Predigt am 10. Sonntag nach Trinitatis (16. August)

Der Predigttext Römer 11,25-32 wurde zuvor als Evangelium gelesen.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen.
Liebe Gemeinde!

„Ich bin ein Bibelentdecker; ja ich will es wissen; ein Bibelentdecker, dem Geheimnis auf der Spur; ein Bibelentdecker, will suchen und finden, ein Bibelentdecker auf Tour. Meine Tour führt mich durch zwei Testamente, da bleibt mir der Mund offen stehn; Kinder Gottes erben eine Menge, das lass ich mir nicht entgehn!“ – So heißt es im Refrain und in der dritten Strophe von Daniel Kallauchs Kinder-Bibel-Lied.

Mit dieser Strophe und dem Refrain ist die eine Seite zusammengefasst, die unseren Predigttext ausmacht: Christlicher Glaube ist etwas, das sich nicht einfach durch Nachdenken und Lernen erschließt. Christlicher Glaube ist eben ein Geheimnis, in das Menschen eingeführt werden und dem man sein Leben lang auf der Spur ist und bleibt. Die Beziehung jedes Christen zu Gott ist wie jede andere Beziehung nicht einfach naturwissenschaft-biologisch zu beschreiben; Beziehungen bleiben für Außenstehende letztlich nicht nachvollziehbar, eben ein Geheimnis.

Getragen ist dieses Geheimnis des Glaubens und der Beziehung zu Gott dadurch, dass wir durch unsere Taufe dazu berufen sind, Gottes Kinder zu sein. Die Anrede Gottes mit „Abba“ – also Papa und Vater ist für Paulus unendlich wichtig. Und Kinder sind Erben. Was hier so viel heißt wie: Gott als Vater ist Garant für die Zukunft. Er gibt uns das mit, was wir für unseren Weg in diese Zukunft brauchen.

Mit dem Stichwort von den ‚beiden Testamenten‘, durch die die Sänger des Liedes von Daniel Kallauch geführt werden, wird dann die zweite Seite in unserem Predigttext deutlich: Christlichen Glauben gibt es nicht im luftleeren Raum der Geschichte, er ist nicht vom Himmel gefallen, sondern durch Jesus Christus für diejenigen möglich geworden, die vorher noch nicht zum Volk Gottes im ersten Testament gehört haben. Durch das Bekenntnis zu Jesus als dem Sohn Gottes wird Gott zu ihrem Vater. Das ist das Evangelium, die Frohe Botschaft, mit der Paulus und dann auch andere der Urgemeinde über die Grenzen des jüdischen Glaubens hinausgehen.

Wir – heute und hier in Möllbergen in der Kirche, in unserer Gemeinde – gehören mit den vielen Generationen unserer Vorfahren auch zu denjenigen, für die das gilt: Erst und nur durch Jesus Christus und die Taufe auf seinen Namen gehören wir dazu.

Es bleibt die Frage, was denn mit denen ist, die vor den Christen ‚Kinder Gottes’ waren – also das Volk Israel, das aus den Ahnen Abraham und Sarah, Isaak und Rebekka, Jakob, Lea und Rahel hervorgegangen ist; das als jüdisches Volk zu Zeit Jesu gelebt hat und das bis heute im Staat Israel und über die ganze Welt verstreut lebt. Was ist mit denen? Sind sie keine Kinder Gottes mehr, weil es ja nun die Christen als neues Gottesvolk gibt? Der Gedanke kam ganz schnell und ganz früh im jungen Christentum auf. Und über all die Jahrhunderte hin hat es immer wieder neu christliche Theologen gegeben, die das auch vertreten haben. Aber zu Unrecht!

Denn schon Paulus – und er steht nicht umsonst mit so vielen Briefen im Neuen Testament – hat dieser Sicht ganz entschieden widersprochen. Paulus ist sich sicher: „Wie könnt ihr meinen, Gott habe sein Volk verstoßen? Das sei ferne, keineswegs! Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er zuvor erwählt hat.“ So schreibt er am Anfang des 11. Kapitels im Römerbrief. Und er will mit der Rede vom Geheimnis, das mit dem Volk Israel verbunden ist, den Menschen in der römischen Gemeinde erklären, dass die Christen keinen Grund haben, sich über Israel zu erheben. Denn ganz gleich, wie eine Momentaufnahme im Verhältnis von Gott und Israel aussehen mag: Für Paulus steht ein ganz großes Pluszeichen vor der Klammer, die den Weg Gottes mit Israel erzählt.

