Predigt an Trinitatis 2018 zu Epheser 1,3-14

Predigt-Icon5Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen.

Liebe Gemeinde am Sonntag Trinitatis!

In meinem allerersten Semester – als ich in Heidelberg angefangen hatte, Theologie zu studieren – habe ich mir zumindest in den ersten Wochen eine Vorlesung aus dem Fachbereich Praktische Theologie angehört. In diesem Fachbereich geht es um Gottesdienst und Predigt, um Religionspädagogik und vieles mehr, was eben mit der Praxis des Pfarrberufes zu tun hat. Und immer wieder einmal kommen – wie in jedem anderen Fach auch – etwas abseitige Themen vor. Das galt auch für die Vorlesung, die ich damals besuchte; es war die letzte Vorlesung, die der Schweizer Professor Rudolf Boren hielt. Titel der Vorlesung war „Das Lob Gottes“ und der erste Paragraph wurde von Professor Bohren überschrieben mit „Vom Luxus des Lobens“. Sehr viel mehr ist mir von dieser Vorlesung nicht in Erinnerung geblieben; Praktische Theologie ist auch eher etwas für fortgeschrittene Semester.

Aber der Titel dieses ersten Paragraphen ist mir ganz tief im Gedächtnis geblieben: „Vom Luxus des Lobens“. Und das nicht zu Unrecht, wie mir dann im Lauf der Jahre und vor allem im Pfarramt deutlich geworden ist: Es ist tatsächlich ein Luxus, dass wir Gott loben können. Wir müssen nicht zuallererst etwas bezahlen, um uns ihm nähern zu dürfen; wir müssen unsere Würde nicht ablegen oder uns sonst irgendwie klein machen, wie vor den selbsternannten Göttern unserer Zeit, bevor wir uns an ihn wenden dürfen. Das Lob Gottes geht aber auch darüber hinaus, dass wir Gott danken, dass wir ihn um etwas bitten, ihm etwas klagen – alles das ergibt sich aus dem, was wir im Leben erfahren. Lob Gottes meint etwas anderes, es meint mehr.

Vielleicht wird es an den Worten deutlich, die wir an Stelle des Wortes „loben“ auch verwenden können: Wie im Kanon „Lobet und preiset ihr Völker den Herrn“ steht das Wort „preisen“ gleichbedeutend neben „loben“ und dann können wir auch das Wort „Segnen“ verwenden, das wir ja sonst eher in umgekehrter Richtung benutzen: Denn normalerweise segnet Gott uns. Im Griechischen steht aber beide Male ein Wort, das wir ganz wörtlich mit „Gutsprechen“ übersetzen können. Ich spreche Gott gut und lobe ihn so; Gott spricht uns gut und segnet uns so. Beides meint dasselbe.

Und eben diesem Lob Gottes ist das Fest Trinitatis gewidmet: Gott steht im Mittelpunkt – und zwar in der Weise, wie er sich den Menschen und besonders uns Christen offenbart hat: als Schöpfer und als Vater Jesu Christi; als Mensch in der Gestalt seines Sohnes Jesus Christus, der uns durch sein Kreuz und seine Auferstehung erlöst, und als Heiliger Geist, durch den Gott in uns allen wirkt und durch er seine Kirche baut. Dabei bleibt Gott aber immer der eine Gott und der ganz andere: Es bleibt das Geheimnis, das ihn umgibt, ohne das er nicht Gott wäre.

Lob Gottes und Feier des Geheimnisses, an dem wir als Christen Anteil bekommen: Das machen die Lieder des heutigen Tages deutlich, das eröffnen uns die Texte aus der Bibel, die für diesen Sonntag vorgesehen sind. Da ist der großartige Psalm 145, das ist als Evangelium das Gespräch in der Nacht, in dem Nikodemus versucht, das Geheimnis um Jesus und sein Wirken zu erfassen; da ist der Briefabschnitt aus dem Römerbrief, der den Satz enthält, den ich als Kanzelgruß vor jeder Predigt spreche und der gleichzeitig die unerforschlichen Wege Gottes preist; da ist die geheimnisvolle Thronsaalvision des Propheten Jesaja, in der dieser das Dreimal-Heilig des himmlischen Hofstaates Gottes erlebt, in das wir in der Abendmahlsliturgie einstimmen; da ist schließlich der aaronitische Segen, aus dem 4. Buch Mose, der am Ende des Gottesdienstes gesprochen den Raum des Lebens, der vor einem liegt, in einen Raum des Segens verwandelt.

