Konfirmationspredigt 2016

Predigt-Icon5Liebe Konfirmations-Gemeinde mit Eltern und Paten,
mit Großeltern und Geschwistern! Vor allem aber:
Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden!

Wohin werdet ihr gehen? Heute nach dem Gottesdienst ist das klar: aus der Kirche raus noch einmal zum Gemeindehaus und dann zum Essen mit Euren Verwandten und morgen vielleicht in die Schule oder – weil es entsprechend spät geworden ist – doch in einen freien Tag. Aber das ist auch nicht so sehr die Richtung meiner Frage. Die hat euer weiteres Leben im Blick und will den Horizont dafür öffnen, wie es mit Euch und Gott wohl weiter gehen könnte.

Vielleicht ja so wie es in einem schönen Witz beschrieben wird: Drei Pfarrer unterhalten sich und entdecken, dass sie alle drei das gleiche Problem hatten: Fledermäuse, die den ganzen Kirchturm verdrecken. Der erste Pfarrer meint: Was ich nicht alles probiert habe; aber die Viecher sind auch mit Rauch nicht zu vertreiben. Genau, pflichtet ihm sein Kollege bei. Auch mit Ultraschall ist denen nicht beizukommen. Ich weiß gar nicht, was ihr habt, sagt schließlich der dritte ganz gelassen. Das ist doch gar nicht schwer. Wie denn? fragen die beiden anderen? Wie hast du die wegbekommen? Ganz einfach: Ich habe sie konfirmiert. Und weg waren sie.

Liebe Konfis! Es ist wohl ganz oft so, dass junge Menschen in der ersten Zeit nach der Konfirmation auch wieder ein wenig Abstand von der Kirche brauchen. Aber ich möchte auch nicht nur die nächsten 3 bis 4 Jahre in den Blick nehmen, sondern euer ganzes weiteres Leben.

Mit dem Vorstellungsgottesdienst (vor-)letzte Woche habt Ihr eine deutliche Ansage gemacht: „Ja, wir wollen uns von diesem Gott zum Glauben einladen lassen. Das bekennen wir auch öffentlich, so wie er sich in unserer Taufe zu uns bekannt hat und sich immer wieder neu bekennt.“ Und mit eurer Antwort auf die Konfirmationsfrage in ein paar Minuten bestätigt und bekräftigt ihr das noch einmal: „Ja, wir wollen uns zu diesem Jesus Christus und seiner Gemeinde halten.“

Diese Einstellung ist das, was sich in eurem Vorstellungsgottesdienst spiegelt, so wie Ihr euch im Spiegel gesehen habt, als es in der Geschichte von der „Kirche im Sarg“ dran war. Wenn wir uns ansehen, wer oder was Kirche ist, dann blicken wir immer in einen Spiegel: Die Kirche, ob sie tot im Sarg zu liegen scheint oder ob sie lebendig ist, die Kirche ist immer das, was die Menschen, die zu ihr gehören, aus ihr machen. Ja: „Wer, wenn nicht ich, ist – zusammen mit vielen anderen gemeinsam – Kirche!“ Mit einem dicken Ausrufezeichen dahinter. Pfarrer Wright in Yonderton hatte seiner Gemeinde und damit auch uns den Spiegel vorgehalten.

Jetzt, heute werdet ihr also konfirmiert. Damit fängt die Zeit der mündigen Gemeindeglieder an. Jetzt und heute, werden alle, die selber schon konfirmiert worden sind, an diese Tatsache erinnert: „Wer, wenn nicht ich, ist Kirche!“ Ihr werdet heute das, was ihr durch eure Taufe schon seid und was der Apostel Petrus in seinem Brief mit den lebendigen Steinen im Bau der Kirche gemeint hat.

Also – wohin werdet ihr gehen: in eurem Leben in und mit der Kirche? Vielleicht habt Ihr ja, um in dieser Frage weiter zu kommen auch einmal eure Eltern, Paten und Großeltern gefragt, vielleicht fragen sich das Eure Eltern, Paten und Großeltern heute auch: Wie war euer, wie war unser Weg in und mit der Kirche?

Wohin werdet ihr gehen? – Diese Frage ist vor fast 2000 Jahren schon einmal Menschen gestellt worden, die irgendwie mit Jesus zu tun hatten. Im Johannesevangelium wird im 6. Kapitel die große Brotrede Jesu überliefert. Jesus stellt einige – nicht nur für die damalige Zeit – gewagte Thesen auf. Und wie das in solchen Situationen immer so ist, konnten viele, die bisher zu Jesus gehalten hatten, da nicht mehr mitgehen – im wörtlichen und im übertragenen Sinn. Und dann kommt eben diese Frage: Wohin werdet ihr gehen? Johannes berichtet im Predigtext für den heutigen Konfirmationstag:

Nach diesen Worten wandten sich viele seiner Jünger ab und gingen hinfort nicht mehr mit ihm. Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt ihr auch weggehen?  Da antwortete ihm Simon Petrus: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes.

