Monat: Oktober 2025

  • Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen.

    Liebe Geschwister in Christus!
    Eine Abendgesellschaft; bevor es zum Essen geht, steht man zusammen und unterhält sich mit einem Glas Sekt in der Hand. Und es trifft sich, dass man neue Menschen kennenlernt. Es wird erzählt: Woher man kommt und was man so macht. Das ist die Situation, die in einer Karikatur von Thomas Plaßmann dargestellt wird. Der Protagonist steht da, als ob er in eine saure Zitrone gebissen hätte. Denn die Frage, die ihm gestellt wird, lässt ihn erschaudern: „Christ?! Ach, interessant? Und was macht man da so?“ Ein Wort hatte das andere ergeben und in der angeregten Unterhaltung hatte er sich wohl zu seinem Christsein bekannt. Und dann diese Frage: „Christ?! Ach, interessant? Und was macht man da so?“

    „Christ?! Ach, interessant? Und was macht man da so?“ Karrikatur von Thomas Plaßmann
    © Thomas Plaßmann

    Fast hört es sich in dieser Situation an, als ob nach dem Beruf oder Hobby gefragt wird. Darin sind wir alle geübt: Über unseren Beruf zu erzählen, wie wichtig der ist und was ihn ausmacht. Ganz ähnlich ist es bei unseren Hobbys: Was jemand bei der freiwilligen Feuerwehr macht, lässt sich ebenso gut beschreiben, wie die Trainingseinheiten beim Handball und Fußball; was eine Briefmarkensammlerin tut und was eine Reiterin – alles lässt sich wunderbar erklären; wie bei so vielen anderen Hobbys auch. Und je spezieller ein Hobby ist, desto faszinierender mag es sein, sich von einer Fachfrau oder einem Fachmann das jeweilige Wissensfeld erklären zu lassen.

    „Christ?! Ach, interessant? Und was macht man da so?“ – Ja, was mache ich als Christ denn so? Erster Impuls: »Von wegen Hobby! Natürlich ist Christsein kein Hobby, das man in der Freizeit betreibt und wenn man mal keine Zeit hat, geht man halt nicht hin – wie beim Training oder der wöchentlichen Vereinsversammlung.« Zweiter Impuls: Richtigkeiten verbreiten, die jeder kennt! »Christsein ist etwas, das das ganze Leben umfasst, keine nur oberflächliche Einstellung. Ich glaube: an Gott, an Jesus Christus, wie ihn uns die Heilige Schrift verkündigt, an den Heiligen Geist. Ich gehe zur Kirche, zahle meine Kirchensteuer. Ich bete: nicht nur im Gottesdienst, sondern auch zwischendurch – vielleicht sogar ganz regelmäßig morgens und abends.«

    Um dann nach diesen ersten Impulsen zu entdecken: Die Frage danach, was man als Christ so macht, ist damit nicht wirklich beantwortet. Ja, um es neutral zu sagen: Christsein ist natürlich zuallererst eine Haltung. Aber was sind dann konkrete christliche Handlungen? Was ist christlicher Glaube außer dem „Du zu du mit Gott“?

    Perspektivwechsel: „Christ?! Ach, interessant? Und was machst du da so?“ Diesmal ist es Gott, der mich nach meinem Christsein fragt. Wie stehe ich dann da? Was will, was kann ich sagen? Bin ich vielleicht so mutig, wie der junge Mann, von dem wir in der Schriftlesung gehört haben: der von sich aus tiefster Überzeugung sagen kann, dass er alle Gebote gehalten hat – sogar von Jugend auf? Und der doch nicht in den Himmel kommt? Ich traue mich bestimmt nicht, mich so vollmundig ins beste Licht zu rücken. Gott weiß um meine Schwierigkeiten im Halten der Gebote, um meine Lücken und dunklen Flecke in meinem Leben. Da brauche ich ihm nichts vorzumachen. Und trotzdem bleibt die Frage offen: „Du bist Christ? Und was machst du da so?“ Wie stehe ich da vor Gott? Bin ich ihm recht?

