Predigt an Septuagesimä 2020 über Matthäus 20,1-6

Der Predigttext Matthäus 20,1-16 wurde vor der Predigt als Schriftlesung gelesen.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen.

Liebe Gemeinde! Liebe Silberkonfirmandinnen und liebe Silberkonfirmanden!

Das ist doch ungerecht! – Das ist die Reaktion von ganz vielen Menschen, wenn sie dieses Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg hören. So kann man mit den Menschen doch nicht umgehen: Die einen schuften und schuften von sechs Uhr morgens an und müssen dann auch noch die Mittagshitze ertragen. Das gilt dann auch noch für die, die um 9.00 Uhr anfangen und vielleicht mit Abstrichen auch noch für die, die um 12.00 Uhr angestellt werden.

Und dann sind da die anderen, die erst viel später – um 15.00 Uhr oder sogar erst um 17.00 Uhr – eingestellt werden. Die haben kaum einen Handschlag getan und sollen mit einem ganzen Tageslohn nach Hause gehen. Deren Freude zur Stunde der Abrechnung können wir uns sicherlich vorstellen: ganz unverhofft einen vollen Tageslohn! Und wir werden uns den Ärger der anderen ebenso vorstellen können: Das ist doch Betrug! Ganz egal, was vorher ausgemacht war.

Das ist doch ungerecht! Ja, es ist ungerecht, wenn wir die Maßstäbe unserer Arbeitswelt anlegen, in der Lohn nach der geleisteten Arbeit bezahlt wird. Und das war auch schon vor 2000 Jahren so. Mit den üblichen Einschränkungen, dass Frauen bei gleicher Arbeit auch heute noch – wie vor 2000 Jahren – weniger für die gleiche Arbeit verdienen wie Männer.
Aber: Es gibt auch noch eine andere Richtung, aus der die Situation der Lohnzahlung betrachtet werden kann: Das ist die Blickrichtung des Hausherren, dem der Weinberg gehört und der seinen Verwalter anweist, den Lohn so ungewöhnlich auszuzahlen. Wohl niemand anderes als Gott ist mit diesem Hausherrn gemeint, der immer wieder auf den Marktplatz geht, um Menschen zu finden, die in seinem Weinberg arbeiten. Dieser Weinberg ist das Gottesvolk, das an vielen Stellen in Alten Testament so benannt wird: Israel, der Weinberg Gottes.

Jesus stellt uns Gott also als diesen Weinbergbesitzer vor, der vor allem ein Ziel hat: dass sein Weinberg gut bearbeitet ist. Und – ich gehe noch einen Schritt weiter – Jesus legt uns dadurch, dass er diese Geschichte als Himmelreichsgleichnis erzählt auch die Frage vor, wer denn mit welchem Lohn überhaupt in das Himmelreich hinein kommt.

Dazu müssen wir uns die Situation vorstellen, in der Jesus mit seinen Jüngern war; die Situation, in der die Gemeinde des Matthäus ist, für die der sein Evangelium schreibt. Da waren viele, die von Anfang an dabei gewesen waren, und die im übertragenen Sinn die Mittagshitze ausgehalten hatten: das hämische Lachen, wenn man sich als Christ zu erkennen gab, bis hin zu der Hitze von Verfolgung und Anfeindung. Diese also waren sich sicher: Wir bekommen dafür auch unseren Lohn, der mit Jesus ausgemacht war, den er versprochen hatte: den Platz in Gottes himmlischen Reich.

Und dann mussten sie feststellen, dass andere in ihrem Leben erst viel später dazu gekommen waren; die hatten sich in den Augen der Ersten gar nicht bewähren müssen, die hatten doch gar nicht für das Gottesreich genug gearbeitet, um den vollen Lohn zu bekommen. Und das ist ja offensichtlich: Entweder ganzer Lohn und Zugang zum Himmelreich oder nicht, halb geht nicht. Sie waren alle von diesem menschlichen Gedanken von Lohn gemäß gelisteter Arbeit geprägt.

