Predigt am Heiligen Abend 2021

Liebe Gemeinde am Heiligen Abend!
Nun ist es Weihnachten geworden – ich denke, bei vielen war es in diesem Jahr nicht so überraschend wie sonst. Denn die Frage, wie wir angesichts steigender Coronazahlen in diesem Jahr Weihnachten würden feiern können, hat ganz viele in den letzten Wochen beschäftigt.

Wie gut: Dass es Weihnachten wird, das hängt nicht von uns ab. Mit der Geburt des Kindes im Stall vor gut 2000 Jahren ist es Weihnachten geworden. Und wir dürfen uns in jedem Jahr neu daran erinnern, dürfen uns jedes Jahr neu in dieses Geschehen hinein nehmen lassen, mit dem sich Himmel und Erde verbinden.

Aber wie geschieht das? Reichen auf dem Weg dahin die Gefühle, die der Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt, Weihnachtshits wie „Last Christmas“ oder „Coming home for Christmas“ oder ein Haus voller Lichterketten hervorrufen? Schon das Weihnachten im letzten Jahr mit all seinen Einschränkungen hat uns deutlich gemacht, dass es nicht nur um liebgewordene Rituale gehen kann, die den Zauber von Weihnachten aus der Kindheit jedes Jahr neu heraufbeschwören; dann wäre das Weihnachtsgeschehen und damit Gott in unserer kleinen Welt gefangen, dann hätten wir Gott sehr klein gemacht.

Wie aber werden wir hineingenommen in das Weihnachtsgeschehen? Es ist sicherlich etwas sehr Persönliches, um das es an Weihnachten geht. Angelus Silesius, der schlesische Bote Johannes Scheffler hat es in seinem kurzen Gedicht so wunderbar auf den Punkt gebracht. Er schreibt: „Und wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren, doch nicht in dir, du gingest ewiglich verloren!“ Weihnachten geschieht: in mir und in dir – in jeder und jedem von uns – unabhängig von allen äußeren Vorbereitungen und Bemühungen, die wir selber machen können. Weil es schon einmal geschehen ist, kann Weihnachten auch heute wieder neu erfahren werden.

Aber es wäre viel zu kurz gegriffen, wollten wir Weihnachten auf einen kurzen, wenn auch heiligen Moment am Heiligen Abend 2021 beschränken, weil irgendwann irgendwo ein Kind geboren wurde. Die Nachricht von der Geburt des Heilandes, also dessen, von dem das Heil und Leben her kommt, hat Menschen schon immer verwandelt: angefangen von den Hirten auf dem Feld über die Weisen aus dem Morgenland bis hin zu denjenigen, die heute voller Sehnsucht auf Kraft und Zuversicht hoffen, um ihr eigenes Leben zu bestehen oder um anderen beizustehen, damit die ihr Leben bestehen können.

Weihnachten bedeutet beides: diese Botschaft für sich zu empfangen und sie dann an andere weiter zu geben. Und wie Jesus später nicht einfach nur Worte gemacht hat, sondern Menschen in ihrer Not ganz konkret geholfen hat, so wird auch unsere je eigene Weihnachtserfahrung nicht in erbaulicher Innerlichkeit stecken bleiben. Angesichts der großen Schwierigkeiten, vor die wir uns in dieser Welt gestellt sehen, wäre es fatal, wenn wir einfach nur „heile Weihnachtswelt“ fabrizieren würden. Der Klimawandel und seine Folgen und die immer noch großen Unterschiede zwischen Nord- und Südhalbkugel, das Auseinanderfallen unserer Gesellschaft und die Probleme, vor die die Pandemie uns nach wie vor stellt, erfordern Handeln aus der weihnachtlichen Gewissheit heraus.

Mut und Ermutigung dafür kommen aus längst vergangenen Zeiten, wenn der Prophet Micha für uns weihnachtliche Worte Gottes verkündet: 5,1 Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei. Er wird herrlich werden bis an die Enden der Erde. 4 Und er wird der Friede sein.

