Kategorie: Predigt

  • Ihr Lieben! Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja!

    Ja. Aber Auferstehen ohne Aufstehen geht nicht. Und morgens tun sich manche damit ja unendlich schwer. Das Bett ist noch so gemütlich, der Weg zum Bad ist so kalt. Manchmal hilft es dann, wenn der neue Tag etwas ganz Schönes oder Spannendes zu bringen verspricht; wenn aber der Tag Unangenehmes erwarten lässt, möchte man am liebsten liegen bleiben. Andere können das sehr gut und auch nach einer ziemlich kurzen Nacht ohne große Anstrengung – sogar ohne Wecker. Wie mit einem Fingerschnippen sind sie wach und der Tag kann beginnen.

    Aufstehen: Was für den Morgen gilt, ist auch im mehr oder weniger übertragenen Sinn mitten am Tag und überhaupt im Leben immer wieder wichtig: aufstehen und anfangen: eine neue Aufgabe, einen neuen Auftrag. Das gilt auch sehr grundsätzlich, wenn sich das Leben verändert und neu ordnet – ob zu unseren Gunsten oder zu unseren Ungunsten ist dabei unwichtig. Ganz hautnah haben wir das im Lauf der letzten Monate erfahren, seit das Covid19- Virus auch bei uns in Mitteleuropa angekommen ist. Sich der neuen Situation stellen, aufstehen und gemeinsam das tun, was nötig ist, damit alle diese Krise so gut wie nur irgend möglich überstehen.

    Nun ist Aufstehen nicht schon in sich das Gleiche wie Auferstehen. Unser Bemühen, morgens aus den berühmten Federn zu kommen, hat nur sehr, sehr entfernt etwas mit der Auferstehung Jesu gemeinsam. Aber wenn Auferstehen bedeutet, dass da neues Leben geweckt wird, wo vorher der Tod regiert hat – wie das bei Jesus von Karfreitag her in der Osternacht geschehen ist, dann kommen Aufstehen und Auferstehen eben doch ganz nah zusammen. Auferstehen ohne Aufstehen geht eben nicht.

    Und für solches Aufstehen aus Verzweiflung, Not und Tod durch neu gewecktes Leben – für dieses Aufstehen sorgt in der Bibel immer wieder einmal ein Engel. Ich denke an Elia, dem der Engel Speise gibt für den Weg bis zum Horeb; ich denke an Mose, dem zuerst der Engel Gottes im Dornbusch begegnet, damit das Volk Gottes aus der Sklaverei in Ägypten in das Land der Freiheit geführt werden kann. Ich denke an den Engel bei Maria, der die junge Frau eine so große Aufgabe annehmen lässt, und an den Engel bei den Hirten, der sie im Dunkel der Nacht mit der Geburt des Jesus-Kindes den Aufbruch in eine neue Zeit gehen lässt. Ich denke schließlich an Josef, dem der Engel Gottes die Flucht nach Ägypten befiehlt, damit das Kind Jesus bewahrt bleibt. Immer wieder sind die Boten Gottes unterwegs und rufen zum Aufstehen.

    Und es ist auch das eine leise Motiv, das diese Osternacht durchzieht: die Erinnerung daran, dass auch am Ostermorgen ein Engel unterwegs ist. Denn auch an Ostern ist es zuerst nicht Jesus selbst, der die Botschaft der Auferstehung den traurigen Frauen am Grab und dann den anderen Jüngern verkündigt. Nach Matthäus ist der Engel unterwegs, um die Botschaft vom Leben zu offenbaren; die Botschaft, die dann auch die Frauen und die Jünger aufstehen und sie – nach der Gabe des Heiligen Geistes – losgehen und diese Lebensbotschaft weiter geben lässt.

    Auferstehen bedeutet, dass neues Leben geweckt wird, wo vorher der Tod regiert hat. Für uns Christen ist das die geglaubte Realität: Die Kraft zum Aufstehen, von dort, wo der Tod zu regieren scheint, kommt aus dem einen Aufstehen gegen den Tod, aus der Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Diese Kraft wird von den Engeln, den Boten Gottes weiter gegeben und das müssen keine Jünglinge in weißen Gewändern und keine Männer mit Flügeln sein. Boten Gottes, das sind auch wir, die wir die Botschaft der Auferstehung Jesu vom Aufstehen aus dem Tod hören und bezeugen.