Was ihnen nicht klar war: Gott hatte einen ganz anderen Blick und eine ganz andere Absicht: Warum sollte er sonst den ganzen Tag immer wieder auf den Marktplatz gehen und nach weiteren Leuten Ausschau halten. Der Hausherr wusste genau so wie seine Arbeiter, dass die mit einer Stunde Arbeitszeit nicht mehr viel reißen würden. Trotzdem hat er sie eingestellt.
Aus einem einfachen Grund: Gott will, dass alle in seinem Weinberg arbeiten, dass alle in sein Himmelreich kommen, dass niemand verloren geht. Deshalb macht er sich immer wieder auf und sucht nach Leuten. Und deshalb ist es aus seiner Sicht keine Frage von „gerecht und ungerecht“, die ihn bewegt, sonder es ist eine Frage der Liebe, die niemanden verloren geben will.

Die Bibel nennt das, was Gott erreichen will in hebräischer Sprache „Shalom“. Wir übersetzen das fast immer mit Frieden – und das ist auch richtig: So wie in der Jahreslosung des vergangenen Jahres: Suche Schalom/Frieden und jage ihm nach. Aber es ist ja immer wieder die Frage, was denn mit diesem Frieden gemeint ist. Und da sagt die Bibel eindeutig: Shalom, also Frieden ist, wenn alles wieder ganz und heil geworden ist; wenn niemand mehr fehlt; wenn keine Lücke da ist. Shalom können wir also auch mit Ganzheit oder mit Ganzsein übersetzen.

Das ist das Ziel Gottes, das Jesus mit seinem Gleichnis deutlich machen will: Wie bekommt Gott die Menschen in sein Reich hinein? Antwort: Indem er ihnen den zahlenmäßig gleichen Lohn zahlt, obwohl sie unterschiedlich lang am Reich Gottes mitgearbeitet haben.

Vielleicht kennt Ihr das Bild von den drei Menschen, die an einem hohen Zaun stehen, hinter dem ein Fußballspiel läuft. Die drei wollen zusehen, der Zaun ist aber für zwei von den dreien zu hoch, um drüber sehen zu können. Und sie haben drei Kisten dabei; jeder von den Dreien steht zuerst auf einer der Kisten: Der Längste von ihnen braucht sie eigentlich nicht; der Mittlere kann so über den Zaun sehen, der Kleinste aber hat keine Chance. In unserem Gleichnis bedeutet das: Jeder bekommt den Lohn, der seiner Leistung entspricht, aber einige nicht in Gottes Reich. Nach einiger Zeit verändern die drei die Kisten: der Längste steht jetzt auf keiner mehr, der Mittlere steht weiterhin auf einer Kiste und der Kleinste steht auf zwei Kisten. Jetzt können alle das Fußballspiel sehen. In unserem Gleichnis bedeutet das: Die Arbeiter haben zwar unterschiedlich lange gearbeitet, sie sind unterschiedlich groß, aber Gott füttert bei den Kleineren immer so viel unter, dass es für das Ziel reicht: dass alle ins Reich Gottes kommen. Jeder bekommt den Lohn, der der Liebe und Gnade Gottes entspricht. Mit diesem Gleichnis erklärt Jesus seinen Jüngern und mit ihm Matthäus seiner Gemeinde, dass Gottes Gerechtigkeit aus einer anderen Sicht heraus berechnet wird, als wir das normalerweise tun. Gottes Liebe ermöglicht es allen, in sein Reich zu kommen. Das ist sein Ziel, um den Shalom wieder herzustellen.