Und dieses Pluszeichen heißt: Gott ist treu! Was er einmal jemandem gegeben hat, das nimmt er nicht wieder von diesem weg. „Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen.“ Paulus zählt dann am Anfang von Kapitel 9 sieben plus eine Gabe auf, die Gott seinem Volk geschenkt hat, als er dieses Volk in die Nachfolge berufen hat. Sieben plus eins – überfließende Vollkommenheit von Gottes Liebe.

Israel ist seit dem Weg aus der Sklaverei in Ägypten in die Freiheit das Volk der Kindschaft. Es hat Anteil an der Herrlichkeit Gottes, die am Sinai die Stiftshütte erfüllt und die später die Hirten auf den Feldern von Bethlehem umstrahlen wird. Gott verbindet sich mit den Bundesschlüssen immer neu mit Israel. Er gibt ihnen seine Wegweisungen: das Gesetz als gute Lebensordnung – mittendrin die heilsame Einrichtung des Sabbat und das Gebot der Liebe zu Gott und den Mitmenschen. Israel ist das Volk des Gottesdienstes durch das Gebet mit Gott im Gespräch zu sein, sich der Zusagen Gottes durch Lesen und Auslegen der Schriften zu vergewissern, ihn im Singen zu loben und zu preisen. Israel ist das Volk der Verheißungen – nicht weil es so gut und vollkommen ist, sondern weil Gott dieses Volk liebt. Aus Israel kommen mit Abraham und Sarah, Ruth und David und vielen anderen die Väter und Mütter des Glaubens. Aus Israel schließlich kommt seiner irdischen Herkunft nach der Christus, denn Jesus ist Jude.

So beschreibt Paulus das Gottesvolk, sieht es achtfach ausgezeichnet: Gott hat Israel beschenkt und berufen zum Volk der Erwählung und seine Gaben und Berufungen können ihn nicht gereuen.

Den Gaben der Berufung entspricht das Ziel von Gottes Weg mit Israel: Ganz Israel wird gerettet werden. Paulus schreibt es ganz bestimmt. Daran gibt es nichts zu rütteln: Ganz Israel wird gerettet werden, denn Gott kommt zur Rettung seines Bundesvolkes. Damit wird deutlich: Gott ist es, der handelt, von dem die Rettung und Vollendung Israels abhängt – von Gott und seiner Barmherzigkeit: „Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam,
damit er sich aller erbarme.“

Zwischen dem Anfang mit den achtfachen Gaben und dem Ziel mit der Zusage des endgültigen Heils verläuft der Weg Israels. Der ist ein einziges Auf und Ab, mit vielen Irrungen und Wirrungen. Wir dürfen dabei aber nie vergessen, dass über diesen langen Weg mit allem, was auf diesem Weg unverständlich und negativ erscheint, Gottes Pluszeichen steht: Der ganze Weg Israels geschieht innerhalb der Klammer von Gottes segnendem Vorzeichen.

Zu diesem Unverständlichen auf dem Weg Israels gehört auch sein so poröses, sprödes Verhältnis zu Jesus von Nazareth, dem Christus: geboren aus dem Judentum wirkt Jesus in Israel – und sie bleiben Juden. Es geschieht einfach; für Paulus ist es keine bewusste Entscheidung der Menschen damals. Es geschieht. Paulus ist überzeugt: Nur deshalb kann die Botschaft von der Liebe Gottes zu den Menschen über Israel hinaus gehen. Ohne die zwischenzeitliche Ablehnung des Christus durch die Juden wäre die Jesusbewegung ein innerjüdischer Freundeskreis geblieben. Es musste so kommen, damit die Botschaft Jesu den Weg rund um die Welt findet. An dem Verhältnis Gottes zu Israel, an seiner Liebe zu ihnen ändert das nichts. Sie bleiben Geliebte Gottes, auch wenn sie den Glauben an Jesus als den Heiland der Welt nicht mit vollziehen. Das ist das große Geheimnis von Gottes Weg mit Israel.

