Predigt zur Konfirmation in Holtrup

Predigt-Icon5Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen.
Liebe Festgemeinde!
Vor allem aber: Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden!
Es ist ein ganz besonderer Predigttext, der heute zu bedenken ist. Alle Unterteilungen der Bibel, die Ihr gelernt habt: in Altes und Neues Testament, in Briefe, Evangelien und Ähnliches kommen hier und heute nicht so richtig zum Zug, denn auf den ersten Blick ist es ein regelrechtes Sammelsurium von Versen der Bibel: vom ersten, dem 1. Buch Mose, bis zum 1. Johannesbrief, also fast dem letzten Buch. Oder anders ausgedrückt: es ist ein Querschnitt durch dieses Buch der Bücher, die Bibel: Denn es sind die elf Konfirmationssprüche, die Ihr Euch ausgesucht habt.

Diese Sprüche sollen Euch ein ganzes Leben lang begleiten und Euch nahe sein; sie können Euch Inspiration sein und neue Gedanken geben, wenn ihr sie braucht; sie können eine Leitschnur sein, an der Ihr Euer Leben ausrichtet. Sie können Halt und Hoffnung geben in schwierigen und traurigen Zeiten; sie können zur Dankbarkeit Gott gegenüber helfen besonders, aber nicht nur dann, wenn es Euch gut geht. Vor allem sollen und können sie – ähnlich wie bei Euren Taufsprüchen oder später bei Euren Trausprüchen eines sein: so etwas wie ein Anknüpfungspunkt für das, was ich das Lebensgespräch mit Gott nenne, diese hoffentlich lebendige Beziehung zwischen Euch und dem großen Geheimnis des Lebens, das wir Gott nennen: der die Welt ins Sein gerufen hat, der in Jesus Christus in unsere Lebenswelt hinein gekommen ist, der durch den Heiligen Geist mit uns Kontakt aufnehmen und zu seiner Gemeinde verbinden will

Was denken Menschen über diesem Gott, was erwarten sie? Sie haben mindestens eine Ahnung davon, dass Gott etwas mit dem Beginn ihres Lebens und dem Ende, mit der Zeit dazwischen und darüber hinaus zu tun hat; und dass Gott es gut mit ihnen meint und ihnen eine Perspektive für dieses Leben geben kann und will – nicht nur für diesen oder jenen Augenblick, sondern für das ganze Leben. Das bekennt der Beter des 31. Psalms: HERR, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen. (Psalm 31,6)

Bei der so großen Majestät Gottes wird sich mancher Mensch dann trotzdem fragen: „Und was ist mit mir? Bin ich nicht viel zu klein und gering, als dass Gott sich um mich kümmern würde?“ Wer dann meint, er oder sie müsse sich vor Gott besonders gut darstellen oder erst noch dieses oder jenes leisten, um vor Gott gut dazustehen und bestehen zu können, ist auf dem berühmten Holzweg. Denn das hilft uns bei Gott nichts: Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an. (1. Samuel 16,7b)
Es ist aber wiederum ein Missverständnis, wenn wir meinen, Gott würde da nur nach unseren Fehlern suchen. Das wäre sehr, viel zu sehr menschlich gedacht. Gott sieht uns an mit einem ganz liebevollen Blick, allerdings ohne die Augen vor der Wirklichkeit zu verschließen. Sein Blick sagt uns: Ich gebe dir die Kraft, den guten Weg zu gehen, den Weg des Lebens – egal was war; ja, bei Gott können wir glücklich sein oder wieder werden, egal, was wir vorher für einen Mist gebaut haben. Er fängt immer wieder neu an, uns seinen Weg zu zeigen, wie es der Beter im Psalm 16 sagt: Herr, Du tust mir kund den Weg zum Leben: Vor dir ist Freude die Fülle und Wonne zu deiner Rechten ewiglich. (Psalm 16,11)

Freude die Fülle und Wonne – das ist das volle Leben und das will Gott für uns. Diese Lebensabsicht Gottes mit uns Menschen wird wohl in keinem Bild so deutlich wie in dem vom Hirten, dem wir uns voller Vertrauen anbefehlen können; das Bild, das dem Sonntag heute den Namen gegeben hat. Psalm 23 haben wir miteinander gesprochen. Das Wort Jesu von sich als dem guten Hirten haben wir in der Schriftlesung gehört. Wenig später sagt es Jesus noch kürzer: Ich lebe und ihr sollt auch leben. (Johannes 14,19b) Wenn sich Menschen so in der Hut, der Obhut Gottes geborgen wissen, dann werden sie auch Kraft und Mut finden, das anzugehen, was ihnen in ihrem Leben entgegen kommt, ihnen entgegensteht. Denn sie wissen Gott nicht nur hinter sich, sondern schützend vor sich, ja geradezu eingehüllt von seinem Schutz. Da können sie widerstehen und standhalten, brauchen nicht zurückzuweichen, auch wenn es ganz dicke kommen sollte, wenn einem die Kraft auszugehen droht. So wie Gott seinem Volk schon im Alten Testament nach Jesaja 41 verheißen hat: Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. (Jesaja 41,10)

Gott verheißt Kraft, um Schwieriges zu bestehen; er verheißt nicht, dass sich die Probleme einfach in Luft auflösen würden. Denn am Kampf des Lebens kommen wir nicht vorbei. Ich meine nicht einen Kampf mit Gott um das Leben – Gott will, dass wir leben. Ich meine den Kampf mit dem und gegen das, was Euch und uns alle bedrängt oder bedrängen wird: die Feindschaft von Menschen, Schicksalsschläge, die niemand zu verantworten hat, und manches mehr.

