Kategorie: Gemeinde

  • Ich danke allen, die dabei waren, für ihr Geleit. Es war so gut, mit diesem Moment nicht alleine gewesen zu sein!

    „Du bist ein Gott, der mich sieht!“ – Diese Worte (1. Mose 16,13) mögen auch Euch tragen: in der Gewissheit, dass Gott in dieser wie in aller Trauer und allem Abschiednehmen gegenwärtig ist und uns nicht alleine lässt. Dazu ist er Mensch geworden. Und er führt uns über alle Trauer hinaus und wird sie in uns verwandeln, denn er verheißt: „Siehe, ich mache alles neu!“ (Jahreslosung 2026 aus Offenbarung 21,5)

    (Der Bericht auf der Kirchenkreisseite ist jetzt auch online: Ein Schlusspunkt zum Jahresende)

    Gottesdienst anlässlich der Entwidmung der Möllberger Kirche am 28. Dezember 2025

    (Die Predigt gibt es weiter unten.)

    Glockengeläut und Musik zum Eingang
    Votum und Begrüßung
    „Weil Gott in tiefster Nacht erschienen“ (EG 56)
    Prediger 3 als Psalm
    Kyrie (mit EG 178.9)
    Du, Jesus, bist damals als Kind in der Krippe in eine kaputte Welt gekommen. Zu dir rufen wir: G Kyrie eleison …
    Du, Christus, kommst auch in unserer Zeit in eine oft so heillose Welt. Zu dir rufen wir: G Kyrie eleison …
    Du, Jesus Christus, kommst heute zu uns und siehst und findest unsere zerbrochenen Herzen, mit denen wir von dieser Kirche Abschied nehmen. Zu dir rufen wir: G Kyrie eleison …
    Gnadenzusage Jesaja 60,1-2
    Gloria „Gott in der Höh“ (EG 180.2)
    Tagesgebet
    Chor: „Herr, deine Güte“
    Schriftlesung:
    „Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht“ (EG 591)
    1. Mose 16 i.A.
    G Halleluja. Halleluja. Halleluja. Halleluja.
    „Du bist ein Gott, der mich anschaut“ (#lst 81)
    Predigt
    „Von guten Mächten“ (EG 65,1-2)
    Glaubensbekenntnis