Das, liebe Gemeinde, ist die wohl nicht überbietbare theologische Größe des Paulus. Dass er, der nichts anderes mehr kennt als Christus den Gekreuzigten, dass er, Paulus, das so stehen lassen kann: Israels eigene Gottesbeziehung.

Deshalb darf Paulus auch schreiben: die Römer sollen sich nicht selber für klug halten; damit sie ihr Urteil über Israel nicht auf eigene Gedankenkonstrukte bauen, denen die nötige Grundlage fehlt. Um es mit heutigen Worten zu sagen: Sie dürfen bei der Findung ihres Standpunktes nicht in der Filterblase des eigenen römischen Mikrokosmos bleiben. Denn da werden sie immer nur mit den gleichen Meinungen ihrer Freunde bestätigt.

Es ging den Römer nicht anders als uns heute: Wir dürfen uns nicht mit unserem so kleinen Horizont unsere eigene Meinung zurechtschustern, die dann an der Realität keinen Anhalt hat. Die Frage nach Gott und seinen Weisungen ist die entscheidende. Da hilft uns das Evangelium des Sonntags weiter, in dem Jesus die Weisungen Gottes ganz knapp zusammenfasst: »Das höchste Gebot ist das: „Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft“. Das andre ist dies: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“. Es ist kein anderes Gebot größer als diese.«

Das gilt dann auch heute, wenn wir als Christen, als Kirche unser Verhältnis zu Israel bedenken. Wir sind untrennbar geistlich mit Israel verbunden. Und das greift auch in die irdisch-weltpolitische Dimension mit ihren gesellschaftlichen und politischen Zusammenhängen hinein. Denn das Judentum heute besteht aus Menschen, die in dieser Welt leben. So ergibt sich eine gelebte Solidarität und Partnerschaft auch mit dem Staat Israel, bei der aber das kritische Wort auch seinen Platz haben muss. Vielleicht gerade in unserer heutigen Zeit, wo der Schmerz über den scheinbar nicht enden wollenden Konflikt Israels mit den Palästinensern so groß ist.

Eine Partnerschaft sucht miteinander Lebensperspektiven für alle Beteiligten. Im Sinn Jesu heißt das: den Nächsten immer mit im Blick zu haben – in dem Wissen, dass wir alle gleichermaßen auf Gottes Erbarmen angewiesen sind; in der Gewissheit, dass wir alle auf dieses Erbarmen vertrauen dürfen.
Amen.

Vielen Dank an Klaus Müller für die Meditation in den Göttinger Predigtmeditationen, aus der ich manches aufgenommen habe (Gött. Predigtmed. 74, S. 396-402).

Predigt vom 20. August 2017

Predigt-Icon5Vor der Predigt ist der Abschnitt aus 2. Mose 19,1-6 als Schriftlesung gelesen worden.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder in Christus!
An diesem Sonntag begehen wir den 10. Sonntag nach Trinitatis. Es ist ein besonderer Sonntag, der mit der Bezeichnung „Israelsonntag“ auch seit Jahrhunderten einen besonderen Namen hat. Er hat in der christlichen Kirchen- und Predigtgeschichte allerdings auch aus heutiger Sicht seine nicht zu allen Zeiten besonders erfreuliche Geschichte: All zu oft standen im Lauf der Jahrhunderte nicht nur die Abgrenzung vom Judentum, sondern eher die Kampfansage gegen das Judentum und blanker Antisemitismus im Vordergrund. Das aber darf nicht sein. Denn das ist an diesem Sonntag ganz bestimmt nicht das Ziel christlicher Verkündigung.