Diese Worte von Micha spielen vor allem bei dem Evangelisten Matthäus eine große Rolle, denn Matthäus stellt das Kind in der Krippe, sein ganzes irdisches Wirken als Jesus von Nazareth und seine Bedeutung für die ganze Welt und ihre Zukunft in einen Rahmen aus dieser Verheißung: Die Weisen aus dem Morgenland finden das Kind in der Krippe durch die Weissagung aus Micha; und Jesus nimmt in seiner großen Zusage, die das Matthäus-Evangelium beschließt, wiederum die Worte dieses Propheten auf und weitet sie noch aus: „Siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!“

So verbinden sich zwei Welten: die Verheißung aus uralter Zeit, die Menschen so vieler Generationen Hoffnung gegeben hat und bis heute Hoffnung gibt, auf der einen Seite mit einer Zusage auf der anderen Seite, die unsere Zukunft in den Blick nimmt: „bis an das Ende der Welt“. Weihnachten ist eben nicht „es war einmal“, es ist auch nicht die Wiederkehr des Ewiggleichen mit „the same procedure as every year“. Weihnachten ist heute, denn die Engel singen: „Euch ist heute der Heiland geboren!“ Und Weihnachten ist eine in die Zukunft hin offene Geschichte. Nachdem wir uns das Jahr über in so vielem festgefahren haben und in so vielem stecken geblieben sind, geht es deshalb an diesem Weihnachten „Zurück in die Zukunft“!

Das Ziel dieser Zukunft ist Friede: Der Friede auf Erden, von dem die Engel in der Heiligen Nacht singen; der Friede, den Jesus den Jüngern verheißt und der so viel mehr ist, als ein Zustand, bei dem gerade kein Krieg ist! In Jesus Christus wird dieser Frieden konkret, er verkörpert ihn, er ist der Friede: das Kind in der Krippe, das allen Menschen zum Heil geboren ist, das für alle Menschen am Kreuz stirbt und aufersteht und Herr ist! Amen.

Unsere Gottesdienste Weihnachten und Jahreswechsel 2021-2022

Es gelten die jeweiligen Coronabestimmungen! Zur Zeit: 3-G-Regel.

Gottesdienste an Heilig Abend 2021

in Holzhausen (openair neben der Kirche)

16.00 Uhr Familiengottesdienst (Pfr. Schierbaum)
17.30 Uhr Christvesper mit Krippenspiel (Pfr. Schierbaum)

in Holtrup (openair auf Hof Kohlstädt)

15.00 Uhr Christvesper für Familien mit Kindern (Pfr. Willimczik)
16.30 Uhr Christvesper (Pfr. Willimczik) (Achtung: geänderte Uhrzeit!)

in Möllbergen (openair hinter der Kirche)

16.00 Uhr Christvesper für Familien mit Kindern (Gemref’in Starke) 
17.30 Uhr Christvesper (Pfr. Willimczik)

Heiliger Abend digital:

Am Heiligen Abend ist hier ein Video-Gottesdienst mit viel Musik und allen Pfarrern / der Pfarrerin aus unserer Region zu finden.

Gottesdienste 1. Weihnachtstag bis 2. Januar 2022 in der Region Porta Süd

25. Dezember 2021 – 1. Weihnachtstag 

7.00 Uhr Gottesdienst mit Abendmahl in Möllbergen; Pfr. Willimczik 
10.00 Uhr Gottesdienst in Holzhausen; Pfr. Schierbaum 
10.00 Uhr Gottesdienst in Hausberge; Pfr‘in Kenter-Töns  
17.00 Uhr Gottesdienst in Veltheim; Pfr. Schulz 

26. Dezember 2021 – 2. Weihnachtstag 

10.00 Uhr Gottesdienst in Eisbergen; Pfr’in Kenter-Töns   
10.00 Uhr Gottesdienst in Holtrup; Pfr. Willimczik  
10.00 Uhr Gottesdienst in Lohfeld; Pfr. Schulz 

31. Dezember 2021 – Silvester 

17.00 Uhr Gottesdienst in Holzhausen; Pfr. Schierbaum 
17.00 Uhr Gottesdienst in Möllbergen; Pfr. Willimczik 
17.00 Uhr Gottesdienst in Eisbergen; Pfr. Schulz  
17.00 Uhr Gottesdienst in Veltheim; Pfr’in Kenter-Töns 

1. Januar 2022 – Neujahr 

17.00 Uhr Gottesdienst zum Neuen Jahr in Veltheim; Pfr. Schulz 
17.00 Uhr Gottesdienst zum Neuen Jahr in Holtrup; Superintendentin Goudefroy 

2. Januar 2022 – 2. Sonntag nach Weihnachten 

10.00 Uhr Gottesdienst in Lohfeld mit Chorprojekt; Pfr’in Kenter-Töns 

Predigt am 4. Advent 2021 über Lukas 1,26-38

Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen.
Liebe Gemeinde am 4. Advent!

