Breitensport-Gottesdienst 2020

Hier das Interview mit dem Team „Respekt“, die Predigt und die Fürbitten vom Gottesdienst zum heutigen Breitensporttag des TuS 09 Möllbergen.
Ein ganz, ganz großes Dankeschön an alle, die diesen Gottesdienst mit vorbereitet und mit ihren Texten und Gedanken bereichert haben!

Das Team „Respekt“:

Hallensprecher/Moderator: Liebe Sportsfreunde, ihr wartet sicherlich schon sehnsüchtig auf eure Stars, auf eure Mannschaft. Und hier kommen sie:
Rücksicht, Ehrlichkeit, Selbstreflektion, Persönlichkeit, Empathie, Kommunikation, Toleranz
Zusammen sind sie unser Team – zusammen sind sie RESPEKT.

Das Interview mit dem Team Respekt:
Moderator: Passend zum Thema und zu diesem Bibeltext (Römer 12,9-21 in der Übersetzung „Hoffnung für alle“) haben wir hier die ganz Mannschaft zum Interview versammelt. Das ist super. Liebes Team Respekt! Wo kommt ihr als Mannschaft eigentlich vor? In welcher Liga spielt ihr?
Rücksicht: Wir spielen in jeder Liga. Unsere Mannschaft ist überall da am Start, wo Menschen sich begegnen.
Moderator: Könnt ihr mir ein paar Beispiele nennen?
Selbstreflektion: Klar, gerne. Wir klatschen zum Beispiel Beifall bei einem Sportevent oder bei einer Aufführung – als Anerkennung für die Leistung der Aktiven.
Ehrlichkeit: Und wir folgen den Anweisungen von Feuerwehrleuten, von Sanitätern und Ärzten oder der Polizei, wenn die für Ordnung, Sicherheit und Rettung von anderen sorgen müssen.
Persönlichkeit: Wir achten die Individualität des Einzelnen und erkennen auch seine Schwächen an, ja: auch die Fehler. Die macht jeder und es muss trotzdem immer wieder einen neuen Anfang geben.
Empathie: Wir verhalten uns leise, wenn wir eine Kirche betreten – aus Respekt vor den anderen Gläubigen und aus Respekt vor Gott natürlich.
Kommunikation: Wir hören anderen Menschen zu und lassen Sie ausreden – als Wertschätzung der anderen Meinung, auch wenn sie nicht unsere Meinung ist.
Toleranz: Und Respekt geht über das Miteinander von Menschen hinaus. Es geht auch um Respekt vor dem Leben insgesamt: also vor Tieren und Pflanzen, vor Sachen; also um Respekt vor unserer ganzen Erde.
Moderator: Alles klar. Dann vielleicht eine dumme Frage: Gewinnt ihr immer? Oder verliert ihr auch manchmal?
Toleranz: Die Frage ist gar nicht dumm. Sie ist sogar sehr berechtigt. Denn wir verlieren leider viel öfter, als uns das lieb ist! Das machen die in der großen Politik gerade nur zu deutlich vor: Gefühlt entwickelt sich die Gesellschaft in der Welt zu egoistischen Einheiten: ‚America First‘ bei Trump. Und viele andere sagen das für ihr Land auch. Ob sie nun Putin oder Johnson, oder Erdogan oder Orban heißen.
Rücksicht: Aber es sind nicht nur die Großen. Wenn du dir Kommentare im Internet ansiehst, dann weißt du, was ich meine. Wie Menschen da alleine mit Worten aufeinander losgehen – das ist für uns immer wieder ein ganz bittere Niederlage.
Ehrlichkeit: Oder sieh dir an, wie manchmal Eltern bei Jugendspielen im Handball oder Fußball auf den Schiedsrichter oder auf die aus der anderen Mannschaft losgehen. Ehrgeiz und Emotion – ja gerne. Das muss sein. Aber keine Gewalt!
Moderator: Und was hat der TuS 09 Möllbergen mit euch, dem Team Respekt, zu tun?
Empathie: Unser Sportverein hat da eine ganz, ganz wichtige Aufgabe! Hier können wir das leben. Der TuS zusammen mit den anderen Vereinen und der Kirchengemeinde ist doch der Ort, wo Respekt möglich ist.
Kommunikation: Genau. Hier – beim Sport und beim Bier danach – finden die Gespräche statt, die helfen, dass unsere Gesellschaft offen bleibt; hier, in den Vereinen, treffen sich doch die Leute und heißen neue Menschen willkommen.
Persönlichkeit: Und da kommt es nicht drauf an, wo du her kommst: Ob du schon immer in Möllbergen gewohnt hast, ob du aus Minden zugezogen bist; ob du aus Afrika geflüchtet bist, weil du da Angst um dein Leben haben musstest, oder ob du sogar aus Veltheim kommst.
Selbstreflektion: Respekt entsteht ja nicht, weil es von dem anderen eingefordert wird, sondern man muss selbst erkennen, dass das die richtige Einstellung dem anderen gegenüber ist. So hat das ein Psychologe im „Hamburger Abendblatt“ mal geschrieben. Das – finde ich – trifft es sehr gut. Man muss genug über sich selbst erkannt haben und mit sich im „Reinen“ sein, damit man andere als gleichwertig erkennt. Dann klappt das auch mit den Veltheimern.

