuster Vogt aus dem Gefängnis entlassen worden, wo er vorher noch in der Kapelle gesungen hatte: „Bis hierher hat mich Gott gebracht.“ Nun steht er vor dem Gefängnistor und weiß nicht weiter. Schnell bekommt er heraus: Ohne Arbeit gibt es keine Wohnung, ohne Wohnung gibt es keine Arbeit. Das ist die Wirklichkeit der Welt im frühen 20. Jahrhundert – eine Wirklichkeit, die sich auch im 21. Jahrhundert nicht geändert hat. Was soll er tun?

In seiner Not verfällt er auf einen bizarren Gedanken, der ihn, wenn er denn erwischt würde, sofort wieder ins Gefängnis bringen würde: Er stiehlt die Uniform eines Hauptmanns der preußischen Armee, zieht sie an und – seine Probleme sind wie weggeblasen: „Jawohl, Herr Hauptmann!“ hier, „Aber sicher, Herr Hauptmann!“ dort.

Viele werden die Geschichte vom Hauptmann von Köpenick kennen, als Film mit Heinz Rühmann oder aus der Buchvorlage von Carl Zuckmayer; beides geht auf eine wahre Begebenheit im Jahr 1908 zurück. Bei aller Komik, die vor allem im Film zum Tragen kommt, macht die Geschichte vor allem eines deutlich: Sobald Menschen eine bestimmte Kleidung tragen, haben sie eine für andere Menschen unhinterfragbare Autorität. Was ein Hauptmann im damaligen Preußen sagte, war Gesetz; ausweisen musste er sich nicht – die Uniform, die er trug, war Ausweis genug.

So bewahrheitet sich das alte Sprichwort: „Kleider machen Leute!“ Wir benehmen uns nicht nur unterschiedlich, je nachdem, ob wir in Jogginghose oder Anzug, in Abendkleid oder Sweatshirt durch die Gegend laufen. Wir wirken auch ganz anders auf die Menschen, denen wir begegnen. Unsere Autorität ist eine ganz andere. Und umgekehrt: Wenn mir die Kleidung, die bei den anderen Menschen Ehrfurcht erweckt, abgenommen wird, bleibt von meiner Macht und Autorität nicht viel übrig.

Neu ist diese Erkenntnis nicht, sie ist auch viel älter als die Geschichte vom Hauptmann von Köpenick. Schon der Apostel Paulus hat sie verwendet, als er der Gemeinde in Kolossä, in der heutigen West-Türkei, in einem Brief beschreiben wollte, was durch Ostern, also durch die Kreuzigung und die Auferstehung Jesu mit den Mächten und Gewalten, die sonst die Herrschaft über die Menschen beanspruchen, geschehen ist. Paulus schreibt im zweiten Kapitel des Kolosserbriefes:

15 Gott hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und über sie triumphiert in Christus.

Mit diesem Satz kommentiert Paulus das Geschehen von Kreuzigung und Auferstehung in Jerusalem und macht deutlich: Alle dämonischen Mächte, die Gewalt über einen Menschen hatten, sind durch Kreuz und Auferstehung bloßgestellt worden und haben ihre Macht verloren; die Kleidung, die für die Herrschaft gesorgt hatte, ist ausgezogen und die dämonischen Mächte sind damit der Lächerlichkeit preisgegeben. In vielen Lieder wird auf diesen Bibelvers des Paulus Bezug genommen und werden die Mächte des Bösen verspottet.

Und was heißt das für uns – für uns, die wir getauft sind? Wir stehen als Getaufte eben nicht nackt da, wir müssen nicht vor Scham versinken. Wir stehen aufrecht und mit Zuversicht da, weil wir mit Christus wie mit einem Gewand bekleidet sind. Und dieses Gewand macht es möglich, dass wir so leben, wie es Jesus Christus entspricht.

