Predigt zum Fest Trinitatis am 30. Juni 2021 zu Johannes 3,1-8

„Wer, wie, was? Wieso, weshalb, warum?“ Das Titellied der Sesamstraße bringt nicht nur die Fragen der Kinder auf den Punkt. Wie vieles gibt es in unserem Leben, das wir nicht verstehen! Wie vieles bleibt uns rätselhaft! Menschen suchen Lösungen für unsere Fragen, Lösungen für die Rätsel, die uns alle beschäftigen.

In diesen Tagen war und ist die große Frage, wie die Coronapandemie in den Griff zu bekommen ist. Weltweit haben unzählige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sich dieses Rätsels angenommen und inzwischen mit ihren Impfstoffen einen Teil dieses Rätsels gelöst. Einen Teil – denn es bleibt noch viel zu tun.

So führt der Forschergeist der Menschen dazu, dass bei Krankheiten geholfen werden kann, gegen die früher noch nicht einmal ein Kraut gewachsen war. Und so ist das auch in vielen anderen Bereichen unseres Lebens, wo Forscherinnen und Tüftler die Rätsel gelöst haben, aus denen unsere Welt besteht: vom ganz kleinen in den Atomen bis zur Entstehung des Universums im Großen.

Neben den Rätseln dieser Welt, die wir mit mehr oder weniger viel Denken und Forschen lösen können, gibt es aber noch anders, was mit diesen wissenschaftlichen Methoden nicht wirklich zu erfassen ist. Ich habe das vor Augen, was kein Rätsel, sondern ein Geheimnis ist. Geheimnisse können nämlich nicht erforscht werden. An Geheimnissen bekommen wir Anteil, sie werden uns eröffnet.

„Mama, Papa, ich verrate euch ein Geheimnis!“ Dieses Geheimnis eines kleinen Kindes wird kein Wissenschaftler erfahren, nur die Eltern werden mit in dieses Geheimnis hinein genommen.
„Ich liebe dich!“ – Warum ein Mensch den anderen liebt – das bleibt ein Geheimnis. Das wissen die beiden oft genug selbst nicht. Sie haben es aber für sich entdeckt, sie haben sich füreinander geöffnet und sich Anteil aneinander gegeben.

Wie die Liebe zwischen zwei Menschen ein Geheimnis ist, so ist auch das ein Geheimnis, was wir Gott nennen. Das hat Nikodemus gespürt. Von seinem Gespräch mit Jesus haben wir eben gehört. Nikodemus erhofft sich von Jeus Klarheit darüber, wie das mit Gott und mit Jesus ist. Und er kommt in der Nacht, also zu einer Tageszeit, die für das Geheimnisvolle in unserem Leben reserviert ist.

Nikodemus hat das Sichtbare vor Augen: Was Jesus tut und wie er es tut. Jesus sagt ihm: „Solange du mit deinen menschlichen Augen auf das siehst, was ich tue, wirst du nicht weiter kommen. Denn die Sache mit Gott ist ein Geheimnis. Dafür musst du neu geboren werden.“
Neu geboren werden, das heißt: Anteil bekommen und hinein genommen werden in dieses Geheimnis von Gott. Und wie bei der Liebe auch, besteht das Geheimnis, das wir Gott nennen, aus Beziehung. Der Anfang dieser Beziehung ist die Taufe: durch Wasser und Geist. In ihr nimmt uns Gott hinein in sein geheimnisvolles Wesen, in der Taufe gibt uns Gott Anteil an sich selbst.

Anteil an sich selbst: Wir können in Zeichen und Bildern von diesem Geheimnis sprechen: mit der Pseudo-Rechenformel „1 plus 1 plus 1 ist gleich 1“; mit Zeitbegriffen wie „gestern – heute – morgen“; oder mit Zustandsbeschreibungen wie „Eis – Wasser – Dampf“. Die Theologie kann ganz vieles über den Glauben sagen und darüber, wie wir Gott denken können. Aber was und wie Gott wirklich ist, das lässt sich wissenschaftlich nicht fassen.