    „Und reichst du uns den Kelch“ (EG 65,3-7)
    mit Einsammeln der Kollekte
    Bedeutung der Entwidmung (Superintendentin Goudefroy)
    Fürbitten (nach einer Vorlage aus dem Kirchenkreis)
    Gott, du schenkst Raum zum Leben, in dir und bei dir haben wir immer Platz. Dafür danken wir dir. Wir danken dir für die vielen Menschen, die mit dieser Kirche verbunden waren – und die für diesen Raum da waren.
    So bitten wir dich für alle, die mit der Möllberger Kirche verbunden sind, und für alle, denen das Herz beim Abschied so wehtut.
    L1 (mit der TAUFKANNE für die Getauften)
    Gott, Kraft des Lebens, wir danken dir für die vielen Menschen, die wir in dieser Kirche taufen durften. Du hast sie in ihrem Leben begleitet, und hast die Verbindung mit ihnen gehalten, die durch die Taufe sichtbar geworden ist.
    Wir bitten dich für alle Menschen, die hier getauft wurden. Erhalte ihren Glauben – begleite sie auf ihrem Lebensweg.
    L2 (mit der BIBEL für die Konfirmierten und die Getrauten)
    Gott, in den Worten der Bibel haben wir in dieser Kirche gehört, wie du uns begleitest, stärkst und tröstest. Jugendliche haben gelernt, was es bedeutet, als Christin und Christ nach deinem Wort zu leben. Sie sind hier konfirmiert worden und haben sich auf ihren Lebensweg gemacht. Paare haben sich hier unter deinem Wort einander anvertraut, sie haben deinen Segen für ihr gemeinsames Leben bekommen.
    Wir bitten dich: Achte weiter auf die Konfirmierten, damit ihr Glaube sie weiter leitet und stärkt, dass dein Geist der Liebe die Paare in Freude und Leid verbunden hält.
    L3 (mit dem violetten PARAMENT für das, was nicht gut war)
    Gott, heilige Geistkraft, wir denken an die Gottesdienste mit Schmuck und bunten Farben, in denen diese Kirche von Liebe und Heiterkeit erfüllt war. Wir denken aber auch an Momente, in denen wir deiner Liebe nicht gerecht geworden sind. Du Kraft der Versöhnung, richte gerade, was in diesen Jahren misslungen und bei uns krumm und schief geworden ist.
    L4 (mit der OSTERKERZE für die Verstorbenen)
    Jesus Christus, die Osterkerze zeigt uns immer wieder: Du bist das Licht des Lebens. Du hast dem Tod und der Verzweiflung eine Grenze gesetzt. Wir danken Dir, dass wir mit diesem Trost leben dürfen.
    Wir denken an die Menschen, die wir in diesen Jahren beerdigt haben. Wir bitten dich für alle Verstorbenen und für alle Angehörigen, dass Du auch jetzt für sie da bist und sie nicht im Dunkeln bleiben. Schenk uns allen deine Lebenskraft.
    L5 (mit dem KAFFEEGESCHIRR für die Geselligkeit)
    Jesus Christus, du gehst unsere Wege mit: Und wenn nach dem Gottesdienst die Kaffeetassen geklappert haben, war das für viele der erste Schritt wieder hinaus in den Alltag der Welt, den wir als Gemeinschaft der Feiernden gemeinsam getan haben.
    Wir bitten dich, dass diese zwanglose Geselligkeit und die Freiheit, einander ganz ungezwungen zu begegnen, erhalten bleibt.
    L (mit einem Teil des ABENDMAHLSGESCHIRRs für die Gemeinschaft)
    Jesus Christus, wir danken dir, dass Du uns zu dir und an deinen Tisch eingeladen hast. Wir denken an die Abendmahlsfeiern hier in der Kirche: An Momente voller Traurigkeit und voller Glück.
    Wir bitten dich – schenke und erhalte Gemeinschaft und Zusammenhalt in unserer ganzen Gemeinde. Führe uns immer wieder neu zusammen und verbindet uns untereinander und mit dir.
    Dir, Jesus Christus – in der Gemeinschaft mit dem Vater und dem Geist – sei alle Ehre: jetzt und in Ewigkeit. G Amen.
    Alles das legen wir auf den Altar, um in der Gemeinschaft, die Jesus Christus stiftet, Abendmahl zu feiern.
    „Ich bin das Brot“ (EG.E 11)
    Abendmahlsliturgie
    Ankündigung und Auszug mit „Meine Hoffnung und meine Freude“ (#lst 41)
    Schlussgebet
    „Komm, Herr, segne uns“ (EG 170)
    Segen
    Musikalisches Nachspiel

    Predigt anlässlich der Entwidmung der Möllberger Kirche am 28. Dezember 2025

    Predigt:
    Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen.

    Liebe Geschwister in Christus!
    Wie hält man eine Predigt zur Entwidmung einer Kirche? Wie predige ich zur Entwidmung „meiner“ Kirche? Am liebsten gar nicht. So ähnlich stand es auch im Gemeindebrief. Aber wir sind hier nicht bei „Wünsch dir was“, sondern am Endpunkt einer Entwicklung, die sich seit längerer Zeit schon abgezeichnet hat. Im Lauf der letzten Jahre ist deutlich geworden, dass wir schon lange viel zu viele Quadratmeter für viel zu wenig Menschen haben: in den letzten 50 Jahren haben sich die Gemeindegliederzahlen mehr als halbiert. Es ist deutlich geworden, dass dadurch auch nicht mehr genügend Geld da ist, um die vielen Gebäude zu finanzieren. Alle Versuche, den Kirchraum zu erhalten, für das Ensemble aus Kirche und Gemeindehaus oder wenigstens für die Kirche neue Nutzer zu finden, sind vergeblich gewesen.

