Predigt am 5. Februar 2017

Predigt-Icon5Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen.

Liebe Gemeinde!
Er hatte schon lange nichts mehr von ihm gehört: dem besten Freund seines Vaters. Er hatte überhaupt lange nicht mehr an das gedacht, was gewesen war: wie er wie durch ein Wunder nach seiner Geburt den Säuberungsaktionen des Regimes entkommen war und dann grotesker Weise im innersten Machtzentrum der Diktatur aufgewachsen war; wie er das Leid und die Unterdrückung seiner Leute angesehen hatte und wusste, dass sie etwas besserer verdient hatten als diese Knechtschaft; wie er sich trotz Geheimpolizei mit allen Mitteln für sie eingesetzt hatte – sogar bis dahin, dass er zur Waffe gegriffen und einen der schlimmsten Peiniger getötet hatte; wie er die Flucht ergriffen und ins Exil gegangen war. Das alles lag nun schon lange hinter ihm, er hatte ein neues Leben angefangen, geheiratet und Kinder bekommen.

Nun war er mit dem Motorrad unterwegs durch die Wüste, als sein Blick von der schnurgeraden Straße abgelenkt wurde. Da brannte etwas, aber anders als sonst eines der vielen Buschfeuer. Seine Neugierde ist geweckt. Er bog vom Weg ab und fuhr die kurze Strecke durchs offene Gelände. Am Brandherd angekommen stellte er seine Maschine ab und staunte: da brannte einer von diesen unangenehm stachligen Büschen, an denen man sich sämtliche Kleidung kaputtreißen konnte; aber dieser Busch verbrannte nicht. Und dann klingelte sein Mobiltelefon – unterdrückte Nummer, wer konnte das sein? Zum zweiten Mal, der ließ nicht locker. Also gut. „Mosche!“ Hörte er eine Stimme. Und noch einmal: „Mosche!“ Vage bekannt schien ihm die Stimme. „Ja. Hier bin ich,“ antwortete er.

Und er spürte sich plötzlich mit einer anderen Wirklichkeit verbunden. Der Ort, wo er war, wo dieser brennende Busch war, der war anders als die anderen Orte. So faszinierend der war, näher heran wollte er unter keinen Umständen. Er sah sich um – niemand zu sehen, auf Kilometer. Er legte die schweren Motorradstiefel ab, das schien ihm passend, ebenso den Helm und die Jacke. Verletzlich fühlte er sich und wollte es auch sein und offen.

Und der andere sprach weiter: „Ich bin der beste Freund deines Vaters; der beste Freund deiner großen Familie, der Euch schon seit Generationen begleitet.“ Ja – er hatte schon lange nichts mehr von ihm gehört: dem besten Freund seines Vaters. Erst recht nicht hier im Exil. Aber es machte doch einen tiefen Eindruck auf ihn, wie er an dieser Stelle, mitten im Nirgendwo, von diesem Freund angerufen, angesprochen wurde. Hatte es hier überhaupt echten Empfang gegeben? Aber das war nicht weiter wichtig. Er war angesprochen, ganz direkt; ob über sein Mobiltelefon oder irgendwie anders – das war egal. Plötzlich war ihm vielmehr klar, dass sich hier etwas ganz Grundlegendes ereignen würde, denn immer, wenn die Familie mit diesem Freund zu tun gehabt hatte, veränderte sich das Leben. Plötzlich war ihm klar, dass dieser Freund nicht nur in den alten Geschichten seiner Familie eine Rolle spielte, die ohne Auswirkungen für die Gegenwart wären; dass dieser Freund aber anders herum nicht nur gerade jetzt zu ihm sprach, sondern dass sie eine lange Geschichte verband, eine Geschichte, die diesen Freund wiedererkannbar und unverwechselbar machte.

So verharrte er. Fühlte, wie nah der Freund war und wie gut das tat, wie brennend die Liebe des Freundes sein musste; er spürte zugleich aber auch die unermessliche Distanz, die es zwischen ihnen gab, die ihm zeigte, dieser Freund stand über den Dingen dieser Welt, hatte sie gewissermaßen in der Hand und deshalb verbrannte der Busch – das Zeichen seiner Gegenwart – nicht.

Und wieder hörte er die Stimme, die zu ihm sprach: „Ich habe die Unterdrückung und das Elend meiner Leute, deiner Verwandten in der Diktatur gesehen, ich habe ihr Geschrei über die Unterdrückung gehört, ich habe ihr Leiden nicht nur wahrgenommen, ihr Leiden ist mein Leiden geworden.“

Da hatte er wieder die Bilder vor Augen, die ihn zu seiner Untat verführt hatten: die Drangsalierung der Menschen; diejenigen, die versucht hatten, sich vor der Armut zu retten und auf Hilfe gehofft hatten; diejenigen, die unter dem Terror und Krieg von Staaten zu leiden hatten und Schutz suchten. Er hatte die zur Hilfe willigen offenen Hände vor Augen. Er sah aber auch, wie das bisherige System sich durch Mauern abzuschotten versuchte: durch Mauern an den Grenzen und vor allem durch Mauern in den Köpfen.