Liebe Konfis! Wohin werdet ihr gehen: nach diesem Gottesdienst heute und in eurem Leben? Oder wie im Bibeltext noch schärfer formuliert: Wollt ihr auch weggehen: nach diesem Gottesdienst heute und in eurem Leben? Nach diesem Gottesdienst heute: Vielleicht sogar auf nimmer Wiedersehen? – Wenn ihr mich fragt: Ich glaube das nicht. Ich weigere mich, das zu glauben: dass mit dem Gottesdienst heute ein Ende erreicht ist. Ich bin vielmehr fest davon überzeugt, dass dieser Gottesdienst doch ein Anfang ist: Ein Anfang zu einem Leben mit Gott, zu dem der KU3 und jetzt das zweite Jahr den Auftakt gebildet haben.

Petrus hatte Jesus damals geantwortet: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes. Ich weiß nicht, ob mit einem Ton der Entrüstung in der Stimme und einem Unterton wie: „Jesus, wie kannst Du uns so etwas fragen; du weißt doch, dass Du dich auf uns verlassen kannst.“ Ein solcher Ton der Entrüstung würde gut zu Petrus passen. Wie oft hat er ihn auch sonst parat gehabt, wenn es darum ging, die eigene Stärke herauszustellen. Vielleicht war der Ton in der Antwort des Petrus aber auch ein ganz anderer – und den kann ich mir persönlich viel eher vorstellen, auch wenn er nicht so sehr in das Klischeebild von Petrus passt. Es wird in meinen Augen eher ein nachdenklicher Ton gewesen sein, der die Antwort ausgemacht hat – nach einigen Momenten des Nachdenkens:

„Weißt du, Jesus, wir habe ja schon vieles gehört in unserem Leben und vieles von dir gehört und mit dir erlebt. Und wenn wir das alles zusammenfassen, dann stellen wir fest: so wie du mit uns von Gott geredet hast, hat das noch niemand vorher getan. Durch dich, so haben wir das Gefühl, ist uns Gott ganz nahe gekommen. Auch wenn wir ihn nicht immer spüren und auch nicht immer an ihn denken, wenn wir auf dich sehen, dann zieht da eine Sicherheit und Ruhe in unsere Herzen ein, die wir vorher noch nie gespürt haben. Das ist dann wie der Himmel auf Erden.
Natürlich wissen wir, dass es immer noch drunter und drüber geht in dieser Welt, in der es so viel Krieg und Elend gibt. Aber wenn wir auf dich, Jesus, sehen, dann spüren wir, dass wir in diesen manchmal so schrecklichen und dann wieder auch so schönen Zeiten in einer ganz wunderbaren Weise getragen und gehalten sind. Wir haben manchmal sogar das Gefühl, dass noch nicht einmal der Tod uns Angst machen muss, weil Gott größer ist als der Tod.
Wohin also Jesus sollen wir gehen? Natürlich können wir dahin zurückgehen, wo wir herkommen. Aber selbst dort werden wir nicht mehr dieselben sein, die wir vorher waren – damals, bevor du uns gerufen hast. Du hast uns mit deinem Wort von Gott verändert. Unsere Welt ist anders geworden durch dich. Und wenn wir jetzt sagen: Wir wollen den Weg mit dir weitergehen, dann tun wir das, weil tief in uns diese Überzeugung gewachsen ist: Mit dem, mit diesem Jesus werden wir unser Leben bestehen – komme, was da wolle.“

Liebe Konfis! Liebe Festgemeinde!
Das sind die Worte, die ich mir als ausgemalten Hintergrund vorstelle, wenn ich die kurze Antwort von Petrus lese, wie sie uns Johannes überliefert: „Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes.“

Wohin werdet ihr gehen? Ich bin fest davon überzeugt, dass dieser Gottesdienst ein Anfang ist: Ein Anfang zu einem Leben mit Gott, wie ihn uns Jesus Christus nahe bringt. Das Jahr KU3 und jetzt das zweite Jahr haben den Auftakt dazu gebildet. Euer Weg wird dabei bestimmt mal näher an Jesus dran sein und mal in größerer Entfernung verlaufen. Wie weit weg, das liegt natürlich auch an Euch. Aber der Anfang, der heute auch mit Eurem Versprechen gemacht wird, dieser Anfang lässt sich nicht ungeschehen machen. Auch ihr seid andere geworden, weil ihr – je auf eure eigene Weise – diesem Jesus und damit diesem Gott begegnet seid.
„Wollt ihr auch weggehen?“ Die Frage Jesu damals an die Jünger war ganz offen formuliert. Und so offen ist das Angebot Jesu an jedem Tag. Ihr, die heutigen Konfirmandinnen und Konfirmanden habt jeden Tag neu – so wie alle anderen auch – die Möglichkeit, wie Petrus zu antworten: „Du, Jesus, hast Worte des Lebens, sogar des ewigen Lebens. Wohin sollen wir sonst gehen.“

Die Gemeinschaft der Kirche, die Gemeinde vor Ort und überall auf dieser Welt ist dazu da, von dieser Nähe Gottes in Jesus Christus Zeugnis abzulegen und diese Nähe Gottes in ihrem Tun sichtbar werden zu lassen. Da ist das auf heutige Weise zu erfahren, was Petrus und die anderen Jünger erlebt haben: Gottes Nähe und Liebe in Worten, Zeichen und Taten. Und so hoffe ich, dass Ihr eben keine Fledermäuse seid, sondern dran bleibt an der Sache mit Jesus Christus und mit Gott; und dass ihr drin bleibt, als ganz lebendige Steine im Bau der Kirche. Amen.

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