Schlagwort: Predigt

  • Predigt im Rahmen der Sommerkirche 2026 ĂŒber Psalm 121,5.7.8

    Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen.

    Liebe Geschwister in Christus!
    Ein Bild – ein Bild, in dem einige eine alte Frau mit zerknautschtem Gesicht erkennen und andere eine junge Frau mit zarten Proportionen und eleganter Kleidung. Der Titel lautet: „Meine Frau und meine Schwiegermutter“; es wurde von dem amerikanischen Illustrator William Ely Hill geschaffen und erschienen zuerst in dem Magazin Puck im Jahr 1915.

    Es kommt darauf an, was jemand zuerst gesehen hat. Manchmal dauert es eine richtig lange, bis Menschen die jeweils andere Sicht gefunden haben. Manchmal gelingt es sogar gar nicht! Das Schöne an diesen Bildern ist: Es gibt kein richtig oder falsch! Beide Sichtweisen sind ja von dem KĂŒnstler gewollt; es liegt in der Natur der Sache!

    Auf eine sehr Ă€hnliche Art funktionieren solche Spielereien auch mit Texten. Ganz oft sorgt die Betonung der einzelnen Worte oder Satzteile, wie jemand einen Satz versteht. Oder es ergibt sich jeweils ein anderer Sinn, je nachdem, wo ein Komma gesetzt wird oder nicht. Eine der sehr bekannten, etwas sarkastischen Varianten ist unter der Überschrift „Satzzeichen retten Leben“ der Satz: „Komm, wir essen, Opa!“ Wer vor dem Opa das Komma weglĂ€sst – o je!

    Das ging mir durch den Kopf, als ich mich mit dem Psalm beschĂ€ftigt habe, der heute im Mittelpunkt steht. Der Anfang von Psalm 121 lautet: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?“ Schon in der 1984er Lutherbibel, mit der ich in gewisser Weise groß geworden bin, steht diese Übersetzung, und in der 1975er Revision ebenfalls. Allerdings immer mit dem Hinweis, dass Martin Luther – weil er die lateinische Übersetzung der Bibel als Übersetzungshilfe neben sich liegen hatte – ursprĂŒnglich formulierte: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt.“

    Es ist ein Aussagesatz, wie er in der ĂŒber eine lange Zeit gĂŒltigen LutherĂŒbersetzung aus dem Jahr 1912 gestanden und so oft als Konfirmationsspruch oder als Trauspruch vergeben wurde: Der Ort, von dem her mir Hilfe kommt, wo Gott also gewissermaßen wohnt, das ist hoch oben in den unzugĂ€nglichen Bergen; da, wo ein lokaler Berg- und Wettergott eben wohnt; vor allem da, wo Menschen normalerweise nicht hingehen, weil das GelĂ€nde und die NĂ€he zu Gott zu gefĂ€hrlich wĂ€ren. Aber: Von dort her ist Hilfe zu erwarten!

    Und die Hilfe kommt nicht nur von einem eher unbedeutenden lokalen Berg- und Wettergott, sondern – und das macht der Beter des Psalms dann im 2. Vers deutlich – von dem Gott, der Himmel und Erde gemacht hat. Drunter geht nicht. Es ist eben der alles umfassende Gott, der Schöpfer von Himmel und Erde; der Gott, der Israel zu seinem Erbteil erwĂ€hlt hat und mit dem dieser Gott einen ungekĂŒndigten Bund geschlossen hat. Und so habe ich diese Stelle durch die eingefĂŒgte ErklĂ€rung auch immer verstanden. Ich habe diese Stelle gewissermaßen mit einer Lutherbrille betrachtet.

    Aber was machen Menschen, die da wohnen, wo es keine Berge gibt und die deshalb ihre Augen nicht zu den Bergen, dem Sinnbild fĂŒr Gottes Gegenwart und StĂ€rke erheben können? – So könnte man scherzeshalber fragen! Nun: Nicht nur fĂŒr diejenigen, die keine solchen realen Berge zum Aufsehen habe, gibt es dann noch die zweite Deutungsmöglichkeit, die ich eben erst jetzt bei der Vorbereitung dieser Predigt fĂŒr mich entdeckt habe.

    In dieser zweiten Deutungsmöglichkeit des ersten Verses handelt es sich bei den angesprochenen Bergen nicht um den Wohnort Gottes, sondern um die Berge, die sich vor mir auftĂŒrmen und von denen ich meine, dass ich sie gar nicht ĂŒberwinden kann. Es sind die Berge von Problemen, die ich habe und fĂŒr die ich dringend Hilfe brauche, weil ich sonst mein Leben nicht schaffe und auf die Reihe bekomme.

    Je lĂ€nger ich diese zweite Sicht wahrnehme, desto wichtiger finde ich, dass sie in der Bibel vertreten ist. Denn es gibt so viele Menschen, die vor schier unĂŒberwindlichen Bergen stehen und nicht wissen, wie alles funktionieren soll. Es sind die Menschen, die in ihrer Existenz bedroht sind, die verzweifelt fragen, rufen, schreien oder vor Kraftlosigkeit nur noch flĂŒstern, woher denn die Hilfe kommen soll! Und genau denen wird geantwortet, woher sie Hilfe zu erwarten haben.

    Es steht nichts davon da, wer genau die Menschen sind, die auf Hilfe hoffen. Der einzige Hinweis ist in der liturgischen Fassung, die wir heute Morgen gesprochen haben, nicht wiedergegeben: Es ist eine Art Regieanweisung, ein Hinweis auf den Sitz im Leben dieses Psalmes: Es handelt sich bei Psalm 121 um ein Wallfahrtslied, um ein Lied fĂŒr die Pilgerreise.

    Wallfahrten und damit Pilgern ist ja nicht nur eine heutige oder mittelalterliche Form von SpiritualitĂ€t. Schon immer sind Menschen zu heiligen Orten gewandert, weil sie sich davon NĂ€he zu ihrem Gott und damit Heil und ganz oft auch Heilung versprochen haben. Auch im Volk Israel hat es solche Pilgerreisen gegeben – ganz besonders zum Tempel in Jerusalem. Manche Ausleger sehen die Eingangsfrage des Psalms und die Antwort im 2. Vers mit all den Segensworten, die sich anschließen, ganz besonders am Jerusalemer Tempel verortet, wenn die Pilger endlich dort angekommen sind.

    Aber es hat bestimmt auch andere Gelegenheiten gegeben, bei denen dieser Psalm erklungen ist. Und in der christlichen Tradition ist dann der ganze Lebensweg als eine Pilgerreise zu Gottes himmlischem Heiligtum verstanden worden. Die heiligen Orte – allen voran Jerusalem aber dann auch Rom, Santiago de Compostella und viele andere – waren somit immer nur „vorletzte Ziele“.

    „Woher kommt mir Hilfe?“ Die existenzielle Not hat Menschen immer wieder so fragen lassen – bis heute. Und sie bekommen bis heute eine Antwort: Hilfe kommt von Gott – dem Gott, der Himmel und Erde gemacht hat, der deshalb grĂ¶ĂŸer ist als alle anderen Götter damals und heute und zu allen anderen Zeiten.

    Gott bewahrt davor, zu stolpern, zu straucheln und dann liegen zu bleiben, – damit wir am Ziel unseres Lebens ankommen.
    Gott schlĂ€ft nicht, er schlummert noch nicht einmal. So ist er immer aufmerksam und bekommt er alles mit, was den Menschen geschieht – ein kleiner Seitenhieb auf den kanaanitischen Gott Baal, der anscheinend geschlafen hat, als Elia die Baalspriester zum Wettkampf aufgefordert hatte und der nicht geantwortet hat.

    Der Herr behĂŒtet dich – ja, wir sind beschirmt unter einem Hut, unter einem Schirm, wie auch immer! Denn wie wichtig ist der Schatten in einem Land, wo die Sonne oft noch so viel unbarmherziger scheint, als bei uns in den letzten Tagen! Und Gott beschattet auch in der Nacht, sodass die schĂ€dlichen EinflĂŒsse des Mondes nicht wirksam werden können.

    Schließlich richtet sich der Blick in die Zukunft – der Zuspruch fĂŒr die Gegenwart wandelt sich in Segen fĂŒr den weiteren Weg. Der deutsche Konjunktiv mit „behĂŒte dich“ hat dabei nicht weniger Gewissheit als der bestimmte Indikativ „behĂŒtet dich“. Es ist der Hinweis, dass es bei allem nicht auf die Menschen ankommt, sondern dass alles in der Macht Gottes liegt.

    Aus Sicht des Psalmbeters ist es natĂŒrlich immer der Tempel, das Heiligtum in Jerusalem, von dem aus es ganz behĂŒtet und beschirmt nach der Pilgertour wieder hinaus in die Welt geht, damit sie dann mit der nĂ€chsten Pilgerreise wieder zum Heiligtum, gewissermaßen nach Hause zurĂŒckzukommen.