Wieder die Stimme des Freundes: „Auch wenn ich so ganz anders bin, komme ich, um meine Menschen aus der Sklaverei zu befreien und sie aus den Tiefen der Unterdrückung hinauf in ein Leben der Freiheit zu führen. Wie ein wunderbares weites und offenes Land soll das Leben sein.“

Er hatte schon lange nichts mehr von ihm gehört: dem besten Freund seines Vaters. Kannte er ihn überhaupt einigermaßen? Die Worte, die er eben gehört hatte, gaben ihm eine Ahnung, wie dieser Freund wirklich war: Er sah das Elend, hörte das Geschrei, erkannte das Leiden. Das war weit mehr, als nur ein „Ich nehme das zur Kenntnis“ aus der Chefetage; das war Anteilnahme im besten Sinn des Wortes: Teil nehmen – nahe kommen über alle Entfernung hinweg.

Hatten die in der Sklaverei sich direkt an ihn gewandt? Wohl kaum. Stöhnen und Schreien, das ja, aber diesen besonderen Freund seines Vaters hatte sie wohl nicht im Blick gehabt. Trotzdem hatte er sie wahrgenommen, hatte er sich ihres Rufens angenommen.

Wieder die Stimme des Freundes: „Weil das so ist mit all dem Elend und der Unterdrückung, brauche ich dich. Denn du wirst diese Leute aus der Sklaverei in das Land der Freiheit führen.“ In dem Moment war er hellwach. Mit seiner ganzen Geschichte vor Augen war ihm klar: Das war ein Missverständnis. Er? das konnte nicht sein!

Die Antwort des Freundes war eindeutig und ging auf seinen Einwand gar nicht ein: „Ich will mit dir sein. Du wirst dich schon daran erinnern, wenn du deinen Auftrag ausgeführt hast.“
Er wagte noch einen Versuch: „Wenn ich zurückgehe, und meine Botschaft ausrichte – dass sie in die Freiheit gehen sollen, weil du, der beste Freund unserer großen Familie, der uns seit Generationen begleitet, es so gesagt hast: Welchen Namen soll ich ihnen denn dann sagen, wenn sie fragen?“ Die Stimme antwortete: „Mach dir keine Sorgen. Mein Name ist Programm, denn er heißt: »Ich bin da«; du kannst ihnen auch sagen: »Ich werde für euch da sein.« Das trifft es ebenso, ist der gleiche Name. Und ich zeige euch damit, dass ihr zuversichtlich in die Zukunft sehen könnt. Aber so sicher ich da sein werde: Weil ich so anders bin, werdet ihr mich nie ganz erfassen können, werdet ihr nie sagen können: »Ich habe ihn. Jetzt habe ich ihn so fest, dass er mir gehört.« Ich bin immer noch anders als eure Vorstellung, damit ich allen gerecht werden kann. Aber: Ich bin da. Immer.“

Schließlich erlosch das Feuer und er schüttelte sich. Ja – es war echt und real gewesen, was er da erlebt hatte. Gott, der beste Freund seines Vaters und seiner Vorväter und -Mütter hatte mit ihm gesprochen und ihm einen geradezu unglaublichen Auftrag gegeben. Das musste er erst einmal sacken lassen, setzte sich auf sein Motorrad, startete die Maschine, um wieder auf die schnurgerade Straße einzubiegen, dieses Mal in die Richtung nach dem Ort, den er für einige Zeit sein Zuhause genannt hatte und von dem aus er jetzt wohl aufbrechen würde.

Und mit jedem Kilometer, den er fuhr, wurde ihm immer deutlicher: Er würde diesen Auftrag annehmen, trotz aller Berge, die sich vor ihm auftürmen wollten; so verrückt es sich auch im ersten Moment anhören würde, er würde in seine Heimat zurückkehren und anfangen. Denn auch jedes andere Argument gegen diese Aufgabe: »Wer bin ich, dass ich …« oder »Ich bin nicht geeignet, weil ich einen Sprachfehler habe« – jedes Argument würde beantwortet und entkräftet werden. Wieder spürte er: Der Name dieses Gottes war auch sein Programm: Er war da – auch mit ihm.
Dieser Gott wollte nicht einfach die Dinge alleine regeln. Er beteiligte immer wieder neu Menschen an seinem Befreiungswerk; er konnte sich jeden aussuchen und ihn ansprechen – jede und jeden einzelnen; nicht wie bei ihm durch einen brennenden Dornbusch, sondern auf eine jeweils ganz andere Art, wie es für ihn oder sie nötig war. So flog die Straße unter ihm hin und je länger er unterwegs war, desto mehr wusste er sich für seinen Auftrag trotz aller Unsicherheiten gestärkt und vorbereitet.

Liebe Gemeinde! So könnte in modernen Bildern und mit Gedanken aus unserer Zeit die Geschichte von der Berufung des Mose erzählt werden, wie sie vor hunderten von Jahren im 3. Kapitel des Buches Exodus, des 2. Buches Mose aufgeschrieben wurde. Hier das Original, in dem Sie bestimmt manches wiederentdecken: 2. Mose 3,1-14.

Autor: PaToWi

Ich darf mein Leben frei gestalten unter dem liebenden Blick Gottes. Ist das nicht Grund genug auf IHN zu hören und mir von IHM den Weg weisen zu lassen?

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