Predigt
Liebe Freunde des Sports für Leib und Seele!
„Respekt“ – es ist einer der Begriffe, die aus meiner Sicht an erster Stelle stehen würden, wenn es eine Wahl zum Motivationswort des Jahres geben würde. Bisher gibt es ja nur das Unwort des Jahres. Natürlich denken Menschen auch darüber nach, warum dieses Unwort so schlecht ist. Aber: Ist es nicht viel wichtiger, positive Impulse zu setzen? Schlechte Nachrichten gibt es genug. Wir brauchen Worte, die uns anstoßen und in Bewegung bringen; wir brauchen Worte wie Respekt, die uns bewusst machen, wie wir unsere Welt positiv gestalten können. So, wie es eben im Interview angeklungen ist: der Verein als ein ganz wichtiger Ort, wo wir lernen und immer wieder neu einüben, respektvoll miteinander umzugehen. Also: „Respekt“ – für mich das Motivationswort des Jahres 2020.
Dabei sagt „Respekt“ als modernes Wort genau das, was Gott schon seit Jahrtausenden von seinen Menschen will. Denn was heißt „Du sollst Gott, den Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften. Und du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst,“ anderes als: „Du sollst höchsten Respekt haben vor Gott und deinem Mitmenschen?“

Wichtig ist: Es gibt zwei Arten von Respekt. Da ist der Respekt, den man auch etwas gesteigert mit Bewunderung umschreiben kann: für eine ganz besondere Leistung. Er oder sie oder die Mannschaft hat eine besondere sportliche Leistung erbracht: Sportabzeichen in Gold, Westfalenmeister, Deutscher Meister oder Weltrekord; oder da ist jemand das ganze Jahr beim Spinning oder bei Steppaerobic gewesen; wirklich das ganze Jahr, ohne einmal zu fehlen! Oder jemand kann toll singen oder ein Instrument spielen. Das ist der „Bewunderungs“-Respekt: „Das ist sooo toll; das würde ich auch gerne können oder schaffen.“ Die Kunst bei dieser Form von Respekt ist es, den Bewunderten nicht zu sehr auf einen Sockel zu stellen. So faszinierend er oder sie auch ist, Gott ist sie oder er nicht. Und schon Gott gehört nicht auf einen Sockel, sondern mitten ins Leben. Und wenn ihr zu den Bewunderten gehört: So schön das bestimmt ist, bewundert zu werden – lasst euch nicht auf einen Sockel stellen. Da fällt man ganz schnell runter.