Es könnte vielleicht eine nette, aber knifflige Frage in einem Kreuzworträtsel sein: „Zusammenfassung des christlichen Weihnachtsfestkreises mit 2 Buchstaben“. Es ist noch keiner der beiden Buchstaben bekannt. Was könnte da wohl hinkommen? „Zusammenfassung des christlichen Weihnachtsfestkreises mit 2 Buchstaben“? Es gibt ja nur wenige Worte mit 2 Buchstaben und und alle, die auf JA getippt haben, hatten den richtigen Riecher. Ja, mit dem so kleinen Wörtchen JA wird alles auf den Punkt gebracht, was den Weihnachtsfestkreis mit Advent und den Weihnachtstagen, mit Epiphanias und den Sonntagen danach ausmacht.

Zuallererst zeigt dieses JA, dass Gott zu seinen Verheißungen steht, die er durch seine Propheten hat verkündigen lassen und die wir als Christinnen und Christen auf Jesus als den Christus, den Messias Gottes beziehen: Vom Reis, das aus Isais Stamm aufwächst über die junge Frau, die schwanger wird, und dem Licht, das in der Finsternis scheint bis hin zu dem kleinen Bethlehem, das Maleachi als den kleinen und doch so großen Ort der Geburt des Erlösers preist; vom König, der auf einem Esel einzieht, über die Füße der Freudenboten, die den Frieden verkünden, bis zum Vorläufer Johannes, der dem Messias den Weg bereitet. Gott steht zu seinem Wort und sagt JA!

Mit diesem JA zu seinen Verheißungen sagt Gott auch JA zu denen, die seine Verheißung bekommen und von ihm Hilfe und Trost, Zukunft und Hoffnung erwarten: die Menschen, die bis heute in vielen Finsternissen im Persönlichen und in dieser Welt unterwegs sind, die von Gott eine hoffnungsvolle Zukunft, Hilfe und Rettung erwarten. Zu diesen Menschen sagt Gott sein JA.

Als die Hirten auf dem Feld von Bethlehem aufbrechen, um die Geschichte anzusehen, die ihnen der Engel kundgetan hat, sagen sie durch ihre Tat ebenfalls JA und bekennen sich so zu der frohen Botschaft, die sie erfahren haben: Euch ist heute der Heiland geboren.

Ebenfalls in einem JA lässt sich die Erleichterung des greisen Simeon zusammenfassen, der sich am Ende seines Lebens am Ziel seines Wartens wissen darf, als die Eltern mit dem Jesuskind in den Tempel von Jerusalem kommen: „Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen.“ Und ebenso wird es mit der Witwe Hannah gewesen sein.

Nicht vergessen werden dürfen die Weisen aus dem Osten, dem Morgenland, die sich auf das Erscheinen des großen Sternes hin aufmachen, um den neugeborenen König der Juden zu suchen und ihn anzubeten.

Ausgehend von den Menschen, die direkt mit der Geburt des Jesus-Kindes zu tun hatten, haben seitdem unendlich viele Menschen zu Weihnachten und dem, was daraus mit Jesu Wirken und mit seinem Kreuz und seiner Auferstehung erwuchs, JA gesagt. Sie haben sich zu diesem Jesus von Nazareth als dem Messias und Gottessohn bekannt. Bis zu uns heute, denn sonst wären wir am 4. Advent 2021 nicht hier versammelt, sonst würden wir uns nicht darauf vorzubereiten, dass auch in diesem Jahr mit der Feier der Geburt Jesu das Geschehen von damals neu Gestalt annimmt und uns zu Leuten macht, in denen Gottes großes JA zu den Menschen Wirklichkeit wird.

Aber was wären all diese JAs, wenn nicht die eine JA gesagt hätte, deren Geschichte wir eben gehört haben und ohne deren JA das Kind Jesus nicht geboren worden wäre? Was wären die JAs wert gewesen ohne das JA der Maria, das in diese berührenden Worte: „Mir geschehe, wie du gesagt hast!“, gefasst ist? Ohne Maria und ihre Zustimmung zu der Zumutung, die Gott ihr durch seinen Engel abverlangt hat, wäre es mit allem, was folgen sollte, wohl schwierig geworden.