    Und so sind wir heute hier, um Abschied zu nehmen von diesem Kirchraum und auch vom Gemeindehaus, denn nach diesem Gottesdienst wird hier nichts mehr stattfinden. Wir nehmen Abschied mit aller Traurigkeit und Hilflosigkeit, mit aller Enttäuschung, wenn uns bewusst wird, wie endgültig dieser Schritt ist; wir nehmen aber auch Abschied mit den Erinnerungen an so viele gute, berührende Momente.

    Was ist das Wichtigste in einem solchen Moment? Was gibt Kraft, um nicht nur diesen Moment durchzustehen, sondern auch nach diesem Moment der Entwidmung weiterzugehen und das zu tun, was unser Auftrag als Christinnen und Christen ist? Ich finde dieses Wichtigste für diesen Moment und für darüber hinaus in dieser Geschichte von Hagar an der Quelle in der Wüste, die wir eben als Schriftlesung gehört haben: Da ist diese Frau, die bestimmt nicht alles richtig gemacht hat, die aber auch unter vielem gelitten hat, was ihr widerfahren ist; die nicht mehr weiter weiß und versucht hat, vor allem davonzulaufen. Wer könnte das nicht verstehen? Ist es nicht die Möglichkeit, der ganzen Misere zu entrinnen?

    So findet sich Hagar wieder an einer Quelle in der Wüste – mitten im Nirgendwo und weiß trotzdem nicht weiter. Weglaufen löst eben doch keine Probleme. Aber ihre Situation in der Wüste spiegelt das, was wahrscheinlich viele von uns heute empfinden: innere und äußere Leere; was einem lieb geworden war, geht verloren und das Neue, das einem eine neue Perspektive geben kann, ist noch nicht wirklich in Sicht. Natürlich nicht, weil das Alte ja noch so präsent ist.
    Was ist das Wichtigste in einem solchen Moment? Ich finde dieses Wichtigste für diesen Moment und für darüber hinaus in dieser Geschichte von Hagar und ihrem Bekenntnis: „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ In diesen Momenten der Verlassenheit, die Hagar in der Wüste erlebt, hört sie für sich eine Verheißung für sich und ihr Kind, das sie trägt, und aus dieser Verheißung wächst in ihr eine Gewissheit: „Gott hat mich angesehen.“ Und das bedeutet: „Ich habe Ansehen bei Gott. – Auch jetzt, wenn ich verzweifelt bin und nicht weiter weiß! Ich habe Ansehen bei Gott, ich bin ihm wichtig.“

    „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ – Diese Worte haben uns im Jahr 2023 als Jahreslosung begleitet. Und wie bei Hagar ist auch für mich und für so viele andere damit nicht eine Angst verbunden, dass Gott mit Argusaugen hinter den Menschen her ist und nur auf Fehler wartet, um die dann zu sanktionieren. „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ Das heißt immer: Gott sieht den Menschen an mit seinem so liebevollen Blick, der auch in den dunklen Stunden Licht und Wärme ausstrahlt.

    „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ – Dieses „Mich“ von Hagar möchte ich heute als einen kollektiven Singular verstehen, der die Kirchengemeinde als Ganze ebenso umfasst wie alle, die in dieser Kirche und im Gemeindehaus ein- und ausgegangen sind. Und so hat Gott auch auf die Vorgeschichte dessen gesehen, was 1962 in den Umbau des Bauernhauses und des Fabrikgebäudes in eine Kirche mündete: auf der einen Seite die so abenteuerliche Geschichte mit den vielen Ungerechtigkeiten, die dem alten Ehepaar Meier widerfahren sind; auf der anderen Seite die Anfänge des 2. Gemeindebezirkes der damaligen Gemeinde, der aus einer Frauenhilfegruppe unter der engagierten Leitung von Anna Steffen entstanden ist. In Gerhard Arning als dem dann zuständigem Pastor fand Anna Steffen einen kongenialen Mitstreiter, um die Idee einer Kirche in und für Möllbergen zu verwirklichen. Was konnte wohl Besseres aus diesem Anwesen, das mit so viel Unglück bedacht war, werden, als eine Kirche, in der das Wort von der Versöhnung und die Botschaft von Trost und Erquickung für die Mühseligen den Grundton angeben würde?!