Und dann ist da die zweite Form von Respekt, die für uns im Alltag viel wichtiger ist. Um diese Form von Respekt geht es in diesem Gottesdienst: dass man einander als gleichwertige Menschen betrachtet. Achtung des anderen um seiner selbst willen. Das ist das, was uns vor Gott als dem Schöpfer aller Menschen deutlich wird: weil (nicht wenn), also weil der oder die andere ebenso Gottes Geschöpf ist, wie ich es bin, muss ich ihn oder sie achten. Ich gebe zu: Das fällt manchmal ganz schön schwer! Denn es gibt ja nicht nur die netten Menschen, sondern auch die, die ich nicht leiden kann, die mir wirklich zu schaffen machen, weil sie einen anderen Lieblingsverein haben, weil sie eine andere Partei gut finden, weil wir uns mal so richtig gezofft haben und der Streit nicht beigelegt werden konnte.
Was aber schon der Apostel Paulus wusste und worauf er viel Wert gelegt hat: Es ist unsere bleibende Aufgabe, auch mit diesen Menschen in Frieden zu leben: „Soweit es irgend möglich ist und von euch abhängt, lebt mit allen Menschen in Frieden,“ schreibt er. Wir müssen sie nicht besonders lieben, aber wir müssen ihnen die Achtung entgegenbringen, die sie als Geschöpf Gottes verdienen. Sogar dann, wenn die uns diesen Respekt nicht erweisen.

Ich weiß ja nicht, ob meine Konfis ihre Hausaufgabe gemacht haben: Nach dem Konfiblock zum Thema Gebet gestern vor einer Woche war die Hausaufgabe der Härtetest: „Eine Woche für seinen Feind beten.“ (Wer wirklich meinte, keinen Feind zu haben, konnte für den Pastor beten. Der braucht das nämlich auch, auch wenn er nicht der Feind der Konfis ist.) Aber das passt hier in unser Thema Respekt im christlichen Sinn so gut hinein. Nehmt das von diesem Gottesdienst mit nach Hause und probiert es selber aus: Eine Woche für seinen Feind beten. Wohlgemerkt: Für ihn vor Gott eintreten; nicht gegen ihn!

Natürlich bedeutet das alles nicht, dass alles gut und richtig ist, was andere Menschen sagen oder tun. Manches ist wirklich eine absolute Katastrophe. Gerade da ist es wichtig, trotz aller inhaltlicher Unterschiede immer noch respektvoll miteinander umzugehen. Denn wenn ich dem anderen mit Worten oder mit der Faust eine reinhaue, wird der auf mich bestimmt nicht mehr hören. Die Nachrichten mit den Meldungen über den Amerika-Iran-Konflikt zeigen das im Großen; die Hasskommentare im Internet zeigen es auf der Ebene von eigentlich ganz normalen Menschen. In der heutigen Zeit hat der Respekt voreinander einen schweren Stand. Aber eine Welt ohne RESPEKT will und kann ich mir jedenfalls nicht vorstellen. Wir müssen mit allen Mitteln am Respekt voreinander festhalten: als Menschen und als Christen noch einmal mehr.

Der Landessportbund Niedersachsen hat in seinem Leitbild über seine „Grundwerte“ festgehalten, was Respekt bedeutet: „Der Mensch steht im Mittelpunkt heißt für uns, Fairplay, Partnerschaft, soziales Handeln, Toleranz, Unversehrtheit des Partners, Chancengleichheit, Anerkennung von Regeln, Teamgeist und Solidarität zu leben. Diese Werte gelten vom Breitensport bis hin zum Spitzensport, insbesondere bei der Entfaltung und Förderung von motorischen und sozialen Talenten.“* Dem ist aus christlicher Sicht nichts hinzuzufügen. Und deshalb bleibt „Respekt“ für mich das Motivationswort des Jahres 2020. Amen.
* https://www.lsb-niedersachsen.de/landessportbund/leitbild-leitlinien/?L=0