    Es ist vielleicht aufgefallen: In diesen Psalm beschirmt und behĂŒtet Gott, aber er schiebt die Berge, die ich meine nicht bezwingen zu können – nicht einfach weg; sie sind – vielleicht zur EnttĂ€uschung von manchen – immer noch da. Da ist die Bibel sicherlich sehr realistisch und macht Gott nicht zu einem Zauberer, der alle Schwierigkeiten auflöst. Denn das wĂŒrde ja auch der Erfahrung der Menschen total widersprechen. Aber mit Gottes Hilfe sind die Problem-Berge zu ersteigen und vor allem zu ĂŒberwinden. Das ist die Blickrichtung, das ist die Perspektive, die uns die Betenden von Psalm 121 seit Jahrhunderten immer wieder neu ermöglichen. Wir sind behĂŒtet und beschirmt! Amen.

    Zum Gottesdienst:
    Vorspiel: Meditation zu „Ich seh empor zu den Bergen“
    1. Lied: „Ich seh empor zu den Bergen“ (Text: Ute Passarge, Musik: Andreas Lettau; #lautstĂ€rke 39)
    Psalm 121 (Luther 2017)
    3-faches Kyrie mit Gedanken von Hartmut Handt aus „Lass mich fallen in dein Wort. Texte zu den Wochenpsalmen“ (Wuppertal 1995)
    Gnadenzuspruch: Römer 8,38-39
    Tagesgebet (nach einem Gebet von Christine Tergau-Harms aus: Psalmengottesdienste zum Kirchenjahr, ggg 20, Hannover 2012)
    Judas 20-25
    „Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht (EG 591)
    Johannes 6,35-40
    Befiehl du deine Wege (EG 361,1+2+7; Text: Paul Gerhardt, Musik: Peter Bubmann)
    Predigt
    Befiehl du deine Wege (EG 361,8+11+12; Text: Paul Gerhardt, Musik: Peter Bubmann)
    Credo nach einer PsalmĂŒbertragung von Psalm 121 von Peter Spangenberg (in „Höre meine Stimme. Die Psalmen“, Hamburg 2023)
    „Ich heb mein Augen sehnlich auf“ (EG 296; Text Cornelius Becker; Musik: Johann Baptista Serranus)
    FĂŒrbitten (nach einem Gebet von Katharina Wiefel-Jenner: Wochengebet der VELKD zum 8. So. n. Trin. 2026)
    „Ausgang und Eingang“ (EG 175; Text und Musik: Joachim Schwarz)
    Segen (Christine Tergau-Harms aus Psalmengottesdienste zum Kirchenjahr, ggg 20, Hannover 2012)
    Nachspiel „Anker in der Zeit“ (Text und Musik: Albert Frey)

  • Ich danke allen, die dabei waren, fĂŒr ihr Geleit. Es war so gut, mit diesem Moment nicht alleine gewesen zu sein!

    „Du bist ein Gott, der mich sieht!“ – Diese Worte (1. Mose 16,13) mögen auch Euch tragen: in der Gewissheit, dass Gott in dieser wie in aller Trauer und allem Abschiednehmen gegenwĂ€rtig ist und uns nicht alleine lĂ€sst. Dazu ist er Mensch geworden. Und er fĂŒhrt uns ĂŒber alle Trauer hinaus und wird sie in uns verwandeln, denn er verheißt: „Siehe, ich mache alles neu!“ (Jahreslosung 2026 aus Offenbarung 21,5)

    (Der Bericht auf der Kirchenkreisseite ist jetzt auch online: Ein Schlusspunkt zum Jahresende)

    Gottesdienst anlÀsslich der Entwidmung der Möllberger Kirche am 28. Dezember 2025

    (Die Predigt gibt es weiter unten.)

    GlockengelÀut und Musik zum Eingang
    Votum und BegrĂŒĂŸung
    „Weil Gott in tiefster Nacht erschienen“ (EG 56)
    Prediger 3 als Psalm
    Kyrie (mit EG 178.9)
    Du, Jesus, bist damals als Kind in der Krippe in eine kaputte Welt gekommen. Zu dir rufen wir: G Kyrie eleison 

    Du, Christus, kommst auch in unserer Zeit in eine oft so heillose Welt. Zu dir rufen wir: G Kyrie eleison 

    Du, Jesus Christus, kommst heute zu uns und siehst und findest unsere zerbrochenen Herzen, mit denen wir von dieser Kirche Abschied nehmen. Zu dir rufen wir: G Kyrie eleison 

    Gnadenzusage Jesaja 60,1-2
    Gloria „Gott in der Höh“ (EG 180.2)
    Tagesgebet
    Chor: „Herr, deine GĂŒte“
    Schriftlesung:
    „Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht“ (EG 591)
    1. Mose 16 i.A.
    G Halleluja. Halleluja. Halleluja. Halleluja.
    „Du bist ein Gott, der mich anschaut“ (#lst 81)
    Predigt
    „Von guten MĂ€chten“ (EG 65,1-2)
    Glaubensbekenntnis

    „Und reichst du uns den Kelch“ (EG 65,3-7)
    mit Einsammeln der Kollekte
    Bedeutung der Entwidmung (Superintendentin Goudefroy)
    FĂŒrbitten (nach einer Vorlage aus dem Kirchenkreis)
    Gott, du schenkst Raum zum Leben, in dir und bei dir haben wir immer Platz. DafĂŒr danken wir dir. Wir danken dir fĂŒr die vielen Menschen, die mit dieser Kirche verbunden waren – und die fĂŒr diesen Raum da waren.
    So bitten wir dich fĂŒr alle, die mit der Möllberger Kirche verbunden sind, und fĂŒr alle, denen das Herz beim Abschied so wehtut.
    L1 (mit der TAUFKANNE fĂŒr die Getauften)
    Gott, Kraft des Lebens, wir danken dir fĂŒr die vielen Menschen, die wir in dieser Kirche taufen durften. Du hast sie in ihrem Leben begleitet, und hast die Verbindung mit ihnen gehalten, die durch die Taufe sichtbar geworden ist.
    Wir bitten dich fĂŒr alle Menschen, die hier getauft wurden. Erhalte ihren Glauben – begleite sie auf ihrem Lebensweg.
    L2 (mit der BIBEL fĂŒr die Konfirmierten und die Getrauten)
    Gott, in den Worten der Bibel haben wir in dieser Kirche gehört, wie du uns begleitest, stĂ€rkst und tröstest. Jugendliche haben gelernt, was es bedeutet, als Christin und Christ nach deinem Wort zu leben. Sie sind hier konfirmiert worden und haben sich auf ihren Lebensweg gemacht. Paare haben sich hier unter deinem Wort einander anvertraut, sie haben deinen Segen fĂŒr ihr gemeinsames Leben bekommen.
    Wir bitten dich: Achte weiter auf die Konfirmierten, damit ihr Glaube sie weiter leitet und stÀrkt, dass dein Geist der Liebe die Paare in Freude und Leid verbunden hÀlt.
    L3 (mit dem violetten PARAMENT fĂŒr das, was nicht gut war)
    Gott, heilige Geistkraft, wir denken an die Gottesdienste mit Schmuck und bunten Farben, in denen diese Kirche von Liebe und Heiterkeit erfĂŒllt war. Wir denken aber auch an Momente, in denen wir deiner Liebe nicht gerecht geworden sind. Du Kraft der Versöhnung, richte gerade, was in diesen Jahren misslungen und bei uns krumm und schief geworden ist.
    L4 (mit der OSTERKERZE fĂŒr die Verstorbenen)
    Jesus Christus, die Osterkerze zeigt uns immer wieder: Du bist das Licht des Lebens. Du hast dem Tod und der Verzweiflung eine Grenze gesetzt. Wir danken Dir, dass wir mit diesem Trost leben dĂŒrfen.
    Wir denken an die Menschen, die wir in diesen Jahren beerdigt haben. Wir bitten dich fĂŒr alle Verstorbenen und fĂŒr alle Angehörigen, dass Du auch jetzt fĂŒr sie da bist und sie nicht im Dunkeln bleiben. Schenk uns allen deine Lebenskraft.
    L5 (mit dem KAFFEEGESCHIRR fĂŒr die Geselligkeit)
    Jesus Christus, du gehst unsere Wege mit: Und wenn nach dem Gottesdienst die Kaffeetassen geklappert haben, war das fĂŒr viele der erste Schritt wieder hinaus in den Alltag der Welt, den wir als Gemeinschaft der Feiernden gemeinsam getan haben.
    Wir bitten dich, dass diese zwanglose Geselligkeit und die Freiheit, einander ganz ungezwungen zu begegnen, erhalten bleibt.
    L (mit einem Teil des ABENDMAHLSGESCHIRRs fĂŒr die Gemeinschaft)
    Jesus Christus, wir danken dir, dass Du uns zu dir und an deinen Tisch eingeladen hast. Wir denken an die Abendmahlsfeiern hier in der Kirche: An Momente voller Traurigkeit und voller GlĂŒck.
    Wir bitten dich – schenke und erhalte Gemeinschaft und Zusammenhalt in unserer ganzen Gemeinde. FĂŒhre uns immer wieder neu zusammen und verbindet uns untereinander und mit dir.
    Dir, Jesus Christus – in der Gemeinschaft mit dem Vater und dem Geist – sei alle Ehre: jetzt und in Ewigkeit. G Amen.
    Alles das legen wir auf den Altar, um in der Gemeinschaft, die Jesus Christus stiftet, Abendmahl zu feiern.
    „Ich bin das Brot“ (EG.E 11)
    Abendmahlsliturgie
    AnkĂŒndigung und Auszug mit „Meine Hoffnung und meine Freude“ (#lst 41)
    Schlussgebet
    „Komm, Herr, segne uns“ (EG 170)
    Segen
    Musikalisches Nachspiel

    Predigt anlÀsslich der Entwidmung der Möllberger Kirche am 28. Dezember 2025

    Predigt:
    Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen.