    Denn: Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja. Amen.

  • Da sitzen sie also und haben ihren Platz am Tisch und bei dem Mahl, zu dem Jesus sie eingeladen hat: die Jünger – mindestens die Zwölf, aber auch noch andere: Männer und Frauen, die mit Jesus diesen Abend begehen wollen.

    Und da sitzen wir – heute digital verbunden mit Kamera und Mikrofon, aber eben doch nicht alleine: Frauen und Männer, die sich haben von Jesus einladen lassen. Auch wir sind – die wir von einem Brote essen, aus einem Kelche trinken – Jesu Glieder, Schwestern und Brüder.

    Und vielleicht hat der Moment, an dem der Bericht eben mit der Ankündigung des Verrats vorläufig endete, uns ungläubig in den Abgrund menschlicher Existenz blicken und erschauern lassen. „O Judas, wie konntest Du nur?“ So ganz nebenbei wird uns in diesem Moment vielleicht bewusst, dass auch wir mit unseren je eigenen Abgründen am Tisch sitzen: mit dem, was mich trennt von den anderen; mit dem, was ich an mir selbst nicht verstehe. Aber das sind wir nicht nur. Wir sind in uns selbst so viele und ich stelle mir vor, dass es die Gesamtheit der Jünger in uns ist, die da mit am Tisch sitz.

    Da ist der Petrus in mir: der so euphorisch und geradeheraus ist, dass er immer wieder auch scheitert.
    Da ist der Philippus in mir: der später als Diakon der Urgemeinde dafür sorgt, dass alle versorgt sind.
    Da ist der Levi-Matthäus in mir: der frühere Zolleinnehmer, der kühl berechnet und kalkuliert.
    Da ist der Jakobus, Sohn des Alphäus, in mir: der ganz Unscheinbare, der aber unbedingt dazu gehört, ohne den ein wichtiges Stück fehlen würde.
    Da ist der Johannes in mir, von dem gesagt wird, dass er an der Brust des Herrn gelegen habe, mit seiner Sehnsucht nach körperlicher Nähe und Wärme.
    Da ist der ältere Jakobus, der Bruder des Johannes, in mir, der den Glauben bis an die Enden der Welt tragen möchte und bis nach Santiago kommen wird.
    Da ist der Thaddäus in mir, der vor den so großen Herausforderungen der Gegenwart Angst hat.
    Da ist der Andreas, der Bruder des Petrus, in mir, der zum Anführer der übrigen wird, wenn Jesus mit den drei großen (also Petrus, Johannes und Jakobus) nicht da ist, und der so froh ist, wenn er die so große Last der Verantwortung wieder abgeben kann.
    Da ist der Simon in mir, der als Zelot gegen die Einschränkungen der ihn umgebenden Welt rebelliert.
    Da ist der Thomas in mir, dem mit seiner skeptischen Art das Glauben so schwer fällt.
    Da ist der Nathanael in mir, der so sicher ist, dass er in Jesus der Messias gefunden hat.
    Und da ist eben dieser Judas in mir und mit ihm das Wissen um das Böse und Abgründige, das den Lauf der Welt mit bewegt, das mit am Tisch sitzt und nicht weg geht.

    So waren sie alle da – die Jünger damals mit Jesus an dem Tisch, an den er sie eingeladen hatte. Sogar Judas bleibt nach Matthäus dabei, er wird nicht ausgeschlossen; auch er feiert das Mahl mit und bekommt wie alle anderen Anteil an Leib und Blut Jesu.

    Und so sind sie alle auch heute da – in uns; mal mehr dieser und mal mehr jener – mit Jesus an unserem Tisch: weil er uns einlädt. Weil er uns an diesem Tisch zusammenhält. Weil wir ihm wertvoll sind. Trotz allem und wegen allem. Jesus lässt uns Gast sein … einmal … wieder einmal … und wieder.

    Und so essen wir Brot und Liebe. Und so trinken wir Wein und Gnade. Lassen geschehen … einmal … wieder einmal … und wieder. Alles Wichtige ist jetzt – an diesem Tisch. Amen.