Daran werden wir heute mit diesem Sonntag erinnert: dem Schlusspunkt der Osteroktav, also acht Tage nach Ostersonntag. Die Osternacht war im frühen Christentum, als vor allem erwachsene Menschen getauft wurden, der entscheidende Tauftermin. Die dann neu Getauften kamen nach einer Woche wieder in den Gottesdienst und trugen erneut ihre weißen Taufgewänder. So hat dieser Sonntag seinen besonderen Bezug zur Taufe bekommen: als Tauf-Bestätigung und damit als Tauf-Erinnerung.

Darum gehört auch die Geschichte von Thomas als Evangelium zu diesem Sonntag: Es ist eben dieser Tag eine Woche nach Ostern, als Jesus zum zweiten Mal zu denn Jüngern kommt und Thomas zu einem neuen Glauben finden lässt. Thomas wird ja so gerne der „ungläubige Thomas“ genannt. Aber dieser ‚Titel‘ trifft die Situation nicht. Thomas ist nicht ungläubig, er repräsentiert vielmehr den Menschen, der seinen Glauben gerne an greifbaren Beweisen festmachen will. Und damit ist er uns heutigen Menschen ganz nahe.

Thomas erfährt in der Szene mit Jesus, dass Glauben anders funktioniert als durch „Begreifen“ im wörtlichen Sinn. Glauben ist auf eine andere Weise Begegnung mit Jesus. Auch heute erfahren das Menschen immer wieder, weil Jesus in unsere verschlossenen Räume kommt, um uns zu begegnen; weil er die Mauern aus dem „Ich glaube nur, was ich sehe und was ich begreifen kann.“ durchbricht und plötzlich vor uns steht – auch fast 2000 Jahre nach dem Geschehen in Jerusalem. Es geschieht immer wieder.

Der Glaube von Thomas ist durch die Begegnung mit dem auferstandenen Jesus ein anderer geworden, er ist neu geworden. Thomas ist dadurch wie neu geboren, er lebt nach der Begegnung mit Jesus wie die Menschen, die nicht sehen und doch glauben; wie die Menschen, die durch die Taufe den Geist Gottes empfangen haben. Jetzt erst hat Thomas wirklich Anteil am Sterben und Auferstehen Jesu Christi bekommen.

So schließt sich in gewisser Weise der thematische Kreis dieser Woche, die an Ostern und mit den Fragen der Gemeinden in Thessalonich und Korinth begonnen hatte: „Haben wir – und vor allem – haben unsere inzwischen verstorbenen Gemeindeglieder denn auch Anteil an der Auferstehung? Oder hat der Tod doch gewonnen, weil sie gestorben sind, bevor Jesus wiedergekommen ist?“

Wir alle, die wir getauft sind, haben Anteil an dem Sterben und an der Auferstehung Jesu Christi. So antwortet Paulus auch der Gemeinde in Kolossä. Er erinnert sie daran, dass Jesus Christus der Grund des Lebens ist. Und stellt ihnen noch einmal theologisch dar, was bei ihrer Taufe geschehen ist – als sie drei Mal mit dem Wasser übergossen wurden, als sie drei Mal untergetaucht wurden. Paulus schreibt in den Versen vor dem, was wir eben über die Machtlosigkeit der Mächte gehört haben:

12 Mit Christus seid ihr begraben worden in der Taufe; mit ihm seid ihr auch auferweckt durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten.
13 Und Gott hat euch mit ihm lebendig gemacht, die ihr tot wart in den Sünden und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches, und hat uns vergeben alle Sünden. 14 Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn aufgehoben und an das Kreuz geheftet.

In der mittelalterlichen Taufpraxis war es noch sichtbar: Da wurde der Täufling dreimal komplett im Taufwasser untergetaucht, wurde so bildlich mit Christus begraben. Und er wurde natürlich auch drei Mal wieder aus dem Wasser der Taufe heraus gehoben, ist so bildlich mit Christus aus dem Todeswasser auferstanden.

Damit sind die getauften Menschen neu geworden, neu geboren worden, wie Thomas durch seine Begegnung mit dem Auferstandenen wie neu geboren war. Den getauften ist neues Leben geschenkt. Und das ist nötig gewesen, es ist bis heute nötig: Denn da ist die grundsätzliche Frage nach der Sünde, nach der Abkehr von Gott.