    „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ Gott hat seit dem 26. August 1962, als die Kirche in einem feierlichen Gottesdienst eingeweiht wurde, auf sie gesehen: auf diesen hellen und so hohen Raum mit dem großen Holzkreuz. In etwas mehr als 63 Jahren hat Gott so vieles gesehen: hoffnungsvolle Zeiten mit CVJM und Jugendtreff, Taufen und Konfirmationen, Trauungen und Ehejubiläen – immer Menschen, Menschen jeden Alters, die etwas von Gottes Liebe, von seinem wärmenden Blick mitnehmen konnten.

    Äußere Veränderungen haben dann immer auch deutlich gemacht, dass Gott eine lebendige Gemeinde sehen konnte: Der Anbau am Gemeindehaus entstand, als Pastor Eberhard Peithmann auf Pastor Arning folgte. Wie sein Vorgänger prägte er das Leben der Gemeinde und mit dem Umbau 1989 bekam die Kirche ein ganz neues Gesicht: warme Farben mit den Terrakottafliesen, das ganz fein gestaltete goldene Kreuz im Altarraum, das Taufbecken, mit der Krone des Lebens und die Fenster von Heinz Lilienthal – besonders der Dornbusch und die Taufe. Gott sah auch, wie gefährdet das alles war, als die Kirche kurz nach der Renovierung brannte. Mit dem hellen Gewand des Pastors wurde seit 1994 das Bild von Pfarrer und Kirche noch einmal verändert.

    Seit 1999 durfte ich hier meinen Dienst tun und dem Psalm „Singet dem Herrn ein neues Lied“ wohl ziemlich oft wörtliche Geltung verschaffen: die „neuen“ Lieder im Gesangbuch, Kirchentagslieder und holländische Lieder vom Kirchenliedseminar und immer wieder einmal ein Lobpreislied – Taizé-Gottesdienste und die Uchte.
    Aber ohne das Engagement von so vielen, vielen Menschen wäre das alles nicht möglich gewesen: Posaunenchor und Kirchenchor, Gruppenverantwortliche und Küsterinnen, Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker und ganz viele, die einfach nur so da waren und immer wieder auch geholfen haben, haben dieses Haus zu einem lebendigen Ort von Gottesdienst, Kirchenkaffee und Gemeindeleben gemacht. Alles zusammengehalten besonders auch von Generationen von Presbyterinnen und Presbytern. Das alles endet heute hier.

    „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ – Was ist das Wichtigste in einem solchen Moment? Was gibt Kraft, um nicht nur diesen Moment durchzustehen, sondern auch nach diesem Moment der Entwidmung weiterzugehen und das zu tun, was unser Auftrag als Christinnen und Christen ist? Hagar soll nicht weiter in die Einsamkeit fliehen; es bringt nichts, vor dem Unvermeidlichen wegzulaufen. Sie wird von Gott auch nicht in ein wie auch immer geartetes Paradies geführt. Hagar wird von Gott sogar zugemutet, in die alten Abhängigkeiten zurückzukehren und sich ihrer Herrin Sarai wieder zu unterwerfen. Was sie aber von der Quelle in der Wüste mit nimmt, ist die Gewissheit, dass ihr und ihrem Kind eine Zukunft verheißen ist.
    Auch uns ist das mit dem heutigen Tag auferlegt: Auch für uns gibt es kein „Immerweiterweglaufen“, als ob wir dem heutigen Tag und damit den heutigen Tatsachen entkommen könnten. Auch wir kehren in unsere kirchliche Realität zurück. Aber auch wir haben eine Verheißung empfangen, die uns in die Zukunft tragen soll.

