Predigt an Trinitatis 2020

Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen.
Liebe Gemeinde!

Trinitatis, das Fest der Heiligen Dreieinigkeit oder der Heiligen Dreifaltigkeit – je nachdem, ob man eher die drei Personen oder die Einheit der drei Personen betonen möchte – es ist auf der einen Seite ein ganz wichtiges Fest, denn es erinnert an einen Kernbereich unseres Glaubens. Christlicher Glaube ist in seiner Tiefe trinitarisch.

Wir glauben, dass sich der eine Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist den Menschen und der Welt zu erkennen gegeben hat. Sonst würde es auch keinen Sinn machen, das Glaubensbekenntnis dreiteilig zu gestalten. Viele Worte Jesu vor allem im Johannesevangelium weisen auf die Einheit Jesu mit Gott dem Vater hin: „Ich und der Vater sind eins.“ Und der Heilige Geist, der den Jüngern und der ganzen Kirche als Tröster und Lehrer gegeben ist, das ist der gleichwertige Ersatz für Jesus, nachdem dieser wieder zu seinem himmlischen Vater zurückgekehrt ist.

Die grundsätzliche und untrennbare Einheit Gottes ist aber unaufgebbar. „Wir glauben an den einen Gott“, wie es zum Beispiel im Nizänischen Glaubensbekenntnis am Anfang ganz ausdrücklich gesagt wird. Und wie es im Apostolischen Glaubensbekenntnis bei Sprechen auch deutlich gemacht werden könnte und sollte – auch wenn es nicht so dasteht: Ich glaube an Gott [Doppelpunkt]: 1. den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und 2. an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn usw. Und 3. Ich glaube an den Heiligen Geist. Über allem aber steht wie eine Überschrift: Ich glaube an Gott.

Auf der anderen Seite bleibt das Fest Trinitatis im Lauf des Jahres nach Weihnachten, Ostern und Pfingsten blass, denn es liegen ihm keine anschaulichen oder gar zu Herzen gehenden Geschichten aus der Bibel zugrunde. Dieses Fest, das auch erst vor etwa 1000 Jahren entstanden und vor gut 600 Jahren offiziell in den Festkalender aufgenommen worden ist – es ist ein irgendwie theoretisches und irgendwie konstruiertes Fest.

»Grau, teurer Freund, ist alle Theorie,/ Und grün des Lebens goldner Baum.« Mit diesen Worten weist schon Mephisto im 1. Teil von Goethes Faust auf die Unzulänglichkeit eines nur theoretischen Wissens hin. Und deshalb ist es ganz wichtig, diesem Fest etwas von der grünen Farbe des Lebens einzuhauchen, damit sein goldener Inhalt für uns erfahrbar und lebensfördernd wird.

Auf seine Weise tut dies der Predigttext aus dem 4. Buch Mose, auch wenn damals, als das Volk Israel durch die Wüste unterwegs war, und auch, als dieser Text aufgeschrieben wurde, niemand an Trinität gedacht hat. Trinität ist eben die Idee der Christen.

Aber der „aaronitische Segen“, der so heißt er, weil er den Nachkommen Aarons als Aufgabe gegeben ist, steht auf seine Weise für das Grün des Lebens, denn ohne den grundsätzlichen Segen Gottes ist kein Leben möglich. Dies zieht sich durch die ganze Schöpfungsgeschichte: „Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehret euch!“; durch die Vätergeschichte: mit dem Segen von Isaak für Jakob; bis hin zur Wüstenwanderung des Volkes und darüber hinaus bis heute.

Weil Gott die Worte den Mitgliedern des Stammes Levi anvertraute, aus denen später die Priester und die weiteren Kleriker des Tempels in Jerusalem kamen, wird der aaronitische Segen auch gerne als priesterlicher Segen bezeichnet und es hat sich in den westlichen Kirchen bis heute die fälschliche Meinung erhalten, diesen Segen dürften nur katholische Priester oder evangelische Pfarrer sprechen. Aber spätestens mit der Erkenntnis Martin Luthers vom Priestertum aller Getauften ist klar: alle Christen dürfen diesen Segen anderen zusprechen.