Paulus schreibt von dem Schuldbrief, der mit seinen Forderungen gegen uns war. Wir alle kennen solche Schuldbriefe: die harmlosen klemmen unter dem Scheibenwischer vorne an der Windschutzscheibe, wenn wir mal wieder die Parkregeln nicht beachtet haben; oder wir bekommen einen mit der Post zugeschickt, wenn wir am Bielefelder Berg mal wieder die 100 nicht beachtet haben. Aber es gibt auch andere Schuldbriefe, die nicht so harmlos sind.

Der Schuldbrief, von dem Paulus spricht, ist allerdings nicht mit solchen aus unserem Rechtssystem zu vergleichen, denn bei dem geht es um die grundsätzliche Abkehr von Gott. Das ist es, was die Bibel Sünde nennt. Nicht das dritte oder vierte Stück Torte oder die Tafel Schokolade, die plötzlich weg ist, obwohl ich doch nur einen Riegel essen wollte. Die Folge der Sünde, also die Folge der Abkehr von Gott als dem, der uns das Leben gibt und es erhält – die Folge der Sünde ist der Tod.

Gemeint ist mit dem Tod, von dem Paulus hier wie an anderen Stellen spricht, nicht das Sterben am Ende unseres irdischen Lebens. Gemeint ist mit Tod, dass wir, obwohl wir leben, tot sind und dass wir deshalb auch nach diesem Leben durch das Nichts des ewigen Todes verschlungen werden. Das ist der Schuldbrief, der gegen alle Menschen – und also auch gegen uns steht. Und der, dieser Schuldbrief, ist von Jesus mit an das Kreuz genommen worden und so beglichen worden. Dieser Schuldbrief über die Abkehr von Gott trifft uns nicht mehr.

Deshalb leben wir in diesem Leben und über dieses Leben hinaus. Mit der Taufe wird uns Christus angezogen und damit das Leben. Und weil das so ist, können wir auch Christus gemäß leben: Wie er es uns vorgelebt hat, wozu er uns als Christen berufen hat: Gott lieben von ganzem Herzen, ganzer Seele und aller unserer Kraft und unseren Nächsten wie uns selbst. Das ist das besondere österliche Kleid, das uns geschenkt ist. – Bei aller menschlichen Unvollkommenheit, die es natürlich auch gibt.

Ja, liebe Gemeinde! Kleider machen Leute. Die Kleider der lebensbedrohenden und dämonischen Mächte haben denen, die diese Kleider tragen, zwar Gewalt über Menschen gegeben. Gott aber hat durch das Kreuz Jesu und durch seine Auferstehung diesen Mächten ihre Kleider der Macht ausgezogen und abgenommen und sie so an den Pranger gestellt. Gott nimmt den Mächten die Macht und entlarvt sie als das, was sie sind: Zerstörer des Lebens durch Hass und Gewalt, Lüge und Mord. Von denen ist kein Heil zu erwarten; ganz gleich, was sie ausgestattet mit ihrer Machtkleidung zu sein vorgegeben haben.

Ja. Kleider machen Leute. Unser Kleid ist das österliche Taufkleid. Das lässt uns Christen Christus gemäß leben – schon jetzt in dieser Welt.
Amen.

Predigt zu Erntedank 2017 über Jesaja 58,7-12

Predigt-Icon5Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen.
Liebe Gemeinde am Erntedanktag!

Wir feiern Erntedank! Auch in diesem Jahr ist die Kirche – allen Unkenrufen zum Trotz, dass nämlich die Ernte gar nicht gut sei – wieder mit vielen Gaben geschmückt. Wie schön ist es, dass wir die Früchte der Felder und der Gärten hier sehen können. Wie schön ist es, dass wir diese Gaben als einen Teil des großen Ganzen von Wachsen und Gedeihen sehen können, mit dem unser Leben bereichert ist.