    Liebe Geschwister in Christus!
    Wie hĂ€lt man eine Predigt zur Entwidmung einer Kirche? Wie predige ich zur Entwidmung „meiner“ Kirche? Am liebsten gar nicht. So Ă€hnlich stand es auch im Gemeindebrief. Aber wir sind hier nicht bei „WĂŒnsch dir was“, sondern am Endpunkt einer Entwicklung, die sich seit lĂ€ngerer Zeit schon abgezeichnet hat. Im Lauf der letzten Jahre ist deutlich geworden, dass wir schon lange viel zu viele Quadratmeter fĂŒr viel zu wenig Menschen haben: in den letzten 50 Jahren haben sich die Gemeindegliederzahlen mehr als halbiert. Es ist deutlich geworden, dass dadurch auch nicht mehr genĂŒgend Geld da ist, um die vielen GebĂ€ude zu finanzieren. Alle Versuche, den Kirchraum zu erhalten, fĂŒr das Ensemble aus Kirche und Gemeindehaus oder wenigstens fĂŒr die Kirche neue Nutzer zu finden, sind vergeblich gewesen.

    Und so sind wir heute hier, um Abschied zu nehmen von diesem Kirchraum und auch vom Gemeindehaus, denn nach diesem Gottesdienst wird hier nichts mehr stattfinden. Wir nehmen Abschied mit aller Traurigkeit und Hilflosigkeit, mit aller EnttĂ€uschung, wenn uns bewusst wird, wie endgĂŒltig dieser Schritt ist; wir nehmen aber auch Abschied mit den Erinnerungen an so viele gute, berĂŒhrende Momente.

    Was ist das Wichtigste in einem solchen Moment? Was gibt Kraft, um nicht nur diesen Moment durchzustehen, sondern auch nach diesem Moment der Entwidmung weiterzugehen und das zu tun, was unser Auftrag als Christinnen und Christen ist? Ich finde dieses Wichtigste fĂŒr diesen Moment und fĂŒr darĂŒber hinaus in dieser Geschichte von Hagar an der Quelle in der WĂŒste, die wir eben als Schriftlesung gehört haben: Da ist diese Frau, die bestimmt nicht alles richtig gemacht hat, die aber auch unter vielem gelitten hat, was ihr widerfahren ist; die nicht mehr weiter weiß und versucht hat, vor allem davonzulaufen. Wer könnte das nicht verstehen? Ist es nicht die Möglichkeit, der ganzen Misere zu entrinnen?

    So findet sich Hagar wieder an einer Quelle in der WĂŒste – mitten im Nirgendwo und weiß trotzdem nicht weiter. Weglaufen löst eben doch keine Probleme. Aber ihre Situation in der WĂŒste spiegelt das, was wahrscheinlich viele von uns heute empfinden: innere und Ă€ußere Leere; was einem lieb geworden war, geht verloren und das Neue, das einem eine neue Perspektive geben kann, ist noch nicht wirklich in Sicht. NatĂŒrlich nicht, weil das Alte ja noch so prĂ€sent ist.
    Was ist das Wichtigste in einem solchen Moment? Ich finde dieses Wichtigste fĂŒr diesen Moment und fĂŒr darĂŒber hinaus in dieser Geschichte von Hagar und ihrem Bekenntnis: „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ In diesen Momenten der Verlassenheit, die Hagar in der WĂŒste erlebt, hört sie fĂŒr sich eine Verheißung fĂŒr sich und ihr Kind, das sie trĂ€gt, und aus dieser Verheißung wĂ€chst in ihr eine Gewissheit: „Gott hat mich angesehen.“ Und das bedeutet: „Ich habe Ansehen bei Gott. – Auch jetzt, wenn ich verzweifelt bin und nicht weiter weiß! Ich habe Ansehen bei Gott, ich bin ihm wichtig.“

    „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ – Diese Worte haben uns im Jahr 2023 als Jahreslosung begleitet. Und wie bei Hagar ist auch fĂŒr mich und fĂŒr so viele andere damit nicht eine Angst verbunden, dass Gott mit Argusaugen hinter den Menschen her ist und nur auf Fehler wartet, um die dann zu sanktionieren. „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ Das heißt immer: Gott sieht den Menschen an mit seinem so liebevollen Blick, der auch in den dunklen Stunden Licht und WĂ€rme ausstrahlt.

    „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ – Dieses „Mich“ von Hagar möchte ich heute als einen kollektiven Singular verstehen, der die Kirchengemeinde als Ganze ebenso umfasst wie alle, die in dieser Kirche und im Gemeindehaus ein- und ausgegangen sind. Und so hat Gott auch auf die Vorgeschichte dessen gesehen, was 1962 in den Umbau des Bauernhauses und des FabrikgebĂ€udes in eine Kirche mĂŒndete: auf der einen Seite die so abenteuerliche Geschichte mit den vielen Ungerechtigkeiten, die dem alten Ehepaar Meier widerfahren sind; auf der anderen Seite die AnfĂ€nge des 2. Gemeindebezirkes der damaligen Gemeinde, der aus einer Frauenhilfegruppe unter der engagierten Leitung von Anna Steffen entstanden ist. In Gerhard Arning als dem dann zustĂ€ndigem Pastor fand Anna Steffen einen kongenialen Mitstreiter, um die Idee einer Kirche in und fĂŒr Möllbergen zu verwirklichen. Was konnte wohl Besseres aus diesem Anwesen, das mit so viel UnglĂŒck bedacht war, werden, als eine Kirche, in der das Wort von der Versöhnung und die Botschaft von Trost und Erquickung fĂŒr die MĂŒhseligen den Grundton angeben wĂŒrde?!

    „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ Gott hat seit dem 26. August 1962, als die Kirche in einem feierlichen Gottesdienst eingeweiht wurde, auf sie gesehen: auf diesen hellen und so hohen Raum mit dem großen Holzkreuz. In etwas mehr als 63 Jahren hat Gott so vieles gesehen: hoffnungsvolle Zeiten mit CVJM und Jugendtreff, Taufen und Konfirmationen, Trauungen und EhejubilĂ€en – immer Menschen, Menschen jeden Alters, die etwas von Gottes Liebe, von seinem wĂ€rmenden Blick mitnehmen konnten.

    Äußere VerĂ€nderungen haben dann immer auch deutlich gemacht, dass Gott eine lebendige Gemeinde sehen konnte: Der Anbau am Gemeindehaus entstand, als Pastor Eberhard Peithmann auf Pastor Arning folgte. Wie sein VorgĂ€nger prĂ€gte er das Leben der Gemeinde und mit dem Umbau 1989 bekam die Kirche ein ganz neues Gesicht: warme Farben mit den Terrakottafliesen, das ganz fein gestaltete goldene Kreuz im Altarraum, das Taufbecken, mit der Krone des Lebens und die Fenster von Heinz Lilienthal – besonders der Dornbusch und die Taufe. Gott sah auch, wie gefĂ€hrdet das alles war, als die Kirche kurz nach der Renovierung brannte. Mit dem hellen Gewand des Pastors wurde seit 1994 das Bild von Pfarrer und Kirche noch einmal verĂ€ndert.

    Seit 1999 durfte ich hier meinen Dienst tun und dem Psalm „Singet dem Herrn ein neues Lied“ wohl ziemlich oft wörtliche Geltung verschaffen: die „neuen“ Lieder im Gesangbuch, Kirchentagslieder und hollĂ€ndische Lieder vom Kirchenliedseminar und immer wieder einmal ein Lobpreislied – TaizĂ©-Gottesdienste und die Uchte.
    Aber ohne das Engagement von so vielen, vielen Menschen wĂ€re das alles nicht möglich gewesen: Posaunenchor und Kirchenchor, Gruppenverantwortliche und KĂŒsterinnen, Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker und ganz viele, die einfach nur so da waren und immer wieder auch geholfen haben, haben dieses Haus zu einem lebendigen Ort von Gottesdienst, Kirchenkaffee und Gemeindeleben gemacht. Alles zusammengehalten besonders auch von Generationen von Presbyterinnen und Presbytern. Das alles endet heute hier.

