Predigt zum Fest Trinitatis am 30. Juni 2021 zu Johannes 3,1-8

„Wer, wie, was? Wieso, weshalb, warum?“ Das Titellied der Sesamstraße bringt nicht nur die Fragen der Kinder auf den Punkt. Wie vieles gibt es in unserem Leben, das wir nicht verstehen! Wie vieles bleibt uns rätselhaft! Menschen suchen Lösungen für unsere Fragen, Lösungen für die Rätsel, die uns alle beschäftigen.

In diesen Tagen war und ist die große Frage, wie die Coronapandemie in den Griff zu bekommen ist. Weltweit haben unzählige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sich dieses Rätsels angenommen und inzwischen mit ihren Impfstoffen einen Teil dieses Rätsels gelöst. Einen Teil – denn es bleibt noch viel zu tun.

So führt der Forschergeist der Menschen dazu, dass bei Krankheiten geholfen werden kann, gegen die früher noch nicht einmal ein Kraut gewachsen war. Und so ist das auch in vielen anderen Bereichen unseres Lebens, wo Forscherinnen und Tüftler die Rätsel gelöst haben, aus denen unsere Welt besteht: vom ganz kleinen in den Atomen bis zur Entstehung des Universums im Großen.

Neben den Rätseln dieser Welt, die wir mit mehr oder weniger viel Denken und Forschen lösen können, gibt es aber noch anders, was mit diesen wissenschaftlichen Methoden nicht wirklich zu erfassen ist. Ich habe das vor Augen, was kein Rätsel, sondern ein Geheimnis ist. Geheimnisse können nämlich nicht erforscht werden. An Geheimnissen bekommen wir Anteil, sie werden uns eröffnet.

„Mama, Papa, ich verrate euch ein Geheimnis!“ Dieses Geheimnis eines kleinen Kindes wird kein Wissenschaftler erfahren, nur die Eltern werden mit in dieses Geheimnis hinein genommen.
„Ich liebe dich!“ – Warum ein Mensch den anderen liebt – das bleibt ein Geheimnis. Das wissen die beiden oft genug selbst nicht. Sie haben es aber für sich entdeckt, sie haben sich füreinander geöffnet und sich Anteil aneinander gegeben.

Wie die Liebe zwischen zwei Menschen ein Geheimnis ist, so ist auch das ein Geheimnis, was wir Gott nennen. Das hat Nikodemus gespürt. Von seinem Gespräch mit Jesus haben wir eben gehört. Nikodemus erhofft sich von Jeus Klarheit darüber, wie das mit Gott und mit Jesus ist. Und er kommt in der Nacht, also zu einer Tageszeit, die für das Geheimnisvolle in unserem Leben reserviert ist.

Nikodemus hat das Sichtbare vor Augen: Was Jesus tut und wie er es tut. Jesus sagt ihm: „Solange du mit deinen menschlichen Augen auf das siehst, was ich tue, wirst du nicht weiter kommen. Denn die Sache mit Gott ist ein Geheimnis. Dafür musst du neu geboren werden.“
Neu geboren werden, das heißt: Anteil bekommen und hinein genommen werden in dieses Geheimnis von Gott. Und wie bei der Liebe auch, besteht das Geheimnis, das wir Gott nennen, aus Beziehung. Der Anfang dieser Beziehung ist die Taufe: durch Wasser und Geist. In ihr nimmt uns Gott hinein in sein geheimnisvolles Wesen, in der Taufe gibt uns Gott Anteil an sich selbst.

Anteil an sich selbst: Wir können in Zeichen und Bildern von diesem Geheimnis sprechen: mit der Pseudo-Rechenformel „1 plus 1 plus 1 ist gleich 1“; mit Zeitbegriffen wie „gestern – heute – morgen“; oder mit Zustandsbeschreibungen wie „Eis – Wasser – Dampf“. Die Theologie kann ganz vieles über den Glauben sagen und darüber, wie wir Gott denken können. Aber was und wie Gott wirklich ist, das lässt sich wissenschaftlich nicht fassen.

Schon Jesus erklärt es Nikodemus mit einem Bild: So sehr wir den Wind spüren können, so wenig ist er zu fangen und zu fassen. So wenig der Geist Gottes machbar und verfügbar ist, so sehr können wir aber sehen, was aus ihm erwächst: Angst schwindet und Freude zieht ein, Menschen überwinden Grenzen und finden zueinander.

„Was vom Menschen geboren wird, ist ein Menschenkind. Was vom Geist geboren wird, ist ein Kind des Geistes.“ Jesus sagt uns mit diesen Worten: So schwer es sein mag, dass wir nicht genau sagen können, wie das mit Gott als Vater und Sohn und Geist ist, so schön ist es, dass Gott uns in dieses Geheimnis eröffnet und uns in dieses Geheimnis hinein nehmen will.

Lassen wir Gottes Geist wehen und in uns wirken; lassen wir Jesus nahe an uns herankommen in den Menschen, die er uns an die Seite stellt; lassen wir den Schöpfer unser Leben tragen. Lassen wir uns so hineinnehmen in Gottes Geheimnis und so sein Reich sehen und erfahren. Amen.

Veröffentlicht von PaToWi

Ich darf mein Leben frei gestalten unter dem liebenden Blick Gottes. Ist das nicht Grund genug auf IHN zu hören und mir von IHM den Weg weisen zu lassen?

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