    Und auch uns mutet Gott zu, nicht davon zu laufen, sondern uns unter seiner Verheißung auf den Weg in die Zukunft zu machen. Und es ist nicht nur die Weihnachtsbotschaft, die uns die Verheißung von damals vergegenwärtigt, wie wir es zu Beginn gesungen haben: „Weil Gott in tiefster Nacht erschienen, kann unsre Nacht nicht traurig sein! Weil Gott in tiefster Nacht erschienen, kann unsre Nacht nicht endlos sein!“ Es ist für mich kein „dummer Zufall“, es ist keine Ironie des Schicksals, dass das Wort, das uns ab dem 1. Januar 2026 als Jahreslosung begleiten wird, wie eine Antwort Gottes auf Hagars Bekenntnis erscheint, das wir uns heute zu eigen gemacht haben. Es ist Gott, der in der Offenbarung des Johannes Worte spricht, die unbedingt Zukunft eröffnen: „Siehe, ich mache alles neu!“

    Es wäre zu einfach, wollten wir diese Worte mit einem „Kopf hoch, das Leben geht weiter!“ oder einem „Schwamm drüber, alles halb so wild!“ gleichsetzen. Gott sagt uns mit dieser neuen Jahreslosung zu: „Deine Trauer in diesem zu Ende gehenden Jahr mit diesem so schmerzhaften Abschied von diesem Kirchengebäude, das dir Heimat geworden ist und dir Geborgenheit geschenkt hat, das in seiner Gestalt die Weite und Größe meiner Güte spiegelt, das meinen Geist geatmet hat und von wo aus Menschen unter meinem Segen immer wieder zurück in die Welt hinaus gegangen sind, um ihren Alltag immer wieder neu zu bestehen – diese Trauer ist bei mir gut aufgehoben und ich werde sie in dir verwandeln und dich neu die Wege des Lebens gehen lassen!“

    Ihr Lieben! Die Erinnerungen an die Möllberger Kirche werden auch in Zukunft immer noch schmerzen, aber der Segen, der hier gesprochen wurde, die Taufen und Konfirmationen, die hier gefeiert wurden, werden nicht ungeschehen. Weihnachten und Ostern bleiben gültig – unabhängig von sich wandelnden Strukturen der Kirche und unabhängig von den Gebäuden einer Gemeinde. Und der liebende Blick Gottes auf seine Kirche, seine Gemeinde und alle ihre Glieder wärmt unsere Seele. Wir gehen unter Gottes Segen weiter durch die Zeit, um seine Verheißung und die Botschaft seines Evangeliums weiter zu tragen. Das ist das Wichtigste, darauf kommt es an! Amen.

    Die Kerzen sind aus! Das sagt ALLES!

  • Am 3. Advent vor 25 Jahren wurde ich in die 2. Pfarrstelle der damaligen Kirchengemeinde Holzhausen an der Porta eingeführt: „meine Möllberger Pfarrstelle“. Und was ist seitdem alles gewesen!

    Heute haben mich viele daran erinnert und mir zu diesem Jubiläum gratuliert. Herzlichen Dank!

    Was aber wäre ich ohne Euch: ohne die Kolleg*innen und vor allem ohne die vielen, vielen Ehrenamtlichen, die mich seit so vielen Jahren unterstützend begleiten, und ohne meine Familie! Habt vielen, vielen Dank! Ich weiß mich von Euch mit getragen.

    Auf dem Bild ein Teil des Bezirksausschusses HuHaP: Ihr alle seid großartig!

    Bei INSTA ist das Taizé-Lied „Voici Dieu, qui vient à mon secours“ hinterlegt (siehe unten). Es ist inzwischen so etwas wie mein Motto geworden. Ich liebe es sehr:
    „Voici Dieu, qui vient à mon secours, le seigneur avec ceux qui me soutiennent. Je te chante, toi qui me relèves. Je te chante, toi qui me relèves. – Gott ist mein Helfer, der Herr beschützt mich. Ich will dir singen, denn du hast mich wieder aufgerichtet.“ (Psalm 54,6 und Psalm 30,2)

  • Vor genau 75 Jahren ist das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in Kraft getreten und bildet seitdem die Grundlage für unsere freiheitlich demokratische Grundordnung. 