  • Kyrie mit „Du siehst mich“ (freiTöne 48)

    Du, Gott, siehst uns: Wie wir Orientierung suchen in einer Zeit, in der wir nicht wissen, was morgen sein wird:

    • G: Die siehst mich … (freiTöne 48,1)

    Du, Gott, siehst uns: Wie wir so viele Worte machen: in der großen Politik und im kleinen Kreis, und doch nichts wirklich sagen können.

    • G: Die siehst mich … (freiTöne 48,2)

    Du, Gott, siehst uns: Wie wir tief in unserem Herzen wissen, dass sich so viel verändern muss, und wir uns nicht trauen.

    • G: Die siehst mich … (freiTöne 48,3)

    Predigt zu Johannes 12,20-24

    (Der Predigttext Johannes 12,20-24 ist zuvor als Schriftlesung gelesen worden.)
    Jesus hat seinen bevorstehenden Tod vor Augen, schon die Salbung in Bethanien hatte er auf sein Begräbnis hin gedeutet. Trotzdem kann er seinen Jüngern die Augen für das kommende Leben öffnen. Die Schwierigkeiten und auch seinen Tod blendet Jesus dabei nicht aus, aber er sieht weiter als nur bis zum Moment des Todes. Jesus weiß: Es braucht diesen Weg der Verwandlung: durch den Tod hindurch ins Leben, damit aus seinem Sterben in Jerusalem neues Leben mit einer überwältigenden Fülle an Frucht erwächst. Mitten in der Passionszeit und mitten in der Coronazeit mit ihren Fragen und ihrer Verunsicherung wird mit diesem Sonntag an die Fülle des Lebens erinnert.

    Noch ist es aber so, dass uns diese Pandemie im Griff hat: So vieles ist nicht vorherzusehen; bei allem Bemühen um realitätsnahes Agieren gibt es immer wieder Stolperfallen, die an der Richtigkeit des Weges zweifeln lassen; und je länger es geht, desto ungeduldiger wird das Ende herbeigesehnt – ganz anders als beim ersten Lockdown vor einem Jahr, als alle in großer Einmütigkeit durch Abstand dem Virus zu begegnen versuchten.

    Was für ganz viele Menschen neben den existenziellen Sorgen am schwierigsten war und ist: Es fehlen die Begegnungen, denn Kontakte über Telefon und Internet können das reale Gespräch von Angesicht zu Angesicht nicht vollständig ersetzen, und schon gar nicht einen Händedruck oder eine Umarmung.

    Alleinsein ist eines der Wörter, die schon seit längerer Zeit wichtig geworden sind und die im zurückliegenden Jahr immer wieder im Mittelpunkt gestanden haben: Menschen in Seniorenheimen, in Krankenhäusern und Sterbezimmern, Großeltern ohne Enkelkinder – das sind die Gruppen, die das besonders erfahren haben. Und so bin ich dieses Mal an dem einen Satz: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt, bleibt es allein“ und besonders an den Schlussworten „bleibt es allein“ hängen geblieben.

    Wenn Jesus das Bild vom Weizenkorn auf sich bezieht, ist es ganz klar: Als die Zeit reif war, musste Jesus nach seinem langen Weg in Jerusalem sterben, um dann am 3. Tag aufzuerstehen.
    Aber wie ist das, wenn wir das Bild vom Weizenkorn auch auf uns beziehen? Sehen wir uns den wachsenden Weizen doch einmal an:

    1) Da ist die Erde, in die das Weizenkorn fallen soll.
    2) Da ist das Korn, das die Feuchtigkeit seiner Umgebung aufnimmt und zu keinem beginnt – ganz klein.
    3) Da ist der Keim, der aus dem Korn erwächst und der
    4) zu einem kleinen Halm wächst, der Sonne entgegen.
    5) Der Halm wird größer und kräftiger, dass sich an seinem Ende die Ähre bilden kann, in der schließlich die einzelnen Körner reifen: die Frucht des Lebens.