Schon Jesus erklärt es Nikodemus mit einem Bild: So sehr wir den Wind spüren können, so wenig ist er zu fangen und zu fassen. So wenig der Geist Gottes machbar und verfügbar ist, so sehr können wir aber sehen, was aus ihm erwächst: Angst schwindet und Freude zieht ein, Menschen überwinden Grenzen und finden zueinander.

„Was vom Menschen geboren wird, ist ein Menschenkind. Was vom Geist geboren wird, ist ein Kind des Geistes.“ Jesus sagt uns mit diesen Worten: So schwer es sein mag, dass wir nicht genau sagen können, wie das mit Gott als Vater und Sohn und Geist ist, so schön ist es, dass Gott uns in dieses Geheimnis eröffnet und uns in dieses Geheimnis hinein nehmen will.

Lassen wir Gottes Geist wehen und in uns wirken; lassen wir Jesus nahe an uns herankommen in den Menschen, die er uns an die Seite stellt; lassen wir den Schöpfer unser Leben tragen. Lassen wir uns so hineinnehmen in Gottes Geheimnis und so sein Reich sehen und erfahren. Amen.

Gottesdienste Openair und per Video zu Trinitatis am 30. Mai 2021

Präsenz-Gottesdienst am 30. Mai 2021:

10.00 Uhr Gottesdienst unter freiem Himmel in Holtrup (vor dem Pfarrhaus)
11.00 Uhr Gottesdienst unter freiem Himmel in Holzhausen (neben der Kirche)

Bei den Gottesdienste unter freiem Himmel sind folgende Auflagen zu beachten:

Es ist jeweils eine Anmeldung erforderlich.

Die weitere Auflagen:

  • Die Zahl der Gottesdienstbesucher ist begrenzt.
  • Es stehen nur markierte Plätze zur Verfügung.
  • Alle müssen sich mit Namen und Adresse in die ausliegenden Karten eintragen, um mögliche Infektionsketten nachvollziehen zu können. Der Datenschutz ist gewährleistet, nach 4 Wochen werden die Karten datensicher vernichtet.
  • Es muss immer ausreichender Abstand gehalten werden.
  • Vor dem Betreten des Gottesdienstgeländes sind die Hände zu desinfizieren.
  • Es ist grundsätzlich vor, während und nach dem Gottesdienst ein Mund- und Nasen-Schutz zu tragen.
  • Gemeindegesang ist derzeit mit Maske erlaubt.
  • Vorerst findet kein Kindergottesdienst statt.
  • Vorerst findet kein Kirchenkaffee statt.

Video-Gottesdienst zum Fest Trinitatis aus Holtrup

Neben den Präsenz-Gottesdiensten unter freiem Himmel gibt es auch noch bis Ende Juni die Video-Gottesdienste. Der Video-Gottesdienst zum Trinitatisfest kommt aus Holtrup und hat am 30. Mai 2021 um 10.00 Uhr Premiere. Direkt bei Youtube auf https://youtu.be/28lzQbCoyQk

Zur Kollekte:

An diesem Sonntag wird die Kollekte für die kirchliche Kulturarbeit gesammelt. Nutzen Sie für die Gabe der Kollekte bitte die Onlinemöglichkeit unter https://www.kollekte-online.de/ 

Predigt an Trinitatis 2020

Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen.
Liebe Gemeinde!

Trinitatis, das Fest der Heiligen Dreieinigkeit oder der Heiligen Dreifaltigkeit – je nachdem, ob man eher die drei Personen oder die Einheit der drei Personen betonen möchte – es ist auf der einen Seite ein ganz wichtiges Fest, denn es erinnert an einen Kernbereich unseres Glaubens. Christlicher Glaube ist in seiner Tiefe trinitarisch.

Wir glauben, dass sich der eine Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist den Menschen und der Welt zu erkennen gegeben hat. Sonst würde es auch keinen Sinn machen, das Glaubensbekenntnis dreiteilig zu gestalten. Viele Worte Jesu vor allem im Johannesevangelium weisen auf die Einheit Jesu mit Gott dem Vater hin: „Ich und der Vater sind eins.“ Und der Heilige Geist, der den Jüngern und der ganzen Kirche als Tröster und Lehrer gegeben ist, das ist der gleichwertige Ersatz für Jesus, nachdem dieser wieder zu seinem himmlischen Vater zurückgekehrt ist.