Denn Segen – das ist die Gegenwart Gottes, die sich in seinem Namen bewahrheitet; Segen, das ist das gute Wort Gottes, das Leben schafft und auch erhält. Gott ist dabei der Handelnde; die Menschen, die die Worte sprechen, sind nur das Sprachrohr, das Gott benutzt, wie es schon im 4. Buch Mose festgehalten wird: „So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.“

Leben in diesem umfassenden Sinn – für den Apostel Paulus steht das hinter den Worten Glaube, Hoffnung und Liebe aus dem Hohen Lied der Liebe im 1. Korintherbrief. Und so verbinden sich für mich die am heutigen Tag die drei Personen der Trinität mit dem dreiteiligen Segen aus dem 4. Buch Mose und der paulinischen Trias von Glaube, Hoffnung und Liebe, um den so theoretisch wirkenden Glaubenssatz von der Trinität mit Leben zu füllen.

Das erscheint mir viel hilfreicher, als an das Geheimnis der Trinität mit dem Hinweis heranzugehen, dass man das erst verstehen könne, wenn man 2 Gläser Rotwein zu sich genommen habe. So wie das ein Theologieprofessor in einem Universitätsgottesdienst einmal empfohlen hat – allerdings auch mit einem freundlichen Augenzwinkern.
Die Trinität, die Heilige Dreieinigkeit und Dreifaltigkeit ist bei solchem Bedenken nicht aufzuteilen in die drei einzelnen Teile. Ebenso sind Glaube, Hoffnung und Liebe im geistlichen Sinn nicht jeweils nur für sich zu betrachten. Sie sind ebenso wie Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist aufeinander bezogen, ohne aber ineinander aufzugehen und ohne einander gleich zu sein.

„Der HERR segne dich und behüte dich.“ – Der erste Abschnitt des aaronitischen Segens ist in meiner Nebeneinanderstellung auf Gott den Vater und die Liebe bezogen. Liebe – das ist Beziehung in ihrer besten und vollkommenen Form; Liebe – das ist das Ich, das im Du sein Gegenüber und seine Ergänzung findet; Liebe – das ist die Weite und das Brennen des Herzens, das zeigt: Du bist mir nicht gleichgültig; du bist mir so viel wert. Liebe, das ist das Dasein des anderen, ohne den ich nicht sein kann. Und eben das meint der Name Gottes, wenn er sich zum Beispiel Mose am Dornbusch vorstellt: Ich bin der „Ich bin für dich da!“ Das ist so Segen und Schutz unter der Hut Gottes.

„Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.“ Im zweiten Abschnitt finde ich Jesus und den Glauben wieder: Das leuchtende Angesicht Gottes bekommt sein menschliches Gesicht in dem Menschen Jesus von Nazareth, der als Christus, als der Gesalbte Gottes das Licht der Welt ist. Alle Dunkelheiten des Lebens sind nicht gottlos, weil Jesus als Gottes Sohn diese Dunkelheiten selbst erfahren hat. Durch ihn bleibt das Dunkel der Welt nicht absolut dunkel, sondern es strahlt auch dort das Licht des Lebens auf. Oft nur klein, aber durchdringend, dass es die Finsternis nicht unterdrücken kann. Und mit gehen die Menschen nicht aus dem Sinn, die sich gerade jetzt überall in dieser Welt gegen die Dunkelheit des Rassismus wenden, die im Tod von George Floyd in Amerika sichtbar geworden ist; eine Dunkelheit, die es auch bei uns immer wieder gibt. Wer mag, sehe sich das Video von Carolin Kebekus mit ihrem Brennpunkt zum Thema an.
Was den Menschen, die in solchem Dunkel gefangen gehalten werden, die Kraft gibt, das alles auszuhalten? Es ist bei ganz vielen der Glaube: also das Vertrauen, dass Jesus Christus da ist und die Dunkelheit mit durchschreitet.