    „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ – Was ist das Wichtigste in einem solchen Moment? Was gibt Kraft, um nicht nur diesen Moment durchzustehen, sondern auch nach diesem Moment der Entwidmung weiterzugehen und das zu tun, was unser Auftrag als Christinnen und Christen ist? Hagar soll nicht weiter in die Einsamkeit fliehen; es bringt nichts, vor dem Unvermeidlichen wegzulaufen. Sie wird von Gott auch nicht in ein wie auch immer geartetes Paradies gefĂŒhrt. Hagar wird von Gott sogar zugemutet, in die alten AbhĂ€ngigkeiten zurĂŒckzukehren und sich ihrer Herrin Sarai wieder zu unterwerfen. Was sie aber von der Quelle in der WĂŒste mit nimmt, ist die Gewissheit, dass ihr und ihrem Kind eine Zukunft verheißen ist.
    Auch uns ist das mit dem heutigen Tag auferlegt: Auch fĂŒr uns gibt es kein „Immerweiterweglaufen“, als ob wir dem heutigen Tag und damit den heutigen Tatsachen entkommen könnten. Auch wir kehren in unsere kirchliche RealitĂ€t zurĂŒck. Aber auch wir haben eine Verheißung empfangen, die uns in die Zukunft tragen soll.

    Und auch uns mutet Gott zu, nicht davon zu laufen, sondern uns unter seiner Verheißung auf den Weg in die Zukunft zu machen. Und es ist nicht nur die Weihnachtsbotschaft, die uns die Verheißung von damals vergegenwĂ€rtigt, wie wir es zu Beginn gesungen haben: „Weil Gott in tiefster Nacht erschienen, kann unsre Nacht nicht traurig sein! Weil Gott in tiefster Nacht erschienen, kann unsre Nacht nicht endlos sein!“ Es ist fĂŒr mich kein „dummer Zufall“, es ist keine Ironie des Schicksals, dass das Wort, das uns ab dem 1. Januar 2026 als Jahreslosung begleiten wird, wie eine Antwort Gottes auf Hagars Bekenntnis erscheint, das wir uns heute zu eigen gemacht haben. Es ist Gott, der in der Offenbarung des Johannes Worte spricht, die unbedingt Zukunft eröffnen: „Siehe, ich mache alles neu!“

    Es wĂ€re zu einfach, wollten wir diese Worte mit einem „Kopf hoch, das Leben geht weiter!“ oder einem „Schwamm drĂŒber, alles halb so wild!“ gleichsetzen. Gott sagt uns mit dieser neuen Jahreslosung zu: „Deine Trauer in diesem zu Ende gehenden Jahr mit diesem so schmerzhaften Abschied von diesem KirchengebĂ€ude, das dir Heimat geworden ist und dir Geborgenheit geschenkt hat, das in seiner Gestalt die Weite und GrĂ¶ĂŸe meiner GĂŒte spiegelt, das meinen Geist geatmet hat und von wo aus Menschen unter meinem Segen immer wieder zurĂŒck in die Welt hinaus gegangen sind, um ihren Alltag immer wieder neu zu bestehen – diese Trauer ist bei mir gut aufgehoben und ich werde sie in dir verwandeln und dich neu die Wege des Lebens gehen lassen!“

    Ihr Lieben! Die Erinnerungen an die Möllberger Kirche werden auch in Zukunft immer noch schmerzen, aber der Segen, der hier gesprochen wurde, die Taufen und Konfirmationen, die hier gefeiert wurden, werden nicht ungeschehen. Weihnachten und Ostern bleiben gĂŒltig – unabhĂ€ngig von sich wandelnden Strukturen der Kirche und unabhĂ€ngig von den GebĂ€uden einer Gemeinde. Und der liebende Blick Gottes auf seine Kirche, seine Gemeinde und alle ihre Glieder wĂ€rmt unsere Seele. Wir gehen unter Gottes Segen weiter durch die Zeit, um seine Verheißung und die Botschaft seines Evangeliums weiter zu tragen. Das ist das Wichtigste, darauf kommt es an! Amen.

    Die Kerzen sind aus! Das sagt ALLES!

  • Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen.

    Liebe Geschwister in Christus!
    Eine Abendgesellschaft; bevor es zum Essen geht, steht man zusammen und unterhĂ€lt sich mit einem Glas Sekt in der Hand. Und es trifft sich, dass man neue Menschen kennenlernt. Es wird erzĂ€hlt: Woher man kommt und was man so macht. Das ist die Situation, die in einer Karikatur von Thomas Plaßmann dargestellt wird. Der Protagonist steht da, als ob er in eine saure Zitrone gebissen hĂ€tte. Denn die Frage, die ihm gestellt wird, lĂ€sst ihn erschaudern: „Christ?! Ach, interessant? Und was macht man da so?“ Ein Wort hatte das andere ergeben und in der angeregten Unterhaltung hatte er sich wohl zu seinem Christsein bekannt. Und dann diese Frage: „Christ?! Ach, interessant? Und was macht man da so?“

    „Christ?! Ach, interessant? Und was macht man da so?“ Karrikatur von Thomas Plaßmann
    © Thomas Plaßmann

    Fast hört es sich in dieser Situation an, als ob nach dem Beruf oder Hobby gefragt wird. Darin sind wir alle geĂŒbt: Über unseren Beruf zu erzĂ€hlen, wie wichtig der ist und was ihn ausmacht. Ganz Ă€hnlich ist es bei unseren Hobbys: Was jemand bei der freiwilligen Feuerwehr macht, lĂ€sst sich ebenso gut beschreiben, wie die Trainingseinheiten beim Handball und Fußball; was eine Briefmarkensammlerin tut und was eine Reiterin – alles lĂ€sst sich wunderbar erklĂ€ren; wie bei so vielen anderen Hobbys auch. Und je spezieller ein Hobby ist, desto faszinierender mag es sein, sich von einer Fachfrau oder einem Fachmann das jeweilige Wissensfeld erklĂ€ren zu lassen.

    „Christ?! Ach, interessant? Und was macht man da so?“ – Ja, was mache ich als Christ denn so? Erster Impuls: »Von wegen Hobby! NatĂŒrlich ist Christsein kein Hobby, das man in der Freizeit betreibt und wenn man mal keine Zeit hat, geht man halt nicht hin – wie beim Training oder der wöchentlichen Vereinsversammlung.« Zweiter Impuls: Richtigkeiten verbreiten, die jeder kennt! »Christsein ist etwas, das das ganze Leben umfasst, keine nur oberflĂ€chliche Einstellung. Ich glaube: an Gott, an Jesus Christus, wie ihn uns die Heilige Schrift verkĂŒndigt, an den Heiligen Geist. Ich gehe zur Kirche, zahle meine Kirchensteuer. Ich bete: nicht nur im Gottesdienst, sondern auch zwischendurch – vielleicht sogar ganz regelmĂ€ĂŸig morgens und abends.«

    Um dann nach diesen ersten Impulsen zu entdecken: Die Frage danach, was man als Christ so macht, ist damit nicht wirklich beantwortet. Ja, um es neutral zu sagen: Christsein ist natĂŒrlich zuallererst eine Haltung. Aber was sind dann konkrete christliche Handlungen? Was ist christlicher Glaube außer dem „Du zu du mit Gott“?

    Perspektivwechsel: „Christ?! Ach, interessant? Und was machst du da so?“ Diesmal ist es Gott, der mich nach meinem Christsein fragt. Wie stehe ich dann da? Was will, was kann ich sagen? Bin ich vielleicht so mutig, wie der junge Mann, von dem wir in der Schriftlesung gehört haben: der von sich aus tiefster Überzeugung sagen kann, dass er alle Gebote gehalten hat – sogar von Jugend auf? Und der doch nicht in den Himmel kommt? Ich traue mich bestimmt nicht, mich so vollmundig ins beste Licht zu rĂŒcken. Gott weiß um meine Schwierigkeiten im Halten der Gebote, um meine LĂŒcken und dunklen Flecke in meinem Leben. Da brauche ich ihm nichts vorzumachen. Und trotzdem bleibt die Frage offen: „Du bist Christ? Und was machst du da so?“ Wie stehe ich da vor Gott? Bin ich ihm recht?

    Wie oft haben sich Christinnen und Christen im Lauf der letzten 2000 Jahre diese Frage gestellt: „Wie stehe ich da vor Gott? Bin ich ihm recht?“ Und: „Bin ich fĂŒr ihn gut genug, dass er mich auch annimmt?“ Ja! So haben Paulus und Martin Luther und viele andere das immer wieder betont: „Ja, du bist Gott recht, er nimmt dich an, so wie du bist: mit deinem Glauben-Wollen und deinem immer wieder Nicht-Glauben-Können. Das ist es, was dir in der Taufe zugesagt ist: Ja, du bist Gott recht!“

    Und trotzdem bleibt die Herausforderung, zu sagen, was Christsein in das alltĂ€gliche Handeln ĂŒbersetzt bedeutet. Welchen Zusammenhang es gibt zwischen dem Glauben, also dem VertrauensverhĂ€ltnis zwischen mir und Gott auf der einen Seite und meinem Handeln im Alltag der Welt auf der anderen Seite? Aus der ganz frĂŒhen Zeit des Christentums gibt es dazu einen Abschnitt zu lesen, der uns heute als Predigttext aufgegeben ist. Im Brief, der dem Apostel Jakobus zugeschrieben wird, heißt es im 2. Kapitel in der „Neuen Genfer Übersetzung“:

    14 Was nĂŒtzt es, meine Geschwister, wenn jemand behauptet: »Ich glaube«, aber er hat keine entsprechenden Taten vorzuweisen? Kann der Glaube als solcher ihn retten? 15 Angenommen, ein Bruder oder eine Schwester haben nicht genĂŒgend anzuziehen, und es fehlt ihnen an dem, was sie tĂ€glich zum Essen brauchen. 16 Wenn nun jemand von euch zu ihnen sagt: »Ich wĂŒnsche euch alles Gute! Hoffentlich bekommt ihr warme Kleider und könnt euch satt essen!«, aber ihr gebt ihnen nicht, was sie zum Leben brauchen – was nĂŒtzt ihnen das?
    17 Genauso ist es mit dem Glauben: Wenn er keine Taten vorzuweisen hat, ist er tot; er ist tot, weil er ohne Auswirkungen bleibt.
    18 Vielleicht hĂ€lt mir jemand entgegen: »Der eine hat eben den Glauben und der andere die Taten.« Wirklich? Wie willst du mir denn deinen Glauben beweisen, wenn die entsprechenden Taten fehlen? Ich dagegen kann dir meinen Glauben anhand von dem beweisen, was ich tue. 19 Du glaubst, dass es nur einen Gott gibt? Schön und gut! Aber auch die DĂ€monen glauben das – und zittern!
    20 Willst du denn nicht begreifen, du unverstĂ€ndiger Mensch, dass der Glaube ohne Taten nutzlos ist? 21 Wurde nicht unser Vater Abraham aufgrund seines Tuns fĂŒr gerecht erklĂ€rt? Er wurde fĂŒr gerecht erklĂ€rt, weil er seinen Sohn Isaak auf den Altar legte, um ihn Gott als Opfer darzubringen. 22 Daran siehst du, dass sein Glaube mit seinen Taten zusammenwirkte; erst durch seine Taten wurde sein Glaube vollkommen. 23 Und erst damit zeigte sich die volle Bedeutung dessen, was die Schrift sagt: »Abraham glaubte Gott, und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet«; ja, er wurde sogar »Freund Gottes« genannt.
    24 Ihr seht also, dass der Glaube allein nicht genĂŒgt; ein Mensch wird nur dann von Gott fĂŒr gerecht erklĂ€rt, wenn sein Glaube auch Taten hervorbringt. 25 War es bei der Prostituierten Rahab nicht ebenso? Auch sie wurde aufgrund ihrer Taten fĂŒr gerecht erklĂ€rt, denn sie nahm die israelitischen Boten gastfreundlich bei sich auf und half ihnen, auf einem geheimen Weg aus der Stadt zu fliehen. 26 Genauso nĂ€mlich, wie der Körper ohne den Geist ein toter Körper ist, ist auch der Glaube ohne Taten ein toter Glaube.

    Ihr Lieben!
    So weit der Abschnitt aus dem Jakobusbrief, dessen Schreiber so oft und so oft mutwillig missverstanden worden ist: Als ob die Taten, das Handeln im Alltag der Welt fĂŒr Christinnen und Christen die Voraussetzung fĂŒr den Glauben und damit fĂŒr die Annahme bei Gott wĂ€ren. Aber das ist nicht so! Glauben und christliches Handeln sind die berĂŒhmte zwei Seiten der einen Medaille. Es geht das eine nicht ohne das andere. Oder mit den Worten des Jakobus: Wo die Hinwendung zu den Menschen fehlt, ist der Glaube tot.

    Das hatte schon Jesus so formuliert, als er auf die Frage nach dem höchsten Gebot, dem der Sonntag heute gewidmet ist, geantwortet hat: »Das höchste Gebot ist das: „Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem GemĂŒt und mit all deiner Kraft“. Das andre ist dies: „Du sollst deinen NĂ€chsten lieben wie dich selbst“. Es ist kein anderes Gebot grĂ¶ĂŸer als diese.« – Und der Apostel Paulus hat in seinem Brief an die Gemeinde in Ephesus ĂŒber diejenigen, die von sich sagen, sie verkĂŒnden das Wort Gottes, gesagt: „An ihren FrĂŒchten werde ihr sie erkennen.“ Das ist unsere Aufgabe, denn wir alle sind durch unsere Taufe dazu berufen, das Evangelium zu verkĂŒnden – in Worten und Taten!

    Messen lassen mĂŒssen sich unsere Taten dann immer an dem, was im Sinn Jesu das Gute ist: an der Liebe zu Gott und zu den Menschen, die Gott uns zu unseren NĂ€chsten macht. Unsere Taten sind aber nie die Voraussetzung dafĂŒr, dass Gott uns seine Liebe schenkt, sondern die Folge dieser Liebe. „Christ?! Ach, interessant? Und was macht man da so?“ – Lasst es uns herausfinden, lasst es uns leben und lasst unsere Taten dabei die Folge der Liebe sein, die Gott uns schenkt! Amen.

  • Predigt am 15. Sonntag nach Trinitatis ĂŒber 1. Petrus 5,5b-11

    Der Predigttext 1. Petrus 5,5b-11 wurde zuvor als Schriftlesung gelesen.

    Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen.

    Liebe Geschwister in Christus!
    Es ist eines der eindrĂŒcklichsten Bilder, die in der Bibel vorkommen: der brĂŒllende Löwe. Wer einmal einen Löwen live und in Farbe gesehen und seine Stimme gehört hat, wird das bestĂ€tigen können. Und wer die Nachrichten in der vergangenen Woche verfolgt hat, konnte da einen ganz besonderen Löwen brĂŒllen hören: mit blonder MĂ€hne in einer riesigen Halle und er brĂŒllte fast vier Mal so lange, wie es ihm zugestanden hĂ€tte; Löwen kĂŒmmern die Regeln fĂŒr andere Tiere anscheinend nicht. Doch davon spĂ€ter!

    Vorher wĂŒrde ich gerne wissen, bei wem sich bei dem Wort Demut ein gewisses Unbehagen eingeschlichen hat. Dieses Wort hat in unserer Zeit einen schlechten Ruf. Denn es steht in der Gegenwart ganz oft fĂŒr eine schlaffe Haltung ohne RĂŒckgrat, ohne eigenen Willen und vor allem ohne alle Macht. Und so wollen wir uns natĂŒrlich nicht sehen: nicht 3 cm mit Hut.

    Ich hoffe, Ihr habt trotzdem nicht aufgehört, auf den weiteren Text zu hören. Denn der ist es wirklich wert! Und Demut im Sinn von Kadavergehorsam und sklavische Ergebenheit wird diesem Wort einfach nicht gerecht; es ist schlicht falsch, auch wenn leider auch in der Kirche diese Stelle und andere Stellen dazu missbraucht wurden, Menschen klein und unselbststĂ€ndig zu halten. Aber: Warum sollte sonst in Demut das Wort „Mut“ stecken.

    Ich frage also noch einmal nach der „Demut“, besser nach ihrem Gegenteil: Was ist das Gegenteil von Demut? – Richtig, auch im Text wird ein Gegenteil genannt: Hochmut. Und Hochmut im Blick auf unser VerhĂ€ltnis zu Gott bedeutet: „Ich meine, in meinem Leben alles aus eigener Kraft schaffen zu können.“ Vom Erwachsenwerden bis zur eigenen Kindererziehung, von der Schule bis zur fĂŒhrenden Stellung im Beruf, vom Gesundbleiben bis zum richtigen Älterwerden; und so weiter. Wer allerdings so durch das Leben geht, wird feststellen, dass der Hochmut, alles aus eigener Kraft und Macht schaffen zu können meistens vor dem tiefen Fall kommt. „Gott widersteht den HochmĂŒtigen, aber den DemĂŒtigen gibt er Gnade.“, schreibt der Apostel.

    Es gibt aber noch ein weiteres Gegenteil von „Demut“ – wenn ihr so wollt, genau in die andere Richtung. Und da sind wir bei der falsch verstandenen Bedeutung von Demut. DemĂŒtig sein ist das genaue Gegenteil von „unterwĂŒrfig sein“.

    Ich meine nicht, dass Menschen stolz zu sein hĂ€tten, damit wĂ€ren wir schon wieder beim Hochmut. Ich meine aber, dass wir uns durchaus ein gewisses Selbstbewusstsein zu eigen machen dĂŒrfen. Der Schreiber des ersten Johannesbriefes schreibt uns, dass wir uns nicht nur Gottes Kinder nennen dĂŒrfen, sondern es tatsĂ€chlich auch sind! Wie wunderbar ist das denn! Gottes Kinder, nicht seine Sklaven, die er nach Belieben herumscheuchen kann; Gottes Kinder, ja sogar seine Erben, wie es Paulus schreibt. Das ist der Stand, in den wir durch unsere Taufe erhoben werden!

    Ja, der Apostel fordert uns auf, uns unter Gottes Hand zu demĂŒtigen. Wir sollen es tun, wie Kinder sich ihren Eltern anvertrauen, weil sie wissen: Meine Eltern sorgen fĂŒr mich; bei ihnen bin ich in Sicherheit, ohne dass ich aufhöre, ein eigener Menschen mit meiner eigenen WĂŒrde zu sein! Und wie meine Eltern mich „groß machen“ – wie es hier in Ostwestfalen so schön heißt –, damit ich irgendwann selbststĂ€ndig mein Leben gestalten kann, so wird auch Gott mich groß machen und erhöhen.