Die grundsätzliche und untrennbare Einheit Gottes ist aber unaufgebbar. „Wir glauben an den einen Gott“, wie es zum Beispiel im Nizänischen Glaubensbekenntnis am Anfang ganz ausdrücklich gesagt wird. Und wie es im Apostolischen Glaubensbekenntnis bei Sprechen auch deutlich gemacht werden könnte und sollte – auch wenn es nicht so dasteht: Ich glaube an Gott [Doppelpunkt]: 1. den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und 2. an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn usw. Und 3. Ich glaube an den Heiligen Geist. Über allem aber steht wie eine Überschrift: Ich glaube an Gott.

Auf der anderen Seite bleibt das Fest Trinitatis im Lauf des Jahres nach Weihnachten, Ostern und Pfingsten blass, denn es liegen ihm keine anschaulichen oder gar zu Herzen gehenden Geschichten aus der Bibel zugrunde. Dieses Fest, das auch erst vor etwa 1000 Jahren entstanden und vor gut 600 Jahren offiziell in den Festkalender aufgenommen worden ist – es ist ein irgendwie theoretisches und irgendwie konstruiertes Fest.

»Grau, teurer Freund, ist alle Theorie,/ Und grün des Lebens goldner Baum.« Mit diesen Worten weist schon Mephisto im 1. Teil von Goethes Faust auf die Unzulänglichkeit eines nur theoretischen Wissens hin. Und deshalb ist es ganz wichtig, diesem Fest etwas von der grünen Farbe des Lebens einzuhauchen, damit sein goldener Inhalt für uns erfahrbar und lebensfördernd wird.

Auf seine Weise tut dies der Predigttext aus dem 4. Buch Mose, auch wenn damals, als das Volk Israel durch die Wüste unterwegs war, und auch, als dieser Text aufgeschrieben wurde, niemand an Trinität gedacht hat. Trinität ist eben die Idee der Christen.

Aber der „aaronitische Segen“, der so heißt er, weil er den Nachkommen Aarons als Aufgabe gegeben ist, steht auf seine Weise für das Grün des Lebens, denn ohne den grundsätzlichen Segen Gottes ist kein Leben möglich. Dies zieht sich durch die ganze Schöpfungsgeschichte: „Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehret euch!“; durch die Vätergeschichte: mit dem Segen von Isaak für Jakob; bis hin zur Wüstenwanderung des Volkes und darüber hinaus bis heute.

Weil Gott die Worte den Mitgliedern des Stammes Levi anvertraute, aus denen später die Priester und die weiteren Kleriker des Tempels in Jerusalem kamen, wird der aaronitische Segen auch gerne als priesterlicher Segen bezeichnet und es hat sich in den westlichen Kirchen bis heute die fälschliche Meinung erhalten, diesen Segen dürften nur katholische Priester oder evangelische Pfarrer sprechen. Aber spätestens mit der Erkenntnis Martin Luthers vom Priestertum aller Getauften ist klar: alle Christen dürfen diesen Segen anderen zusprechen.

Denn Segen – das ist die Gegenwart Gottes, die sich in seinem Namen bewahrheitet; Segen, das ist das gute Wort Gottes, das Leben schafft und auch erhält. Gott ist dabei der Handelnde; die Menschen, die die Worte sprechen, sind nur das Sprachrohr, das Gott benutzt, wie es schon im 4. Buch Mose festgehalten wird: „So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.“

Leben in diesem umfassenden Sinn – für den Apostel Paulus steht das hinter den Worten Glaube, Hoffnung und Liebe aus dem Hohen Lied der Liebe im 1. Korintherbrief. Und so verbinden sich für mich die am heutigen Tag die drei Personen der Trinität mit dem dreiteiligen Segen aus dem 4. Buch Mose und der paulinischen Trias von Glaube, Hoffnung und Liebe, um den so theoretisch wirkenden Glaubenssatz von der Trinität mit Leben zu füllen.