Versetzen wir uns in den Moment hinein, als der Engel zu Maria kommt und ihr diese ungeheuerliche Botschaft eröffnet: eine junge Frau: das hebräische Wort in der Jesajaverheißung bedeutet, dass sie gerade im damals heiratsfähigen Alter war, also etwa 13 oder 14; als junge Frau schwanger – ohne Mann, verlobt oder nicht, womit alle Tradition und Konvention über den Haufen geworfen werden, was ihr Leben komplett verändern würde. Und nicht irgendein Kind! Die Botschaft des Engels stellt alles Vorstellbare in den Schatten: Den König von Israel auf dem Thron Davids, den Sohn des Höchsten, den Sohn Gottes soll sie zur Welt bringen!

Dies ist die Maria, die ihr JA sagt. Aber wie lange hat es wohl gedauert: zwischen dem Ende der Engelrede: „Bei Gott ist kein Ding unmöglich.“, und ihrem: „Siehe, ich bin des Herren Magd, mir geschehe, wie du gesagt hat.“? Minutenlanges schweigendes Überlegen? Spontane Zustimmung? Wenn ich an mich denke und meine allgemein bekannte Vorliebe, spontane Aktionen vorher gut zu durchdenken, könnte schon etwas Zeit vergangen sein. Aber vielleicht war Maria ja auch ganz anders. Und es war Lukas wohl auch gar nicht so wichtig, sonst hätte er es vielleicht wie in einem Bibliodrama ausgemalt.

Wir können Maria in diesem Moment vor uns sehen:
Maria, bei deren Namen wir uns wohl alle auch an Moses‘ Schwester Miriam erinnern, die mit ihrem Befreiungslied die Rettung des Gottesvolkes vor den Verfolgern am Schilfmeer besungen hat.
Maria, die vom Geist Gottes überschattet wird: also von jener Wolke, die nach dem Bericht aus dem 2. Buch Mose am Berg Sinai als Zeichen von Gottes Gegenwart das Zelt der Begegnung überschattete; von jener Wolke, die später bei der Verklärung Jesu auch die drei auserwählten Jünger überschatten sollte.
Maria, die sich wie Hannah, die Mutter des Propheten Samuel als Magd, genauer als Sklavin Gottes bezeichnet, was nach biblischer Tradition nur freie Menschen getan haben.
Maria, die so schon an dieser Stelle vorwegnimmt, was sie in ihrem großen Lobgesang wie eine Prophetin singen wird: das Lob des Gottes, der um der Gerechtigkeit und seiner Verheißungen willen die ungerechten Ordnungen dieser Welt in ihr Gegenteil verkehren wird, um der Barmherzigkeit zu ihrem Recht zu verhelfen.
Maria – die beispielhaft Glaubende, die in einer Linie mit Königen und Prophetinnen, mit Evangelisten und Apostelinnen steht.

Deshalb ist Marias „Mir geschehe, wie du gesagt hast!“ kein passives Erdulden dessen, was Gott ihr durch den Engel anträgt; es ist kein „Über sich ergehen lassen“. Maria geht los auf ihrem Weg, der ihr Leben verändern wird, so wie sie nach der Begegnung mit dem Engel wirklich losgegangen ist, um ihre Verwandte Elisabeth zu besuchen.

„Mir geschehe, wie du gesagt hast!“ – Dieser Satz ist das große JA der Maria und damit der Auftakt zu ihrem aktiven Weg des Glaubens, der der Gerechtigkeit Gottes dient, wie es Maria dann singt.
„Mir geschehe, wie du gesagt hast!“ Mit diesem Satz könnten wir bei Taufe oder Konfirmation auf die Verheißung Gottes mit seinem Zuspruch und seinem Anspruch antworten. Es wäre unser JA, also unsere Antwort auf unsere Berufung: die Frohe Botschaft von der Liebe Gottes, die Botschaft von seiner Gerechtigkeit und Barmherzigkeit in Wort und Tat an denen zu bezeugen, die Gott zu unseren Nächsten macht.

„Mir geschehe, wie du gesagt hast!“ Machen auch wir uns auf und gehen wir mit Maria los; machen wir uns die Worte der Dienerin Gottes Maria zu eigen und sagen auch wir immer wieder neu zu Gott und seinem Glaubensweg mit uns: JA.
JA. Amen.

Predigt am 3. Advent 2021 über 1. Korinther 4,1-5

Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen.
Liebe Gemeinde am 3. Advent!

„Dafür halte uns jedermann: für Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse.“ So beginnt in der Lutherübersetzung unser Predigttext, den Ute Baumann eben gelesen hat. Der erste Gedanke, der mir dabei durch den Kopf ging, war ein alter Schlager: Jemand eine Idee?