    Es wird in meinem Leben auch immer wieder andere geben, die von mir verlangen, dass ich mich ihnen unterstelle, die ĂŒber mich Macht ausĂŒben wollen und mich fĂŒr ihre Zwecke benutzen wollen. Es geht da nicht einfach um eine Rangordnung im GefĂŒge eines DienstverhĂ€ltnisses. Im alltĂ€glichen Leben muss geleitet werden und es mĂŒssen die Richtlinien der Leitung befolgt werden. Aber so etwas darf nie zu einem absoluten AbhĂ€ngigkeitsverhĂ€ltnis fĂŒhren. Die Frage ist wie so oft: Wem gebe ich Macht und Herrschaft ĂŒber mich – Gott oder denen, die mich nur benutzen wollen, um ihre eigenen Ziele zu erreichen. Meine Entscheidung ist da klar: Niemand soll absolute Macht ĂŒber mich haben, als nur Gott!

    Demut Gott gegenĂŒber heißt, mich ihm unterstellen und seine Macht ĂŒber mich anerkennen und damit aufrecht und selbstbewusst allen anderen gegenĂŒber dastehen, die irgendwelche MachtansprĂŒche an mich stellen könnten. Und wie wichtig ist das, dass wir Kinder Gottes sind und so ein gesundes Selbstbewusstsein haben dĂŒrfen! Denn: „der Teufel geht umher wie ein brĂŒllender Löwe und sucht, wen er verschlinge!“

    So geht es in unserem Text weiter und wir sind damit wieder bei dem Löwen, der in der UN-Vollversammlung gebrĂŒllt hat. Auch hier muss ich einmal ganz schnell eine sprachliche Sache klĂ€ren: Im griechischen Text steht fĂŒr das Wort Teufel „Diabolos“. Und wenn man dieses Wort StĂŒck fĂŒr StĂŒck ins Deutsche ĂŒbersetzt ist es der „Durcheinanderwerfer“. Der Teufel ist keine Fantasiefigur mit Hörnern und Schwefelgeruch, wie er in frĂŒheren Jahrhunderten so gerne vorgestellt wurde. Der Teufel ist der, der die lebenserhaltende Ordnung zerstört, in dem er alles durcheinanderbringt. Und wenn wir uns umsehen, werden wir feststellen: Ganz vieles von dem, was wir einmal als sicher und feststehend geglaubt haben, ist ins Wanken geraten; Menschen sind verunsichert, weil plötzlich einer die Friedensordnung Europas durcheinander bringt und ohne Grund ein Land angreift; weil plötzlich sich ein Regierungschef mit Verordnungen ĂŒber geltendes Recht hinwegsetzt und die MenschenwĂŒrde von nicht weißen Menschen mit FĂŒĂŸen zu treten scheint.

    Der Teufel mag aber auch auf ganz andere Weise unser Leben aus dem Gleichgewicht bringen: Wenn Partnerschaften auseinanderbrechen; wenn Krankheiten den eigenen Lebensentwurf zum EinstĂŒrzen bringen wie einen Turm aus Bauklötzen, der nur eben angetippt wurde; wenn plötzliche Arbeitslosigkeit einem den wirtschaftlichen Boden unter den FĂŒĂŸen wegzieht.

    Dem Diabolos, dem Durcheinanderwerfer, der alles ins Chaos stĂŒrzt, sollen wir widerstehen. Wie das geht? Auch dazu schriebt uns der Apostel etwas: Fest im Glauben sollen wir sein. Also: Stark sein sollen wir im Vertrauen auf Gott, widerstandsfĂ€hig gegen Anfeindungen, weil wir uns von Gottes Macht getragen und gehalten wissen. „Fest im Glauben“ heißt nicht, dass zeitlich bedingte LehrsĂ€tze des Glaubens einbetoniert gĂŒltig sein mĂŒssen. Es heißt, dass unser Vertrauen in Gott und seine FĂŒrsorge fĂŒr uns ein Gegengewicht zu dem Chaos sein mĂŒssen, das der Diabolos angerichtet hat und weiter anrichtet.

    In unserer Taufe werden wir zu solchen Leuten berufen, die eben so sind: standhaft und gefestigt, dem Bösen gegenĂŒber. Dieses Vertrauen, dieser feste Glauben ist aber nicht einfach so plötzlich da. Wir mĂŒssen dieses Vertrauen lernen. Nicht wie Vokabeln oder mathematische Formeln in der Schule. Wir brauchen Menschen, die uns das beibringen, indem sie uns das vorleben, indem sie uns Anteil an ihrem eigenen Vertrauen zu Gott geben. Eltern und Paten, die anderen Glieder der Gemeinde können solche Menschen sein.

    Und es heißt auch nicht, dass ein solches Leben, wie es uns der Apostel als so gut anpreist, von ganz allein und einfach so funktioniert. Der Diabolos ist eine reale Kraft, die uns immer wieder in BedrĂ€ngnis fĂŒhren wird. Vielleicht wird sogar ein großer Teil unseres Lebens von diesem Widerstand gegen den Diabolos geprĂ€gt sein. FĂŒr viele wird es nur ein kleiner Trost sein, wenn sie wissen: Du bist mit deinem Kampf gegen das Chaos nicht allein, vielen von deinen Geschwistern im Glauben geht es ebenso. Aber alleine das Wissen, mit diesem Kampf nicht allein zu sein, wird helfen, den Blick zu weiten und mit der Frage nach dem „Warum ich?“ umgehen zu lernen. Der Apostel erinnert uns: „Du bist mit deinem Kampf nicht alleine; anderen geht es ebenso und diese Gemeinschaft trĂ€gt dich mit.“

    Und so groß, ja riesig dir deine Aufgabe in deinem Kampf auch scheinen mag, ist sie doch begrenzt. Der Apostel schreibt von einer kleinen Zeit, die diese BedrĂ€ngnis dauert. So groß das Leid auch fĂŒr mich ist, es ist nicht unfassbar, es ist auch handhabbar. Der Grund dafĂŒr liegt in der Zusage, in dem Versprechen, das den Adressaten und damit auch uns vom Schreiber des Briefes gesagt ist: Gerade in der Situation der BedrĂ€ngnis wird Gott da sein und uns das geben, was wir brauchen: Er wird uns aufrichten, stĂ€rken, krĂ€ftigen und grĂŒnden!

    Das ist keine Vertröstung auf ein besseres „nach dieser kleinen Zeit“ des Leides, nach der dann wieder die Sonne scheint. Schon gar keine Vertröstung auf ein jenseitiges Leben. Das ist die Zusage in das Jetzt der BedrĂ€ngnis: Gott wird: Aufrichten – Gott holt uns aus der VerkrĂŒmmung und lĂ€sst uns so wieder frei durchatmen; StĂ€rken und KrĂ€ftigen – von Gott kommt die Kraft, wenn unsere Kraft zu Ende ist, wiir werden nicht vergehen; GrĂŒnden – denn ohne ein Fundament können Menschen keinen sicheren Stand gewinnen. Mit Jesus Christus ist dieser tragfĂ€hige Grund gelegt und wir werden nicht versinken!

    Gott wird uns aufrichten, stĂ€rken, krĂ€ftigen grĂŒnden! Das ist die Zusage, auf die hin wir dem Durcheinanderwerfer entgegentreten können; die Zusage, auf die hin wir in der Taufe Menschen im Auftrag Gottes in seine ewige Herrlichkeit berufen, die schon hier und jetzt wirksam wird und im Hier und im Jetzt ihre Macht entfaltet. Darum sei ihm, diesem Gott, die Macht in alle Ewigkeit. Amen!

  • Gottesdienst am 24. August 2025 im Rahmen der Sommerkirche „7 Kirchen – 7 Lieder“

    Den folgenden Gottesdienst haben wir gestern in der Möllberger Kirche zum Lied „Packt nun eure Sache und zieht hinaus“ gefeiert (Nico Szameitat (Text) und Timo Böcking (Musik)). (Die Predigt ist unten nach dem Gottesdienstablauf zu finden; LzHuE = Das Liederbuch. Lieder zwischen Himmel und Erde; #lautstĂ€rke: Liederbuch zum 37. DEKT 2019 in Dortmund)