Die Früchte hier im Chorraum der Kirche sind nur ein kleiner Ausschnitt von der Ernte dieses Jahres. Weizen und Mais, Raps und Gerste, Rüben und vieles mehr sehen wir zwar auf den Feldern wachsen, doch sind sie hier eher selten zu finden. Und es gibt so viel anderes, wenn wir in Gedanken das Jahr seit dem letzten Erntedankfest vorüber ziehen lassen. Da geht es um unsere je eigene persönliche Ernte; es geht um das, was wir für uns als Ergebnis unserer Arbeit eingefahren haben: das Projekt, das gelungen und erfolgreich abgeschlossen werden konnte, die neue Arbeitsstelle, der erreichte Schulabschluss, der Führerschein, die Geburt eines Kindes oder die Hochzeit nach einer langen Zeit des Zusammenlebens; das Haus, das bezogen werden konnte, das sportliche Ziel, das durch fleißiges Training erreicht werden konnte, das Konzert, das so gut gelungen ist, nachdem das Üben vorher so viel Nerven gekostet hat. Vieles mehr wird in Euren Erinnerungen gegenwärtig sein, wenn Ihr an das zurückliegende Arbeitsjahr denkt. Auch für das alles, was man so oft gar nicht darstellen kann, stehen die Gaben hier in der Kirche.

Dabei dürfen wir aber nicht übersehen, dass nicht alles nur Freude ist, wenn wir zurückdenken. So wie der Frost auch in unserer Gegend viele Apfel- und Pflaumenblüten und manches mehr kaputt gemacht hat, so gibt es bestimmt auch vieles, was uns – um im landwirtschaftlichen Bild zu bleiben – die Ernte verhagelt hat. Wie viele Menschen auch aus unserer Gemeinde mag es geben, die bei dem, was ich eben aufgezählt habe, sagen: „Genau das ist mir nicht gelungen, ich habe – trotz aller Mühe – nichts eingefahren; ich stehe mit leeren Händen da!“

Und dann ist es nur ein kleiner Schritt hin zu der Frage: „Wie soll es denn nur weiter gehen?“ Wie schnell tritt dann neben die ganz normale und sinnvolle Fürsorge für das eigene Leben und für das Leben derer, die einem anvertraut sind, noch etwas ganz anderes: das Schauen, ja geradezu das ängstliche Starren auf die Zukunft, die alles Leben zu erdrücken scheint. Wir meinen dann, wir ganz alleine seien für unser Leben bis ins Allerletzte verantwortlich, müssten auch wirklich alles allein schaffen.

Diese übersteigerte Sorge, die uns Menschen immer wieder einmal überfällt, sieht schon die Folgeprobleme, bevor auch nur das erste Problem überhaupt Wirklichkeit geworden ist. Von einer solchen übersteigerten Sorge haben wir in dem Abschnitt aus dem Matthäusevangelium gehört und wie man mit ihr umgeht – davon, wie Jesus den Menschen damals Mut gemacht hat: Ihr könnt Euch sicherlich um ganz vieles kümmern und ganz vieles im Blick haben, aber im Grundsatz dürft ihr Euch Gott anvertrauen und Euch darauf verlassen, dass er Euch nicht im Stich lässt. Jesu Worte öffnen auch für uns heute einen ganz weiten und tröstlichen Horizont: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch alles andere zufallen.“

Und an vielen Stellen in der Bibel wird davon erzählt, wie das aussehen kann: dieses „nach dem Reich Gottes trachten“. Jesus selbst hat davon erzählt, als er dem Schriftgelehrten erklärt hat, was das höchste Gebot ist: „Gott von ganzem Herzen lieb haben und den Nächsten wie sich selbst.“ Und Jesus greift dabei zurück auf die Verkündigung im Alten Testament, wo zum Beispiel der Prophet Micha sagt: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“

„Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes.“ Viele denken dann an etwas jenseits von dieser Welt. Reich Gottes ist für viele das Paradies nach diesem Leben. Und eine solche Sicht hat dann ganz oft dazu geführt, dass dem Leben hier und jetzt keine Bedeutung beigemessen wurde. Aber dem widersprich Jesus energisch: „Siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch. Ihr könnt euch nicht aus diesem Leben verabschieden, als wenn es euch nichts anginge.“ Das Reich Gottes hat seine Verankerung in unserer jeweiligen Gegenwart. Und das bedeutet, dass wir uns immer wieder neu fragen müssen: „Was hilft dem Reich Gottes heute? Wo sind wir gefragt – als Kirche und Gemeinde mit den vielen, aber auch jede und jeder Einzelne für sich selbst?“

Diese Frage ist nicht neu. Und vor etwa 2500 Jahren hat sie jemand in aller Deutlichkeit gestellt. Damals ging es nicht so sehr um die religiöse Übung des Dankes beim Erntedankfest, sondern um die Übung des Fastens, um sich der Gegenwart Gottes zu vergewissern. Um 500 vor Christus nach dem babylonischen Exil war in Jerusalem nicht alles zum Guten bestellt. Zwar war das Volk Israel aus der Exil zurückgekommen, aber von dem großen Aufschwung durch den Wiederaufbau der Stadt und des Tempels hatten nur einige wenige profitiert, die sozialen Spannungen waren groß, die Gesellschaft drohte auseinanderzufallen.

Dass etwas nicht stimme, war vielen klar. Die Fastenübungen brachten keine Gewissheit darüber, dass Gott wirklich mit den Menschen in Jerusalem war. Und die Menschen klagen ihren Wunsch nach Gewissheit bei Gott ein. Doch der lässt den Propheten deutliche Worte finden: Hinwendung zu Gott ohne Gerechtigkeit im menschlichen Miteinander geht nicht. Wer fastet und gleichzeitig andere unterdrückt und sie in Geschäften ausnimmt; wer fastet und gleichzeitig mit Fäusten oder Worten Gewalt ausübt, darf nie darauf hoffen, von Gott wohlgefällig angesehen zu werden.

Und dann malt der Prophet ein Bild von der Herrlichkeit und Strahlkraft, die das Volk Gottes umgibt, wenn es in der richtigen und Gott wohlgefälligen Weise fastet. Im Buch des Propheten Jesaja lesen wir im 58. Kapitel:
7 Ist nicht das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut! 6 Ist nicht das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg! 8 Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird deinen Zug beschließen. 9 Dann wirst du rufen und der HERR wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich.
Wenn du in deiner Mitte niemand unterjochst und nicht mit Fingern zeigst und nicht übel redest, 10 sondern den Hungrigen dein Herz finden lässt und den Elenden sättigst, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag. 11 Und der HERR wird dich immerdar führen und dich sättigen in der Dürre und dein Gebein stärken. Und du wirst sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, der es nie an Wasser fehlt. 12 Und es soll durch dich wieder aufgebaut werden, was lange wüst gelegen hat, und du wirst wieder aufrichten, was vorzeiten gegründet ward; und du sollst heißen: „Der die Lücken zumauert und die Wege ausbessert, dass man da wohnen könne“.

Liebe Gemeinde am Erntedanktag! Viele Stichworte aus dem Wort des Propheten werden uns in unserer Zeit in den Ohren gellen. Denn auch wenn es in unserer Zeit vielen Menschen gut geht, sind die Bilder von Menschen, denen das Nötigste zum Leben fehlt allgegenwärtig:

Da sind die vielen, die sich seit vielen Jahren um Arbeit bemühen und keine finden, weil sie angeblich zu alt sind; da sind die, die durch Unglücksfälle in finanzielle Not geraten sind oder denen die Rente nicht zum Überleben reicht; da sind die, die durch das System unserer Arbeitswelt zu modernen Sklaven ohne eigene Rechte gemacht werden; da sind die, die durch Missbrauch um ihre Zukunft gebracht werden. Müssen wir erst den Propheten fragen, was es heißt Arbeit gerecht zu verteilen und dann auch gerecht zu bezahlen?