Fürbitten
P: Großer Gott, wir danken dir: Du siehst uns an mit deinem liebevollen Blick. Wir loben Dich: Du machst dich klein, wirst Mensch, ja sogar ein Kind und du erweist uns so deinen Respekt. Wir bitten dich:
Rücksicht: um Achtung vor den anderen, vor ihrer Leistung, vor ihrem Tun.
Toleranz: um Achtung vor dir, Gott, der uns diese Welt, auf der wir leben dürfen, gegeben hat.
Kommunikation: um Achtung vor den Lebewesen, die auf dieser Welt mit uns leben.
Ehrlichkeit: um Achtung vor denen, die im Leben kein Glück hatten, die unter Armut, Krieg oder Krankheiten leiden.
Persönlichkeit: um Achtung vor denen, die verfolgt werden, weil sie einen anderen Glauben haben oder einer anderen Volksgruppe angehören.
Moderator: um Achtung vor denen, die ihren inneren Schweinehund überwunden haben und ein persönliches Ziel erreicht haben.
Selbstreflektion: um Achtung vor denen, die sich friedlich gegen Gewalt richten.
Empathie: um Achtung vor den Toten. Vor dir Gott, denken wir heute besonders an N.N., die Du nach einem so langen Leben zu dir gerufen hast. Wir danken dir für alles, was ihr Leben schön und gut gemacht hat. Und wir bitten für alle, die jetzt Abschied nehmen müssen. Sei du ihnen allen nahe mit deinem Trost und Segen.
P: Sei du uns allen durch deinen Heiligen Geist Halt und Hilfe, sei unsere Zuversicht und Kraft, heute und alle Tage, damit wir dir und einander den Respekt erweisen, der nötig sind. Dir vertrauen wir uns an und beten singend mit den Worten Jesu:

Gottesdienst am 5. Januar 2020

Am (morgigen) Sonntag begehen wir schon einen Tag vor dem offiziellen Termin den zweiten großen Festtag, an dem Weihnachten gefeiert wird: Epiphanias – das Fest von der Erscheinung Christi – oft auch als Tag der Heiligen Drei Könige bezeichnet. Natürlich: der eigentliche Termin ist einen Tag später am 6. Januar; aber wir ziehen ihn einen Tag vor; nach der neuen Lese- und Predigtordnung ist dies ausdrücklich möglich. Und es macht aus meiner Sicht keinen Sinn, Sonntag nach einem Festtag zu zählen, diesen Festtag aber gar nicht zu begehen. Also kommen bei uns schon morgen die Heiligen drei Könige an der Krippe an.

Am Heiligen Abend steht ja mehr im Vordergrund, dass Gott ein armes Menschenkind wird, das von den Hirten besucht wird. Das Epiphaniasfest bezeugt, wie Gottes strahlende Herrlichkeit in diese Welt kommt. Aus dem lokalen Geschehen in Bethlehem wird ein Ereignis von globaler Bedeutung. Und es sind die Könige, die diesen Glanz symbolisieren, ohne die Armut Gottes in dieser Welt durch das Kind im Stall zu leugnen.

Die Universalität Gottes wird zum einen durch die Geschichte von den Weisen, den Magiern, den Königen bezeugt (Matthäus 2,1-11). Aber auch die anderen Texte des Sonntags weiten unseren Blick: Aus dem Alten Testament gehören der Besuch der Königin aus Saba aus dem 1. Königebuch (1. Könige 10,1-13) und das Licht Gottes in der Dunkelheit der Völker aus Jesaja 60,1-2 dazu. Aus dem Neuen Testament ist es zum Beispiel der Predigttext in diesem Jahr aus dem Epheserbrief im 3. Kapitel (Epheser 3,1-7), der deutlich macht, dass Gottes Kommen in die Welt eine universale Auswirkung hat: Es ist dieses tiefe Geheimnis, das uns offenbart ist: dass auch die Heiden – also alle, die nicht zuvor jüdischen Glaubens waren – Miterben sind und Mitgenossen der Verheißung in Christus Jesus. Also auch wir heute.

HERZLICHE EINLADUNG ZUM GOTTESDIENST:

  • in der Möllberger Kirche
  • mit Feier des Heiligen Abendmahls
  • um 10.00 Uhr
  • anschließend: Kirchenkaffee

Gottesdienst am 1. Sonntag nach Weihnachten (29.12.19

Genau in der Mitte zwischen den Weihnachtsfeiertagen und den Gottesdiensten zum Jahreswechsel liegt in diesem Jahr der 1. Sonntag nach Weihnachten. Neben dem Evangelium des Tages, nach dem Jesus von seinen Eltern zur Beschneidung in den Tempel gebracht wird und von Simeon und Hannah als Heiland erkannt wird (Lukas 2,22-40), steht als Brieflesung der Beginn des 1. Johannesbriefes (1. Johannes 1,1-4), in dem der Apostel (fast wie im Evangelium) den großen Bogen vom Anfang des Geschehens bis zur Verkündigung an die Gemeinde schlägt: Mit Weihnachten erscheint das Leben selbst unter uns!