Der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. Der Heilige Geist steht für mich im Mittelpunkt des dritten Abschnitts des aaronitischen Segens. Frieden – mit dem Wort Shalom an dieser Stelle ist das Ganzsein von allem gemeint. Das will Gott uns durch seinen Geist geben: dass die Gebrochenheiten unseres Lebens wieder heil werden; dass die Verletzungen unseres Lebens und unserer Seele geheilt werden und dass so unser Leben gelingt. Der Geist gibt den Trost, den Menschen brauchen, um in ihrem Leben bestehen zu können. Der Geist als Tröster eröffnet einen neuen Blick auf das Leben und auf den Weg, den Menschen gehen können. Hoffnung wächst – sie richtet Menschen auf und lässt sie ihren Weg gehen.

Gesegnet und behütet vom Vater in lauter Liebe – erleuchtet und begnadet zum Glauben vom Sohn – angesehen vom Heiligen Geist und in seinem Frieden mit Hoffnung erfüllt – Das meint Trinität. Amen.

So gehört alles aufs Engste zusammen und ist doch klar unterscheidbar.
(Zusammenstellen von Herz, Kreuz und Anker)

Kyrie-Anrufungen:

L: Wir sehen das Herz als Zeichen der Liebe. Gott, unser Vater und Schöpfer – deine Liebe ruft die Welt ins Dasein, deine Liebe ruft auch uns. Dich ehren wir:
G: Herr, erbarme dich.
P: Wir sehen das Kreuz als Zeichen des Glaubens. Jesus Christus, unser Retter, der Glaube an dich macht uns frei von den Mächten des Bösen. Dich ehren wir:
G: Christus, erbarme dich.
L: Wir sehen den Anker als Zeichen der Hoffnung und des Trostes. Heiliger Geist, unser Tröster, erfülle uns mit deiner Kraft, die das Herz weit und die Hoffnung groß werden lässt. Dich ehren wir:
G: Herr, erbarme dich.

Lieder und Lesung:

Musikalisches Vorspiel: „Alta Trinitat Beata“ – Text+Melodie: spätes 13. Jahrhundert
Solo-Lied 1: „Gelobet sei der Herr“ (EG 139)
Solo-Lied 2: „Weil der Himmel bei uns wohnt“ (#lautstärke 95)
Schriftlesung: 4. Mose 6,22-27 (= Predigttext)
Solo-Lied 3: „Leben aus Glauben“ (#lautstärke 99)
Solo-Lied 4: „Stern, auf den ich schaue“ (EG 407)
Musikalisches Nachspiel: „Es ist Weite in in Gott’s Gnade“ – Englisches Original: There’s a wideness in God’s mercy von Frederick W. Faber (1814-1863); dt. Übersetzung von Christina Falkenroth; Melodie und Satz: Maurice Bevan (*1921)

Gottesdienste an Exaudi und Himmelfahrt 2020

Seit dem 17. Mai 2020, feiern wir wieder öffentliche Gottesdienste. 

  • am 24. Mai:
    • in Holzhausen um 10.00 Uhr
    • in Möllbergen um 9.30 Uhr
    • in Holtrup um 11.00 Uhr 
  • am Pfingst-Sonntag (31. Mai)
    • in Holzhausen um 10.00 Uhr
    • in Möllbergen um 9.30 Uhr
  • am Pfingst-Montag (1. Juni)
    • in Holzhausen um 10.00 Uhr
    • in Holtrup um 11.00 Uhr

Allerdings sind strenge Auflagen zu beachten:

  • Die Zahl der Gottesdienstbesucher ist begrenzt
    • in Holzhausen auf 40 Personen
    • in Möllbergen auf 32 Personen
    • in Holtrup auf 30 Personen
  • Mehr Besucher dürfen nicht eingelassen werden!
  • In der Kirche stehen dann nur markierte Plätze zur Verfügung.
  • Alle müssen sich am Eingang mit Namen und Adresse in eine Liste eintragen, um mögliche Infektionsketten nachvollziehen zu können.
  • Vor dem Betreten der Kirche sind die Hände zu desinfizieren.
  • Es muss immer ausreichender Abstand gehalten werden.
  • Vor, während und nach dem Gottesdienst ist ein Mund- und Nasen-Schutz zu tragen, den alle nach Möglichkeit bitte mitbringen.
  • Gemeindegesang ist leider nicht erlaubt, weil das gemeinsame Singen besondere Infektionsrisiken mit sich bringt.
  • Vorerst findet kein Kindergottesdienst statt.
  • Vorerst findet kein Kirchenkaffee statt.