Genau: Johanna von Koczians Lied aus dem Jahr 1977: „Das bisschen Haushalt macht sich von allein, sagt mein Mann! Das bisschen Haushalt kann so schwer nicht sein.“ Nur durch Ironie stellt die Sängerin die alten Rollenzuschreibungen in Frage. Bis dahin entsprach die Aufgabenverteilung zwischen Ehepartnern auch im Bürgerlichen Gesetzbuch dem Stand des Jahres 1900, wonach die Frau nur dann berufstätig sein durfte, wenn dies nicht mit ihren häuslichen Pflichten in Ehe und Familie kollidierte. 1977, im Erscheinungsjahr des Liedes trat in Deutschland dann endlich das „Erste Gesetz zur Reform des Ehe- und Familienrechts“ in Kraft.

Einen Haushalt in Ordnung zu halten, ist aber mitnichten nur ein unbedeutendes Anhängsel im Leben von Menschen. Und dabei ist es ganz gleich, ob es sich um eine kleine Wohnung handelt, wo alles im Weg liegt, was man nicht sofort wegräumt; oder ob es sich um eine große Wohnung mit unendlich vielen Zimmern handelt, wo man in diesem oder jenem mal schnell etwas verstecken kann.

Noch deutlicher wird es, wenn wir aus dem Haushalt einer Wohnung in den Finanzbereich wechseln: Da hat ein Haushalt schnell einen Millionen- oder Milliarden-Umfang und alle, die dafür verantwortlich sind, müssen genau Rechenschaft darüber ablegen, wie sie mit dem Geld umgegangen sind. Bei staatliche Haushalten entscheidet dann auch die Frage, wie gut eine Regierung mit den Finanzen umgegangen ist, darüber, ob sie wiedergewählt wird oder nicht. Aber alle, die in einem Verein oder auch hier in unserer Kirchengemeinde schon einmal Verantwortung für Geld übernommen haben, wissen, wovon ich rede.

Paulus geht es bei seiner Haushalterschaft aber nicht um Geld, es geht ihm auch nicht darum, ob im Gemeindehaus alle Töpfe abgewaschen sind oder ob in der Kirche Staub gewischt ist und die liturgischen Gewänder gereinigt und ordentlich aufgehängt sind. Die Geheimnisse Gottes, die ihm und anderen anvertraut sind, das sind andere Dinge. Oder besser: Es sind keine Dinge, keine materiellen Güter, sondern geistliche Schätze, und sie haben für Paulus einen unschätzbaren Wert.

Ich weiß nicht genau, wie Paulus es in ganz wenigen Worten oder Sätzen gesagt oder aufgeschrieben hätte. Neben den Antworten auf die Probleme der von ihm gegründeten Gemeinden nehmen seine grundsätzlichen Aussagen über den christlichen Glauben in seinen Briefen ja einen ganz großen Raum ein. Darum will ich es mit meinen Worten zu sagen versuchen.

Die Geheimnisse Gottes sind das glaubende Wissen, das vertrauende Glauben, dass in Jesus Christus Gott für alle Menschen zum Heil in diese Welt gekommen ist: Niemand braucht abseits zu stehen, der sich diesem Jesus Christus anvertrauen möchte. Gottes Geist verbindet alle, die an Christus glauben, und führt sie in der Gemeinschaft der einen Kirche zusammen. Und hier werden die beiden konkreten Geheimnisse wichtig, die das Leben der Kirche ausmachen: die Taufe, mit der Menschen in diese Gemeinschaft aufgenommen werden; und das Abendmahl, in dem Christinnen und Christen immer wieder neu Anteil an Jesus Christus bekommen und so für ihren Weg als Glaubende gestärkt und ermutigt werden.

Zu diesen Geheimnissen gehört dann auch, dass diejenigen, die von diesem Weg abgekommen sind, immer wieder neu zu Gott zurückkommen können, dass Gott diejenigen mit offenen Armen empfängt, die wie der zuvor verlorene Sohn sich ihm von Neuem anvertrauen wollen.

In Gottes Gemeinschaft eingeladen zu sein – als seine geliebten Kinder; an seinem Tisch willkommen zu sein – nicht als Gäste und Fremdlinge, sondern als seine Hausgenossen; und zu ihm zurückkommen zu dürfen – weil Gottes Liebe und Güte jeden Morgen neu sind: Das sind die Geheimnisse dieses Gottes, für die es gilt, gute Haushalterinnen und Haushalter zu sein.