In diesem Jahr ist der Gottesdienst am 1. Sonntag nach Weihnachten ein gemeinsamer Gottesdienst der evangelischen Kirchengemeinden Porta-Süd. Im Mittelpunkt der Predigt von Katharina Kenter-Töns wird am Sonntag des Paul Gerhardt-Lied „Ich steh an deiner Krippen hier“ stehen. Der Kirchenchor Holzhausen-Möllbergen und Jonathan Dräger an der Orgel gestalten den Gottesdienst musikalisch.

HERZLICHE EINLADUNG ZUM GOTTESDIENST:

  • in der Möllberger Kirche
  • um 10.00 Uhr
  • anschließend: Kirchenkaffee
  • anschließend: Büchertisch und Eine-Welt-Tisch

Predigt am 3. Advent 2019 über Lukas 3,1-20

Vorbemerkung: Der Predigttext Lukas 3,1-20 ist in den Erzählfaden der Predigt eingewoben. Wo der Bibeltext (fast) wörtlich erscheint, ist er kursiv beziehungsweise in Großbuchstaben gesetzt. Die beiden Abschnitte in Großbuchstaben wurden von einer anderen Stimme gelesen. Der Bibeltext folgt der 2017er Revision der Lutherbibel (© 2016 Deutsche Bibelanstalt).

(Ort: Vor dem Altar)
Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen.
Der heutige Predigttext steht im Evangelium nach Lukas, im 3. Kapitel. Ich werde den Text jedoch nicht als ganzen vorlesen und dann auslegen, sondern in erzählender Form kommentieren. Stellen Sie sich einfach vor, dass es wie beim Heute-Journal oder bei den Tagesthemen eine Live-Schaltung an den Ort des Geschehens gibt; die Schaltung heute überwindet aber nicht nur die Entfernung, sondern auch die Zeit. Der Korrespondent spricht von damals in unsere Zeit heute im 21. Jahrhundert hinein.
Die Regie blendet jetzt also von dem Moderator zu dem Korrespondenten über:
(Ortswechsel: auf der Kanzel)

Ich melde mich aus Palästina. Wir befinden uns [1] im fünfzehnten Jahr der Herrschaft des Kaisers Tiberius, als Pontius Pilatus Statthalter in Judäa war und Herodes Landesfürst von Galiläa und sein Bruder Philippus Landesfürst von Ituräa und der Landschaft Trachonitis und Lysanias Landesfürst von Abilene, [2] als Hannas und Kaiphas Hohepriester waren. In dieser Zeit gibt es noch keine weltumfassenden und allgemeingültigen Jahreszahlen. Um ein Geschehen in seinen geschichtlichen Zusammenhang einordnen zu können, werden die Regierungsdaten bekannter Herrscher mit Ereignissen und Daten aus der näheren Umgebung verbunden, die allen bekannt sind. So könnte bei Ihnen das Jahr 2019 als „im 15. Jahr der Regierung von Angela Merkel, als Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika und Berndt Hedtmann Bürgermeister von Porta Westfalica war“ beschrieben werden. So wissen alle: Das Geschehen ist wirklich passiert.

Im Mittelpunkt meines Berichtes steht ein gewisser Johannes, der in der letzten Zeit hier in Palästina viel Aufsehen erregt hat. Schon die Umstände seiner Geburt waren sehr besonders, weil die Eltern für Kinder eigentlich schon zu alt waren und die Namensgebung allen Gepflogenheiten widersprach. Schon damals – so wurde mir erzählt – fragten sich die Leute, was wohl aus diesem Kind werden würde. Auch sein Vater Zacharias, ein Priester, muss so eine Ahnung von der Zukunft seines Sohnes gehabt haben, denn er hat seine Sicht auf die Situation und das Kind in einem besonderen Lied festgehalten, das im Bericht eben zu hören war.

Vor einiger Zeit nun hat dieser Johannes wohl von seinem Gott einen Auftrag bekommen, als er sich in der Wüste befand. [3] Und er kam wenig später in die Gegend am Jordan und predigte.