    Wie oft haben sich Christinnen und Christen im Lauf der letzten 2000 Jahre diese Frage gestellt: „Wie stehe ich da vor Gott? Bin ich ihm recht?“ Und: „Bin ich für ihn gut genug, dass er mich auch annimmt?“ Ja! So haben Paulus und Martin Luther und viele andere das immer wieder betont: „Ja, du bist Gott recht, er nimmt dich an, so wie du bist: mit deinem Glauben-Wollen und deinem immer wieder Nicht-Glauben-Können. Das ist es, was dir in der Taufe zugesagt ist: Ja, du bist Gott recht!“

    Und trotzdem bleibt die Herausforderung, zu sagen, was Christsein in das alltägliche Handeln übersetzt bedeutet. Welchen Zusammenhang es gibt zwischen dem Glauben, also dem Vertrauensverhältnis zwischen mir und Gott auf der einen Seite und meinem Handeln im Alltag der Welt auf der anderen Seite? Aus der ganz frühen Zeit des Christentums gibt es dazu einen Abschnitt zu lesen, der uns heute als Predigttext aufgegeben ist. Im Brief, der dem Apostel Jakobus zugeschrieben wird, heißt es im 2. Kapitel in der „Neuen Genfer Übersetzung“:

    14 Was nützt es, meine Geschwister, wenn jemand behauptet: »Ich glaube«, aber er hat keine entsprechenden Taten vorzuweisen? Kann der Glaube als solcher ihn retten? 15 Angenommen, ein Bruder oder eine Schwester haben nicht genügend anzuziehen, und es fehlt ihnen an dem, was sie täglich zum Essen brauchen. 16 Wenn nun jemand von euch zu ihnen sagt: »Ich wünsche euch alles Gute! Hoffentlich bekommt ihr warme Kleider und könnt euch satt essen!«, aber ihr gebt ihnen nicht, was sie zum Leben brauchen – was nützt ihnen das?
    17 Genauso ist es mit dem Glauben: Wenn er keine Taten vorzuweisen hat, ist er tot; er ist tot, weil er ohne Auswirkungen bleibt.
    18 Vielleicht hält mir jemand entgegen: »Der eine hat eben den Glauben und der andere die Taten.« Wirklich? Wie willst du mir denn deinen Glauben beweisen, wenn die entsprechenden Taten fehlen? Ich dagegen kann dir meinen Glauben anhand von dem beweisen, was ich tue. 19 Du glaubst, dass es nur einen Gott gibt? Schön und gut! Aber auch die Dämonen glauben das – und zittern!
    20 Willst du denn nicht begreifen, du unverständiger Mensch, dass der Glaube ohne Taten nutzlos ist? 21 Wurde nicht unser Vater Abraham aufgrund seines Tuns für gerecht erklärt? Er wurde für gerecht erklärt, weil er seinen Sohn Isaak auf den Altar legte, um ihn Gott als Opfer darzubringen. 22 Daran siehst du, dass sein Glaube mit seinen Taten zusammenwirkte; erst durch seine Taten wurde sein Glaube vollkommen. 23 Und erst damit zeigte sich die volle Bedeutung dessen, was die Schrift sagt: »Abraham glaubte Gott, und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet«; ja, er wurde sogar »Freund Gottes« genannt.
    24 Ihr seht also, dass der Glaube allein nicht genügt; ein Mensch wird nur dann von Gott für gerecht erklärt, wenn sein Glaube auch Taten hervorbringt. 25 War es bei der Prostituierten Rahab nicht ebenso? Auch sie wurde aufgrund ihrer Taten für gerecht erklärt, denn sie nahm die israelitischen Boten gastfreundlich bei sich auf und half ihnen, auf einem geheimen Weg aus der Stadt zu fliehen. 26 Genauso nämlich, wie der Körper ohne den Geist ein toter Körper ist, ist auch der Glaube ohne Taten ein toter Glaube.

    Ihr Lieben!
    So weit der Abschnitt aus dem Jakobusbrief, dessen Schreiber so oft und so oft mutwillig missverstanden worden ist: Als ob die Taten, das Handeln im Alltag der Welt für Christinnen und Christen die Voraussetzung für den Glauben und damit für die Annahme bei Gott wären. Aber das ist nicht so! Glauben und christliches Handeln sind die berühmte zwei Seiten der einen Medaille. Es geht das eine nicht ohne das andere. Oder mit den Worten des Jakobus: Wo die Hinwendung zu den Menschen fehlt, ist der Glaube tot.