Eine – wie ich finde – besondere Rolle nimmt der Predigttext des heutigen Sonntags ein: Im Brief an die Gemeinde von Ephesus, den entweder Paulus oder einer seiner Schüler geschrieben hat, setzt der Autor einen Hymnus mit einem ganz großen Lob Gottes an den Anfang; also ein Lied, das ganz unterschiedliche Liturgiestücke aus Ephesus und den anderen Gemeinden in Kleinasien zusammenfasst. Später im Brief erfahren die Leserinnen und Leser, dass sich der Schreiber im Gefängnis befindet und durchaus mit größeren Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Aber das ist für ihn nicht das Entscheidende. Fast möchte man meinen, dass auch er die Vorlesung von Rudolf Bohren gehört hätte; denn auch er leistet sich den Luxus, Gott voller Freude und Überschwang zu loben – trotz aller negativen Erlebnisse, die er in der letzten Zeit erlebt hat.

Schon hier, an dieser Stelle zeigt sich die geistliche Grundeinstellung des Apostels, der sein ganzes Leben vom Lob Gottes umfangen sieht: Zum einen lobt und segnet er Gott und zum anderen weiß er sich von Gott gesegnet und gelobt. Das eine gehört mit dem anderen untrennbar zusammen.
Es ist im Grunde wie beim Rechnen mit dem Vorzeichen vor der Klammer: Die Zahlen und Rechenzeichen, die in der Klammer stehen, das ist mein Leben: und das Ergebnis ist mal positiv, sicherlich auch manchmal negativ – je nachdem, wie es eben gerade um mich bestellt ist. Was das aber für mich und mein Leben grundsätzlich heißt, das hängt davon ab, ob vor dieser Klammer um mein Leben ein Pluszeichen oder ein Minuszeichen steht.

Gott segnet und er will gesegnet sein, damit sich die Herrlichkeit Gottes immer weiter ausbreitet und Himmel und Erde erfüllt. Das ist letztlich die Bestimmung der Kirche und es ist damit auch die Bestimmung jeder und jedes Einzelnen von uns, jedes menschlichen Lebens: „Gott loben, das ist unser Amt.“ – als Einzelne und als Kirche und Gemeinde. „Gott loben, das ist unser Amt.“, heißt es zum Beispiel auch ganz bestimmt im Lied zu Psalm 100 „Nun jauchzt dem Herrn alle Welt“.

Lob Gottes – das steht also am Anfang des Epheserbriefes. Und nach dem ersten Gruß an die Gemeinde in den ersten beiden Versen folgt im ersten Kapitel des Epheserbriefes dieser Hymnus in drei Teilen:

3 Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus. 4 Denn in ihm hat er uns erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war, dass wir heilig und untadelig vor ihm sein sollten in der Liebe; 5 er hat uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein durch Jesus Christus nach dem Wohlgefallen seines Willens, 6 zum Lob seiner herrlichen Gnade, mit der er uns begnadet hat in dem Geliebten.

Soweit der erste Abschnitt des Hymnus. Wenn man ihn auf den Festtag der Dreifaltigkeit beziehen will, so sehen wir auf Gott, den Schöpfer. Aber es ist – wie in den beiden anderen Teilen auch – nicht so sehr der Weltenschöpfer, der in den Blick kommt. Vielmehr führt uns der Apostel den Schöpfer unserer selbst vor Augen: jede und jeder von uns war schon vor aller Schöpfung ein wunderbarer Gedanke Gottes. Wir sind – durch Christus – vor aller Zeit berufen. Da klingen die Verse von Psalm 139 an, in denen dies beschrieben wird; da klingen in uns aber auch sehr weihnachtliche Gesangbuchverse von Paul Gerhardt an: „Da ich noch nicht geboren war, da bist du mir geboren / und hast mich dir zu eigen gar, eh ich dich kannt, erkoren. / Eh ich durch deine Hand gemacht, / da hast du schon bei dir bedacht, / wie du mein wolltest werden.“ So heißt es im Lied „Ich steh an deiner Krippen hier.