    Nach der Zeit des Wartens braucht es den auslösenden Moment, es braucht das „in die Erde fallen“, damit etwas mit uns geschehen kann, das uns verändert und verwandelt. Bis das passiert, gilt es, das Alleinsein noch auszuhalten. Die Möglichkeiten, die in uns als dem Weizenkorn verborgen sind, bleiben glücklicherweise so lange erhalten, bis es Zeit für uns ist.

    Wenn es dann so weit ist, sollen und werden wir keimen und wachsen, reifen und Frucht bringen.
    An diese Verwandlung erinnert uns der heutige Sonntag mit seinem Bild vom Weizenkorn: Jesus war nach Karfreitag und Ostern nicht mehr wie vorher mit seinen Jüngerinnen und Jüngern unterwegs; an die Stelle der in Galiläa und Judäa umherziehenden Gruppe ist die Kirche getreten, das wandernde Gottesvolk durch die Zeit: Sie ist die Frucht, die aus Jesu Sterben und Auferstehen erwachsen ist; in ihr ist Jesus nun ganz neu und anders gegenwärtig.

    Und auch uns nimmt Gott, damit wir uns verwandeln, damit wir trotz aller Unsicherheit und Ungeduld, trotz Corona und allem, was uns sonst gefangen nehmen will, unter seinem Segen wachsen und Frucht bringen: zu einem Leben in Liebe und Freude. Amen.

  • P: Die Speisung der 5000 bei Markus ist nicht nur eine Geschichte über das Essen und das Sattwerden – und damit ist sie nicht nur eine Wundergeschichte, die etwas über die Macht Jesu sagt.
    Im Mittelpunkt stehen vielmehr die Jüngerinnen und Jünger Jesu: Jesus fordert sie auf, nach- und hinzusehen, was an Möglichkeiten da ist, um die Menschen satt zu machen. Und so ist diese Episode auch eine Geschichte über das Sehen.
    „Schaut hin!“ – Sprichwörter und Aphorismen zum Sehen und Hinsehen gibt es wie Sand am Meer. Hier eine kleine, sicherlich sehr willkürliche Auswahl:

    L2: „Ich seh den Wald vor lauter Bäumen nicht.“ – sagt ein deutsches Sprichwort.
    L1: Ich kam, sah, und siegte. – ist Julius Cäsars trockener Kommentar zu seinem Sieg.
    L2: Eine kluge Frau wird manches übersehen, aber alles überschauen. – stellt Lil Dagover augenzwinkernd fest.
    L1: „Seht ihr den Mond dort stehen, er ist nur halb zu sehen.“ – dichtet Matthias Claudius.
    L2: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ – schreibt Antoine de Saint-Exupéry in „Der kleine Prinz“.
    L1: „Wo kämen wir hin, wenn alle sagten, wo kämen wir hin, und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen.“ – schachtelt Kurt Marti, der Schweizer Pfarrer und Schriftsteller.

    P: Ja, wo kämen wir hin, wenn keine nachsehen würde, was da ist! Jesu „Schaut hin!“ Es ist die zentrale Aufforderung an seine Jüngerinnen und Jünger. „Schaut hin!“ – Das ist auch das Leitwort, unter dem der 3. Ökumenische Kirchentag steht. „Schaut hin!“ – Und schließlich eine Aufforderung, die in unserer heutigen Zeit ihre ganz eigene Bedeutung hat. Denn heutzutage kommt es in besonderer Weise darauf an, die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind – und nicht nur irgendwelche Zerrbilder oder Halbwahrheiten wahrzunehmen, irgendwelche Lügen oder Fakenews.

    Das Ergebnis der Nachforschungen der Jünger scheint absolut ernüchternd zu sein: 5 Brote und 2 Fische! Aber Markus macht mit vielen Einzelheiten deutlich, dass es sich trotzdem nicht um eine Notspeisung handelt: Das grüne Gras erinnert an die verheißene Fülle aus Psalm 23 und das, was übrig bleibt, erzählt davon, dass für jeden Stamm Israels ein Korb da ist. Es kommt nicht darauf an, ein Festmahl auszurichten; sondern dass alle satt werden. Es reicht, sogar mehr als das. Die Jünger dürfen hier wie an vielen anderen Stellen lernen, dass sie in der Gegenwart Jesu keine Angst haben müssen. Glauben heißt: auf Jesus sehen.