    GlockengelÀut
    Orgelvorspiel
    Votum und BegrĂŒĂŸung
    Lied „Die gĂŒldne Sonne“
    (LzHuE 430; EG 449,1-4+12)
    Psalm 139 (in der Übertragung von Peter Spangenberg: Höre meine Stimme. Die Psalmen, Hamburg 2023)
    Gloria Patri
    Kyrie (EG 178.9)
    L Die Welt da draußen – wunderbar geschaffen ist sie von Dir, Gott: als Ort allen Lebens. Wir rufen dich an:
    G Kyrie eleison.Kyrie eleison.Kyrie eleison.
    P Die Welt da draußen – uns ist sie von dir gegeben, Gott: als unser Zuhause. Wir rufen dich an:
    G Kyrie eleison.Kyrie eleison.Kyrie eleison.
    L Die Welt da draußen – und die Welt in uns drinnen, Gott: Beide sind Ziel deiner Liebe. Wir rufen dich an:
    G Kyrie eleison.Kyrie eleison.Kyrie eleison.
    Gnadenzusage
    P Christus spricht: Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz JudÀa und Samarien und bis an das Ende der Erde. (Apostelgeschichte 1,8)
    Gloria in Excelsis „Gott in der Höh 
“ (EG 180.2)
    Tagesgebet
    P Lasst uns zu Gott beten, der uns liebt und uns vertraut:
    Großer und doch so naher Gott,
    Du hast diese Welt erschaffen und uns berufen,
    dir in dieser Welt zu dienen
    und ihr deine Liebe zu bezeugen.
    Wir bitten dich:
    Christus, dein Wort,
    stĂ€rke uns fĂŒr unseren Weg durch deine Welt,
    die heilige Geistkraft stĂ€rke uns fĂŒr den Weg durch unsere Zeit.
    Dir sei Ehre – jetzt und Ewigkeit.
    G Amen.
    Chor „Vergiss es nie – Du bist du“
    Gerahmte Schriftlesung:
    ♫ Gottes Wort (EG 591) – MatthĂ€us 28,16-20 – ♫ Halleluja
    L Die Schriftlesung steht im Evangelium nach MatthÀus,
    im 28. Kapitel.
    G Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht
    L 16 Die elf JĂŒnger gingen nach GalilĂ€a auf den Berg,
    wohin Jesus sie beschieden hatte.
    17 Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder;
    einige aber zweifelten.
    18 Und Jesus trat herzu, redete mit ihnen und sprach:
    Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.
    19 Darum gehet hin und lehret alle Völker:
    Taufet sie auf den Namen
    des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
    20 und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.
    Und siehe,
    ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.
    Halleluja. Ich will deinen Namen kundtun meinen BrĂŒdern,
    ich will dich in der Gemeinde rĂŒhmen. Halleluja.
    Lied „Keinen Tag soll es geben“ (LzHuE 85)
    Predigt ĂŒber „Packt nun eure Sachen“
    (#lautstÀrke 117)
    Taufliturgie
    Lied „Geh aus mein Herz“ (EG 503,1+8+14-15)
    AbkĂŒndigungen
    FĂŒrbitten
    P Du, Gott, hast uns auf den Weg Jesu gerufen, uns manchmal so zögerliche Menschen. Hilf uns, dass wir dir treu sind und so zu Zeichen der Hoffnung in dieser oft umdunkelten Welt werden. Wir rufen dich an:
    G Herr, erbarme dich.
    L Dein Wort, Gott, hast du uns gewöhnlichen Menschen anvertraut. Dein Werk hast du in unsere HÀnde gegeben. Hole uns heraus aus allem, was uns gefangen hÀlt oder an der Nachfolge hindern will. Wir rufen dich an:
    G Herr, erbarme dich.
    P Zerstreue unsere Bedenken. Überwinde unsere Bitterkeit. FĂŒhre uns ĂŒber unsere eigenen Vorbehalte hinaus. Bring unser Gerede zum Schweigen und gib uns Worte, die helfen und trösten. Wir rufen dich an:
    G Herr, erbarme dich.
    L Bewahre Trostlose und Suchende vor HĂ€rte und Missachtung. Lass die Kleinen und Stummen nicht endlos leiden unter dem Einfluss der Großen und Lauten. Hilf uns, sorgsam zu werden im Umgang mit der Macht; bringe uns zum Frieden. Wir rufen dich an:
    G Herr, erbarme dich.
    P Gib uns deine Kraft und Zuversicht, damit wir in Zeiten von Unsicherheit und Sorge unser Vertrauen bewahren und zuversichtlich deinen Weg mit uns gehen und das tun, was die Not der Menschen wendet. Wir rufen dich an:
    G Herr, erbarme dich.
    L Gib uns deinen Geist. Geleite N.N., den wir heute getauft haben, seine Familie und alle, die ihn begleiten. Geleite N.N. in dein ewiges Reich, tröste alle, die voller Dankbarkeit fĂŒr sein Leben Abschied nehmen mĂŒssen. Wir rufen dich an:
    G Herr, erbarme dich.
    P Du willst nicht, dass auch nur irgendwer verloren gehe. Du liebst das Leben. So sende uns als deine Botinnen und Boten, Gott, hinaus in die Welt draußen: heute, morgen und immer wieder neu.
    (nach einer Vorlage von M. Meyer, Nachdenkliche Gebete, Göttingen 1988, S. 55)
    Vater unser
    Chor „Möge die Straße“
    Segen
    Schlusslied „Packt nun eure Sachen“

    Predigt zu „Packt nun eure Sachen“

    Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen.

    Liebe Geschwister in Christus!
    „Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2200. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise, das mit seiner 400 Mann starken Besatzung 5 Jahre unterwegs ist, um fremde Galaxien zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. Viele Lichtjahre von der Erde entfernt dringt die Enterprise in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.“ – ist das die Welt da draußen, die in unserem Lied gemeint ist? Es wĂ€re zumindest ganz weit draußen!

    „Die Welt da draußen“ ist fĂŒr andere vielleicht etwas, das große Angst macht und in einem großen Gegensatz zu einer sicheren und heilen Welt in einem wie auch immer gearteten „drinnen“ steht. FĂŒr wieder ist „die Welt da draußen“ vielleicht ganz naheliegend ihre Umwelt, die sich direkt vor ihrer eigenen HaustĂŒr ausbreitet.

    Nico Szameitat hat in seinem Lied „Packt nun eure Sachen und zieht hinaus“ eine Welt vor Augen hat, die von der christlichen Botschaft geprĂ€gt ist. Entstanden sind der Text und die Musik 2018 wĂ€hrend der Vorbereitungen fĂŒr den Dortmunder Kirchentag. Und es ist einer der seltenen FĂ€lle, dass die Musik von Timo Böcking zuerst da war. Und zu diesem Lied ohne Text sind Nico Szameitat bei der Liederwerkstatt zum Kirchentag die vorliegenden Worte eingefallen. Nico ist Pfarrer in Oldenburg, nebenbei Kirchenmusiker und „Wortschöpfer“. Sein taizĂ©-artiges „Soviel du brauchst“ ist in manchem Gottesdienst bei mir schon vorgekommen, ein paar andere StĂŒcke von ihm auch.

    Also: „Packt nun eure Sachen und zieht hinaus“ – aus einer ersten Assoziation heraus habe ich das Lied bei Vorstellungsgottesdiensten und bei Konfirmationen verwendet – als Gemeindelied oder als solistisches Schlusslied. Denn es nimmt mit den ersten Worten die komische Vorstellung auf, dass Konfirmandinnen und Konfirmanden mit der Konfirmation „aus der Kirche heraus konfirmiert werden“. Packt nun eure Sachen – und dann wirklich auf Nimmerwiedersehen? Nein, das nun gerade nicht! Mit der Konfirmation wird niemand aus der Kirche hinauskonfirmiert, wie es der alte Witz mit den FledermĂ€usen im Turm nahelegt, die der Pastor konfirmiert und so sein Problem löst.

    Die Konfirmation ist die BestĂ€tigung dessen, was der ganzen christlichen Kirche als Zuspruch und Aufgabe gegeben ist: Was Jesus seinen JĂŒngern aufgetragen und zugesagt hat; das, was wir eben in der Schriftlesung mit dem Tauf- und Missionsbefehl schon gehört haben. Auch das Lied trĂ€gt mit modernen Worten diesen Auftrag in sich.

    Singen wir zunÀchst den Refrain; damit wir gut hineinkommen, wird er zuerst einmal vorgesungen, danach singen wir ihn drei Mal:
    Packt nun eure Sachen und zieht hinaus! Denn die Welt da draußen ist euer Haus. Geht zu allen Menschen und sagt laut, dass Gott uns liebt und uns vertraut.

    Nachdem Jesus im Missionsbefehl also die JĂŒnger aufgefordert hatte, hinaus in die Welt zu gehen, besteht der inhaltliche Auftrag an die JĂŒnger Jesu aus zwei Teilen. Der erste lautet: „Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Das tun wir immer wieder und auch heute! Der zweite inhaltliche Auftrag lautet: „Und lehret sie halten, lehret sie bewahren alles, was ich euch befohlen habe“. Was diese Lehre ausmacht, umschreibt Nico Szameitat im Refrain mit dem, was das Leben Jesu, seine VerkĂŒndigung und die Botschaft in ihrem Innersten ausmacht: Es ist das Evangelium, die frohe Botschaft, dass Gott uns liebt und uns vertraut.

    Immer wieder seit diesem letzten Moment im MatthĂ€usevangelium haben Menschen, die sich auf die Verse bezogen haben und ihnen gefolgt sind, erkunden mĂŒssen, was denn diese „Welt da draußen“ wohl ist. Zum ersten Mal waren es die JĂŒnger, als sie an Pfingsten das verschlossene Haus verlassen haben, um mit der Kraft des Heiligen Geistes in den Sprachen der Zuhörenden die Liebe Gottes zu den Menschen zu verkĂŒndigen – hinein in die neue Welt derer, die nicht mit Jesus unterwegs gewesen waren.