Was Matthäus seiner Gemeinde mit dem Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg nahe bringen will, erzählt Lukas mit der Geschichte vom sogenannten „verlorenen Sohn“, der durch die Liebe des Vaters wieder aufgenommen wird. Und auch hier ist der unzufrieden, der die Last der Arbeit getragen hat. Auch beim älteren Sohn können wir gut verstehen, dass er sauer auf seinen jüngeren Bruder ist, der sein Erbe durchgebracht hat. Aber – und das ist Jesus in beiden Geschichten wichtig: Die Liebe des Vaters beim Verlorenen Sohn ist keine Missachtung des älteren Sohnes; bei Matthäus ist die Liebe des Hausherren keine Missachtung der Arbeiter, die den ganzen Tag oder weite Teile des Tages gearbeitet haben. Gottes Liebe gilt allen gleichermaßen. Er hat genug davon.

Nun wäre es sicherlich ein Missverständnis, wenn wir uns dann nur lange genug vor Gott und seiner Aufforderung verstecken wollten, um uns möglichst „billig“ das Himmelreich zu erarbeiten. Gott kommt auf den Marktplatz unseres Lebens und spricht uns an. Und wenn das geschieht, werden wir in den Weinberg gehen. Denn wir brauchen für unser Leben den Lohn – also die Liebe Gottes. Matthäus jedenfalls berichtet von keinem, der das Angebot des Hausherren ausgeschlagen hätte.

Liebe Gemeinde! Liebe Silberkonfirmandinnen und liebe Silberkonfirmanden!
Wer sind wir wohl in diesem Gleichnis Jesu? Wenn wir den Tag im Gleichnis auf unser Leben projizieren, dann können wir die Uhrzeiten des Tages so ungefähr auf unsere Lebenszeit übertragen: Die sechste Stunde wäre vielleicht so um die Konfirmation herum, die neunte Stunde die Zeit der Familiengründungen mit 25-30 Lebensjahren; als Silberkonfirmanden stehen Menschen mit 39 oder 40 Jahren so etwa in der Mitte des Lebens, dann ist es 12.00 Uhr; wieder andere Menschen haben mit der Goldenen Konfirmation die neunte Stunde, also 15.00 Uhr erreicht; und schließlich wäre 17.00 Uhr, die elfte Stunde, vielleicht die eiserne Konfirmation.

Wenn es dann am Ende des Lebens darum geht, seit wann Menschen im Weinberg Gottes gearbeitet haben, wird das sehr unterschiedlich aussehen. Es wird bestimmt manche geben, die schon sehr früh in ihrem Leben mit der Arbeit in Gottes Weinberg angefangen haben – vielleicht schon vor oder schnell nach der Konfirmation. Andere werden um 9.00 Uhr oder um 12.00 Uhr von Gott gerufen worden sein; manche haben vielleicht wirklich nur eine ganz kurze Zeit mit Gott zu tun gehabt und im Weinberg etwas gearbeitet.

Und das für uns sicherlich immer wieder erstaunliche Ergebnis der Lohnauszahlung bei Gott ist: Er gibt allen den gleichen Lohn: Alle sind sie, alle sind wir berufen. Gott ergänzt mit seiner Liebe das, was uns noch fehlen würde, um den Zugang zu seinem Reich zu bekommen.
Wenn wir schon lange dabei sind, dürfen wir uns freuen, dass die anderen auch dabei sein werden. Wenn wir meinen, wir seien noch nicht dabei: Halten wir unsere Augen und Ohren offen, wann der Hausherr kommt, um uns in seinen Weinberg zu rufen. Mehr brauchen wir erst einmal nicht zu tun. Gott wird uns schon sagen, wann was zu tun ist. Amen.

Gottesdienst am 2. Februar 2020

Am kommenden Sonntag (2. Februar) ist der Letzte Sonntag nach Epiphanias, mit dem der Weihnachtsfestkreis in diesem Jahr endgültig zu Ende geht. Deshalb stehen – was manche vielleicht wundern mag – in Möllbergen auch noch Weihnachtsbaum und Krippe. Aber auch so wird deutlich, wie weit die Weihnachtsbotschaft in den Alltag unserer Welt hinein reicht.