Trotz aller Einschränkungen freuen wir uns sehr, wieder in unseren Kirchen Gottesdienst feiern zu können.

Wieder Gottesdienste!

Wir feiern wieder Gottesdienste in unseren Kirchen

Ab Sonntag, den 17. Mai 2020, feiern wir wieder öffentliche Gottesdienste. 

  • am 17. Mai:
    • in Holzhausen um 10.00 Uhr
    • in Möllbergen um 9.30 Uhr
    • in Holtrup um 11.00 Uhr 
  • am 21. Mai (Himmelfahrt):
    • in Holzhausen um 10.00 Uhr 
    • in Holtrup um 11.00 Uhr 
  • am 24. Mai:
    • in Holzhausen um 10.00 Uhr
    • in Möllbergen um 9.30 Uhr
    • in Holtrup um 11.00 Uhr 

Allerdings sind strenge Auflagen zu beachten:

  • Die Zahl der Gottesdienstbesucher ist begrenzt
    • in Holzhausen auf 40 Personen
    • in Möllbergen auf 32 Personen
    • in Holtrup auf 30 Personen
  • Mehr Besucher dürfen nicht eingelassen werden!
  • In der Kirche stehen dann nur markierte Plätze zur Verfügung.
  • Alle müssen sich am Eingang mit Namen und Adresse in eine Liste eintragen, um mögliche Infektionsketten nachvollziehen zu können.
  • Vor dem Betreten der Kirche sind die Hände zu desinfizieren.
  • Es muss immer ausreichender Abstand gehalten werden.
  • Vor, während und nach dem Gottesdienst ist ein Mund- und Nasen-Schutz zu tragen, den alle nach Möglichkeit bitte mitbringen.
  • Gemeindegesang ist leider nicht erlaubt, weil das gemeinsame Singen besondere Infektionsrisiken mit sich bringt.
  • Vorerst findet kein Kindergottesdienst statt.
  • Vorerst findet kein Kirchenkaffee statt.

Die Gottesdienste ab Pfingsten sind noch in Planung und werden hier auf der Homepage der Gemeinde, in den Schaukästen und im Mindener Tageblatt rechtzeitig bekannt gegeben.

Trotz aller Einschränkungen freuen wir uns sehr, wieder in unseren Kirchen Gottesdienst feiern zu können.

Gedanken zum Sonntag Misericordias Domini

Gedanken zu den Texten vom Sonntag Misericordias Domini:

Johannes 10,11-16(27-30) „Jesus – der gute Hirte“
1. Petrus 2,21-25 „Christus, Hirte und Bischof unserer Seelen“

„Der gute Hirte“ – viele Menschen werden Bilder vor Augen haben, wie sie sich diesen Hirten vorstellen. Vor allem im vergangenen Jahrhundert gab es unzählige Variationen, wie Jesus als Hirte dargestellt wurde. Aber immer eben mit ihm, also Jesus, und einem Schaf: ob das bei Jesus über die Schultern gelegt ist oder ob es sich vertrauensvoll an seine Beine schmiegt.
Aber ist das nicht ein Bild, das gar nicht mehr in unsere Zeit passt? Wo gibt es noch Hirten, die mit ihren Tieren wirklich auf Wiesen unterwegs sind? Und wollen sich aufgeklärte Menschen im 21. Jahrhundert denn wirklich zu Schafen erklären, die hinter einem Hirten hertrotten, ohne zu denken?

Trotzdem ist das Bild von Jesus als dem Hirten das bekannteste und nach wie vor das populärste Bild, das die Menschen von Jesus und von Gott haben. Es hat in meinen Konfirmanden-Jahrgängen keinen einzigen gegeben, in dem nicht wenigsten eine/r der Jugendlichen den Anfangsvers von Psalm 23 als Konfirmationsspruch gewählt hat. Ich bin überzeugt: nicht nur, weil sich der eine Satz so einfach merken lässt: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ Und auch bei den meisten Erwachsenen ist dieser Vers und damit das Bild von Jesus als dem guten Hirten absolut präsent.