    Auch spĂ€ter haben sich den Jesus-Leuten immer wieder neue Welten aufgetan, in die hinaus sie sich geschickt sahen: als der noch junge Jesusglaube die Grenzen der kultischen Reinheit des Judentums ĂŒbersprang und Menschen aus den Heidenvölkern von Petrus und Paulus in die Gemeinschaft der Christen aufgenommen wurden; als wieder spĂ€ter die lokalen Grenzen von Jerusalem und JudĂ€a und Kleinasien ĂŒberschritten wurden und das Christentum den Sprung von Asien nach Europa tat; als im Rahmen das Glaubens die Grenzen der damaligen gesellschaftlichen Ordnung aufgegeben wurden und MĂ€nner und Frauen, Sklaven und Freie, Juden und Griechen in der Gemeinschaft der Kirche zusammenfanden; als das Gleichnis vom großen Gastmahl Wirklichkeit wurde: Auch die an den Hecken und ZĂ€unen waren willkommen und werden es immer sein. So ist die ganze Welt unser Haus, unser Zuhause – Christinnen und Christen sind Kosmopoliten. Sie brauchen keine Wagenburg, sie igeln sich nicht ein.

    Geht und verkĂŒndet – geht hinaus und sagt laut: Was das heißt, wozu wir im Missionsbefehl und folgerichtig auch im Refrain unseres Liedes aufgefordert werden, entfaltet sich in den drei Strophen.
    In der ersten Strophe klingt der Weg Jesu an, der mit seinen Freunden durch die Felder unterwegs war – und sich bei Ährenraufen am Sabbat Ärger eingehandelt hat. Schon da hat Jesus Grenzen ĂŒbersprungen und einer buchstĂ€blichen Auslegung des Sabbat-Gebotes widersprochen: „Der Sabbat ist fĂŒr den Menschen da und nicht der Mensch fĂŒr den Sabbat!“ Und wo die Liebe Gottes zu den Menschen verkĂŒndet wird, breitet sich ein Strahlen und Leuchten aus, das die Welt heller macht und glĂ€nzen lĂ€sst – nicht so wie auf heutigen CampingplĂ€tzen, auf denen es vor lauter Minifotovoltaik-Lichtern kaum noch dunkel wird, sondern so, dass die NĂ€chte im ĂŒbertragenen Sinn hell werden und das Leben der Menschen einen milden Glanz bekommt. Wie es fĂŒr Jesus unverzichtbar war, sollen auch wir die Menschen am Rand der Gesellschaft nicht vernachlĂ€ssigen, sondern sie in unsere Herzen und in unsere Mitte holen; wir sollen trösten, indem wir Menschen beistehen, die weinen; wir sollen einander ermutigen und nichts kann das besser als ein Lachen.

    Wir singen den Refrain und die erste Strophe:
    Packt nun eure Sachen und zieht hinaus! Denn die Welt da draußen ist euer Haus. Geht zu allen Menschen und sagt laut, dass Gott uns liebt und uns vertraut.
    Lauft durch Felder und springt ĂŒber Grenzen, erhellt NĂ€chte, lasst die Welt glĂ€nzen. Leiht Ohren und Herzen den Schwachen, trocknet TrĂ€nen, schenkt euch ein Lachen. Das Wort stĂ€rke euch fĂŒr den Weg. Der Geist stĂ€rke euch in der Zeit.

    Gottes Liebe fördert das Leben: Er macht Mut, Dinge anzugehen, Neues zu entdecken und aus dem auf- und auszubrechen, was Menschen gefangen nimmt. Und Christinnen und Christen sollen diese positive und geradezu luftige Leichtigkeit mit ihren Worten unter die Menschen bringen. Nicht eine bestimmte koffeinhaltige Limonade verleiht FlĂŒgel, sondern die Worte von Gottes befreiender Botschaft.

    Das Lied blendet die Schwierigkeiten im Miteinander aber nicht aus: Böse, widergöttlichen KrĂ€fte sind RealitĂ€t und sie sollen nicht gewinnen. Eine Haudrauf-und-Schluss-MentalitĂ€t ist aber nicht im Sinn Gottes. Es ist vielleicht die grĂ¶ĂŸte Herausforderung im christlichen Leben, dass wir das Böse nicht mit Bösem, also mit Gewalt, bekĂ€mpfen sollen, sondern mit der Sanftmut derer, denen Jesus in den Seligpreisungen den Besitz des Erdreiches verheißen hat.
    So entsteht neues Leben: Wenn Menschen in den Namen Jesu hinein getauft werden – natĂŒrlich mit Wasser, das geschöpft ĂŒber dem TĂ€ufling ausgegossen wird. Denn, so schreibt der Apostel Paulus, ist jemand getauft, ist der Mensch wie neugeboren: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. Der Neuschöpfung in der Taufe entspricht die StĂ€rkung im gemeinsamen Essen: Brot – das Lebensmittel schlechthin – steht ebenso wie der nicht erwĂ€hnte Wein fĂŒr die Gemeinschaft mit Christus, die uns auf unserem Weg vergewissert und stĂ€rkt.

    Wir singen den Refrain und die zweite Strophe:
    Packt nun eure Sachen und zieht hinaus! Denn die Welt da draußen ist euer Haus. Geht zu allen Menschen und sagt laut, dass Gott uns liebt und uns vertraut.
    Habt ihr Zweifel, verzweifelt dann nicht, seid ihr Ă€ngstlich, fĂŒrchtet euch nicht. Gott vertraut euch: Es wird euch gelingen. Gottes Segen soll durch euch klingen. Das Wort stĂ€rke euch fĂŒr den Weg. Der Geist stĂ€rke euch in der Zeit.

    ‚Glauben wollen‘ ist das eine, ‚glauben können‘ ist das andere. Denn immer wieder machen Christinnen und Christen die Erfahrung, dass eine einmal vorhandene Sicherheit nicht durchtrĂ€gt und Zweifel aufkommen. Auch diese Seite des Christseins blendet das Lied nicht aus: Es macht einen nicht zu einem schlechteren Christen oder gar zu einem Nichtchristen, wenn die einmal erfahrene Glaubenssicherheit abhanden kommt. Zweifel gehören zum Glauben immer mit dazu, das ist aber kein Grund zum Verzweifeln. Und auch wenn es bedrohliche Situationen im Leben gibt: Den Ernst der Lage wahrzunehmen und zu respektieren, ist ganz wichtig; aber auch dann braucht uns dieses GefĂŒhl nicht gefangen zu nehmen, sodass wir vor Furcht erstarren.

    Gott traut uns zu, dass wir auch durch solche Schwierigkeiten hindurch kommen, dass das Leben gelingen wird! Ja, dass sogar genau in diesen Situationen, in aller unserer Schwachheit etwas von Gottes StĂ€rke durch uns hindurchklingen und hindurchscheinen wird. Denn die Macht Jesu ist gerade dann stark und mĂ€chtig, wenn Menschen schwach sind. Was fĂŒr ein Vertrauen, das er in uns setzt – in uns Menschen mit allen unseren UnzulĂ€nglichkeiten, die uns ja auszeichnen.

    Die Strophen sind voll von Aufforderungen, manche mögen sich gar von einer FĂŒlle von Befehlen ĂŒberrannt sehen. Aber ist das wirklich so? Will Jesus uns ĂŒberfordern? Will unser Lied uns in ein Hamsterrad mit christlichem Aktivismus einsperren, bei dem es immer auf geistlichen Burnout hinauslaufen wird? Das ist bestimmt nicht so. Im Taufbefehl steht an der letzten Stelle keine Aufforderung, sondern da die wunderbar große Zusage Jesu „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!“ Die Überschrift in den Bibelausgaben lasst das leider unter den Tisch fallen. Am Ende steht die BefĂ€higung zu den Aufgaben durch Jesus Christus selbst.

    Und genau so ist das auch in unserem Lied, auch da steht am Ende jeder Strophe Segen: Das Wort, also Jesus selbst stĂ€rkt uns fĂŒr den Weg, sein Heiliger Geist wirkt in uns und gibt uns in unserer Zeit die Kraft. Wir mĂŒssen das, was unseren Auftrag ausmacht, nicht aus eigener Kraft schaffen, wir könnten das auch gar nicht. Aber die Kraft dazu wird uns gegeben wird: in der Taufe der Heilige Geist, mit dem Wort Jesu immer neue Kraft. Und dann geht es daran, unsere Sachen zu packen, rauszugehen und den Menschen von Gottes Liebe zu erzĂ€hlen: manchmal durch Worte, manchmal durch konkrete Taten, manchmal einfach nur durch die Art, wie wir leben, weil dann Gottes Liebe durch uns hindurch scheint. Lasst es klingen und leuchten!

    Wir singen den Refrain, die 3. Strophe und den Schlussrefrain:
    Packt nun eure Sachen und zieht hinaus! Denn die Welt da draußen ist euer Haus. Geht zu allen Menschen und sagt laut, dass Gott uns liebt und uns vertraut.
    Findet Worte, die Menschen beflĂŒgeln, helft mit Sanftmut, Böses zu zĂŒgeln. Schöpft das Wasser und schenkt neues Leben, esst gemeinsam, was euch gegeben. Das Wort stĂ€rke euch fĂŒr den Weg. Der Geist stĂ€rke euch in der Zeit.