    Das hatte schon Jesus so formuliert, als er auf die Frage nach dem höchsten Gebot, dem der Sonntag heute gewidmet ist, geantwortet hat: »Das höchste Gebot ist das: „Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft“. Das andre ist dies: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“. Es ist kein anderes Gebot größer als diese.« – Und der Apostel Paulus hat in seinem Brief an die Gemeinde in Ephesus über diejenigen, die von sich sagen, sie verkünden das Wort Gottes, gesagt: „An ihren Früchten werde ihr sie erkennen.“ Das ist unsere Aufgabe, denn wir alle sind durch unsere Taufe dazu berufen, das Evangelium zu verkünden – in Worten und Taten!

    Messen lassen müssen sich unsere Taten dann immer an dem, was im Sinn Jesu das Gute ist: an der Liebe zu Gott und zu den Menschen, die Gott uns zu unseren Nächsten macht. Unsere Taten sind aber nie die Voraussetzung dafür, dass Gott uns seine Liebe schenkt, sondern die Folge dieser Liebe. „Christ?! Ach, interessant? Und was macht man da so?“ – Lasst es uns herausfinden, lasst es uns leben und lasst unsere Taten dabei die Folge der Liebe sein, die Gott uns schenkt! Amen.

  • Predigt am 15. Sonntag nach Trinitatis über 1. Petrus 5,5b-11

    Der Predigttext 1. Petrus 5,5b-11 wurde zuvor als Schriftlesung gelesen.

    Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen.

    Liebe Geschwister in Christus!
    Es ist eines der eindrücklichsten Bilder, die in der Bibel vorkommen: der brüllende Löwe. Wer einmal einen Löwen live und in Farbe gesehen und seine Stimme gehört hat, wird das bestätigen können. Und wer die Nachrichten in der vergangenen Woche verfolgt hat, konnte da einen ganz besonderen Löwen brüllen hören: mit blonder Mähne in einer riesigen Halle und er brüllte fast vier Mal so lange, wie es ihm zugestanden hätte; Löwen kümmern die Regeln für andere Tiere anscheinend nicht. Doch davon später!

    Vorher würde ich gerne wissen, bei wem sich bei dem Wort Demut ein gewisses Unbehagen eingeschlichen hat. Dieses Wort hat in unserer Zeit einen schlechten Ruf. Denn es steht in der Gegenwart ganz oft für eine schlaffe Haltung ohne Rückgrat, ohne eigenen Willen und vor allem ohne alle Macht. Und so wollen wir uns natürlich nicht sehen: nicht 3 cm mit Hut.

    Ich hoffe, Ihr habt trotzdem nicht aufgehört, auf den weiteren Text zu hören. Denn der ist es wirklich wert! Und Demut im Sinn von Kadavergehorsam und sklavische Ergebenheit wird diesem Wort einfach nicht gerecht; es ist schlicht falsch, auch wenn leider auch in der Kirche diese Stelle und andere Stellen dazu missbraucht wurden, Menschen klein und unselbstständig zu halten. Aber: Warum sollte sonst in Demut das Wort „Mut“ stecken.

    Ich frage also noch einmal nach der „Demut“, besser nach ihrem Gegenteil: Was ist das Gegenteil von Demut? – Richtig, auch im Text wird ein Gegenteil genannt: Hochmut. Und Hochmut im Blick auf unser Verhältnis zu Gott bedeutet: „Ich meine, in meinem Leben alles aus eigener Kraft schaffen zu können.“ Vom Erwachsenwerden bis zur eigenen Kindererziehung, von der Schule bis zur führenden Stellung im Beruf, vom Gesundbleiben bis zum richtigen Älterwerden; und so weiter. Wer allerdings so durch das Leben geht, wird feststellen, dass der Hochmut, alles aus eigener Kraft und Macht schaffen zu können meistens vor dem tiefen Fall kommt. „Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.“, schreibt der Apostel.

    Es gibt aber noch ein weiteres Gegenteil von „Demut“ – wenn ihr so wollt, genau in die andere Richtung. Und da sind wir bei der falsch verstandenen Bedeutung von Demut. Demütig sein ist das genaue Gegenteil von „unterwürfig sein“.