Da sind die, auf die heute vor allem mit dem virtuellen Finger gezeigt wird und die so an die Pranger der modernen Zeit gestellt werden: indem sie vor allem über die sogenannten sozialen Medien in einer Art und Weise bloßgestellt werden, dass ihnen kein begehbarer Ausweg zu bleiben scheint. Müssen wir erst den Propheten fragen, was die Beachtung des achten Gebots „Du sollst nicht falsches Zeugnis reden gegen deinen Nächsten.“ in Zeiten von Facebook und Co heißt?

Da sind aber auch die, in weitere Ferne erfahren müssen, dass ihr Leben bedroht ist: durch Krieg und Verfolgung, durch Dürre und Misswirtschaft, durch ein Weltwirtschaftssystem, das so ist, wie es ist, und das viele Menschen vor allem in Afrika bettelarm bleiben lässt. Und das sind die, die auf der Suche nach dem Leben auch zu uns kommen. Immer wieder mit so gut wie nichts auf der Haut außer ein paar Lumpen. Müssen wir erst den Propheten fragen, dass er uns erklärt, wer unser Nächster ist, wenn wir die Geschichte vom barmherzigen Samariter den wirklich schon vergessen haben sollten?

Liebe Gemeinde! Vergessen wir es nicht: Alles, was der Prophet sagt, ist in eine große Verheißung eingebunden. Uns sollen die Freude und der Dank für die Ernte dieses Jahres ganz bestimmt nicht im Halse stecken bleiben. Aber unsere Freude und unser Dank sollen ehrlich und von Herzen sein. Und das können sie nur, wenn wir die Wirklichkeit unserer Welt nicht vergessen – die Wirklichkeit bei uns ebenso wie in anderen Gegenden unserer Erde.

Wichtig ist mir dabei eines: Wir müssen uns mit unserem Verhalten nicht die Nähe Gottes erst noch erarbeiten. Gott hat schon längst den ersten Schritt getan: Er hat uns aus den Gefangenschaften unseres Lebens schon herausgeführt. Für das Volk Israel hießen diese Gefangenschaften historisch ganz konkret Ägypten und Babylon. Für das Volk Israel hießen diese Gefangenschaften und sie heißen so bis heute auch für uns: die Macht des Bösen, die uns vom Weg des Lebens abbringen und auf den Weg des Todes führen will. Aus dieser Macht des Todes hat uns Gott uns schon befreit, indem Jesus Christus für unsere Schuld am Kreuz gestorben und von Gott an Ostern auferweckt worden ist.

Das Reich Gottes ist schon Wirklichkeit – trotz allem Unrecht, das es leider immer noch gibt. Denn Gott hat schon den ersten Schritt getan und in uns sein Licht angezündet. Es muss nur noch – wie es der Prophet verheißt – durch den Panzer des menschlichen Ungenügens hindurchbrechen: „Dein Licht wird in der Finsternis aufgehen!“ So feiern wir Erntedank: voller Freude über die Ernte dieses Jahres und mit dem weiten Herzen, das uns Christus auch heute im Abendmahl stärken will. Amen.

Predigt vom 20. August 2017

Predigt-Icon5Vor der Predigt ist der Abschnitt aus 2. Mose 19,1-6 als Schriftlesung gelesen worden.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder in Christus!
An diesem Sonntag begehen wir den 10. Sonntag nach Trinitatis. Es ist ein besonderer Sonntag, der mit der Bezeichnung „Israelsonntag“ auch seit Jahrhunderten einen besonderen Namen hat. Er hat in der christlichen Kirchen- und Predigtgeschichte allerdings auch aus heutiger Sicht seine nicht zu allen Zeiten besonders erfreuliche Geschichte: All zu oft standen im Lauf der Jahrhunderte nicht nur die Abgrenzung vom Judentum, sondern eher die Kampfansage gegen das Judentum und blanker Antisemitismus im Vordergrund. Das aber darf nicht sein. Denn das ist an diesem Sonntag ganz bestimmt nicht das Ziel christlicher Verkündigung.

