Konfirmationspredigt Möllbergen 2015

Predigt-Icon5Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen.
Liebe Festgemeinde! Vor allem aber:
Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden!
Jetzt ist es geschafft, heute ist der große Tag da, an dem ihr im Mittelpunkt steht; der Tag, mit dem die Konfirmandenzeit zuende geht und Ihr in der Gemeinde als Konfirmierte ganz anders dastehen werdet als vor diesem Gottesdienst. Keine Verpflichtung mehr, zum Gottesdienst zu gehen, keine blockierten Samstage mehr. Aber – ich bin überzeugt davon – irgendwie wird auch etwas fehlen. Denn das alles hat Euch in den vergangenen Monaten begleitet.

Ich habe das vor Augen, was ihr mit Eurem Vorstellungsgottesdienst dargestellt habt: wie Menschen von Gott und von Jesus Christus durch ihr Leben begleitet werden. Beispielhaft ist das an der Ikone von Jesus und Menas sichtbar geworden, die wir bei der Freizeit betrachtet haben. Ihr habt dieses Urbild der Begleitung dann auf Eure je ganz persönliche Art nachempfunden und für Euch selber auf Holz gemalt.

Viele von Euch haben dabei Menas durch ein Bild von Euch selbst ersetzt: Euch legt Jesus den Arm um die Schulter wie ein Freund und geht mit Euch durch das Leben: durch das ganz normale Leben mit essen, trinken und schlafen, mit freuen und traurig sein, mit den Beziehungen zu anderen Menschen; aber auch durch das Glaubensleben – die Beziehung und das Lebensgespräch mit Gott.

Es ist diese ganz direkte Beziehung, die Gott mit jeder und jedem von Euch und mit uns allen hat, die es sonst nirgendwo gibt. Ihm braucht Ihr nichts vorzumachen, wir alle brauchen uns nicht besser zu machen, um von ihm angenommen zu werden: Wir müssen ihm nicht die heilige Ausgabe von uns selbst präsentieren; und wir brauchen uns nicht schlechter zu machen, als wir sind – so als ob wir Gott nur recht wären, wenn wir traurig und mit Minderwertigkeitskomplexen belastet sind. Ehrlich sein zu können vor Gott und damit auch vor uns selbst, das ist die große Freiheit, die Gott uns schenkt, wenn er uns mit den Augen Jesu und mit seinem liebevollen Blick ansieht. Ich bin überzeugt, dass das unendlich gut tut und erleichtert.

Daran erinnert die Bibel, die Jesus auf der Ikone in seiner anderen Hand hält: das aufgeschrieben Wort Gottes, in dem so viel zu finden ist, was die Beziehung zu Gott ausmacht. Es würde zu weit führen heute hier alles vor Euch auszubreiten, was da drin steht. Es sind doch recht viele Seiten. Glücklicherweise habt Ihr es mir ein wenig einfacher gemacht und mir einen schönen Querschnitt durch die Bibel herausgesucht, mit dem es sich heute Morgen gut jonglieren lässt. Manche werden es sich schon denken: Ich meine Eure Konfirmationssprüche, die von der frühen Königszeit bei König David über den Propheten Jesaja bis zu den Psalmen im Alten Testament reichen, und über die Evangelien und Briefe bis zu den letzten beiden Büchern der Bibel: dem Hebräerbrief und der Offenbarung des Johannes, dem berühmten Buch mit den sieben Siegeln.

Was denken Menschen über diesem Gott, der sein Volk über Jahrhunderte begleitet; was denken sie über Jesus, der Menschen aus den Heiden zu diesem Volk Gottes dazu beruft? Was erwarten sie? Sie haben mindestens eine Ahnung davon, dass Gott etwas mit dem Beginn ihres Lebens und dem Ende, mit der Zeit dazwischen und darüber hinaus zu tun hat; dass Gott es gut mit ihnen meint und ihnen eine Perspektive für dieses Leben geben kann und will – nicht nur für diesen oder jenen Augenblick, sondern für das ganze Leben. Und dass das in Jesus in ganz besonderer und umfassender Weise deutlich wird, wie das der auferstandene Jesus dem Seher Johannes in seiner großen Vision sagt. Jesus Christus spricht: Ich bin das A und O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende. (Offenbarung 22,13)

Bei diesem so großen, umfassenden Anspruch, den Jesus hier für sich und damit auch für seinen himmlischen Vater proklamiert, wird sich mancher Mensch dann trotzdem fragen: „Und was ist mit mir? Bin ich nicht viel zu klein und gering, als dass Gott und Jesus sich um mich kümmern würden?“ Wer dann meint, er oder sie müsse sich vor Gott besonders gut darstellen oder erst noch dieses oder jenes leisten, um von Gott gesehen zu werden, um vor ihm gut dazustehen und bestehen zu können, ist auf dem berühmten Holzweg.