Das erscheint mir viel hilfreicher, als an das Geheimnis der Trinität mit dem Hinweis heranzugehen, dass man das erst verstehen könne, wenn man 2 Gläser Rotwein zu sich genommen habe. So wie das ein Theologieprofessor in einem Universitätsgottesdienst einmal empfohlen hat – allerdings auch mit einem freundlichen Augenzwinkern.
Die Trinität, die Heilige Dreieinigkeit und Dreifaltigkeit ist bei solchem Bedenken nicht aufzuteilen in die drei einzelnen Teile. Ebenso sind Glaube, Hoffnung und Liebe im geistlichen Sinn nicht jeweils nur für sich zu betrachten. Sie sind ebenso wie Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist aufeinander bezogen, ohne aber ineinander aufzugehen und ohne einander gleich zu sein.

„Der HERR segne dich und behüte dich.“ – Der erste Abschnitt des aaronitischen Segens ist in meiner Nebeneinanderstellung auf Gott den Vater und die Liebe bezogen. Liebe – das ist Beziehung in ihrer besten und vollkommenen Form; Liebe – das ist das Ich, das im Du sein Gegenüber und seine Ergänzung findet; Liebe – das ist die Weite und das Brennen des Herzens, das zeigt: Du bist mir nicht gleichgültig; du bist mir so viel wert. Liebe, das ist das Dasein des anderen, ohne den ich nicht sein kann. Und eben das meint der Name Gottes, wenn er sich zum Beispiel Mose am Dornbusch vorstellt: Ich bin der „Ich bin für dich da!“ Das ist so Segen und Schutz unter der Hut Gottes.

„Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.“ Im zweiten Abschnitt finde ich Jesus und den Glauben wieder: Das leuchtende Angesicht Gottes bekommt sein menschliches Gesicht in dem Menschen Jesus von Nazareth, der als Christus, als der Gesalbte Gottes das Licht der Welt ist. Alle Dunkelheiten des Lebens sind nicht gottlos, weil Jesus als Gottes Sohn diese Dunkelheiten selbst erfahren hat. Durch ihn bleibt das Dunkel der Welt nicht absolut dunkel, sondern es strahlt auch dort das Licht des Lebens auf. Oft nur klein, aber durchdringend, dass es die Finsternis nicht unterdrücken kann. Und mit gehen die Menschen nicht aus dem Sinn, die sich gerade jetzt überall in dieser Welt gegen die Dunkelheit des Rassismus wenden, die im Tod von George Floyd in Amerika sichtbar geworden ist; eine Dunkelheit, die es auch bei uns immer wieder gibt. Wer mag, sehe sich das Video von Carolin Kebekus mit ihrem Brennpunkt zum Thema an.
Was den Menschen, die in solchem Dunkel gefangen gehalten werden, die Kraft gibt, das alles auszuhalten? Es ist bei ganz vielen der Glaube: also das Vertrauen, dass Jesus Christus da ist und die Dunkelheit mit durchschreitet.

Der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. Der Heilige Geist steht für mich im Mittelpunkt des dritten Abschnitts des aaronitischen Segens. Frieden – mit dem Wort Shalom an dieser Stelle ist das Ganzsein von allem gemeint. Das will Gott uns durch seinen Geist geben: dass die Gebrochenheiten unseres Lebens wieder heil werden; dass die Verletzungen unseres Lebens und unserer Seele geheilt werden und dass so unser Leben gelingt. Der Geist gibt den Trost, den Menschen brauchen, um in ihrem Leben bestehen zu können. Der Geist als Tröster eröffnet einen neuen Blick auf das Leben und auf den Weg, den Menschen gehen können. Hoffnung wächst – sie richtet Menschen auf und lässt sie ihren Weg gehen.

Gesegnet und behütet vom Vater in lauter Liebe – erleuchtet und begnadet zum Glauben vom Sohn – angesehen vom Heiligen Geist und in seinem Frieden mit Hoffnung erfüllt – Das meint Trinität. Amen.