Als er auf sein Selbstverständnis hin angesprochen wurde, hat dieser Johannes keine lange Rede gehalten, sondern nur auf eine Stelle in den alten Schriften seiner Religion verwiesen, die er sich zu eigen gemacht hat. [4] Da heißt es im Buch eines gewissen Propheten Jesaja: »Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht seine Steige eben! [5] Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden; und was krumm ist, soll gerade werden, und was uneben ist, soll ebener Weg werden, [6] und alles Fleisch wird das Heil Gottes sehen.« Mehr bräuchte man über seinen Auftrag nicht zu wissen. Nach allem, was man zu dieser Schriftstelle finden kann, geht es um eine sehr intensive und hoffnungsvolle Erwartungshaltung: Denn mit seiner Ankunft soll das universale Heil dieses Gottes verwirklicht werden. Die Jahrhunderte alte Sehnsucht der Menschen nach Frieden und Gerechtigkeit soll erfüllt werden, weil die Ankunft Gottes ganz nahe bevorstehe.

Nötig für dieses universale Heil ist für Johannes, dass sich die Menschen von ihrem bisherigen Lebensstil abwenden. Dieser bisherige Lebensstil wird von Johannes als Sünde bezeichnet und besteht in einem Leben, das nicht den Geboten Gottes entspricht. Das Ziel des Johannes ist es, die Menschen dazu zu bringen, sich wieder neu seinem Gott zuzuwenden. Um diese Neuausrichtung sichtbar zu machen, – damit es also nicht nur bei einem Lippenbekenntnis bleibt – verbindet Johannes seine Predigt mit einer Zeichenhandlung: Diejenigen, denen es mit der Neuausrichtung auf Gott ernst ist, lassen sich von Johannes im Wasser des Jordan untertauchen. So sollen die bisherigen Sünden abgewaschen werden. Johannes nennt diesen Akt die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden.

Von einigen Theologen bin ich allerdings darauf aufmerksam gemacht worden, dass diese landläufige Bezeichnung Taufe der Buße missverständlich sein könne. Denn in vielen Sprachen wird mit Buße eine Strafe verbunden. So wie Bußgelder für irgendwelche Vergehen zu zahlen sind. Für die lateinisch sprechenden Römer hier im Land mag das so sein. Die griechisch sprechenden Menschen können mit dem Aspekt „Strafe“ dagegen überhaupt nichts anfangen. Denn in ihrer Übersetzung bedeutet das, was Johannes sagt und tut, Taufe der Umkehr, also Taufe mit radikaler Neuausrichtung durch eine 180-Grad-Wende im Leben. Vielleicht ist das, was er fordert, bei Ihnen im Jahr 2019 mit einer 180-Grad-Wende bezüglich des Klimaschutzes zu vergleichen.

Das Interesse an der Predigt des Johannes jedenfalls ist riesig. Jeden Tag ist er von einer Menschenmenge umlagert, die ihm zuhört und nicht wenige lassen sich dann auch wirklich von ihm in den Jordan tauchen. Allerdings geht er nicht gerade zimperlich mit den Leuten um. Ganz im Gegenteil. Fast möchte man meinen, er will sie sogar von dieser Taufe abhalten, denn er schnauzt sie geradezu an. Hören Sie sich das einmal an: [7b] Ihr Otterngezücht, wer hat euch gewiss gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet? [8] Seht zu, bringt rechtschaffene Früchte der Buße; und nehmt euch nicht vor zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. [9] Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt; jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.

Wer möchte schon gerne so unter Generalverdacht gestellt werden, es nicht ehrlich zu meinen: Otterngezücht oder Schlangenbrut – das ist nicht wirklich nett. Aber das Geraderichten beim Kommen Gottes, das Johannes mit den Worten des Propheten Jesaja ankündigt, wird wohl nicht so ganz einfach sein – eher schmerzhaft. Wer würde sich da, um dem zu entgehen, nicht gerne ein Hintertürchen offenlassen? Wenn man hier und da ein paar gute Beziehungen hat, wird es dank dieser Beziehungen doch nicht so schlimm werden? Und das Vitamin „B“ zu Abraham, dem Stammvater des jüdischen Volkes, könnte da ja eine wichtige Rolle spielen. Solche Gedanken sieht Johannes bei der Menge vor ihm wohl sehr deutlich.