    Es heißt aber nicht: die Verantwortung für alles einfach an Jesus oder einen anderen abgeben, der sich als starker Mann inszeniert. Jesus lehrt die Jünger: Sie sollen sehen, was sie haben und dann tun, was dran ist. So ordnen die Jünger die Menge und verteilen, was sie haben, nachdem Jesus für das gedankt hat, was da ist. So übernehmen sie Verantwortung.

    Jüngerin und Jünger Jesu sein – das heißt: nicht nichts tun und nicht das Übermaß tun wollen. Das gilt bis heute und über heute hinaus, wenn wir fragen, was die Kirche Jesu Christi in ihrer jeweiligen Zeit tun soll:

    L1: Wir können als Christinnen und Christen und auch als Kirche nicht die Welt retten. Aber wir dürfen unsere Hände nicht in den Schoß legen.
    Sehen wir die Möglichkeiten, die wir haben, und tun wir das, was wir tun können, um unsere Schöpfung zu bewahren. Das ist unsere Verantwortung.
    L2: Wir können als Jüngerinnen und Jünger Jesu auch nicht die Kirche retten: nicht unsere eigene noch die ökumenische Gemeinschaft der Kirche. Aber wir sehen auf das, was wir an Möglichkeiten haben, und wir tun das, was wir tun können.
    L1: Wir werden als Christinnen und Christen und auch als Kirche nicht das Elend der Welt beseitigen – weder das Elend durch Corona noch das Elend durch die ungerechte Verteilung von Gütern und Macht in dieser Welt. Aber wir sehen auf die Möglichkeiten, die wir haben, und wir setzen sie mutig ein zum Wohl der Menschen, die Unterstützung und Schutz brauchen.
    L2: Wir als Jüngerinnen und Jünger Jesu und auch als Kirche werden nicht unser Sozialsystem und unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt retten. Aber wir sehen auf unsere Möglichkeiten und wir nehmen sie wahr zum Wohl unserer Stadt und unseres Landes.

    P: Als Kirche, als Jüngerinnen und Jünger Jesu dürfen auch wir lernen, dass wir in der Gegenwart Jesu keine Angst haben müssen. Glauben heißt: auf Jesus sehen. Und er hat versprochen: Siehe ich bin bei Euch alle Tage bis an der Welt Ende. Amen.

  • Hier die Predigt aus dem Video-Gottesdienst vom 2. Sonntag nach Epiphanias am 17. Januar 2021 noch einmal zum nachlesen:

    Wer ist Jesus? Die vier Evangelisten geben darauf ganz unterschiedliche Antworten. Vor allem Johannes geht seinen eigenen Weg. Am Anfang seines Evangeliums schildert er Ereignisse aus drei aufeinander folgenden Tagen:

    Am ersten Tag sieht der Täufer Jesus und nennt ihn das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt trägt; am zweiten Tag beruft Jesus die ersten Jünger: Andreas und Simon Petrus, Philippus und Nathanael; und am dritten Tag setzt Jesus ein erstes Zeichen – und das auch noch bei einer Hochzeit:

    Und am dritten Tage war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da.
    Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen.

    Es mag für uns in Coronazeiten ganz schwierig sein, an Hochzeiten zu denken, also an Hoch-Zeiten des Lebens, die wir mit Feiern, mit unbeschwerter Fröhlichkeit und wunderbarer Fülle verbinden. Denn zur Zeit ist an solche Feiern nicht zu denken und viele Menschen haben im zurückliegenden Jahr solche Feiern absagen oder doch zumindest verschieben müssen. Aber die Erwartung, dass das alles wieder möglich sein wird, ist groß. Lassen wir uns also vom Evangelisten Johannes mit hinein nehmen in die Hochzeitsfeier, die Feier des Lebens.

    Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr.

    Die Feier hat kaum angefangen, da droht sie schon zu Ende zu sein: Es ist nicht genug Wein da! Wie peinlich für den Weddingplaner und noch mehr für den Bräutigam. Was soll werden ohne Wein? Feiern nur mit Wasser? Das geht nicht. Denn der Wein steht in der Bibel in ganz besonderer Weise für alles, was Lebenslust, Freude und Feiern heißt. Wenn kein Wein mehr, dann auch keine Feier.