Wer ist ein Haushalter der Geheimnisse Gottes? Klar, Paulus sieht sich selbst als ein solcher und mit ihm viele andere, die in Korinth und an vielen anderen Orten wirken. Aber auch schon vorher gab es sie. Gehen wir von Paulus gesehen zunächst einmal in der Zeit rückwärts:
Über Jesus müssen wir an dieser Stelle nicht sprechen. Denn Jesus ist als Sohn Gottes zuallererst Teil dieses Geheimnisses. Während seiner irdischen Zeit hat er dann aber auch wie kein anderer die Zuwendung Gottes zu den Menschen gelebt.

Aber da ist Johannes der Täufer, dem dieser 3. Sonntag im Advent gewidmet ist. Er war so ein Haushalter – ganz sicher. Ihm lag – in seiner ja etwas ruppigen Art: „Ihr Schlangebrut, wer hat euch gewiss gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet?“ – doch sehr daran, die Menschen durch seine Taufe der Umkehr wieder zu einer lebendigen Beziehung zu Gott zurückzuführen.

Vor ihm waren es die Propheten – wie Elia und Amos, Jesaja, Jeremia und so viele andere, die sich immer wieder eingesetzt haben, dass die Weisungen Gottes für ein Leben im gelobten Land und in Freiheit vom Volk Israel auch eingehalten wurden. Diese Weisungen, die Tora, war in gewisser Weise über Jahrhunderte das Geheimnis von Gottes Bund mit Israel. Und diese Weisungen hatte der erste und einer der größten Haushalter der Geheimnisse Gottes in großer Treue und mit einer unglaublichen Kraftanstrengung über 40 Jahre auf der Wüstenwanderung dem Volk Israel gebracht und für sie bewahrt: Das war Mose.

Und seit Paulus? Immer wieder hat es diese treuen Haushalterinnen und Haushalter gegeben. Denn ohne die würden wir heute nicht hier in der Kirche sitzen und an die Liebe Gottes glauben, die in Jesus Christus erschienen ist. Da gibt es welche mit großen Namen: Augustinus und Gregor der Große, dem wir den gregorianischen Choral und damit unsere Kirchenmusik verdanken, Hildegard von Bingen und Hildburg, die hier bei uns so viele Kirchen gegründet hat, Martin und Katharina Luther, Dietrich Bonhoeffer und Marie Schmalenbach. Mindestens genauso wichtig sind aber auch die ohne die großen Namen: die Lehrerinnen und Pastoren und die unzähligen Väter und Mütter, die ihren Kindern den Glauben in all den Jahrhunderten treu und zuverlässig weiter gegeben haben.

Da wird deutlich: Haushalterinnen und Haushalter der Geheimnisse Gottes – das sind nicht irgendwelche andere Leute, zu denen man aufblicken muss. Haushalterinnen und Haushalter der Geheimnisse Gottes – das sind wir alle! Wir, die wir durch unsere Taufe zu Kindern Gottes und damit zu Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Reich Gottes berufen sind.

Und wer ist nun das, was Paulus einen guten Haushalter nennt? Paulus wagt es nicht, sich selbst einzuschätzen. Er war nach seiner Bekehrung vor Damaskus ein großer Eiferer, der mit einer ungeheuren Energie für den Glauben an Jesus Christus und damit für die Geheimnisse Gottes gearbeitet hat. Aber er ist sich nicht sicher, wie Gott urteilt. Und den Korinthern rät Paulus dringend, niemanden zu beurteilen oder gar zu verurteilen, was dessen Glauben und damit auch die Qualität seiner Haushalterschaft betrifft. Er ist sich sicher: Gottes Maßstäbe sind oft ganz anders als unsere.

Paulus weiß nur ein Doppeltes: Am Ziel der Welt wird zuerst alles vom Licht Jesu Christi beschienen sein: von dem Licht, das alles aufdeckt und offensichtlich macht. Aber Gott wird das alles mit seinem liebenden Blick ansehen. Und deshalb wird als Zweites Gott alle Menschen nach ihrem Verdienst loben. Das macht mich für uns alle unendlich zuversichtlich: Gottes Lob wird auch am Ziel unseres Lebens stehen.

Das sollte uns mutig und getrost machen, unsere Aufgabe als Haushalterinnen und Haushalter von Gottes Geheimnissen aktiv zu gestalten: unseren Glauben als lebendige Glieder der Kirche Jesu Christi zu leben. Amen.