Aber sich in solcher falschen Sicherheit zu wiegen, das ist nicht nur für die Menschen ein Problem, die zu Johannes kommen. Auch bei Ihnen in Deutschland und der übrigen westlichen Welt meinen viele Menschen, es könnte einfach so weitergehen wie in den letzten sechzig, siebzig Jahren, man könne sich so durchlavieren. So schlimm werde es schon nicht werden. Dass die Weltgeschichte einen ganz anderen Verlauf nehmen kann, als gedacht, und dass ganz sicher geglaubte Privilegien plötzlich nicht mehr gelten, kann womöglich schneller Wirklichkeit werden, als es sich viele Menschen träumen lassen. Deshalb fordert Johannes einen echten Wandel.

Was allerdings die rechtschaffenen Früchte der Umkehr sein sollen, von denen dieser Prophet spricht, ist der Menge hier vor Ort auch nicht klar. Immer wieder habe ich gehört, wie [10] Johannes aus der Menge heraus gefragt wurde: Was sollen wir nun tun? Die Antworten kamen aber immer prompt und ließen an Klarheit nichts zu wünschen übrig: [11b] Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat; und wer Speise hat, tue ebenso. Teilhabe an einem Leben in Würde für alle. So ließe sich sein Programm wohl am besten umschreiben: Hunger und seine Blöße nicht bedecken zu können ist mit der Würde eines Menschen nicht vereinbar. Dass alle Menschen zumindest das Nötigste für ihr Leben haben, ist für Johannes aber wohl noch zu wenig.

Die Gerechtigkeit, die zwischen Menschen entsteht, wenn beide Seiten sich wirklich auf Augenhöhe begegnen können, ist für ihn wohl die vorweggenommene Gerechtigkeit, die dieser Prophet Jesaja vor Augen hat. Und Johannes ist auch hier unbequem deutlich. „Entweder ganz oder gar nicht!“, scheint er zu sagen: Nur den Ärmel eines Hemdes abzugeben, ist genau so sinnlos, wie eine knappe Handvoll Reis zu geben, die zum Überleben auch nicht reicht.

Immer wieder kommen auch Fragen aus der Menge, in denen es um spezielle Gruppen geht. [12] Es kam kürzlich eine Gruppe Zöllner, um sich taufen zu lassen. Im Leben der Menschen hier nehmen sie eine besonders schwierige Stellung ein: korrupt und mit den herrschenden Römern im Bunde. Auch deren Frage war: Meister, was sollen denn wir tun? [13] Auch hier eine klar und deutliche Antwort: Fordert nicht mehr, als euch vorgeschrieben ist! Wer die Verhältnisse hier kennt, weiß allerdings, dass das für diese Menschen eine Forderung ist, die an Radikalität nicht zu überbieten ist. [14] Dies gilt auch für eine weitere Gruppe, die sich an den Täufer gewandt hat: Soldaten. Die Antwort des Johannes war eine Absage an jede Gewalt und Habsucht: Tut niemandem Gewalt noch Unrecht und lasst euch genügen an eurem Sold!

Liebe Zuschauer in Deutschland, der Auftritt des Täufers hat weite Kreise gezogen. [15] Bei vielen, die sich den Traditionen und Verheißungen der Propheten verbunden fühlen, lässt sich eine unterschwellige Erregung wahrnehmen: Es gibt immer wieder Spekulationen, ob Johannes der Täufer vielleicht der „Christus“ wäre, der als der entscheidende Heilsbringer von diesen Leuten erwartet wird. Damit würde vor allem die – in den Augen vieler so verhasste – Römerherrschaft zu Ende sein.

Johannes hat allen diesen Spekulationen aber eine Absage erteilt. Da zeigen sich sein Realismus und seine charakterliche Größe. Denn auf diese Fragen [16] antwortete er allen: Ich taufe euch mit Wasser; es kommt aber der, der stärker ist als ich; ich bin nicht wert, dass ich ihm die Riemen seiner Schuhe löse; der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. [17] In seiner Hand ist die Worfschaufel, und er wird die Spreu vom Weizen trennen und den Weizen in seine Scheune sammeln, die Spreu aber wird er mit unauslöschlichem Feuer verbrennen.