    So ähnlich ist es uns dann auch ergangen: Die ersten Maßnahmen zu Corona im letzten März wurden zwar erst nach den Karnevalstagen eingeleitet, aber unser Leben war dann doch ganz plötzlich ausgebremst, wo eben noch alles so fröhlich erschien. Plötzlich saßen wir auf dem Trockenen und waren in einer ganz harten Realität angekommen, die wir uns vorher nicht hatten vorstellen können. Und nun?

    Jesus spricht zu seiner Mutter: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.
    Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut.

    Maria hat die peinliche Situation bemerkt und ihrem Sohn gesagt, er solle helfen. Doch Jesus will nicht – wie sich erwachsene Kinder wohl nie sonderlich wohl fühlen, wenn sie von ihren Eltern öffentlich zu etwas verpflichtet werden. Und Jesus erwartet seinen Auftrag von seinem himmlischen Vater her, nicht von seiner Mutter. Aber wie wohl alle Mütter (und Väter) so sind, hat Maria sich nicht um die Antwort ihres Sohnes geschert und den Bediensteten des Kellermeisters gesagt: „Was er, Jesus, euch sagt, das tut!“ – Und das rettet das Fest:

    Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte,
    und in jeden gingen zwei oder drei Maße.
    Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan.
    Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt’s dem Speisemeister! Und sie brachten’s ihm.
    Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam – die Diener aber wussten’s, die das Wasser geschöpft hatten –, ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein
    und, wenn sie trunken sind, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten.
    Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat. Es geschah zu Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.

    Da, wo Jesus ist, ist die Fülle des Lebens zu finden: Zeichenhaft im Wein, für den Jesus bei der Hochzeit in Kana sorgt. Und auf ganz vielfältige Weise sonst, wie Johannes es in den folgenden Kapiteln seines Evangeliums weiter berichtet. Gottes Reich ist nicht nur irgendwann und fern – es ist mitten unter uns. Maria, die Mutter Jesu, hat mit ihrer Aufforderung auf den Punkt gebracht, was das Fest retten würde: „Was er, Jesus, euch sagt, das tut!“

    Das rettet auch unser Fest des Lebens. Ich weiß aber nicht, wie es Ihnen und Euch geht, wenn Sie das hören: „Was er euch sagt, das tut!“ Irgendwie wissen wir natürlich alle: Was Jesus uns zu sagen hat, das ist gut und hilft uns zum Leben. Aber es hört sich doch viel zu einfach an: „Mach doch einfach, was er euch sagt!“ Ja, aber was denn? Und wie? Ich sehe 2 Antworten:
    Eine kommt von Jesus aus der Bibel. Es ist seine Antwort auf die Frage nach dem höchsten Gebot.

    Du sollst Gott, den Herren, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt und deinen Nächsten wie die selbst.

    Und die andere Antwort finde ich in einem kleinen Text aus der Coronazeit im Frühjahr unter der Überschrift „Nicht alles ist abgesagt …“, das ich für heute gerne positiv formulieren möchte:

    Sonne ist angesagt – Frühling ist angesagt,
    Liebe ist angesagt – Lesen ist angesagt,
    Zuwendung ist angesagt.
    Musik ist angesagt – Phantasie ist angesagt
    Freundlichkeit ist angesagt
    Gespräche sind angesagt
    Hoffnung ist angesagt – Beten ist angesagt …

    All das ist angesagt. All das ist möglich! Und all das bringt uns in unserer Mitmenschlichkeit weiter; ist das, was Jesus uns sagt, was wir tun sollen. Und noch viel mehr. Die Liste lässt sich mit so vielem verlängern, was uns in diesen Zeiten zu mehr Menschlichkeit verhilft. So wird und bleibt das Leben trotz aller Einschränkung, trotz allem Leid und mancherlei Traurigkeit ein Fest, sein Fest mit uns. Amen.

    Bibeltext: Johannes 2,1-11 (wörtlich zitiert aus: Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung – revidiert 2017, © 2017, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)