Da ist es auf dem Lebensweg nötig, an Gott und unserem Lebensgespräch mit ihm festzuhalten. Auch nicht aufzugeben, weil Gott nicht das tut, was wir gerne hätten; nicht aufzugeben, weil wir ihn nicht spüren. Er findet immer wieder neue Weg für uns, die wir gehen können. Das hat er schon Jakob im 1. Buch Mose zugesagt, als der gar nicht mehr weiter wusste: Gott spricht: Und siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst. (1. Mose 28,15a)

Trotzdem ist es in manchen schwierigen und gefährlichen Lebens-Situationen nicht blauäugig oder unrealistisch, sich den Vers aus Psalm 91 in Erinnerung zu rufen: Der Herr hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen. Und – so geht es noch weiter – dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. (Psalm 91,11-12) So sehr wir Menschen mit unseren Füßen an Steine stoßen, im wörtlichen und übertragenen Sinn, so sehr gilt doch, dass wir dann nicht ins Bodenlose fallen, sondern nie tiefer als in Gottes Hand.

Sich in dieser offenen Hand Gottes geborgen und getragen zu sein, wird Euch und uns allen immer wieder den Mut geben, nach vorne zu blicken. Im neuen Testament bringt es der Apostel Paulus auf den Punkt, wenn er in seinem Brief an die Gemeinde in Philippi klarstellt, was seine und damit auch unsere Kraftquelle für das Leben ist: Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. (Philipper 4,13)

Jesus Christus im Blick haben, dann geht alles. Dann geht sogar, wie Petrus es gekonnt hat, auf dem Wasser des Sees Genezareth zu laufen. Erst als der den Blick von Jesus abgewendet hatte und wie gebannt auf die großen Wellen sah, ging er unter. Glauben heißt: auf Jesus sehen. Das ist es.

Der nächste Bibelvers, den sich eine von Euch ausgesucht hat, wäre im Anschluss daran fast schon ein Schlusswort. Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen. (1. Korinther 13,13) In diesem Vers werden die Grundlagen der christlichen Botschaft zusammengefasst: der Glaube, also das Vertrauen in die Lebensabsicht Gottes mit uns; die Hoffnung, also das innere Wissen, dass wir nicht dem Nichts entgegen gehen, sondern dass es ein Ziel gibt für unser Leben; und schließlich die Liebe, also die Gewissheit, dass wir mit unserem Leben in eine doppelte Beziehung gestellt sind: Gottes Lebensabsicht mit uns ist in seiner Liebe zu uns begründet, und diese Lebensabsicht verwirklicht sich in der Liebe, die wir anderen Menschen entgegenbringen und die andere Menschen uns entgegenbringen. Denn Leben gibt es nur mit Liebe.
Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden. Ich habe viel über Bibelworte gesprochen, wenig über Eure Lebenssituation. Nicht, weil ich mir das eine oder andere nicht vorstellen könnte, was Euch jetzt und heute beschäftigt. Ich habe nur die Erfahrung gemacht, dass sich die Worte der Bibel oft genug, wie von selbst in die eigene Lebenssituation hineinsprechen und so eine neue Lebens-Perspektive möglich machen. Doch damit Worte der Bibel und besonders Eure Konfirmationssprüche zu solchen Wegbegleitern des Lebens werden können, dazu muss man sie wissen, muss sie bedacht und in sich aufgenommen haben. Ich sage bewusst nicht, dass Ihr die Worte einfach auswendig lernen sollt. Indem Ihr sie inwendig in Euch habt, weil Ihr sie bedacht und in Euch aufgenommen habt, könnt Ihr sie auch auswendig, das kommt von alleine.

Habt den Mut, Eure Konfirmationssprüche nicht gedanklich und tatsächlich in die Ecke zu stellen oder in die Mottenkiste zu verpacken, sondern sie da zu haben, wo ihr Sie immer sehen könnt, damit sie Euch gerade dann erreichen, wenn Ihr es nicht erwartet: Wenn Ihr traurig seid oder froh; wenn Ihr nachdenklich seid oder unbeschwert; wenn alles klar ist oder Ihr eine große Entscheidung treffen müsst.

Möge dann Euer Konfirmationsspruch direkt in das Leben hinein zu sprechen beginnen. So wie Jesus Christus das Wort Gottes immer in die jeweilige Lebenssituation der Menschen gesprochen hat und ihnen so die Fülle Gottes geschenkt hat. Möge Euer Konfirmationsspruch Euch diese Freude und Zuversicht über die Nähe Gottes, die uns mit der diesjährigen Jahreslosung zugesagt ist: „Gott nahe zu sein ist mein Glück.“ immer neu in Euch stark machen. Denn dieses Glück ist ja viel mehr als nur hier und da einmal richtig „Schwein“ gehabt zu haben. Möge Euer Konfirmationsspruch Euch für die Liebe Gottes immer wieder neu öffnen, möge er Euch helfen, in dieser alles umfassenden Liebe zu bleiben, denn so sagt der Schreiber des 1. Johannesbriefes und das ist der Konfirmationsspruch, der bisher noch gefehlt hat: Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. (1. Johannes 4,16b) Amen.

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