Es wundert nicht, dass der zweite Teil Passion und Auferstehung Jesu in den Blick nimmt. So heißt es weiter:

7 In ihm – Jesus Christus – haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade, 8 die er uns reichlich hat widerfahren lassen in aller Weisheit und Klugheit. 9 Gott hat uns wissen lassen das Geheimnis seines Willens nach seinem Ratschluss, den er zuvor in Christus gefasst hatte,
10 um die Fülle der Zeiten heraufzuführen, auf dass alles zusammengefasst würde in Christus, was im Himmel und auf Erden ist, durch ihn.
11 In ihm sind wir auch zu Erben eingesetzt worden, die wir dazu vorherbestimmt sind nach dem Vorsatz dessen, der alles wirkt, nach dem Ratschluss seines Willens, 12 damit wir zum Lob seiner Herrlichkeit leben, die wir zuvor auf Christus gehofft haben.

In Jesus Christus ist uns die Zukunft eröffnet: Die Sünde, das, was uns von Gott trennt und unsere Zukunft verhindern würde, hat Jesus mit seinem Blut durch seinen Tod am Kreuz weggenommen. Wir sind Erben, auch wenn es manchmal noch sehr menschlich bei uns zugeht und der Himmel auf Erden noch nicht erreicht ist.

Aber mit dieser Zukunft im Blick verlieren alle anderen Gewalten ihre Macht über uns und wir sind frei von allen anderen Machtansprüchen, die uns mit ihren Parolen gefangen nehmen wollen. Unsere Freiheit in Christus ist die Antwort auf das „So musst du sein!“ und das „Es geht nicht anders!“, das uns klein machen will.

Der Apostel schreibt weiter:

13 In ihm – Jesus Christus – seid auch ihr, die ihr das Wort der Wahrheit gehört habt, nämlich das Evangelium von eurer Rettung – in ihm seid auch ihr, als ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist, der verheißen ist, 14 welcher ist das Unterpfand unsres Erbes, zu unsrer Erlösung, dass wir sein Eigentum würden zum Lob seiner Herrlichkeit.

Im Mittelpunkt des dritten Abschnitts stehen der Heilige Geist und die Gemeinde, die der Geist durch die Verkündigung des Evangeliums zu einer Gemeinschaft verbindet. Gottes Versprechen – die Gabe des Heiligen Geistes, den wir in der Taufe empfangen, ist unverbrüchlich; das hat Gott durch Christus und die Auferstehung besiegelt. Wie in den beiden anderen Teilen ist so Jesus Christus auch hier das verbindende Element. So sind mit Geburt, mit Kreuz und Auferstehung und schließlich mit der pfingstlichen Gabe des Geistes die drei großen Festgedanken der christlichen Kirche in Christus begründet und in diesem Text aus heutiger Sicht schon angelegt.

Wie predigt man einen Hymnus? Wie predigt man das Lob Gottes? Man kann zu einzelnen Worten und Sätzen sicherlich manches sagen. Aber das Wesen eines Hymnus, das Wesen eines Liedes erfassen Menschen nicht, wenn ihnen etwas darüber erzählt wird. Das erschließt sich vielmehr dadurch, dass sie einstimmen in diesen Lobgesang und sich so in dass Gotteslob einschwingen. Und deshalb ist die Predigt heute eine Art Hinführung zu einem dreiteiligen Lobpreis: Wir sprechen gleich den Hymnus aus dem Epheserbrief im Wechsel wie einen Psalm und rahmen ihn durch die beiden Lieder: zuerst direkt nach der Predigt das Lied „Gelobet sei der Herr“ (EG 139) und nach dem Hymnus „Großer Gott, wir loben dich (EG 331).

Denn das Loben ist die Grundbewegung der Kirche und des Glaubens. Wer lobt, stimmt ein und nimmt andere mit. Und auch wenn das eigene, persönliche Lob manchmal nur schwer durchzuhalten ist, weil das Leben in der Klammer gerade eher negativ ist, gibt es dann doch das Pluszeichen unseres Glaubens vor der Klammer, das uns mit einander vereint und uns so zu einem großen Klangraum macht, der uns stärkt und Mut gibt. Amen.

Bibeltext:  Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung – revidiert 2017, © 2017, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

Viele Anregungen aus der Predigtmeditation von Landesbischof Prof. Dr. Jochen Corenekliuus-Bundschuh (Göttinger Predigtmeditationen, 2018/5, S. 319-324). Vielen Dank!

Autor: PaToWi

Ich darf mein Leben frei gestalten unter dem liebenden Blick Gottes. Ist das nicht Grund genug auf IHN zu hören und mir von IHM den Weg weisen zu lassen?

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