    Ich meine nicht, dass Menschen stolz zu sein hätten, damit wären wir schon wieder beim Hochmut. Ich meine aber, dass wir uns durchaus ein gewisses Selbstbewusstsein zu eigen machen dürfen. Der Schreiber des ersten Johannesbriefes schreibt uns, dass wir uns nicht nur Gottes Kinder nennen dürfen, sondern es tatsächlich auch sind! Wie wunderbar ist das denn! Gottes Kinder, nicht seine Sklaven, die er nach Belieben herumscheuchen kann; Gottes Kinder, ja sogar seine Erben, wie es Paulus schreibt. Das ist der Stand, in den wir durch unsere Taufe erhoben werden!

    Ja, der Apostel fordert uns auf, uns unter Gottes Hand zu demütigen. Wir sollen es tun, wie Kinder sich ihren Eltern anvertrauen, weil sie wissen: Meine Eltern sorgen für mich; bei ihnen bin ich in Sicherheit, ohne dass ich aufhöre, ein eigener Menschen mit meiner eigenen Würde zu sein! Und wie meine Eltern mich „groß machen“ – wie es hier in Ostwestfalen so schön heißt –, damit ich irgendwann selbstständig mein Leben gestalten kann, so wird auch Gott mich groß machen und erhöhen.

    Es wird in meinem Leben auch immer wieder andere geben, die von mir verlangen, dass ich mich ihnen unterstelle, die über mich Macht ausüben wollen und mich für ihre Zwecke benutzen wollen. Es geht da nicht einfach um eine Rangordnung im Gefüge eines Dienstverhältnisses. Im alltäglichen Leben muss geleitet werden und es müssen die Richtlinien der Leitung befolgt werden. Aber so etwas darf nie zu einem absoluten Abhängigkeitsverhältnis führen. Die Frage ist wie so oft: Wem gebe ich Macht und Herrschaft über mich – Gott oder denen, die mich nur benutzen wollen, um ihre eigenen Ziele zu erreichen. Meine Entscheidung ist da klar: Niemand soll absolute Macht über mich haben, als nur Gott!

    Demut Gott gegenüber heißt, mich ihm unterstellen und seine Macht über mich anerkennen und damit aufrecht und selbstbewusst allen anderen gegenüber dastehen, die irgendwelche Machtansprüche an mich stellen könnten. Und wie wichtig ist das, dass wir Kinder Gottes sind und so ein gesundes Selbstbewusstsein haben dürfen! Denn: „der Teufel geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge!“

    So geht es in unserem Text weiter und wir sind damit wieder bei dem Löwen, der in der UN-Vollversammlung gebrüllt hat. Auch hier muss ich einmal ganz schnell eine sprachliche Sache klären: Im griechischen Text steht für das Wort Teufel „Diabolos“. Und wenn man dieses Wort Stück für Stück ins Deutsche übersetzt ist es der „Durcheinanderwerfer“. Der Teufel ist keine Fantasiefigur mit Hörnern und Schwefelgeruch, wie er in früheren Jahrhunderten so gerne vorgestellt wurde. Der Teufel ist der, der die lebenserhaltende Ordnung zerstört, in dem er alles durcheinanderbringt. Und wenn wir uns umsehen, werden wir feststellen: Ganz vieles von dem, was wir einmal als sicher und feststehend geglaubt haben, ist ins Wanken geraten; Menschen sind verunsichert, weil plötzlich einer die Friedensordnung Europas durcheinander bringt und ohne Grund ein Land angreift; weil plötzlich sich ein Regierungschef mit Verordnungen über geltendes Recht hinwegsetzt und die Menschenwürde von nicht weißen Menschen mit Füßen zu treten scheint.

    Der Teufel mag aber auch auf ganz andere Weise unser Leben aus dem Gleichgewicht bringen: Wenn Partnerschaften auseinanderbrechen; wenn Krankheiten den eigenen Lebensentwurf zum Einstürzen bringen wie einen Turm aus Bauklötzen, der nur eben angetippt wurde; wenn plötzliche Arbeitslosigkeit einem den wirtschaftlichen Boden unter den Füßen wegzieht.