Diese alle wollen sich bestimmt nicht einfach so zu Schafen machen, die angeblich keine eigene Meinung haben, die nicht denken können, die nur blöde durch die Gegend blöken – bloß weil das Bild in der Bibel so schön ist.

Der Schlüssel zu einem hilfreichen Verständnis ist die Klarheit darüber, um wen es in diesem Bild wirklich geht. Also: Was die Perspektive ist, mit der das Bild betrachtet wird. Da stellen wir fest: Es geht nicht um die Schafe und damit darum, die Menschen zu beschreiben. Es geht um Gott (im Psalm 23) und es geht um Jesus (zum Beispiel im Johannesevangelium und im 1. Petrusbrief). Es geht in diesem Bild nicht darum, die Menschen zu Schafen zu machen. Es geht darum, wer Jesus für mich ist und wie Jesus zu mir steht.

Im ersten Petrus-Brief stellt der Schreiber dem Hirten ein zweites Wort an die Seite. Die Gemeindeglieder haben sich zu Jesus hin umgewendet, der Hirte und Bischof ist. Gemeint ist in diesem Brief kein Leiter einer evangelischen Landeskirche oder eines katholischen Bistums. Bischöfe waren in der Anfangszeit des Christentums zusammen mit anderen Ältesten die örtlichen Gemeindeleiter. Ein Bischof war zuerst auch nicht der Chef der Gemeinde. Es war ein Amt neben anderen.

„Bischof“ ist die Übersetzung des griechischen Wortes „Episkopos“. Es heißt einfach „Aufseher“. Gemeint ist natürlich kein Sklavenaufseher. Gemeint ist ein Mensch, der sich um mich sorgt und kümmert, der mich mit meinen Sorgen und Nöten und mit meiner Freude wahrnimmt. „Einen Bischof zu haben heißt, einen zu haben, der auf mich sieht.“ So heißt es in einer frühen urchristlichen Schrift. So wird in der wörtlichen Übersetzung des Wortes sichtbar, was die Aufgabe eines Bischofs war: Seelsorger sein; eine/r, der auf mich sieht – mit ganz liebevollem Blick. Das tut ein Bischof. Für finanzielle Dinge und für die Organisation gab es in der Gemeinde andere: Ämter und Menschen.

Seelsorge – das ist es, was aus meiner Sicht das Bild von Gott und Jesus als Hirten so populär und zeitlos macht, dass es auch für moderne Menschen annehmbar ist. Da sorgt sich jemand um meine Seele, also um mich. Das wollen wir alle: liebevoll angesehen und verstanden werden; einen haben, wo wir uns geborgen fühlen und deshalb anlehnen können.

Die Sehnsucht der Menschen nach „Herz“ – gerade in diesen Tagen und Wochen ist sie besonders groß. Denn es ist uns deutlich geworden: Für Essen und Trinken ist zwar gesorgt, aber die (körperliche) Nähe und die Zuwendung, die wir als Menschen ebenso brauchen wie Essen und Trinken, fehlen ganz vielen Menschen.

Misericordias Domini – Der Psalmvers, aus dem die beiden lateinischen Worte stammen, lautet: „Die Erde ist voll der Barmherzigkeit des HERRN.“ (Psalm 33,5b) Ja, darum geht es: die Barmherzigkeit Gottes ist in dieser Welt zu finden, auch wenn es hier oft genug ganz unbarmherzig zugeht. Aber gerade denen, die „arm“ (die arm dran) sind, wendet sich Gott in Jesus Christus mit seinem Herzen und damit mit seiner ganzen Liebe zu.

Deshalb trägt der Sonntag neben dem Namen „Sonntag vom guten Hirten“ auch immer noch den altkirchlichen Namen „Misericordias Domini“ – die „Barmherzigkeit des Herrn“.
Und wir als Nachfolger Jesu Christi sind aufgerufen, diesem Vorbild nachzufolgen und nachzueifern und Barmherzigkeit in dieser Welt erfahrbar werden zu lassen: den Armen unser Herz zu schenken.

Möge es uns gelingen: heute und jeden Tag – in der Gewissheit, dass Gottes Barmherzigkeit und Liebe für uns auch jeden Tag neu ist. Amen.