    Die Initiative „Für demokratische Grundwerte PW“ will die demokratischen Grundwerte bewahren und dafür ein deutliches Zeichen setzen:

    Demonstration am 23. Mai 2024 um 19 Uhr auf dem Marktplatz Hausberge-Zentrum 
    Musik bereits ab 18:30 Uhr von Torsten Stuckenholz, Jan Voß und Lucas Schierbaum. 

  • Am 28. Dezember 2021 wurde in Porta Westfalica-Costedt eine Gedenkplakette der Öffentlichkeit übergeben, die an die Mitglieder der Familie Seelig erinnert, die im Dezember 1941, also vor 80 Jahren, aus Costedt in Richtung Riga deportiert wurden. Siehe dazu auch den Artikel im Mindener Tageblatt (MT+-Artikel). Als Vertreter der Kirchengemeinde war ich gebeten bei diesem Anlass zu sprechen. Hier meine Ansprache:

    Sehr geehrte Damen und Herren!
    „Wenn dein Kind dich morgen fragt …“ – so heißt es im 5. Buch Mose, im Deuteronomium, im 6. Kapitel. Das Volk Israel hatte von Gott die Gebote bekommen, um nach der Befreiung aus einem Leben in Knechtschaft nun anhand dieser Gebote ein Leben in Freiheit und Gerechtigkeit führen zu können. Der Sinn dieser Gebote erschließt sich für die Gegenwart – und noch wichtiger: für die Zukunft – der Sinn dieser Gebote erschließt sich nur aus dem Wissen um die Vergangenheit. Und es gilt, sich dieses Zusammenhanges schon heute bewusst zu sein, um morgen auf die Frage danach eine Antwort geben zu können.

    „Wenn dein Kind dich morgen fragt …“ Heute bedenken, was morgen eine Frage sein könnte – seit dieser Vers im Jahr 2005 die Losung des Deutschen Evangelischen Kirchentages in Hannover gewesen ist, beschäftigt mich dieser Zusammenhang von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und der Verantwortung, die den Menschen im Heute zukommt, in besonderer Weise: Die Frage nach den Entscheidungen heute für die Zukunft entscheidet sich am Wissen und am Umgang mit der Vergangenheit; zu wissen, warum ich bin, wie ich bin; woher meine Überzeugungen kommen und mein Engagement kommt.

    „Wenn dein Kind dich morgen fragt …“ Wir sind heute hier, um daran zu erinnern, dass eine Familie aus unserer Stadt im Dezember 1941 abgeholt wurde, um deportiert zu werden – in Richtung Riga: Die Familie Seelig hat hier in dieser Stadt, die damals ja noch keine Stadt war, sondern aus einzelnen selbständigen Dörfern bestand, gewohnt. Und war dann nicht mehr da. Wohl von einem Tag auf den anderen; wie so viele andere Menschen jüdischen Glaubens und jüdischer Herkunft, die in den Dörfern unserer Stadt gelebt haben.

    Warum erinnern wir uns? Warum verlegen wir Stolpersteine oder gestalten Gedenktafeln, die wir wie hier und heute aufstellen? Wir wollen damit eine Antwort auf die Frage geben, die junge Menschen – wie unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden – irgendwann stellen: Wie steht ihr als unsere Eltern und Großeltern zu dem, was das Leben Eurer Großeltern geprägt hat? Und vor allem: Habt Ihr daraus etwas gelernt, damit der Weg in die Zukunft gelingen kann?

    Es geht heute ja nicht darum, einen emotionalen Augenblick zu erleben, angesichts des schrecklichen Schicksals, das diese Familie erleben musste. Wollten wir mit dieser Veranstaltung auf einer reinen Gefühlsebene bleiben, bleiben wir im Erschrecken über das, was Menschen anderen Menschen antun können, stecken.