Das Evangelium von die Verklärung Jesu (Matthäus 17,1-9) gibt den Ton an. Es ist die faszinierende Geschichte davon, wie an Jesus die Nähe Gottes sichtbar wird. Alles passiert auf einem Berg und wird so zu einer Hoch-Zeit des Glaubens, die an diesem Sonntag auch mit dem Abendmahlsgottesdienst festlich gefeiert wird. Entscheidend wichtig ist auch das Bekenntnis Gottes zu Jesus Christus als seinem Sohn durch die Stimme Gottes.

Es ist dann aber wie sonst auch: Nach der Hoch-Zeit des Glaubens müssen wir auch wieder runter vom Berg in das Tal des Alltags. So steht diese Geschichte ganz am Ende der weihnachtlichen Festzeit und leitet uns in den Alltag des Glaubens.

Der Predigttext aus Offenbarung 1,9-18 nimmt das Motiv von des verklärten Gesichtes Jesu auf. Doch der Jesus, den der Seher Johannes in seiner Vision schaut, ist nicht so einfach zu verstehen. Auf ihre Weise erweist sich das Buch der „Offenbarung des Johannes“ als das berühmte „Buch mit den sieben Siegeln“, die es zu brechen gilt: um das zu erfassen, was uns Johannes mit den apokalyptischen Bildern seiner Zeit sagen will.
Also:

Herzliche Einladung zum Gottesdienst:

  • in der Möllberger Kirche
  • um 10.00 Uhr
  • mit Feier des Heiligen Abendmahls
  • Anschließend Kirchenkaffee
Kirche_mit_Kindern

Natürlich gibt es auch dieses Mal Kindergottesdienst (nach gemeinsamem Anfang im Gemeindehaus).

Breitensport-Gottesdienst 2020

Hier das Interview mit dem Team „Respekt“, die Predigt und die Fürbitten vom Gottesdienst zum heutigen Breitensporttag des TuS 09 Möllbergen.
Ein ganz, ganz großes Dankeschön an alle, die diesen Gottesdienst mit vorbereitet und mit ihren Texten und Gedanken bereichert haben!

Das Team „Respekt“:

Hallensprecher/Moderator: Liebe Sportsfreunde, ihr wartet sicherlich schon sehnsüchtig auf eure Stars, auf eure Mannschaft. Und hier kommen sie:
Rücksicht, Ehrlichkeit, Selbstreflektion, Persönlichkeit, Empathie, Kommunikation, Toleranz
Zusammen sind sie unser Team – zusammen sind sie RESPEKT.