So gehört alles aufs Engste zusammen und ist doch klar unterscheidbar.
(Zusammenstellen von Herz, Kreuz und Anker)

Kyrie-Anrufungen:

L: Wir sehen das Herz als Zeichen der Liebe. Gott, unser Vater und Schöpfer – deine Liebe ruft die Welt ins Dasein, deine Liebe ruft auch uns. Dich ehren wir:
G: Herr, erbarme dich.
P: Wir sehen das Kreuz als Zeichen des Glaubens. Jesus Christus, unser Retter, der Glaube an dich macht uns frei von den Mächten des Bösen. Dich ehren wir:
G: Christus, erbarme dich.
L: Wir sehen den Anker als Zeichen der Hoffnung und des Trostes. Heiliger Geist, unser Tröster, erfülle uns mit deiner Kraft, die das Herz weit und die Hoffnung groß werden lässt. Dich ehren wir:
G: Herr, erbarme dich.

Lieder und Lesung:

Musikalisches Vorspiel: „Alta Trinitat Beata“ – Text+Melodie: spätes 13. Jahrhundert
Solo-Lied 1: „Gelobet sei der Herr“ (EG 139)
Solo-Lied 2: „Weil der Himmel bei uns wohnt“ (#lautstärke 95)
Schriftlesung: 4. Mose 6,22-27 (= Predigttext)
Solo-Lied 3: „Leben aus Glauben“ (#lautstärke 99)
Solo-Lied 4: „Stern, auf den ich schaue“ (EG 407)
Musikalisches Nachspiel: „Es ist Weite in in Gott’s Gnade“ – Englisches Original: There’s a wideness in God’s mercy von Frederick W. Faber (1814-1863); dt. Übersetzung von Christina Falkenroth; Melodie und Satz: Maurice Bevan (*1921)

Predigt an Trinitatis 2018 zu Epheser 1,3-14

Predigt-Icon5Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen.

Liebe Gemeinde am Sonntag Trinitatis!

In meinem allerersten Semester – als ich in Heidelberg angefangen hatte, Theologie zu studieren – habe ich mir zumindest in den ersten Wochen eine Vorlesung aus dem Fachbereich Praktische Theologie angehört. In diesem Fachbereich geht es um Gottesdienst und Predigt, um Religionspädagogik und vieles mehr, was eben mit der Praxis des Pfarrberufes zu tun hat. Und immer wieder einmal kommen – wie in jedem anderen Fach auch – etwas abseitige Themen vor. Das galt auch für die Vorlesung, die ich damals besuchte; es war die letzte Vorlesung, die der Schweizer Professor Rudolf Boren hielt. Titel der Vorlesung war „Das Lob Gottes“ und der erste Paragraph wurde von Professor Bohren überschrieben mit „Vom Luxus des Lobens“. Sehr viel mehr ist mir von dieser Vorlesung nicht in Erinnerung geblieben; Praktische Theologie ist auch eher etwas für fortgeschrittene Semester.

Aber der Titel dieses ersten Paragraphen ist mir ganz tief im Gedächtnis geblieben: „Vom Luxus des Lobens“. Und das nicht zu Unrecht, wie mir dann im Lauf der Jahre und vor allem im Pfarramt deutlich geworden ist: Es ist tatsächlich ein Luxus, dass wir Gott loben können. Wir müssen nicht zuallererst etwas bezahlen, um uns ihm nähern zu dürfen; wir müssen unsere Würde nicht ablegen oder uns sonst irgendwie klein machen, wie vor den selbsternannten Göttern unserer Zeit, bevor wir uns an ihn wenden dürfen. Das Lob Gottes geht aber auch darüber hinaus, dass wir Gott danken, dass wir ihn um etwas bitten, ihm etwas klagen – alles das ergibt sich aus dem, was wir im Leben erfahren. Lob Gottes meint etwas anderes, es meint mehr.

Vielleicht wird es an den Worten deutlich, die wir an Stelle des Wortes „loben“ auch verwenden können: Wie im Kanon „Lobet und preiset ihr Völker den Herrn“ steht das Wort „preisen“ gleichbedeutend neben „loben“ und dann können wir auch das Wort „Segnen“ verwenden, das wir ja sonst eher in umgekehrter Richtung benutzen: Denn normalerweise segnet Gott uns. Im Griechischen steht aber beide Male ein Wort, das wir ganz wörtlich mit „Gutsprechen“ übersetzen können. Ich spreche Gott gut und lobe ihn so; Gott spricht uns gut und segnet uns so. Beides meint dasselbe.