    Ich bin auch der festen Überzeugung, dass es sich bei solchen Aktionen wie heute nicht um einen Schuldkult handelt, wie das von manchen deutlich rechtsgerichteten Menschen unserer Tage gerne formuliert wird. Es geht hier und heute um die Würde von Menschen und um die Zukunft, die aus dem Wissen um das damals Geschehene erwachsen kann.

    Es geht darum, den Mitgliedern der Familie Seelig mit unserem Gedenken die Achtung zu erweisen, die ihnen als Menschen gebührt und die ihnen und so vielen, vielen anderen in so grausamer Weise in der Zeit vor 80 Jahren vorenthalten wurde.

    Es geht dann aber auch darum, dass dieses Erinnern nicht folgenlos und fruchtlos bleibt. In den letzten Jahren hat das Nachdenken über die sogenannten „Kriegsenkel“ einen weiten Raum in der öffentlichen Diskussion eingenommen: Menschen mussten als Enkelinnen und Enkel derer, die den Krieg ganz bewusst miterlebt haben, feststellen, dass sie auf eine ganz eigene Art und Weise mit dem Geschehen des 2. Weltkrieges und der Zeit des Nationalsozialismus verbunden waren: Miterlebt hatten sie den Krieg nicht, waren sie doch erst Jahre später geboren; aber trotzdem waren sie auf das Engste damit verbunden.

    Die Bibel rechnet damit, dass die Folgen von negativen Ereignissen und schuldhaften Taten über drei bis vier Generationen zu spüren sind und Wirkungen haben. Die nachfolgenden Generationen werden nicht auf das Tun oder das Unterlassen der Vorangegangenen festgelegt, und damit auch nicht auf deren Schuld. Aber sie müssen mit den Folgen dieser Taten und der Schuld umgehen. Das hat die Generation der Kriegsenkel feststellen müssen.

    Es ist so unendlich wichtig, das alles nicht unter einer Falltür des geschichtlichen Vergessens verschwinden zu lassen. Denn nur der bewusste und damit verantwortliche Umgang mit dem Geschehen von damals hilft, darüber hinaus zu kommen: aber nicht als Abschluss, nach dem das Geschehen von damals für heute oder für die Zukunft nicht mehr wichtig wäre; sondern als Impuls für einen erfolgreichen und guten, weil menschenfreundlichen Weg in die Zukunft.

    Eine Vergleichsmöglichkeit bietet vielleicht das Weihnachtsfest, das wir in diesen Tagen feiern: Wir feiern ja nicht Weihnachten, nur weil vor 2000 Jahren ein – wenn auch besonderes – Kind geboren wurde: Weihnachten ist nicht „es war einmal“, es ist auch nicht die Wiederkehr des Ewiggleichen mit „the same procedure as every year“. Weihnachten ist eine in die Zukunft hin offene Geschichte. Nachdem wir uns das Jahr über in so vielem festgefahren haben und in so vielem stecken geblieben sind, ermöglicht das Weihnachtsfest, das wir in diesem Jahr feiern, einen Weg „Zurück in die Zukunft“, indem Jesus als Kind in der Krippe in uns geboren wird!

    In diesem Sinn eröffnet auch das Erinnern an die Familie Seelig für uns den Weg in die Zukunft: Denn auch heute stehen wir als Gesellschaft und als Kirche, als Stadt Porta Westfalica und als Kirchengemeinde Holzhausen und Holtrup an der Porta vor der Herausforderung, die Würde von Menschen zu wahren und zu schützen.

    Wir sind heute hier, um daran zu erinnern, dass eine Familie aus unserer Stadt im Dezember 1941 abgeholt wurde, um deportiert zu werden – in Richtung Riga: Die Familie Seelig hat hier gewohnt. Aber wir sind nicht nur heute hier, um dies ein Mal zu tun: Das Erinnern bleibt eine immerwährende Aufgabe, weil der Weg in die Zukunft eine immerwährende Aufgabe ist.
    Vielen Dank!