Es geht vielmehr um Folgendes: Thematisch im Mittelpunkt steht das Verhältnis Gottes zu seinem Volk und damit zuerst zum Volk Israel, das Gott aus der Sklaverei in Ägypten befreit hat, das er durch die Jahrhunderte begleitet und gesegnet hat. Und dann geht es aber natürlich auch um das Verhältnis Gottes zu den Christen, die durch die Taufe mit dazu gehören. Und das wiederum lässt uns immer wieder neu fragen, wie stehen denn das Volk Israel – also das biblische Volk Israel und das Judentum heute – und das Christentum zueinander, wenn sie beide mit Gott ein so enges Verhältnis haben?

Anders herum gesagt: Wir glauben als Christen an den Gott des Volkes Israel, an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. So hat dieser Gott sich zum Beispiel immer wieder dem Mose und anderen vorgestellt. Und es gehört zu den absolut grundlegenden Überzeugungen des christlichen Glaubens, dass es eben dieser Gott ist, an den wir glauben. Aber wir stellen fest: Wir glauben auf eine ganz andere Weise an diesen Gott, als es die Menschen des jüdischen Glaubens tun. Wie passt das zusammen?

In den letzten Jahrzehnten – vor allem nach den Erfahrungen des Holocaust im 2. Weltkrieg und der Neugründung des Staates Israel 1948 – ist ganz viel über dieses besondere Verhältnis von Juden und Christen nachgedacht worden und es ist vor allem ganz viel miteinander gesprochen worden – auf ganz vielen verschiedenen Ebenen – in Deutschland vor allem auch auf den Kirchentagen. Und das Ergebnis ist: Wir können miteinander reden, vor allem: wir können einander gelten lassen und wir können miteinander nach Gott fragen.

Dass wir über das alles gerade heute, an diesem Sonntag nachdenken, hat seinen besonderen Grund: Im Judentum wird am 9. Tag des Monats Av an die Zerstörung des Jerusalemer Tempels durch die Römer im Jahr 70 nach Christus erinnert. In diesem Jahr war es der 1. August. Und dieses Datum liegt meistens in der Nähe des 10. Sonntags nach Trinitatis. Und so ist schon sehr früh diesem Sonntag dieses Thema zugewachsen.

Der Tempel in Jerusalem: Das war für die Juden immer der eine Ort, wo Gott ganz besonders da war. Da kann man sich gut vorstellen, was es hieß und bis heute heißt, dass der Tempel, der Ort der Gegenwart Gottes, zerstört war. Viele von uns können das ein wenig nachempfinden, wenn wir uns überlegen, dass die Kirche, in der wir getauft und konfirmiert wurden oder in der wir geheiratet haben, nicht mehr da wäre. Es wäre wohl in Gefühl der Leere und Heimatlosigkeit. Aber ob Gott da ist oder nicht, das würde nicht an diesem Kirchengebäude hängen.

Das Nachdenken und die Trauer über die Zerstörung des Tempels ist im Judentum auch mit einem tiefen Nachdenken über das eigene Verhältnis zu Gott verbunden: Kann die Beziehung zu Gott weitergehen, wenn der Ort von Gottes Gegenwart nicht mehr da ist? Das Judentum hat seine positive Antwort gefunden und lebt sie seit fast 2000 Jahren. Aus Sicht des Neuen Testamentes geben Jesus und der Schriftgelehrte im Evangelium des Sonntags aus Markus 12 gemeinsam eine Antwort auf diese Frage nach der Gegenwart Gottes: „Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzem Gemüt und von allen Kräften, und seinen Nächsten lieben wie sich selbst, das ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer.“ Das bedeutet: Wichtiger als alle Opferrituale ist die Beziehung der Menschen zu Gott. Die Verbindung zu Gott wird nicht im Vollzug der Tempelrituale hergestellt, sondern funktioniert auf einer ganz anderen Ebene.

Und von dieser Ebene erzählt auch der Predigttext für diesen Sonntag, den Rita Kohlmeier uns vorhin gelesen hat. Wir sind dabei, wie das Volkes Israel am Gottesberg Sinai ankommt, wie Mose direkt zu Gott auf den Berg geht und von Gott ein ganz besonderes Angebot bekommt: ein Bundesschluss zwischen Gott und seinem Volk, verbunden mit einer großen Verheißung für das ganze Volk.