Und eben diesem Lob Gottes ist das Fest Trinitatis gewidmet: Gott steht im Mittelpunkt – und zwar in der Weise, wie er sich den Menschen und besonders uns Christen offenbart hat: als Schöpfer und als Vater Jesu Christi; als Mensch in der Gestalt seines Sohnes Jesus Christus, der uns durch sein Kreuz und seine Auferstehung erlöst, und als Heiliger Geist, durch den Gott in uns allen wirkt und durch er seine Kirche baut. Dabei bleibt Gott aber immer der eine Gott und der ganz andere: Es bleibt das Geheimnis, das ihn umgibt, ohne das er nicht Gott wäre.

Lob Gottes und Feier des Geheimnisses, an dem wir als Christen Anteil bekommen: Das machen die Lieder des heutigen Tages deutlich, das eröffnen uns die Texte aus der Bibel, die für diesen Sonntag vorgesehen sind. Da ist der großartige Psalm 145, das ist als Evangelium das Gespräch in der Nacht, in dem Nikodemus versucht, das Geheimnis um Jesus und sein Wirken zu erfassen; da ist der Briefabschnitt aus dem Römerbrief, der den Satz enthält, den ich als Kanzelgruß vor jeder Predigt spreche und der gleichzeitig die unerforschlichen Wege Gottes preist; da ist die geheimnisvolle Thronsaalvision des Propheten Jesaja, in der dieser das Dreimal-Heilig des himmlischen Hofstaates Gottes erlebt, in das wir in der Abendmahlsliturgie einstimmen; da ist schließlich der aaronitische Segen, aus dem 4. Buch Mose, der am Ende des Gottesdienstes gesprochen den Raum des Lebens, der vor einem liegt, in einen Raum des Segens verwandelt.

Eine – wie ich finde – besondere Rolle nimmt der Predigttext des heutigen Sonntags ein: Im Brief an die Gemeinde von Ephesus, den entweder Paulus oder einer seiner Schüler geschrieben hat, setzt der Autor einen Hymnus mit einem ganz großen Lob Gottes an den Anfang; also ein Lied, das ganz unterschiedliche Liturgiestücke aus Ephesus und den anderen Gemeinden in Kleinasien zusammenfasst. Später im Brief erfahren die Leserinnen und Leser, dass sich der Schreiber im Gefängnis befindet und durchaus mit größeren Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Aber das ist für ihn nicht das Entscheidende. Fast möchte man meinen, dass auch er die Vorlesung von Rudolf Bohren gehört hätte; denn auch er leistet sich den Luxus, Gott voller Freude und Überschwang zu loben – trotz aller negativen Erlebnisse, die er in der letzten Zeit erlebt hat.

Schon hier, an dieser Stelle zeigt sich die geistliche Grundeinstellung des Apostels, der sein ganzes Leben vom Lob Gottes umfangen sieht: Zum einen lobt und segnet er Gott und zum anderen weiß er sich von Gott gesegnet und gelobt. Das eine gehört mit dem anderen untrennbar zusammen.
Es ist im Grunde wie beim Rechnen mit dem Vorzeichen vor der Klammer: Die Zahlen und Rechenzeichen, die in der Klammer stehen, das ist mein Leben: und das Ergebnis ist mal positiv, sicherlich auch manchmal negativ – je nachdem, wie es eben gerade um mich bestellt ist. Was das aber für mich und mein Leben grundsätzlich heißt, das hängt davon ab, ob vor dieser Klammer um mein Leben ein Pluszeichen oder ein Minuszeichen steht.

Gott segnet und er will gesegnet sein, damit sich die Herrlichkeit Gottes immer weiter ausbreitet und Himmel und Erde erfüllt. Das ist letztlich die Bestimmung der Kirche und es ist damit auch die Bestimmung jeder und jedes Einzelnen von uns, jedes menschlichen Lebens: „Gott loben, das ist unser Amt.“ – als Einzelne und als Kirche und Gemeinde. „Gott loben, das ist unser Amt.“, heißt es zum Beispiel auch ganz bestimmt im Lied zu Psalm 100 „Nun jauchzt dem Herrn alle Welt“.