Das Interview mit dem Team Respekt:
Moderator: Passend zum Thema und zu diesem Bibeltext (Römer 12,9-21 in der Übersetzung „Hoffnung für alle“) haben wir hier die ganz Mannschaft zum Interview versammelt. Das ist super. Liebes Team Respekt! Wo kommt ihr als Mannschaft eigentlich vor? In welcher Liga spielt ihr?
Rücksicht: Wir spielen in jeder Liga. Unsere Mannschaft ist überall da am Start, wo Menschen sich begegnen.
Moderator: Könnt ihr mir ein paar Beispiele nennen?
Selbstreflektion: Klar, gerne. Wir klatschen zum Beispiel Beifall bei einem Sportevent oder bei einer Aufführung – als Anerkennung für die Leistung der Aktiven.
Ehrlichkeit: Und wir folgen den Anweisungen von Feuerwehrleuten, von Sanitätern und Ärzten oder der Polizei, wenn die für Ordnung, Sicherheit und Rettung von anderen sorgen müssen.
Persönlichkeit: Wir achten die Individualität des Einzelnen und erkennen auch seine Schwächen an, ja: auch die Fehler. Die macht jeder und es muss trotzdem immer wieder einen neuen Anfang geben.
Empathie: Wir verhalten uns leise, wenn wir eine Kirche betreten – aus Respekt vor den anderen Gläubigen und aus Respekt vor Gott natürlich.
Kommunikation: Wir hören anderen Menschen zu und lassen Sie ausreden – als Wertschätzung der anderen Meinung, auch wenn sie nicht unsere Meinung ist.
Toleranz: Und Respekt geht über das Miteinander von Menschen hinaus. Es geht auch um Respekt vor dem Leben insgesamt: also vor Tieren und Pflanzen, vor Sachen; also um Respekt vor unserer ganzen Erde.
Moderator: Alles klar. Dann vielleicht eine dumme Frage: Gewinnt ihr immer? Oder verliert ihr auch manchmal?
Toleranz: Die Frage ist gar nicht dumm. Sie ist sogar sehr berechtigt. Denn wir verlieren leider viel öfter, als uns das lieb ist! Das machen die in der großen Politik gerade nur zu deutlich vor: Gefühlt entwickelt sich die Gesellschaft in der Welt zu egoistischen Einheiten: ‚America First‘ bei Trump. Und viele andere sagen das für ihr Land auch. Ob sie nun Putin oder Johnson, oder Erdogan oder Orban heißen.
Rücksicht: Aber es sind nicht nur die Großen. Wenn du dir Kommentare im Internet ansiehst, dann weißt du, was ich meine. Wie Menschen da alleine mit Worten aufeinander losgehen – das ist für uns immer wieder ein ganz bittere Niederlage.
Ehrlichkeit: Oder sieh dir an, wie manchmal Eltern bei Jugendspielen im Handball oder Fußball auf den Schiedsrichter oder auf die aus der anderen Mannschaft losgehen. Ehrgeiz und Emotion – ja gerne. Das muss sein. Aber keine Gewalt!
Moderator: Und was hat der TuS 09 Möllbergen mit euch, dem Team Respekt, zu tun?
Empathie: Unser Sportverein hat da eine ganz, ganz wichtige Aufgabe! Hier können wir das leben. Der TuS zusammen mit den anderen Vereinen und der Kirchengemeinde ist doch der Ort, wo Respekt möglich ist.
Kommunikation: Genau. Hier – beim Sport und beim Bier danach – finden die Gespräche statt, die helfen, dass unsere Gesellschaft offen bleibt; hier, in den Vereinen, treffen sich doch die Leute und heißen neue Menschen willkommen.
Persönlichkeit: Und da kommt es nicht drauf an, wo du her kommst: Ob du schon immer in Möllbergen gewohnt hast, ob du aus Minden zugezogen bist; ob du aus Afrika geflüchtet bist, weil du da Angst um dein Leben haben musstest, oder ob du sogar aus Veltheim kommst.
Selbstreflektion: Respekt entsteht ja nicht, weil es von dem anderen eingefordert wird, sondern man muss selbst erkennen, dass das die richtige Einstellung dem anderen gegenüber ist. So hat das ein Psychologe im „Hamburger Abendblatt“ mal geschrieben. Das – finde ich – trifft es sehr gut. Man muss genug über sich selbst erkannt haben und mit sich im „Reinen“ sein, damit man andere als gleichwertig erkennt. Dann klappt das auch mit den Veltheimern.

Predigt
Liebe Freunde des Sports für Leib und Seele!
„Respekt“ – es ist einer der Begriffe, die aus meiner Sicht an erster Stelle stehen würden, wenn es eine Wahl zum Motivationswort des Jahres geben würde. Bisher gibt es ja nur das Unwort des Jahres. Natürlich denken Menschen auch darüber nach, warum dieses Unwort so schlecht ist. Aber: Ist es nicht viel wichtiger, positive Impulse zu setzen? Schlechte Nachrichten gibt es genug. Wir brauchen Worte, die uns anstoßen und in Bewegung bringen; wir brauchen Worte wie Respekt, die uns bewusst machen, wie wir unsere Welt positiv gestalten können. So, wie es eben im Interview angeklungen ist: der Verein als ein ganz wichtiger Ort, wo wir lernen und immer wieder neu einüben, respektvoll miteinander umzugehen. Also: „Respekt“ – für mich das Motivationswort des Jahres 2020.
Dabei sagt „Respekt“ als modernes Wort genau das, was Gott schon seit Jahrtausenden von seinen Menschen will. Denn was heißt „Du sollst Gott, den Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften. Und du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst,“ anderes als: „Du sollst höchsten Respekt haben vor Gott und deinem Mitmenschen?“