Zuerst aber erinnert Gott Mose daran, dass es Gott selbst war, der den ersten Schritt getan hat: Er hat das Volk aus der Knechtschaft herausgeführt, er hat es nicht nur angekündigt, sonder wirklich getan. Er hat sie bei der gefährlichen Wüstenwanderung vor dem Verhungern und Verdursten und von den Feinden errettet. Er hat sie, wie es im Bibeltext poetisch heißt, auf Adlerschwingen getragen.

Und weil das so ist, soll und kann aus dem Volk Israel ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk werden. Einzige Aufgabe der Israeliten: Sie sollen der Stimme Gottes gehorchen und seine Gebote einhalten. Aus der Bibel und aus eigener Erfahrung wissen wir: das ist leichter gesagt als vollständig getan; aber Gott ist kein Zuchtmeister, sondern er ist wie ein liebevoller Vater, dessen Güte jeden Morgen neu ist.

Daran dürfen auch wir immer wieder denken, wenn wir über unser Verhältnis zu Gott nachdenken: Gott ist es, der den ersten Schritt tut und uns ein so wunderbares Angebot unterbreitet, das Jesus dann in die Worte fasst: Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Gerade dann, wenn wir kleine Kinder taufen, wird das besonders deutlich: Die können ja noch nichts vorweisen, die haben noch nichts leisten müssen. Gott tut den ersten Schritt und macht uns ein wunderbares Angebot: Ich bin für Dich da. Und daraus ergibt sich alles andere.

Gott sagt: Ihr sollt mein Eigentum sein vor allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein. Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein. – So soll es Mose dem Volk berichten. Dieses Angebot ist der Ausgangspunkt für alles Weitere, was in der Geschichte Gottes mit seinem Volk noch folgen wird: Die Antwort des Volkes und der eigentliche Bundesschluss, die Übergabe der 10 Gebote und der weitere Weg in das Land der Freiheit, bis zu David und weit über ihn hinaus. Dieser Ausgangspunkt strahlt dann auch auf die christliche Kirche aus, die in der Nachfolge Jesu die Verheißung von damals auch auf sich beziehen darf. Der Schreiber des 1. Petrusbriefes nimmt die Verheißung fast wörtlich für die Gemeinde auf: Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk zum Eigentum, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat aus der Finsternis in sein wunderbares Licht.

Wie das eigene Leben dann zu gestalten ist, um für Gott zu einem Königreich von Priestern und einem heiligen Volk zu werden, das ergibt sich aus dem Text des Sonntags-Evangeliums: Gott lieben und den Nächsten wie sich selbst. Dazu gehört aus christlicher Sicht auch, dass alle, die auf Jesus Christus getauft sind, zur Verkündigung berufen sind: als Eltern und Paten, als Großeltern und Nachbarn, als Gemeindeglieder und Freunde.

Es ist also nicht nur eine Zusage, sondern auch eine Aufgabe, in die wir gestellt sind und der wir uns immer wieder, jeden Tag neu stellen müssen. Diese Aufgabe steht aber auch unter der Zusage Jesu, dass er uns beisteht und für uns da ist. So hat er es seinen Jüngern und damit auch uns zugesagt: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. In dieser Tradition und unter diesem Zuspruch stehen wir. In dieser Tradition und unter diesem Zuspruch taufen wir auch an diesem Sonntag im Gottesdienst vier Kinder, dürfen sie in Gottes Auftrag in seinen Bund mit den Menschen aufnehmen.

Die Verheißungen Gottes am Sinai gehören uns nicht. Aber wir haben an ihnen Anteil und dürfen getrost auf sie vertrauen, denn das sagt Gott zu Mose auch: Die ganze Erde ist mein. – Also auch wir. Amen.