Lob Gottes – das steht also am Anfang des Epheserbriefes. Und nach dem ersten Gruß an die Gemeinde in den ersten beiden Versen folgt im ersten Kapitel des Epheserbriefes dieser Hymnus in drei Teilen:

3 Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus. 4 Denn in ihm hat er uns erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war, dass wir heilig und untadelig vor ihm sein sollten in der Liebe; 5 er hat uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein durch Jesus Christus nach dem Wohlgefallen seines Willens, 6 zum Lob seiner herrlichen Gnade, mit der er uns begnadet hat in dem Geliebten.

Soweit der erste Abschnitt des Hymnus. Wenn man ihn auf den Festtag der Dreifaltigkeit beziehen will, so sehen wir auf Gott, den Schöpfer. Aber es ist – wie in den beiden anderen Teilen auch – nicht so sehr der Weltenschöpfer, der in den Blick kommt. Vielmehr führt uns der Apostel den Schöpfer unserer selbst vor Augen: jede und jeder von uns war schon vor aller Schöpfung ein wunderbarer Gedanke Gottes. Wir sind – durch Christus – vor aller Zeit berufen. Da klingen die Verse von Psalm 139 an, in denen dies beschrieben wird; da klingen in uns aber auch sehr weihnachtliche Gesangbuchverse von Paul Gerhardt an: „Da ich noch nicht geboren war, da bist du mir geboren / und hast mich dir zu eigen gar, eh ich dich kannt, erkoren. / Eh ich durch deine Hand gemacht, / da hast du schon bei dir bedacht, / wie du mein wolltest werden.“ So heißt es im Lied „Ich steh an deiner Krippen hier.

Es wundert nicht, dass der zweite Teil Passion und Auferstehung Jesu in den Blick nimmt. So heißt es weiter:

7 In ihm – Jesus Christus – haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade, 8 die er uns reichlich hat widerfahren lassen in aller Weisheit und Klugheit. 9 Gott hat uns wissen lassen das Geheimnis seines Willens nach seinem Ratschluss, den er zuvor in Christus gefasst hatte,
10 um die Fülle der Zeiten heraufzuführen, auf dass alles zusammengefasst würde in Christus, was im Himmel und auf Erden ist, durch ihn.
11 In ihm sind wir auch zu Erben eingesetzt worden, die wir dazu vorherbestimmt sind nach dem Vorsatz dessen, der alles wirkt, nach dem Ratschluss seines Willens, 12 damit wir zum Lob seiner Herrlichkeit leben, die wir zuvor auf Christus gehofft haben.

In Jesus Christus ist uns die Zukunft eröffnet: Die Sünde, das, was uns von Gott trennt und unsere Zukunft verhindern würde, hat Jesus mit seinem Blut durch seinen Tod am Kreuz weggenommen. Wir sind Erben, auch wenn es manchmal noch sehr menschlich bei uns zugeht und der Himmel auf Erden noch nicht erreicht ist.

Aber mit dieser Zukunft im Blick verlieren alle anderen Gewalten ihre Macht über uns und wir sind frei von allen anderen Machtansprüchen, die uns mit ihren Parolen gefangen nehmen wollen. Unsere Freiheit in Christus ist die Antwort auf das „So musst du sein!“ und das „Es geht nicht anders!“, das uns klein machen will.

Der Apostel schreibt weiter:

13 In ihm – Jesus Christus – seid auch ihr, die ihr das Wort der Wahrheit gehört habt, nämlich das Evangelium von eurer Rettung – in ihm seid auch ihr, als ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist, der verheißen ist, 14 welcher ist das Unterpfand unsres Erbes, zu unsrer Erlösung, dass wir sein Eigentum würden zum Lob seiner Herrlichkeit.

Im Mittelpunkt des dritten Abschnitts stehen der Heilige Geist und die Gemeinde, die der Geist durch die Verkündigung des Evangeliums zu einer Gemeinschaft verbindet. Gottes Versprechen – die Gabe des Heiligen Geistes, den wir in der Taufe empfangen, ist unverbrüchlich; das hat Gott durch Christus und die Auferstehung besiegelt. Wie in den beiden anderen Teilen ist so Jesus Christus auch hier das verbindende Element. So sind mit Geburt, mit Kreuz und Auferstehung und schließlich mit der pfingstlichen Gabe des Geistes die drei großen Festgedanken der christlichen Kirche in Christus begründet und in diesem Text aus heutiger Sicht schon angelegt.