    Dem Diabolos, dem Durcheinanderwerfer, der alles ins Chaos stürzt, sollen wir widerstehen. Wie das geht? Auch dazu schriebt uns der Apostel etwas: Fest im Glauben sollen wir sein. Also: Stark sein sollen wir im Vertrauen auf Gott, widerstandsfähig gegen Anfeindungen, weil wir uns von Gottes Macht getragen und gehalten wissen. „Fest im Glauben“ heißt nicht, dass zeitlich bedingte Lehrsätze des Glaubens einbetoniert gültig sein müssen. Es heißt, dass unser Vertrauen in Gott und seine Fürsorge für uns ein Gegengewicht zu dem Chaos sein müssen, das der Diabolos angerichtet hat und weiter anrichtet.

    In unserer Taufe werden wir zu solchen Leuten berufen, die eben so sind: standhaft und gefestigt, dem Bösen gegenüber. Dieses Vertrauen, dieser feste Glauben ist aber nicht einfach so plötzlich da. Wir müssen dieses Vertrauen lernen. Nicht wie Vokabeln oder mathematische Formeln in der Schule. Wir brauchen Menschen, die uns das beibringen, indem sie uns das vorleben, indem sie uns Anteil an ihrem eigenen Vertrauen zu Gott geben. Eltern und Paten, die anderen Glieder der Gemeinde können solche Menschen sein.

    Und es heißt auch nicht, dass ein solches Leben, wie es uns der Apostel als so gut anpreist, von ganz allein und einfach so funktioniert. Der Diabolos ist eine reale Kraft, die uns immer wieder in Bedrängnis führen wird. Vielleicht wird sogar ein großer Teil unseres Lebens von diesem Widerstand gegen den Diabolos geprägt sein. Für viele wird es nur ein kleiner Trost sein, wenn sie wissen: Du bist mit deinem Kampf gegen das Chaos nicht allein, vielen von deinen Geschwistern im Glauben geht es ebenso. Aber alleine das Wissen, mit diesem Kampf nicht allein zu sein, wird helfen, den Blick zu weiten und mit der Frage nach dem „Warum ich?“ umgehen zu lernen. Der Apostel erinnert uns: „Du bist mit deinem Kampf nicht alleine; anderen geht es ebenso und diese Gemeinschaft trägt dich mit.“

    Und so groß, ja riesig dir deine Aufgabe in deinem Kampf auch scheinen mag, ist sie doch begrenzt. Der Apostel schreibt von einer kleinen Zeit, die diese Bedrängnis dauert. So groß das Leid auch für mich ist, es ist nicht unfassbar, es ist auch handhabbar. Der Grund dafür liegt in der Zusage, in dem Versprechen, das den Adressaten und damit auch uns vom Schreiber des Briefes gesagt ist: Gerade in der Situation der Bedrängnis wird Gott da sein und uns das geben, was wir brauchen: Er wird uns aufrichten, stärken, kräftigen und gründen!

    Das ist keine Vertröstung auf ein besseres „nach dieser kleinen Zeit“ des Leides, nach der dann wieder die Sonne scheint. Schon gar keine Vertröstung auf ein jenseitiges Leben. Das ist die Zusage in das Jetzt der Bedrängnis: Gott wird: Aufrichten – Gott holt uns aus der Verkrümmung und lässt uns so wieder frei durchatmen; Stärken und Kräftigen – von Gott kommt die Kraft, wenn unsere Kraft zu Ende ist, wiir werden nicht vergehen; Gründen – denn ohne ein Fundament können Menschen keinen sicheren Stand gewinnen. Mit Jesus Christus ist dieser tragfähige Grund gelegt und wir werden nicht versinken!

    Gott wird uns aufrichten, stärken, kräftigen gründen! Das ist die Zusage, auf die hin wir dem Durcheinanderwerfer entgegentreten können; die Zusage, auf die hin wir in der Taufe Menschen im Auftrag Gottes in seine ewige Herrlichkeit berufen, die schon hier und jetzt wirksam wird und im Hier und im Jetzt ihre Macht entfaltet. Darum sei ihm, diesem Gott, die Macht in alle Ewigkeit. Amen!