Es geht vielmehr um Folgendes: Thematisch im Mittelpunkt steht das Verhältnis Gottes zu seinem Volk und damit zuerst zum Volk Israel, das Gott aus der Sklaverei in Ägypten befreit hat, das er durch die Jahrhunderte begleitet und gesegnet hat. Und dann geht es aber natürlich auch um das Verhältnis Gottes zu den Christen, die durch die Taufe mit dazu gehören. Und das wiederum lässt uns immer wieder neu fragen, wie stehen denn das Volk Israel – also das biblische Volk Israel und das Judentum heute – und das Christentum zueinander, wenn sie beide mit Gott ein so enges Verhältnis haben?

Anders herum gesagt: Wir glauben als Christen an den Gott des Volkes Israel, an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. So hat dieser Gott sich zum Beispiel immer wieder dem Mose und anderen vorgestellt. Und es gehört zu den absolut grundlegenden Überzeugungen des christlichen Glaubens, dass es eben dieser Gott ist, an den wir glauben. Aber wir stellen fest: Wir glauben auf eine ganz andere Weise an diesen Gott, als es die Menschen des jüdischen Glaubens tun. Wie passt das zusammen?

In den letzten Jahrzehnten – vor allem nach den Erfahrungen des Holocaust im 2. Weltkrieg und der Neugründung des Staates Israel 1948 – ist ganz viel über dieses besondere Verhältnis von Juden und Christen nachgedacht worden und es ist vor allem ganz viel miteinander gesprochen worden – auf ganz vielen verschiedenen Ebenen – in Deutschland vor allem auch auf den Kirchentagen. Und das Ergebnis ist: Wir können miteinander reden, vor allem: wir können einander gelten lassen und wir können miteinander nach Gott fragen.

Dass wir über das alles gerade heute, an diesem Sonntag nachdenken, hat seinen besonderen Grund: Im Judentum wird am 9. Tag des Monats Av an die Zerstörung des Jerusalemer Tempels durch die Römer im Jahr 70 nach Christus erinnert. In diesem Jahr war es der 1. August. Und dieses Datum liegt meistens in der Nähe des 10. Sonntags nach Trinitatis. Und so ist schon sehr früh diesem Sonntag dieses Thema zugewachsen.

Der Tempel in Jerusalem: Das war für die Juden immer der eine Ort, wo Gott ganz besonders da war. Da kann man sich gut vorstellen, was es hieß und bis heute heißt, dass der Tempel, der Ort der Gegenwart Gottes, zerstört war. Viele von uns können das ein wenig nachempfinden, wenn wir uns überlegen, dass die Kirche, in der wir getauft und konfirmiert wurden oder in der wir geheiratet haben, nicht mehr da wäre. Es wäre wohl in Gefühl der Leere und Heimatlosigkeit. Aber ob Gott da ist oder nicht, das würde nicht an diesem Kirchengebäude hängen.

Das Nachdenken und die Trauer über die Zerstörung des Tempels ist im Judentum auch mit einem tiefen Nachdenken über das eigene Verhältnis zu Gott verbunden: Kann die Beziehung zu Gott weitergehen, wenn der Ort von Gottes Gegenwart nicht mehr da ist? Das Judentum hat seine positive Antwort gefunden und lebt sie seit fast 2000 Jahren. Aus Sicht des Neuen Testamentes geben Jesus und der Schriftgelehrte im Evangelium des Sonntags aus Markus 12 gemeinsam eine Antwort auf diese Frage nach der Gegenwart Gottes: „Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzem Gemüt und von allen Kräften, und seinen Nächsten lieben wie sich selbst, das ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer.“ Das bedeutet: Wichtiger als alle Opferrituale ist die Beziehung der Menschen zu Gott. Die Verbindung zu Gott wird nicht im Vollzug der Tempelrituale hergestellt, sondern funktioniert auf einer ganz anderen Ebene.