Wie predigt man einen Hymnus? Wie predigt man das Lob Gottes? Man kann zu einzelnen Worten und Sätzen sicherlich manches sagen. Aber das Wesen eines Hymnus, das Wesen eines Liedes erfassen Menschen nicht, wenn ihnen etwas darüber erzählt wird. Das erschließt sich vielmehr dadurch, dass sie einstimmen in diesen Lobgesang und sich so in dass Gotteslob einschwingen. Und deshalb ist die Predigt heute eine Art Hinführung zu einem dreiteiligen Lobpreis: Wir sprechen gleich den Hymnus aus dem Epheserbrief im Wechsel wie einen Psalm und rahmen ihn durch die beiden Lieder: zuerst direkt nach der Predigt das Lied „Gelobet sei der Herr“ (EG 139) und nach dem Hymnus „Großer Gott, wir loben dich (EG 331).

Denn das Loben ist die Grundbewegung der Kirche und des Glaubens. Wer lobt, stimmt ein und nimmt andere mit. Und auch wenn das eigene, persönliche Lob manchmal nur schwer durchzuhalten ist, weil das Leben in der Klammer gerade eher negativ ist, gibt es dann doch das Pluszeichen unseres Glaubens vor der Klammer, das uns mit einander vereint und uns so zu einem großen Klangraum macht, der uns stärkt und Mut gibt. Amen.

Bibeltext:  Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung – revidiert 2017, © 2017, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

Viele Anregungen aus der Predigtmeditation von Landesbischof Prof. Dr. Jochen Corenekliuus-Bundschuh (Göttinger Predigtmeditationen, 2018/5, S. 319-324). Vielen Dank!

Gottesdienst an Trinitatis 2017 + KU3-Abschluss

Morgen, am 11. Juni 2017, ist der Sonntag Trinitatis. Er ist dem großen Geheimnis des christlichen Glaubens gewidmet: der Trinität, der Dreieinigkeit oder Dreifaltigkeit. Alle drei Worte meinen dasselbe: Unser Gott ist EINER und zeigt sich in verschiedenen Weisen: als Vater und Schöpfer; als der Sohn Jesus Christus, der uns erlöst; als Heiliger Geist, der uns Kraft und Mut gibt, der uns tröstet und Freude schenkt. So getrennt und verschieden Vater, Sohn und Geist auf den ersten Blick erscheinen,  so wenig sind sie jeweils für sich zu sehen. Sie bilden eine unauflösliche Einheit und zeigen sich doch in unterschiedlichen Weisen. „Sie tanzen ineinander.“ So kann man das griechische Wort perichoreo übersetzen, mit dem das Verhältnis von Vater, Sohn und Geist beschrieben wird.

Muss man das „verstehen“ – also vollständig gedanklich erfassen? Wer kann das schon! Es ist eben ein Geheimnis. Deshalb ist es zu aller erst wichtig, mit Gott im Gespräch zu sein und in einer lebendigen Beziehung zu ihm zu leben. Es kommt darauf an, dass Gott uns das Angebot macht, uns immer und überall nahe zu sein, so wie er uns das bei unserer Taufe verspricht und im Heiligen Abendmahl immer wieder neu schenkt.

Am Sonntag morgen feiern wir diese wunderbare Nähe Gottes mit dem Heiligem Abendmahl mit einem besonderen Rahmen. Der diesjährige KU3-Jahrgang feiert seinen Abschluss, die Halbzeit bis zur Konfirmation, in der die Jugendlichen später ihre Antwort auf Gottes wunderbares Angebot geben werden.

Und deshalb:
Herzliche Einladung zum Gottesdienst:

  • mit Heiligem Abendmahl
  • in der Holtruper Kirche
  • um 10.00 Uhr
  • anschließend: Kirchenkaffee

Kirche_mit_KindernWeil es dieses Mal ein Familiengottesdienst ist,
gibt es keinen extra Kindergottesdienst .