Wichtig ist: Es gibt zwei Arten von Respekt. Da ist der Respekt, den man auch etwas gesteigert mit Bewunderung umschreiben kann: für eine ganz besondere Leistung. Er oder sie oder die Mannschaft hat eine besondere sportliche Leistung erbracht: Sportabzeichen in Gold, Westfalenmeister, Deutscher Meister oder Weltrekord; oder da ist jemand das ganze Jahr beim Spinning oder bei Steppaerobic gewesen; wirklich das ganze Jahr, ohne einmal zu fehlen! Oder jemand kann toll singen oder ein Instrument spielen. Das ist der „Bewunderungs“-Respekt: „Das ist sooo toll; das würde ich auch gerne können oder schaffen.“ Die Kunst bei dieser Form von Respekt ist es, den Bewunderten nicht zu sehr auf einen Sockel zu stellen. So faszinierend er oder sie auch ist, Gott ist sie oder er nicht. Und schon Gott gehört nicht auf einen Sockel, sondern mitten ins Leben. Und wenn ihr zu den Bewunderten gehört: So schön das bestimmt ist, bewundert zu werden – lasst euch nicht auf einen Sockel stellen. Da fällt man ganz schnell runter.

Und dann ist da die zweite Form von Respekt, die für uns im Alltag viel wichtiger ist. Um diese Form von Respekt geht es in diesem Gottesdienst: dass man einander als gleichwertige Menschen betrachtet. Achtung des anderen um seiner selbst willen. Das ist das, was uns vor Gott als dem Schöpfer aller Menschen deutlich wird: weil (nicht wenn), also weil der oder die andere ebenso Gottes Geschöpf ist, wie ich es bin, muss ich ihn oder sie achten. Ich gebe zu: Das fällt manchmal ganz schön schwer! Denn es gibt ja nicht nur die netten Menschen, sondern auch die, die ich nicht leiden kann, die mir wirklich zu schaffen machen, weil sie einen anderen Lieblingsverein haben, weil sie eine andere Partei gut finden, weil wir uns mal so richtig gezofft haben und der Streit nicht beigelegt werden konnte.
Was aber schon der Apostel Paulus wusste und worauf er viel Wert gelegt hat: Es ist unsere bleibende Aufgabe, auch mit diesen Menschen in Frieden zu leben: „Soweit es irgend möglich ist und von euch abhängt, lebt mit allen Menschen in Frieden,“ schreibt er. Wir müssen sie nicht besonders lieben, aber wir müssen ihnen die Achtung entgegenbringen, die sie als Geschöpf Gottes verdienen. Sogar dann, wenn die uns diesen Respekt nicht erweisen.

Ich weiß ja nicht, ob meine Konfis ihre Hausaufgabe gemacht haben: Nach dem Konfiblock zum Thema Gebet gestern vor einer Woche war die Hausaufgabe der Härtetest: „Eine Woche für seinen Feind beten.“ (Wer wirklich meinte, keinen Feind zu haben, konnte für den Pastor beten. Der braucht das nämlich auch, auch wenn er nicht der Feind der Konfis ist.) Aber das passt hier in unser Thema Respekt im christlichen Sinn so gut hinein. Nehmt das von diesem Gottesdienst mit nach Hause und probiert es selber aus: Eine Woche für seinen Feind beten. Wohlgemerkt: Für ihn vor Gott eintreten; nicht gegen ihn!