Und von dieser Ebene erzählt auch der Predigttext für diesen Sonntag, den Rita Kohlmeier uns vorhin gelesen hat. Wir sind dabei, wie das Volkes Israel am Gottesberg Sinai ankommt, wie Mose direkt zu Gott auf den Berg geht und von Gott ein ganz besonderes Angebot bekommt: ein Bundesschluss zwischen Gott und seinem Volk, verbunden mit einer großen Verheißung für das ganze Volk.

Zuerst aber erinnert Gott Mose daran, dass es Gott selbst war, der den ersten Schritt getan hat: Er hat das Volk aus der Knechtschaft herausgeführt, er hat es nicht nur angekündigt, sonder wirklich getan. Er hat sie bei der gefährlichen Wüstenwanderung vor dem Verhungern und Verdursten und von den Feinden errettet. Er hat sie, wie es im Bibeltext poetisch heißt, auf Adlerschwingen getragen.

Und weil das so ist, soll und kann aus dem Volk Israel ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk werden. Einzige Aufgabe der Israeliten: Sie sollen der Stimme Gottes gehorchen und seine Gebote einhalten. Aus der Bibel und aus eigener Erfahrung wissen wir: das ist leichter gesagt als vollständig getan; aber Gott ist kein Zuchtmeister, sondern er ist wie ein liebevoller Vater, dessen Güte jeden Morgen neu ist.

Daran dürfen auch wir immer wieder denken, wenn wir über unser Verhältnis zu Gott nachdenken: Gott ist es, der den ersten Schritt tut und uns ein so wunderbares Angebot unterbreitet, das Jesus dann in die Worte fasst: Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Gerade dann, wenn wir kleine Kinder taufen, wird das besonders deutlich: Die können ja noch nichts vorweisen, die haben noch nichts leisten müssen. Gott tut den ersten Schritt und macht uns ein wunderbares Angebot: Ich bin für Dich da. Und daraus ergibt sich alles andere.

Gott sagt: Ihr sollt mein Eigentum sein vor allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein. Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein. – So soll es Mose dem Volk berichten. Dieses Angebot ist der Ausgangspunkt für alles Weitere, was in der Geschichte Gottes mit seinem Volk noch folgen wird: Die Antwort des Volkes und der eigentliche Bundesschluss, die Übergabe der 10 Gebote und der weitere Weg in das Land der Freiheit, bis zu David und weit über ihn hinaus. Dieser Ausgangspunkt strahlt dann auch auf die christliche Kirche aus, die in der Nachfolge Jesu die Verheißung von damals auch auf sich beziehen darf. Der Schreiber des 1. Petrusbriefes nimmt die Verheißung fast wörtlich für die Gemeinde auf: Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk zum Eigentum, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat aus der Finsternis in sein wunderbares Licht.

Wie das eigene Leben dann zu gestalten ist, um für Gott zu einem Königreich von Priestern und einem heiligen Volk zu werden, das ergibt sich aus dem Text des Sonntags-Evangeliums: Gott lieben und den Nächsten wie sich selbst. Dazu gehört aus christlicher Sicht auch, dass alle, die auf Jesus Christus getauft sind, zur Verkündigung berufen sind: als Eltern und Paten, als Großeltern und Nachbarn, als Gemeindeglieder und Freunde.

Es ist also nicht nur eine Zusage, sondern auch eine Aufgabe, in die wir gestellt sind und der wir uns immer wieder, jeden Tag neu stellen müssen. Diese Aufgabe steht aber auch unter der Zusage Jesu, dass er uns beisteht und für uns da ist. So hat er es seinen Jüngern und damit auch uns zugesagt: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. In dieser Tradition und unter diesem Zuspruch stehen wir. In dieser Tradition und unter diesem Zuspruch taufen wir auch an diesem Sonntag im Gottesdienst vier Kinder, dürfen sie in Gottes Auftrag in seinen Bund mit den Menschen aufnehmen.

Die Verheißungen Gottes am Sinai gehören uns nicht. Aber wir haben an ihnen Anteil und dürfen getrost auf sie vertrauen, denn das sagt Gott zu Mose auch: Die ganze Erde ist mein. – Also auch wir. Amen.