Mit diesen Worten, so scheint mir, hat Johannes zwar die Aufmerksamkeit von seiner Person etwas ablenken können. Was die Erwartungen an den kommenden Erlöser betrifft, da hat er wahrscheinlich eher Öl ins Feuer gegossen. Die Spannung hat sich noch einmal gesteigert. Und sehr deutlich bin ich in der letzten Zeit auf die Ereignisse hingewiesen worden, die sich fast parallel zu der Geburt des Täufers zugetragen haben: Die lassen das Geschehen jetzt in einem besonderen Licht erscheinen.

Denn nach den allgemein zugänglichen Informationen haben sich damals vor etwa dreißig Jahren in der Verwandtschaft des Johannes sehr bemerkenswerte Dinge zugetragen: Ein halbes Jahr nach Johannes wurde in Bethlehem, der Heimatstadt des unvergessenen Königs David, ein gewisser Jesus geboren. Dessen Eltern stammten aus Nazareth und waren beide mit David verwandt.

Noch sind sich Johannes und dieser Jesus, der damals unter so bemerkenswerten Umständen geboren wurde, nicht begegnet; aber vieles – auch mache Äußerungen des Täufers – deuten darauf hin, dass dieser Jesus mit den Verheißungen des Propheten Jesaja noch in viel stärkerem Maße verbunden ist.

Die Erwartungen hier jedenfalls sind hoch und die Atmosphäre ist angespannt, denn [18] mit vielem andern mehr ermahnte Johannes das Volk und predigte. Hier am Jordan ist es jetzt allerdings ruhig geworden. Der Täufer ist zunächst weiter gezogen. Die Menge hat sich verlaufen. Und dann haben wir kurz vor dieser Schaltung eine Nachricht erhalten, die die Situation noch schwieriger machen wird: [19] Herodes, der Landesfürst, der von Johannes zurechtgewiesen wurde wegen seines Verhältnisses mit Herodias, der Frau seines Bruders, und wegen all des Bösen, das er getan hatte, [20] fügte zu dem allen noch dies hinzu: Er warf Johannes ins Gefängnis.

Ich bin gespannt wie es mit dem Täufer und der ganzen Situation hier weiter geht. Und damit gebe ich zurück nach Deutschland ins 21. Jahrhundert.
(kurze Pause) Damit blendet die Regie wieder zurück.

(Ortswechsel: vor dem Altar)
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, der stärke und bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Bruder und Herrn. Amen.

Gottesdienst am 2. Advent 2019

Am 8. Dezember feiern wir den 2. Sonntag im Advent. Die Überschrift über diesem Sonntag lenkt unseren Blick in eine doppelte Richtung: Wir erinnern uns daran,  dass Jesus gekommen ist und gleichzeitig wird uns vor Augen gemalt, dass er auch ein zweites Mal kommen wird. Und das ist der entscheidende Punkt: Christlicher Glaube ist nicht nur Betrachtung eines geschichtlichen Ereignisses vor 2000 Jahren. Im Gegenteil: Jesus kommt! Er kündigt es selbst mit dem Vers der Bibel an, der als Wochenspruch über der 2. Adventswoche steht:

Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht. (Lukas 21,28)

Bei allem, was um uns herum geschieht, ist es ganz wichtig, den Blick zu heben und auf Jesus Christus zu sehen, um nicht Mut und Zuversicht zu verlieren. Denn unsere Welt insgesamt ist leider nicht so friedlich und schön, wie wir sie gerne hätten: Hunger und Krieg, Naturkatastrophen und sich immer mehr verstärkende extremistische Tendenzen prägen das Bild. Dem allen aber steht die Zusage Gottes entgegen: Er wird seine Welt erlösen!

Herzliche Einladung zum Gottesdienst:

  • in der Holtruper Kirche
  • um 10.00 Uhr
  • mit Taufe
  • anschließend: Büchertisch und Eine-Welt-Tisch
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Nach dem gemeinsamen Beginn in der Kirche ist im Gemeindehaus Kindergottesdienst.