Natürlich bedeutet das alles nicht, dass alles gut und richtig ist, was andere Menschen sagen oder tun. Manches ist wirklich eine absolute Katastrophe. Gerade da ist es wichtig, trotz aller inhaltlicher Unterschiede immer noch respektvoll miteinander umzugehen. Denn wenn ich dem anderen mit Worten oder mit der Faust eine reinhaue, wird der auf mich bestimmt nicht mehr hören. Die Nachrichten mit den Meldungen über den Amerika-Iran-Konflikt zeigen das im Großen; die Hasskommentare im Internet zeigen es auf der Ebene von eigentlich ganz normalen Menschen. In der heutigen Zeit hat der Respekt voreinander einen schweren Stand. Aber eine Welt ohne RESPEKT will und kann ich mir jedenfalls nicht vorstellen. Wir müssen mit allen Mitteln am Respekt voreinander festhalten: als Menschen und als Christen noch einmal mehr.

Der Landessportbund Niedersachsen hat in seinem Leitbild über seine „Grundwerte“ festgehalten, was Respekt bedeutet: „Der Mensch steht im Mittelpunkt heißt für uns, Fairplay, Partnerschaft, soziales Handeln, Toleranz, Unversehrtheit des Partners, Chancengleichheit, Anerkennung von Regeln, Teamgeist und Solidarität zu leben. Diese Werte gelten vom Breitensport bis hin zum Spitzensport, insbesondere bei der Entfaltung und Förderung von motorischen und sozialen Talenten.“* Dem ist aus christlicher Sicht nichts hinzuzufügen. Und deshalb bleibt „Respekt“ für mich das Motivationswort des Jahres 2020. Amen.
* https://www.lsb-niedersachsen.de/landessportbund/leitbild-leitlinien/?L=0

Fürbitten
P: Großer Gott, wir danken dir: Du siehst uns an mit deinem liebevollen Blick. Wir loben Dich: Du machst dich klein, wirst Mensch, ja sogar ein Kind und du erweist uns so deinen Respekt. Wir bitten dich:
Rücksicht: um Achtung vor den anderen, vor ihrer Leistung, vor ihrem Tun.
Toleranz: um Achtung vor dir, Gott, der uns diese Welt, auf der wir leben dürfen, gegeben hat.
Kommunikation: um Achtung vor den Lebewesen, die auf dieser Welt mit uns leben.
Ehrlichkeit: um Achtung vor denen, die im Leben kein Glück hatten, die unter Armut, Krieg oder Krankheiten leiden.
Persönlichkeit: um Achtung vor denen, die verfolgt werden, weil sie einen anderen Glauben haben oder einer anderen Volksgruppe angehören.
Moderator: um Achtung vor denen, die ihren inneren Schweinehund überwunden haben und ein persönliches Ziel erreicht haben.
Selbstreflektion: um Achtung vor denen, die sich friedlich gegen Gewalt richten.
Empathie: um Achtung vor den Toten. Vor dir Gott, denken wir heute besonders an N.N., die Du nach einem so langen Leben zu dir gerufen hast. Wir danken dir für alles, was ihr Leben schön und gut gemacht hat. Und wir bitten für alle, die jetzt Abschied nehmen müssen. Sei du ihnen allen nahe mit deinem Trost und Segen.
P: Sei du uns allen durch deinen Heiligen Geist Halt und Hilfe, sei unsere Zuversicht und Kraft, heute und alle Tage, damit wir dir und einander den Respekt erweisen, der nötig sind. Dir vertrauen wir uns an und beten singend mit den Worten Jesu:

Gottesdienst am 5. Januar 2020

Am (morgigen) Sonntag begehen wir schon einen Tag vor dem offiziellen Termin den zweiten großen Festtag, an dem Weihnachten gefeiert wird: Epiphanias – das Fest von der Erscheinung Christi – oft auch als Tag der Heiligen Drei Könige bezeichnet. Natürlich: der eigentliche Termin ist einen Tag später am 6. Januar; aber wir ziehen ihn einen Tag vor; nach der neuen Lese- und Predigtordnung ist dies ausdrücklich möglich. Und es macht aus meiner Sicht keinen Sinn, Sonntag nach einem Festtag zu zählen, diesen Festtag aber gar nicht zu begehen. Also kommen bei uns schon morgen die Heiligen drei Könige an der Krippe an.

Am Heiligen Abend steht ja mehr im Vordergrund, dass Gott ein armes Menschenkind wird, das von den Hirten besucht wird. Das Epiphaniasfest bezeugt, wie Gottes strahlende Herrlichkeit in diese Welt kommt. Aus dem lokalen Geschehen in Bethlehem wird ein Ereignis von globaler Bedeutung. Und es sind die Könige, die diesen Glanz symbolisieren, ohne die Armut Gottes in dieser Welt durch das Kind im Stall zu leugnen.

Die Universalität Gottes wird zum einen durch die Geschichte von den Weisen, den Magiern, den Königen bezeugt (Matthäus 2,1-11). Aber auch die anderen Texte des Sonntags weiten unseren Blick: Aus dem Alten Testament gehören der Besuch der Königin aus Saba aus dem 1. Königebuch (1. Könige 10,1-13) und das Licht Gottes in der Dunkelheit der Völker aus Jesaja 60,1-2 dazu. Aus dem Neuen Testament ist es zum Beispiel der Predigttext in diesem Jahr aus dem Epheserbrief im 3. Kapitel (Epheser 3,1-7), der deutlich macht, dass Gottes Kommen in die Welt eine universale Auswirkung hat: Es ist dieses tiefe Geheimnis, das uns offenbart ist: dass auch die Heiden – also alle, die nicht zuvor jüdischen Glaubens waren – Miterben sind und Mitgenossen der Verheißung in Christus Jesus. Also auch wir heute.

HERZLICHE EINLADUNG ZUM GOTTESDIENST:

  • in der Möllberger Kirche
  • mit Feier des Heiligen Abendmahls
  • um 10.00 Uhr
  • anschließend: Kirchenkaffee

Gottesdienst am 1. Sonntag nach Weihnachten (29.12.19

Genau in der Mitte zwischen den Weihnachtsfeiertagen und den Gottesdiensten zum Jahreswechsel liegt in diesem Jahr der 1. Sonntag nach Weihnachten. Neben dem Evangelium des Tages, nach dem Jesus von seinen Eltern zur Beschneidung in den Tempel gebracht wird und von Simeon und Hannah als Heiland erkannt wird (Lukas 2,22-40), steht als Brieflesung der Beginn des 1. Johannesbriefes (1. Johannes 1,1-4), in dem der Apostel (fast wie im Evangelium) den großen Bogen vom Anfang des Geschehens bis zur Verkündigung an die Gemeinde schlägt: Mit Weihnachten erscheint das Leben selbst unter uns!

In diesem Jahr ist der Gottesdienst am 1. Sonntag nach Weihnachten ein gemeinsamer Gottesdienst der evangelischen Kirchengemeinden Porta-Süd. Im Mittelpunkt der Predigt von Katharina Kenter-Töns wird am Sonntag des Paul Gerhardt-Lied „Ich steh an deiner Krippen hier“ stehen. Der Kirchenchor Holzhausen-Möllbergen und Jonathan Dräger an der Orgel gestalten den Gottesdienst musikalisch.

HERZLICHE EINLADUNG ZUM GOTTESDIENST:

  • in der Möllberger Kirche
  • um 10.00 Uhr
  • anschließend: Kirchenkaffee
  • anschließend: Büchertisch und Eine-Welt-Tisch