Gottesdienst am 20. August 2017

Am Sonntag feiern wir den 10. Sonntag nach Trinitatis. Es ist ein besonderer Sonntag, der mit der Bezeichnung „Israelsonntag“ auch einen besonderen Namen und seine besondere (nicht zu allen Zeiten aus heutiger Sicht erfreuliche) Geschichte hat. Thematisch im Mittelpunkt steht das Verhältnis Gottes zu seinem Volk und damit zu Israel und zu den Christen, die durch die Taufe mit dazu gehören. Anders herum gesagt: dass wir als Christen an den Gott des Volkes Israel, an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs glauben, dass wir es aber auf eine ganz andere Weise als die Menschen des jüdischen Glaubens tun. In den letzten Jahrzehnten ist viel über dieses besondere Verhältnis nachgedacht und vor allem miteinander gesprochen worden – auf ganz vielen verschiedenen Ebenen – in Deutschland vor allem auch auf den Kirchentagen. Wir können miteinander reden, können einander gelten lassen und miteinander nach Gott fragen.

Warum gibt es das Gedenken dann gerade an diesem Sonntag? Im Judentum wird am 9. Tag des Monats Av der Zerstörung des Jerusalemer Tempels durch die Römer im Jahr 70 nach Christus gedacht. Dieses Datum liegt meist in der Nähe des 10. Sonntags nach Trinitatis. Und so ist schon sehr früh diesem Sonntag dieses Thema zugewachsen.

Die Trauer über die Zerstörung des Tempels ist im Judentum auch mit einem Nachdenken über das eigene Verhältnis zu Gott verbunden: Kann die Beziehung zu Gott weitergehen, wenn der Ort von Gottes Gegenwart nicht mehr da ist? Das Judentum hat seine positive Antwort gefunden und lebt sie seit fast 2000 Jahren.  Aus Sicht des Neuen Testamentes geben Jesus und der Schriftgelehrte Im Evangelium des Sonntags (Markus 12,28-34) gemeinsam eine Antwort auf diese Frage: „Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzem Gemüt und von allen Kräften, und seinen Nächsten lieben wie sich selbst, das ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer.“ Das bedeutet: die Beziehung zu Gott geht weiter, weil sie sich nicht im Vollzug der Tempelrituale erschöpft.

Der Predigttext für diesen Sonntag führt uns die Ankunft des Volkes Israel am Gottesberg Sinai vor Augen, wo Mose direkt zu Gott auf den Berg geht und von Gott ein ganz besonderes Angebot bekommt: ein Bundesschluss zwischen Gott und seinem Volk, verbunden mit einer großen Verheißung für das ganze Volk. So wird es im 2. Buch Mose berichtet (2. Mose 19,1-6). Dieses Angebot ist der Ausgangspunkt für alles weitere, was in der Geschichte Gottes mit seinem Volk noch folgen wird. Es strahlt auch auf die christliche Kirche aus, die in der Nachfolge Jesu die Verheißung von damals auch auf sich bezieht. Der Schreiber des 1. Petrusbriefes nimmt die Verheißung fast wörtlich für die Gemeinde auf.

Wie das eigene Leben dann zu gestalten ist, um für Gott zu einem ein Königreich von Priestern und einem heiligen Volk zu werden, das ergibt sich aus dem Text des Sonntags-Evangeliums (s.o.). Dazu gehört aus christlicher Sicht auch, dass alle, die auf Jesus Christus getauft sind, zu diesem Priestertum und dieser Heiligkeit berufen sind: das ist nicht nur eine Zusage, sondern auch eine Aufgabe, der wir uns immer wieder, jeden Tag neu stellen müssen. Diese Aufgabe steht aber auch unter der Zusage Jesu, dass er uns beisteht und für uns da ist. So hat er es seinen Jüngern und damit auch uns zugesagt: Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. In dieser Tradition und unter diesem Zuspruch werden am Sonntag im Gottesdienst vier Kinder getauft und so in den Bund Gottes mit den Menschen aufgenommen werden.

Also:

Herzliche Einladung zum Gottesdienst:

  • am 20. August
  • mit Taufen
  • um 10.00 Uhr
  • in Möllbergen
  • im Anschluss Kirchenkaffee mit einem besonderen Extra

Kirche_mit_KindernAm Sonntag gibt es
(wie immer in den Ferien)
keinen Kindergottesdienst.