Denn das hilft uns bei Gott nichts. Wir können den Menschen, die uns gegenüberstehen nur bis vor die Stirn sehen. Bei Gott sieht das ganz anders aus. Das durfte schon der Prophet Samuel erfahren, als er feststellen musste: Gott erwählt nicht den strahlenden großen Krieger, sondern der noch kleinen und unscheinbaren jüngsten Sohn Isais, um aus ihm einen der größten Könige Israels zu machen. Zu dieser Wahl bekam Samuel von Gott nur einen ganz knappen Kommentar: Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an. (1. Samuel 16,7b)

Es wäre aber wiederum ein Missverständnis, wenn wir meinten, Gott würde es dann egal sein, wie wir unser Leben gestalten. Gottes liebevoller Blick und der liebevoll auf unsere Schulter gelegte Arm Jesu sagen uns: Ich gebe dir die Kraft, den Weg des Lebens zu gehen – egal was Dir unterwegs begegnet, egal was war; ja, sogar egal, was du vorher für einen Mist gebaut hast. Der Apostel Paulus gibt uns drei Stichworte an die Hand, nach denen wir unser Leben gestalten sollen. Im 1. Brief an die Korinther schreibt er im 13. Kapitel: Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen. (1. Kor. 13,13)

Damit lösen sich unsere Probleme aber nicht einfach in Luft auf. Am Kampf des Lebens kommen wir nicht vorbei. Ich meine aber nicht einen Kampf mit Gott um das Leben – Gott will, dass wir leben. Ich meine den Kampf mit dem und gegen das, was Euch und uns alle bedrängt oder bedrängen wird: die Feindschaft von Menschen, Schicksalsschläge, die niemand zu verantworten hat, und manches mehr. Wir brauchen in all dem aber keine Angst zu haben, denn Gott hat uns für diesen Kampf bestens ausgestattet. Der Apostel Paulus schreibt in seinem 2. Brief an seinen Freund Timotheus: Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. (2. Timotheus 1,7)

Es ist wichtig, in diesem dreifachen Geist an Gott und unserem Lebensgespräch mit ihm festzuhalten. Auch nicht aufzugeben, weil Gott nicht das tut, was wir gerne hätten; nicht aufzugeben, weil wir ihn nicht spüren. Dazu macht Euch und uns allen der Schreiber des Hebräerbriefes Mut. Er schreibt: Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. (Hebräer 11,1)

In ganz anderen Worten und auf eine sehr bildhafte Weise beschreibt das der Beter im Psalm 91: Der Herr hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen. Und – so geht es ja noch weiter – dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. (Psalm 91,11-12) So sehr wir Menschen mit unseren Füßen an Steine stoßen, im wörtlichen und übertragenen Sinn, so sehr gilt doch, dass wir auf unserem Weg von Gott begleitet werden. Das scheint in diesem Jahr das Bild gewesen zu sein, das Euch am meisten beeindruckt hat, denn drei von Euch Möllbergern und 2 Holtruper haben diesen Vers ausgewählt.

Wenn sich Menschen so in der Obhut Gottes geborgen wissen, dann werden sie auch Kraft und Mut finden, das anzugehen, was ihnen in ihrem Leben entgegen kommt, ihnen entgegensteht. Denn sie wissen Gott nicht nur hinter sich, sondern schützend vor sich. Sie können sich darauf verlassen, dass bei aller Unsicherheit des Lebens Gott und seine Zusagen sicher sind. Schon der Prophet Jesaja verheißt: Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich. (Jesaja 40,8)

Diese Sprüche, die Ihr Euch ausgesucht habt, sollen Euch ein ganzes Leben lang begleiten und Euch nahe sein; sie können Euch Inspiration sein und neue Gedanken geben, wenn Ihr sie braucht; sie können eine Leitschnur sein, an der Ihr Euer Leben ausrichtet. Sie können Halt und Hoffnung geben in schwierigen und traurigen Zeiten; sie können zur Dankbarkeit Gott gegenüber helfen, besonders, aber nicht nur dann, wenn es Euch gut geht. Vor allem sollen und können sie – ähnlich wie bei Euren Taufsprüchen oder später bei Euren Trausprüchen eines sein: so etwas wie ein Anknüpfungspunkt für das, was ich das Lebensgespräch mit Gott nenne, diese hoffentlich lebendige Beziehung zwischen Euch und dem großen Geheimnis des Lebens, das wir Gott nennen: der die Welt ins Sein gerufen hat, der in Jesus Christus in unsere Lebenswelt hinein gekommen ist, der durch den Heiligen Geist mit uns Kontakt aufnehmen und zu seiner Gemeinde verbinden will. Der letzte der Sprüche, der eine, der noch fehlt, fasst das alles zusammen. Es ist die Verheißung Jesu, die über Eurer und jeder anderen Taufe gestanden hat, denn Jesus sagt: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Matthäus 28,20b) Amen.

Autor: PaToWi

Ich darf mein Leben frei gestalten unter dem liebenden Blick Gottes. Ist das nicht Grund genug auf IHN zu hören und mir von IHM den Weg weisen zu lassen?

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